Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVIII (1917)
- Issue
- Heft 8 (10.5.1917)
- Date
- 1917-05-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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\ f. ,»- י־ י '־*/ י™*"' «ritt 4. ״Jüdische SM-tzs«m<" Mn Tempel der Gleichheit. Der ״M. Z." wird aus Amsterdam telegraphicrt: Eine Versa!nm«lung der jüdischen Gemeinde von Petersburg feierte die Aufhebung der Beschränkungen, ׳die den« Juden bisher erttgegenstanden. Es wurde die Errichtung eines Tempels der Gleichheit in Verbindung mit einer internationalen Anstalt für das Studium von Raffen fragen beschlossen. Eine gleich eröffnete Einzeichnung ergab einen Betrag von einer Million Rubel. Juden in der russischen Armee. Der ״Rußki Jvalid" teilt mit. daß bis zum 1. Januar d. I. 8681 -jüdische Soldaten in Rußmit dem Georgkreuz ausgesoichnet worden sind, darunter 685 1. Klasse. 982 2. Klasse und 6768 4. Klasse. Medaillen haben bekommen bis 1. Januar: 11.374 Juden 1. Klasse, 14.100 2. Kl. 26.636 Juden wurden! zu Gefreiten, Unteroffizieren, Feldwebeln usw. befördert. Die Judenfrage in Rumänien. > Die ״Morning Post" meldet aus Jassy, daß sich die Judenfrage in Rumänien der Regelung zu nähern scheine. Die Regierung in Jassy schlaM vor, dein! Juden vollständige politische und bürgerliche Freiheit zu verleihen. Die ruffischr Revolution und biie Bewegung der Juden!in Amerika Zugunsten der Allierten habe in Ru- Manien eine große Rückwirkung gehabt. Kongresse der Juden in den Ententelandern. Zürich. Am 16. März fand in Rom eine Versammlung der Vertreter aller jüdb schen Politischen Ausschüsse.Italiens statt. Die Versammlung war durch die jüdische Gemeinde vom׳ Ron! -einberufen worden, um die schwebenden jüdischen Fragen zu besprechen. Gegenstand der Verhandlung, war irr der Hauptsache eine Konferenz der Vertreter der jüdischen Organisationen der Ententeländer, wovon womöglich auch die Juden Rußlands und Amerikas teilnehmen lallen. Sie soll direkt nach den Osterfei erlagen durch die ״Alliance JsraeliLe Nniverselle" in Paris einberufen werden. Es wurden folgende Beschlüsse auf der Konferenz in Nom, gefaßt: Die Vertreter der italienischen Juden wünschen, daß sofort nach Rückkehr des Friedens die Politische und soziale Gleichstellung der Inden aller Länder proklamiert wird. Palästina wird den Juden entsprechend ihren historischen Idealen zur Kolonisation und Maffensinwanderung unter der Oberherrschaft der Macht an׳- gewiesen, die über Palästina zu verfügen hat. Die Versammlung gibt dem jüdisch-italienischel Gemeindebund zur Erwägung, die Praktische 'Arbeit auf dem Gebiete der jüdischen Fragen -fortzusetzen und die italienische Regierung aufzüfordevn, in dieser Hinsicht die Initiative zu ergreifen. Weiter teilt das jüdische Korrespondenzbureau mit, die Intervention der Vereinigten Staaten an der Seite der Allierten bringe das so wichtige amerikanische Judentum in eine ganz neue Lage und verändere auch Zeit und Umstände der Abhaltung des großen Kongresses der nach ׳einer langen Vorbereitung für den Monat April in Washington angesetzt war. Bebannt! ich sind die führenden Personen Brandeis, Morgenthau, Strauß und Morris Hilquitt. Das Korvespondenzbuveau teilt nun telegralphisch aus Newyork mit, daß der jüdische Kongretz am 2. September abgehalten wird, daß die Vorbereitungen hiefür bereits weit gedlehen sind und das Wahlsystem, vollständig ausgearbeitet ist. Die Wahlen, an denen sich jeder Jude und jede Jüdin Amerikas beteiligen könneu, sollen am 10. Juni stattfinden. Die amerikanischen Unterstützungsgelder und der Krieg. ■* :ui ״Egyenlöfog" berichtet: Aus Newyork ' ist uns die Mitteilung zugekommen, daß die amerikonischen Hilfskomitees, welche zur Unterstützung der durch den Krieg geschädigten Juden aller Kriegsländer viele Millionen gesammelt und zum, Teile schon bisher zur Aufteilung gebracht haben, -gleich bei Zuspitzung dev Politik scheu Verhältnisse eine Bemtung darüber abgehalten haben, auf welche Weise die zur Unterstützung der europäischem Juden gesammelten und noch nicht aufgeteilten Summen den vorgeschriebenen Zwecken Zugeführt werden sollen, wenn Amerika einem oder mehreren kriegführenden Staaten den Krieg erklären sollte. In der in Rede stehenden Sitzung wurden wohl keine endgültigen Beschlüsse gefaßt, doch geht schon aus den Ergebnissen dieser Beratung hervor, ׳daß das Stockholmer Hilfskomitee dasjenige Forum feilt wird, welchem die Amerikaner die Hilfsgeldev behufs weiterer Verteilung überweisen werden. Amerika. Nach einer Kabelmeldung aus Amerika wurde der Amerikanisch-Jüdische Kongreß aus den 2. September 1917 einberufen. — Das Ko- Penhagener Bureau der Zionistischen Organisat-ion erhielt folgendes Telegramm! des Provisorischeu Exekutiv-Komitees in Newyork vom 6. April: ״In Treue zu Amerika und Zion werden die amerikanischen Zionisten all ihre Verpflichtungen nach Buchstaben und Geist erfüllen", ferner folgendes .Kabel: »Uebermittelt den russischen Zionisten unsere herzlichen Glückwünsche zun! Peffachfest in. Freiheit." Bon der English Zionist Federation. In!einer Vorstands-Sitzung der englischen Zicmisten Federation, bei der Dr. Weizmann präsidierte, wurde Herr Josef Cowen״ einstimmig zum! Schatzmeister gewählt. Ferner wurden^ Unter-Komitees eingesetzt, die sich mit der Leitung der Propaganda m London und der Provinz zu beschäftigen haben. Ihnen sotten auch die Kontrolle der Pressenachrichten und die (5mm ־; ziationen der Federation obliegen, sie sollen die V-alästinaarbeiten fördern und dre Finanzen der Federation ordnen- und ׳ausbauen. Es wurde beschlossen, eine Monatschrift 3u Publizieren, die eine innigere Verbindung der verschiedenen Vereine bezweckt. Der Vorstand (Council) erließ ein׳ vom Präsidenten Weiz-- mann gezeichnettes Manifest - Zangwill kehrt zum Zionismus zurück. In einer Rede, die er am 1. April.in einer Versammlung anläßlich der ruffWen׳ Revolw tion hielt, sagte Zangwill: ״Durch die Umwälzung in Rußland ist die Judensrage keineswegs gelöst worden. Die Juden werden jetzt als freie Menschen für ihre nationale Befreiung kämpfen können. Ich hoffe daß,die Freiheit auf die rusfischen Juden nicht den Einfluß haben wird,, den sie auf die Juden Westeuropas hatte, die ihr Judentum vsrleugneten und n!ur eine schlechte Kopie ihrer Nachbarn sind." In seinem Schlußwort wies er daraufhin, daß der Augenblick der Verwirklichung des zionistischen Ideals sehr günstig sei. ״Ich war," erklärte Zangwill, ״gegen Palästiina, weil ich die Errichtung eines jüdischen Staates unter türkischer Verwaltung als unmöglich erachtete. - - Jetzt aber, wo Palästina frei u. vielleicht an die Juden abgetreten werden wird, bin ich der erste, der den Zionismus mit Wort und Tat unterstützen wird." Diese Erklärung Zangwills wurde mit gewattigen ZustimmungskundgebmMN begrüßt, die einige Minuten a-nhielten. Eine Warschauer Konferenz der ortho» doxen Organisation wurde am 12. Marz l. I. abgehalten. Die Tagesordnuns der Konferenz war: 1. Organisierung der Orthodoxie in Polen; 2. Untersuchungjsarbeit über die Kriegsschaden der Juden und die Mittel der Wieder- Herstellung; 3. die Wahlen in die Gemrindever׳ Wallungen ׳und den Oberrat. An der Konferenz ׳nahmen 5 Rabbiner und 60 Privatpersonen, Zumeist aus Warschau, teil. Die Vertreter der jüdischen Presse wurden zur Sitzung nicht zugelassen. Zur Emanzipation der Juden in Rußland. Kopenhagener Bureau dev Zionistischen Orgcmvsation erhielt am 6. April von Herrn Dr. E. W. Tschlonow, Mitglied des engeren Aktions- Komitees, dis telegraphische Nachricht, daß eine ins einzelne gehende Emanzipations-Erklärung für die russischen Juden von der provisorischen Regierung bereits unterzeichnet fei. Ueber Vi-o Schritte hcv provisorischen׳ Regiermrg in ׳dieser Frage informiert ein Artikel, den das offizielle Organ der Kadetten ״Rietsch" in Nr. 67 vom 19. Marz an leitender Stelle bringt Dort heißt es:״... Es ist n-Mrlich, daß die Aufhebung der religiösen und nationalen Beschränkungen der Juden einer der wichtigsten Prosgrtt-mmpunkte der provisorischen Regierung' ist und eine ganze Reihe von Erlässen, die auf administrativem -Wege erledigt werden konnten, wurden bereits herausWgeben. Wer die voll-' ständige׳ Liquidation der schweren Erbschaft der' Beschränkungen, welches das alte Regime uns zurückgelaffen hat, -ist keine einfache Aufgabe.׳ Infolge der unerschöpflichen! Experimente, die in den verschiedensten, sich durchkreuzenden׳' Richtungen gemacht -wurden, entstand ein ungeheures Chaos ׳in der Gesetzgebung-, und es erfordert nicht wenig Mühe, .a!lle Begrenzungen daraus heraussufischeu und unsere vielbändigen Gesetzbücher von all diesen Sachen zu reinigen. Die Kadettenpartei glaubta mit Recht, daß die Ausführung dieses Programmpunktes eins der Hauptaufgaben der neuen Regierung sein muß, ebenso wie die Lösung der fmnländischen und polnifchen Frage. Und deshalb übernahm sie gleich -die Erledigung dieser Frage -und fand' es zunächst ctm besten, einen Erlaß in einer allgemeinen Form herauszugcben, der die Aufhebang aller Beschränkungen, die cmf nationaler׳ oder religiöser״ Zugehörigkeit beruhen, proklainiert, und spater auf die einz-eönen Gesetzes- Paragraphen einzugehen. Dieser edlen Jniiiative der KadetÄtpartei trat das Jüstizministerium (Ke re ns kl) entgegen, da es ׳der Ansicht war, däß eine erschöpfende Benennung der einzelnen ׳ Beschränkung zur Aufhebung der einzelnen Gesetzesparagraphbrr notwendig sei, mn die Sache gleich konkret zu gestalten. Da aNr dieser Weg große Verzögerungen befürchten ließ und man andeverseits -nicht einen Tag nach der Revolu- Hört die Beschränkungen gelten lassen wollte, hat hat man einen Mittelweg ,gefunden. Es wurde, wie man uns׳ mitteilt, beschlossen, in -dem! Erlaß über die Aufhebung der Beschränkungen reli'-giöser odernationaler Natur alle Kategorien.׳ der Beschränckrrgnen namentlich aufzuführen,, und zwar: Begrenzungen des Wohnrechtes, im - Landkauf,' bei' der Besetzung gesellschaftlicher und staatlicher Atzmter, -der Ausbildung, in Handel und Industrie usw. Ein Auszug sämtlicher Paragraphen,. die dadurch annulliert werden, wird!rach einiger Zeit publiziert werden. Es scheint, daß die Abreise des größten Tsikes der provisortt scheu Regierung ms Hauptquartier die Aktion, die unverzüglich ausgeführt werden muß,׳ verzögern wind. Aber nach dem Interview mkt dem Premierminister, das wir weiter unten bringen, wird dieser Erlaß in allernächster Zeit schon e׳n Gesetz werden und zusamwen mit dem Zarismus. wird auch diese ungeheure.׳ Ungerechtigkeit der Vergangenheit angehören׳ und unser Vaterlands wird frei' werden von dieser inneren Fäulnis,, die buch die Trennung-der Schichten in unser Volk hinemgetragen wurde". In der gleichen Nunlmer der ״Rjetsch" äußerte sich der Ministerpräsident Lwow״ in einem Gespräch mil dem Vorsitzenden der Presse- Bureaus bei der Provisorischen Regierung u. a. wie folgt: ״Noch vor der Einberrcfung der Gründungsversammlrmg muß man viele Reformendurchführen, unter anderem nmtz die Wnnullierung aller nationalen und religiösen Beschränk kungen durchgeführt werden. Wir stehen kurz vorder Verwirklichung. Dieses Projekt ist im Justiz-- Ministerium schon cmsgrEvbeitet Worden- und die Veröffentlichung wird tzn den nächsten MM. erfolgen."׳ Dem Berichte der Sektion der Jüdischen Bolksküchen in Warschau, die am 11.. März 1916 gegründet wurde, entnehmen wir folgende interessante Zahlen: Im Verlaufe der zehn Momte (März-Desemver) wurden 8.549.736 billige Mittaseffen verteilt, darunter 2,730.675 völlig ׳unentgeltlich. Die Zahl der Küchen bsträgt 24, darunter 3 Arbeiter- und 2 Schul״ küchen. Im Jntereffe der befferen Organisierung wurde bsschloffen, bezahlte Bedienung anzustellen. An diesen Küchen sind 352 Personen mit einem monatlichen Gehaltsbudget von 5000 Rubel angestellt. An der Spitze dieser Sektion für jüdische Volksküchen steht der Zionist Selig Weitzmann.