Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVIII (1917)
- Issue
- Heft 8 (10.5.1917)
- Date
- 1917-05-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8. ,^MWe DslkSstimme" Seite 3!bereits von einigen Gruppen ohne jede Hilfe Außenstehender!geschehen. Es gibt nämlich in Vielen Gegenden Polens Gelegenheit, Ländereien in der Nähe ׳der Städte zu pachten, die heute unbenutzt liegen. Vielfach handelt es sich hierbei um Land für Gärtnereibetriebe. -Wenn man den!Landwirten die Möglichkeit gäbe, jüdische Arbeiter zunächst für die Jett der Ausbildung ohne Vergütung beschäftigen zu können, indem man ihm die gezahlten Löhne ersetzt, so wurden viele junge Leute in der Landwirtschaft Unterkommen können. Man kann damit rechnen, daß!der Ar- Leiter nach einer Lehrzeit von etwa 2 Monaten schon in der Lage ist, einen Lohn beanspruchen zu können. Die Unterbringung von 1000 jungen Leuten würde also einen Betrag von100.000 ז Mark beanspruchten. ׳ Später werden diese landwirtschaftlichen Arbeiter von dem Ertrag ihrer Arbeit leben können. ' Diese Beispiele mögen zeigen, an welche Stellen die Arbeit einsetzen muß um durch produktive Volkshilfe die Lage vieler Kreise der polnischen Juden noch während der Kriegszeit zu bessern. Ein sehr starkes Hindernis ist die Stellung, welche die Polen gegenüber den Juden ein- ,nehmen. Sämtliche polnischen Parteien sind den Inden durchaus feindlich!gesinnt. Die Tendenz ihrer Politik geht dahin, die Zahl der Juden in Polen׳ soweit vermindern, daß der Rest der vollständigen Assi mila ti on an das Po len tum unter- Pie Befreiung der russischen Juden. Der Petersburger Berichterstatter der ״Times" meldct unter dem 10t d. M. über den Empfang einer Abordnung der Petersburger ׳Judenschaft unter Anführung des ReiMd-uma- .Abgeordneten Friedmann beim Ministeypräsideuten, dem sie den Dank der Juden für die Aufhebung der alten Schranken darbrachte. Dabei erklärte Friedmann: ״Während der letzten 35־ Jahre haben die Juden in Rußland unsäglich viel gelitten. Sie waren der Verfolgung Esgesetzt, und ihre Lage, war unerträglich. Dtö Vorläufige Regierung fyat | eine edle Tat vollbracht, indem sie ihnen diesel-' ben Rechte verschafte, die die übrigen Bürger des russischen Reiches genießen. Sie fühlen" sich völlig!eiuig mit den übrigen Bürgern und denken ebenso wie diese über die Hochhaltung des russischen Volkstums. Sie stehen zu ihnen für die Verteidigung des Landes, sie tun dies mit dem Eifer und der Hingebung, die die jetzt verliehene Rechte in vollem! Maße rechtfertigen, und sie Werden sich, ׳hm ihre Dienste in dieser Weise belohnt werden, wenn möglich noch mehr anspannen, um zur Zerschmetterung des Feinliegen'muß. Man sagt in polnischen Kreisen, des beizutragen. Sie werden die vorläufige Regayz offen, daß die Zahl der Juden, die heute׳ gierung unterstützen und alles aufMeten, UM fast 14 Prozent der Bevölkerung beträgt, auf Pie für das neue Rußland gelegten Grundfugen 5 bis 6 Prozent hrrabgedrückt werden muß. t zu befestigen. Die Juden werden sich der Frei- Ganz allgemein ist die Üebmg» «fff Polfc« ff*1*31*״ mischen Wohltätigkeitsinstitutionen für städtti Fürst Lwow antwortete. A tische und allgemeine, die׳ jüdischen daher für ״Dn vorläufige Regierung rechnet es sich speziell jüdische zu ׳erklären, während & allge-, Zur hohen Ehre an, dre sämtliche Verhindernmomen Institutionen Juden entweder überg^n der schert für dm einzelnen Stamme zum .Haupt nicht, oder nur pnter unerträglichen Be-/Rerche aufzuhebenrnd die frere Entwicklung dingungen berücksichti-gen. Di׳es ׳gilt sowohl von, vuch un 'gleichen Maße fordern 3u können, reinen Wohltätigkeit-Institutionen zur Beschaf-', Dm Abordnung begab sich darauf zu dem fung von billigen Lebenmitteln und ähnlichen,' Au« '^«erter urü) Soldaten, wo die Gewie von Volksküchen, Kindersuppenküchen, als fuhse der!udifchen Bevölkerung m derselben auch Krankenhausern, Siechenanstalten etz. gebracht '^vden. , Auf diese Waise müssen die Juden ihre eigene. Kürzlich lmr Ärr-lmkow. ׳Gast ׳des ungeheure Armenlast selbst tragen und außer-Klubs, wo W!n!awer ihn herzlich ^willkommen dem noch einen ׳ihrer Kopfzahlentsprechenden Ach. Mchukow gab ferne Freude über btk SBe- Anteil der städtischen Ausgaben etwa 30 Proz. fremng der Juden kund-, worauf Wmawer antder Einwohnerschaft bilden und die große Mehr- .worlete.. ״ יZum ^vstchural seit 2000 Zähren heit der unterstützungsbedürftigen ׳ Elemente -werden wir unfern Passah, ihm* eigentliche Fest ( stellen, so tritt die UngLchtigkeit dieses Systems der schert, dw Err^ an di« Erlösung, klar zu Tage. jaus der mgyptrschen Sklaverei, wieder ftrernz freie/ laus der ägyptischen Sklaverei׳, wieder . ™ y.1rr1 JYa _! können, mit als Sklaven sondern als Es müssen daher RechtfchNtzbureaus geschaf-Mrgex." -_ I fen werden. Ein solches Rechtschutzbüro erfordert. Die ״Vossische Zeitung" meldet aus Stock-' keine große Kosten.. Denn es ist nötig, die Aus-.Holm: Die provisorische,-Regierung hat am - 3. gaben für das Büro zu decken und M mm, April mnen Ükas über die völlige Gleichstellung. Zahl von Beamten anzustellen. Es werden sichper Juden in Rußland unterzeichnet. ־׳ { auch Kräfte finden, welche ohne Entgelt für em-ej Das ״Jüdische KorrespondenzLureau" im so notwendige Sache -tätig sein werden, wie dies H^g erhielt vom Dumalabgeordneten N. Friedauch!in Galizien der Fall ist. mann folgendes Telegramm vom 23. März: Da etwa drei solcher Bureaus für Warschau,? __ -,,In den Freudentagen, des Triumphes des für Lvhz und für die kleineren Städte erfordersich sind, so dürfte ein Betrag von etwa 30.000 Mark, 10.000 für jedes Bureau, für ein Jahr ausreichen. Eine!andere Aufgabe von großer Bedeutung ist die Gründung einer Bank, welche den Geldverkehr zwischen den polnischen Juden und im Amerika übernimmt und die Beschaffung der Schiffskarten, der Ausweispapi-ere usw. für die nach dem Kriege aller Wahrscheinlichkeit nach emsetzende starke Auswanderung übernimmt. Die jüdische Kolonialbank hatte sich schon vor dem! Kriege Mit einem solchen Projekt beschäftigt. Dre. amerikanische Sektion beim Zionistischen Centralbureau in! Marschau, die sich heute rein charitativ mit diesen- Dingen befaßt, hat praktisch erwiesen, wie unbedingt notwendig eine solche Emirgrationsbank wäre. 10.000 Mark würden .für die Vorarbeiten -genügen. Für die Ausführung selbst werden sich bestimmt kapitalkräftige Elemente finden. Alle -diese Beispiele zeigen, daß neben Sorge für tzas tägliche Brot der Armen und Arbeitslosen produktive Volkshilfe geleistet werden mutz. ״.i. Rechtes und der Gerechtigkeit hat das neue Regime die Prinzipien der bürgerlichen, nationalen und religiösen Freiheit proklamiert. Gemeinsam miit der russischen Nation! ׳erwartet das jüorsche Volk mit völliger Sicherheit die unmittelbare Verwirklichung des Grundsatzes der Gleichheit." Die Gleichberechtigung der Juden in der russischen Armee bezweckt eine Bekanntmachung des Kriogsministers Gutschkow; Juden und andere Nationalitäten, die über die genügende Bildung verfügen, werden in die- Offiziersschulenausgenommen werden, mit/ Ausnahme der Deutschen, für deren Loyalität M der gegenwärtigen Kriegslage keine genügende Garantie bestünden. Kundgebung des ״Kopenhagener Bureaus, der Zionistischen Organisation". r*•4־־ ־' '״ ■' Ein Ereignis von unermeßlicher, historischer Tragweite hat sich vollzogen; ein neues Kapitel in der Geschichte der Menschheit hat brgönnen. Ein! Volk von 170 Millionen ist frei geworden und nimmt mit Entschiendenheit seinen Platz!unter den Politisch fortgeschrittensten Völkern auf der ׳Erde ein. Die ganze Menschheit feiert den eewaltigen Fortschritt auf dem Wege zu Gesittung, Frieden und Verbrüderung. .Für Millionen von Juden sind feste Grundlagen grschaffen zu.einem würdigen Dasein, sur Errerrungaus nameuloftut -nriaterietten Elend, zu politischer Freiheit und ungehinderter, kul- Lureller Entwicklung!. Nicht ״unsere Brüder im Osten", — das jüdische Volk, das seine Befremirg mit Blut und Leiden erworben hat, steht an der Schwelle einer neuen Aera, und sieghafte Strahlen der neuen Morgenröte erhellen seine Zukunft. Wir vertrauen zuversichtlich, daß es der russischen Judenhrit nicht einmal zugemutet - sein wird, ihre Emanzipation mit dem Verzicht auf nationale Eigenart zu erkaufen. Wir wissen daß ׳eine solche Verzichtleistung für die russische xzudenheit nie und!nimmer annähmbar wäre. Daran werden auch die auflösenden! Erschei-. nuneen-, die je den Aufstieg des jüdischen Volkes in der Diaspora begleiteten, falls sie sich auch im neuen Rußland einstellen sollten, nichts ändern. Eine Nation, die sich,als Nation erkönnt hat, kann nicht -freiwillig. auf :rationale Mistenz verzichten. Neue ungeahnte Perspektiven eröffnen sich dem Zionismus. Neue ringeahnte Kräfte werden erstehen. Im befreiten russischen Judentum liegt eine unversiegbare Quelle des nationalen Empfindens und der Treue zu den überlieferten Idealen, die das jü- Asche Volk'unzertrennlich mit Zion verknüpfen. Das große! Ghetto, daß die jüdische Geschichte kennt, ist gefallen, das jüdischlo Volk ist frei, und -M seiner reinen Gestalt wird jetzt der.große Gedanke des Zionismus mit erneuter Kaft wirken in dem Lebenskampf unseres Volkes um sein höchstes Ziel: Niatronale Wiedergebur in Erez Israel!. Kopenhagener Bureau der' Zionistischen Organisation: Dr. Viktor Jacobson. -Die zionistische Leitung -hat au das ״Zionistische Zentralkomitee für Rußland" das folgende Glückwünschteleg-ramin gerichtet: ״Wir -begrüßen namens des Zionistischen ' Mionskom,it!ees unsere Freunde an der Schwelle einer rreuen Aera. Die Morgenröte eines m-euen freien Lebens strahlt über Millionen der russischen Judenheit. Es ist unser, fester Glaube׳, daß die die neuen Verhältnisse eine sichere Grundlage ׳für die nationale Wiedergeburt unseres-Volkes bilden und das es mit unwiederstehl-ichem Elan vorwärts schreiten wird auf dem Wje!ge zur Err-eichung der überlieferten Ideale, die das jüdische Volk unzertrennlich mi-t Zion verbinden. Kopenhagenrr Bureau derzionistischen! Organi- Miorr. Jacobson." . . ' Das ״Kopenhagener Bureau der Zionistischeu Organisation" hat bei dem Zionistischen Zentralkomitee in Moskau telegraphisch nach den Aussichten der Emanzipationder russischen Jn-den langefragt und darauf von- Herrn, Dr. E. W. Tschlenow, Mi-tglied des enseren Aktions- Komitees, dis nachstehende teleglraphische Ant- Wort -erhalten: ״Haben volles Vertrauen Deklaration Regierung. Erwarten nächste-Zeit Ükas Durchführung Gleichbererechltigung. Oeffentliche Mrinung günsti!g. Tschlenow." , Ein großes jüdisches Meeting in Moskau. In Moskau fand in einem Niesensaale ein großes öffentliches jüdisches Meeting׳ statt, ein-. berufen von einem Komitee der vereinigten jüdischen Organisationen. Dr. Schiel Tschlenow, der zum Vorsitzenden gewählt wurde, gedachte :in, seiner Rede der Opfer des alten Regimes und begrüßte dann die Freiheit -aller ״politischen Verbrecher", ferner die Reichsduma,׳ das russische Proletariat und die Armee. Es. sprachen dann die Vertreter der verschiedenen jüdischen Organisationen. Verschiedene Forderungen, wurden -aufgestellt; in einer waren sich alle einig: In der Forderung nationaler Rechte für das russische Judentum. Die Tagung nahm dann die folgende Resolution an: ״Die jüdische Volksversammlnug in Moskau begrüßt in großer Freude die Freiheit.׳ Wir sind ganz davon überzeugt, daß die Gründurrgsversammlung, die auf Grund des freien W-ihlrechtes gewällt werden wird, in Rußland und daß dem jüdischen Volke, wie allen anderen Völkern in Rußland, außer der bürgerlichen Freiheit -auch nationale Rechte, nationale Selbst* Verwaltung und freie nationale Entwicklung gesichert werden Wird. Die Versammlung be״ schließt, einen, allgemeinen jüdischen Kongreß in Rußland emzuberufen." _/