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Jüdische Volksstimme · 1917-05-10 · Heft 8 (10.5.1917) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVIII (1917)
Issue
Heft 8 (10.5.1917)
Date
1917-05-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1 ■-,!1״:י״!? tes^i Seite 2 ^Odische BolkSKiAme^ rltt. S. - leine Forderungen hiNweggehM. könnte. Der Außerdem ist ja der Einfluß der ״Wiener"! statten sind in Warschau vorhanden. Für jeden gesunde Instinkt der ruthenischen Politiker hat auf die jüdische Politik hinreichend bekannt und» dieser Leute müßte ein Betrag von etwa 400 M. sie schon längst zur bewußt-jüdischen Politik als. durch die Aktion anläßlich der Schaffung eines? zur Verfügung gestellt werden, damit er eine mächtigen Bundesgenossen hingeführt. Diej jüdischen Katasters in der Bukowina hinreichend?י ordnungmäßige Ausbildung bekommen kann. Unterstützung der ruthenischon Politik durch die! charakterisiert. . . 8 Für Lebensunterhalt und Wbhnrmg während Juden gewinnt -angesichts der Tatsache, daß Dagegen werden die galizischen Juden; der Ausbildungszeit würden die Leute in der Ruthenen im Verein mit Juden -in Ostgalizien staatspolitisch den Juden Kongreßpolens näher Lage sein, eine Familie zu erhalten. Durch Aufeine überwiegende Majorität, in Westgalisien? gerückt, von «deren politischem und kulturellen. Wendung von j-r 40.000 Mk. können daher jedes- " . " Einwirkungen! wir viel erhoffen׳ können. eilte starke Minorität bilden, gewaltige Be- Leutllng. Die Ruthenen werden Bundesgenossen int Kampfe gegen die vergewaltigende Schlachta juchen und die Juden mit allen Mittln hieführ zu gewinnen trachten. Auch sie erfahren durch die Sottderstellung ein vielfaches׳ Unrecht, da auch sie ebenso wie die Juden von den Volksgenossen in den anderen Kronländ-ern losgerissen und der Schlachta ausgeliefert werden. Ihre Interessen gehen in vielen Hinsichten dieselben Wege wie die unseren. Eine Assimilation der Juden an die Ruthenen wiederum iist nicht zu befürchten, da «ihre 'junge hoffnungsreiche Kul- .tur noch viel zu schwach ist, um Aspirationen auf Angehörige -ariderer Völker, auszuüben und atnt!Herr hohen intellektuellen Bedürfnisse der Juden genügen zu können. Die gegenseitige Unterstützung zwischen .Rutheuer! -und' Juden im politischen Kampfe .hatte schon bei׳ den Neichsratswahlen gute Früchte gezeitigt und ihre gesunde Basis erwiesen. Daß die jüdischen Politiker «dann abgefchwenkt und in seichter KompromißpoliLik mit den Polen gelandet sind, ist eine Die Sonderstellung Galiziens, so sehr man auch von ihr Schwierigkeiten für die Juden erwarten tnag, wer!auf das allmähliche Erwachen der jüdischen Massen zu politischem Bewußtsein vertraut, wer ihren gesunden politischen Instinkt kennt, den schreckt sie nicht A. Dawid Zum Wiederaufbau des jüdischen Wirtschastsorganismus in Polen. mal Hundert Familien dem Elend entrissen und in bescheidene, aber erträgliche Verhältnisse gebracht werden. Gelingt!auch nur ein solcher Versuch, so werden sich neue Möglichkeiten sinden, um auf ׳Grund des gelungenen Versuches weitere Maßnahmen zu ergreifen. Es mag daher zunächst versucht werden, 600 junge Leute auszubildcn, wofür 200.000 Mark erforderlich wären. Auch in den Handwerken, welche seit Alters her von -den polnischen Juden betrieben werden, z. B. im Schnelderhandwerk, gibt es auch heute die Möglichkeit, einer großen Anzahl von Menscheu Beschäftigung zu verschaffen, wenn es gesingt, -Gruppen solcher Personen einige Mittel zur Verfügung zu stellen, um die Arbeit zu or- 1 ganisievLN uttid einzurichten. Es wäre zunächst i notwendig, Gelder zur Verfügung zu stellen, um Dem ״Kopenhagener Buerau der Zionistischen Orgattisation" wird von gut «informierter Seite geschrieben: Die Anstrengungen, welche bisher -von jüdischer Seite gemacht worden sind, um die Lage «der Juden -in Polen undj Betviebslokale, Maschinen und Rohmaterialien Lrttauen zu bessern, tragen .1m wesentlichen Cha-: anzuschaffen imd Löhne vorzulegen. Utn zunächst rakter etn-er momentanen Htlfsleistuug. Diez auch hier 600 Personen zu beschäftigen, wäre ein ^uden ui Polen und «tauen, welche. Betrag von 60.000 Mark d. h. von 100 «Mk. für 1? 1 °׳׳ ^rn^ ^lmgewt'efen ftnb,1 jeden ausreichend, um -ihm über die Zeit hinweg- . .... ,-״. , . ... . traurige betragtietwa /60.000, d. h. zirka 40 Prozent der: zuhelfen, in der er sich selbst nicht -ernähren Episode, die aber hoffentlich mit dem Kriegege-!gesamten judischen Bevolk-erung. Neben der un-,kaun. . ׳ endet hat. Eine kräftige Anl-chnung an bie] umgänglich notwendigen Aufgabe,' ׳diesen Hun-j Die zahlreichen ÄandelsanaesLellLen welche RuAmen wird den Inder, unbedingt »"jö«tt«msmden «cm« Md heute evwerbslotzr^;hrm Beruf vollkommen b-herrfchem also Buchgehöriger Geltung und Wertung verhelfen. So. Menschen dte Sorge für das tägliche Brot etn.-gbruna Stenoaravbie MNickiineickreMn uiw Memwir die Zukunft,in MMen auch nach der wemg zu erleichtern, müssen nun Versuche ge-i 55 ^WmSSSs m . Sonderstellung nicht schwars. Eine umfassende -nacht werden, durch Wirt chastliche und organü ^״fmünnÄr Kor« vond^nk Le- .Aufklärung der jüdischen Volksmassen W1 •*״“»״ ״*־״״־*״--״״״*־' - * >kaufmamuMr K°rv.spondcnz degesunde Führung..in. der Politik wird den« Juden unbedingt zur ,Durchsetzung-ihrer - nationalpolitischen und kulturellen . Forderungen verhelfen. ... — gibt -es -ei-n-e; Anzahl, durch die?üLSi״n?, bcidt Itd) ~etle -be^ indischen Wirt-! xommen. Es wäre daher eine notwei ein Unter- ■E&Rfcsj1 Äen E 0*®0ff**״ #auf 1 s™־ ix'tau&atat ©w btee neu «uf^en können.! f,״ welche bk meist mangelhafte kaufmännische f1!3״? ־ r'/ seVvbl'lht1e? Mk^'ltzjAuSMmns vervollständigt und die nötiKn . . ■ 7..,״ a? Anzahl, durch die vergleichen mit Sprachkenntnisse vermittelt. Hier würde ein« Be- Roch ein Montent halten wir unntaßgeben-, utigeheuren Aufwendungen des Almosengebens ׳-׳ י ־־'-־■־ derweis-e für die -weitere Entwicklung der galt-' bet -einer so langen Kreigszeit, -auch mit geri«ngen yisch-jödischen Politik fürbedeutungsvoll. Der'. Mittlen großes gelüstet werden kann. Wegfall des Graviiterens nach Men. Wir halten! Als Beispiele -wirtschaftlicher Fürsorge seien Wiese leichtlebige gutmütige Stadt für die wichz-! folgende -genaun tigste Ursache der-vielgeschmähten österreichischen? Unter den jüngeren . Männern gibt es Schlamperei. Hier in «der Reichshauptuitb Ne-i Tausende, welche körperlich genug kräftig sind, sidenzstadt sind Teile aller Völker zu einer--um ein Handwerk zu!erlernen, die. -aber bisher .eigentümlich feilten politisch-schwerfälligen undi im Haitdel beschäftigt waren oder infolge des oberflächlichen Einheit mit angeblich deutschem!Ausbruches -des Krieges nicht mehr, dazu ge- Das Kopenhagener Büro der Zionist. Or-j kommen sind,!ihre Ausbildung in irgend-einem Schwerfälligkeit und Unbeholfenheit hat auf die׳ Beruf zu beenden. Diese Elemente sind sehr gern Gesammtösterre-ichische Politik einen ver-1 bereit, zum Handwerk zu übergehen. - Lehr- Verblichen Einfluß. ' ׳ Personal und Rohmaterialien für Lehrwerk- Das wurmte mich. Doch -ich -wischte «mir den Mund «ab und schwieg. Und «als ich wieder einmal nachts aus. dem Cheder hei ntkehrte, sah ich, daß der Hängeleuchter, der mit sechs Röhren gelötet war und das.rote, feiertägige Papier, womit der Hängeleuchter von einem . Pessach bis zum andern beklebt war.— daß dies alles verschwunden; da wurde ich tief traurig, setzte mich «in -einem Win,kel und schwieg. Denn der Häiigeleuchter, .ntüßt -ihr wissen, war uns «etwas L-ebetidi-ges, wie ein Mitbe- Wohn er. Ein Hängleuchter schwebt in der Mitte der Stube, blickt auf die Leute - utid'erlebt -im. Stillen alles mit. Ist -es im Stübcheii fröhlich, ein Freitag Abend zum B-oi׳sPiel, wem! die Mutter mit der Schabbeshaube bei Tisch -ben Fisch verteilt, suiikelt der Hängeleuchter ganz anders; festlicher, sabLathlicher. Jst «es traurig in der Stube, in einer Wiutern-acht zunt Boi-s.piel, dann hän«gt der -Leuchter und schweigt.— und am Sabbath nach dem Essen, wenn der Rabbi koinmt, mich ״verhören" und ich vordent Vater ״Schinr" sage und mittendrin« «eine Erklärung vergesse, Werf ich nur einen Blick -auf, den Leuchter * und der erinnert mich Schott daran ... Uiid jetzt auf einmal ist der Hängeleuchter fort — nun -ist's, als wäre plötzlich!ein Hausgetwssr -aus der Stube Mgangen, um njmmer wiederzukehren-.... . Die Mutter in ihrem! Bette.- Mein Vater hob! ׳den Kopf von der ״Gemairah", warf einen -düsteren Blick auf mich imd schaute dann nach!dem Büchergestell, ba£ wie verwaist «von den übrigen Möbeln übriggeblieben'war. Und «ich statid beim kaltm Ofen und wartete auf etwas. Plötzlich kam mein Vater -auf mich zu: ״Jz-chak'l! was habt ihr heute gelernt?" -Jch -nenne ihm den Abschnitt ״Komm, nimm' die Gemarah-, Jzchak'l,-Wir wollen sehen." «Leibisch, Leibisch, was willst du von «dem Kinde haben, -es hat heute noch keinen bissen gegessen". 3. Vor Pessach war es: die Feiertagswoche. Die Erwachsenen aßen schon in der Küche, «nicht in der Stube, und wir Chederjungen brüsteteii uns, wer. -am . Feiertag ein! neues Hütchen tragen würde. Und traurig kam ich vom Ch-eder nach Hause. Alle Jungen haben schon Feiertagsgewänder und hungrig war ich auch, denn -als ich Mittags itach.Hause lief, war keiner daheim und «die Mutter lag mit geschlossenen Augen im Bette, und erschrocken lief,ich ins Cheder zurück. Ich kam nach Hause. Int Stübchen ist es still, das Lämpchen brandte am Tische traurig und nur für sich selber und schwarze Schatten glitten über Pie Wände. Mein Vater saß bei j Tisch uiid wiegte sich sinigend über der ״Gema- , rah." Hinter dem -Vorhang, der der Mutter ׳ Bett -verdeckte, hörte ich Seufzer. Mein Bruder-! chen lag auf der Bank, das Köpfchen -an den Tisch gelehnt und schlief, die Augen geschlossen, ,die Lippen geöffnet, das Händchen um des Vaters «Gemarah" geschlungen, als ob das schwache Knäblein um Mitleid flehte: Verzeiht mir \ Leute, verzeiht mir, «daß ich auch lebe, wie ihr.! Ich stand am kalten Ofen und wartete auf j etwas. -! ״Leibisch, Leibisch, das Kindhat den ganzen!Tag keinen Brocken -im Mund gehabt" seufzte t Der Vater schaute mich an. trag von 20.000 Mark ausveichen-, um -einem intelligenten Unternehmer durch Garaittie der Schulgelder für eine Anzahl bedürftiger Schüler die Errichtung -eines sochen JiiMutes'für ein Jahr zu ermöglichen. Er hätte h-iefür 200 Juti-ge Leute'am Jahr lang, zu unterrichten׳ und mit dem erforderlichen Unterrichtsmaterial zu versorgen, sodaß die Leute nur für ihren Unterhalt zu sorgen haben. Eine unter -den polnischen« Juden überaus populäre Aufgabe -ifh um ein weiteres Beispiel zu geben, die Unterbringung Mftißer junger Leute in- -der Landwirtschaft. In Lodz ist dies ״Jschhak'l, bist wohl sehr hungrig?" Ich schämte mich und mit gesenktem Blick gab ich zur Antwort: ״Ja Vater, sehr!" ׳. - ׳ Der Vater erhob sich -vom Stuhl- und ging in der Stube auf und:ab. Seine schweren Tritte pochten wie Hamrnerschlüge -an meinem Herzen. Und -ein Haar nach dem -anderti -biß!ersich aus dem Barte und Falte an Falte legte sich auf seine Stirn. Seine Stimme zitterte: ״Weißt-du Jzchakl, -baifei unsere Bücher heilig sind?" fragte drr׳ Vater und schritt mit harten Tritten auf mich zu. Ich erschrak, antwortete aber nichts. ״Geh, ruf Schmaje den Trödler herein,"׳ hi-eß mich der Vater. Ich gehorchte. Als ich mit Schmajach zurücköam, lag ein Tallis auf dem Fußbodenausgebreitet und mein Vater legte ein Ruch nach dem andern -darauf. ״Nehmt die Bücher, Reb Schmaje, verkauft sie, sie waren mir lieber, als alles auf der Welt. Aber Gott weiß es, meine Kinder sind hungrig."׳ .Und damals geschah «es!!... Eine -große Träne trat dem Vater ins Auge,- hing «ein Weilchen auf seiner Wtange, zerlief in Pen Runzeln seines Gesichtes -und verlor sich in seinem buschigen Bart. Und still wurde es im Stübchen, das Lämp- 'chen gualmte still, versunken auf dem Tische. Mein Bruder, halb werhüllt im י Schatten, schlummert am Tisch und ich habe mich in einen Winkel -gestohlen, dort uiedergehockt -und ngchgedacht: »Mein Vater hat geweint, wer weiß, 0$ das nicht meines Vaters erste Träne war:?.^

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