Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1917-04-23 · Heft 7 (23.4.1917) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVIII (1917)
Issue
Heft 7 (23.4.1917)
Date
1917-04-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2621806-2621995-2622002--3595-2624804
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Veite 4. ״Jüdische Bolksstimme" 225.000 Dollar mach Oest.-Ungarn und Galizien, 75.000 nach ׳der Türkei, 70.000 für Palästina, -einschließlich der Dreyfus- und Nathan Strauß Volks-Küchen und des jüdischen Gefundheitscrmtes in Jerusalem, 6000 für Bulgarien, 5000 für Serbienunid Griechenland, 6000 für die Flüchtlinge von Palästina in Alexan- Prien, 25.000 für die okkupierten Gebiete von Rumänien, 100.000 für Rußland. 450.000 Dollar wurden» für die notleidenden Juden in Polen und Litauen bewilligt; dieser Betrag soll überwiesen werden, sobald di; Zustimmung des State-Departömients vorliegt. Das Londoner Zentral-Hilfs-Komitee. Das Londoner Jüdische Zentral- Hilfskonitiee, das zusammen mit dem Hilfs-Fond für die jüdischen Kriegsopfer in Rußland arbeitet, erließ einen neuen Aufruf an die jüdische Bejvölkerung, j>n dem es seine Arbeit in der verflossenen Zeit und die neuen Aufgaben skizziert. Es heißt in dem Aufruf u. a-.: ״Auf Grund eines früheren Appels des Hilfskomitees war ein Betrag von 200.000 Lire aufgebracht worden der dem Baron Günzburg und dom Exekutiv-Komitee des Petrograder Jüdischen Hilfskomitees zur Verfügung gestellt Worden ist. Eine genaue Statistik über dis Anzahl der Flüchtlinge, denen das Pomitee Hilfe bringen konnte, ist noch nicht veröffentlicht, die Anzahl!von Städten, .in denen das Komitee seine Tätigkeit ausübte, beträgt 348.' Während der Evakuierungen der jüdischen Bevölkerung! von Polen sind 30 Sonderzug- Transporte, 12 Krankenhäuser, 45 Ambulanzen, 122 Spoisezentralen und 40 Kinderheime organisiert worden. Nachdem der erste Strom der Flüchtlinge so Provisoris-ch versorgt worden war, -wurde die 'Hilfstätigkeit systematisch organisiert, und man begann danach zu streben, dis Flüchtlinge in den Stand zu setzen, sich selbst zu unterhalten». Es wurden Marken ausgegeben, wofür sich die ,Flüchtlinge Lebensmittel in den verschiedenen Geschäften kaufen konnten, Arbeitsbüros wurden in 34 Städten geschaffen. Durch Vermittlung von Banken sind Hilfsdarlehen in größerem Stille gegeben worden. Das Petrograder Komitee hat von der Regierung die Mitteilung bekommen, daß die Regierung ihm Zuschüsse zum Hilfswerk um 60 ״/° Deduzieren wird. Das Komitee rechnet also per 1§nde 1916 mit einem Defizit von ungefähr 6 Millionen Rubel und weendet sich daher mit einem dringenden Hilferuf an die britischen Juden. Neue Fonds sind dringend nötig: 1. um den Ausfall der Regierungszuschüsse zu decken, 2. zur Beschaffung von Kleidern, 3. zur Neugründung von Arbeit-Büros, 4. um Darlehen für die Flüchtlinge zu gewähren, damit ihnen auf Basis der ,Selbsthilfe Unterstützung zuteil werden kann, 5, um Altersheime und Waisen- Häuser zu gründen. Das Petrograder Hilfskomitee wird seine Tätigkeit auch auf die unbesetzte Teile Rumäniens ausdehnen. Und damit wachsen seine Ausgaben. Es bedarf der Hilfe, aller Juden des Britischen Reiches, Amerikas und Rußlands, 11m feinte Arbeit fortsetzen zu können. Aus Rußland. Unter dem Vorsitz von G. B. Sliosberg fand am 3. Februar (21. 1. a. St. in Petrograd die Migliederversammlung -der ״Gesellschaft zur Förderung' der landwirtschaftlichen u. Handwerksmätzigen Arbeit unter den Juden" statt. Aus dem Tätigkeitsbericht entnehmen wir folgendes: Das Budget der Gesellschaft wuchs von 57.148 Rubel im Jahve 1914 auf 541.220 Rbl. im Jahre 1916. Die Gesellschaft hat 37 Zweigdüros, denen 48 Arbeiternachweise, 23 Werk- ,stätten, 29 Handwerkevpatronate, 42 Lehrwerkstätten, 10 Kreditkassen, 14 genossenschaftliche Speisehallen — im ganzen 117 Anstalten äugegliedert sind. Besonders segensreich wirkten die Arbeitsnachweise, d. im Laufe des Jahres 1916 von mehr als 600.000 Personen in Anspruch genommen wurden. Die Werkstätten der Gesellschüft beschäfitgten 1916 über 3500 Arbeitlose. Die Haupteintnahmquelle der Gesellschaft bildeten die 800.000 Rbl., die das Jüdische Zentral-Hilfskomitee gewährte. Aber das Hllfskmntee!ist eine Provisorische Institution, die .,nach dem Kriege aufgelöst werden wird, während di-e Gesellschaft Aufgaben und Arbeiten erfüllt, die von dauernder Bedeutung sind und deren Fortsetzung finanziell gesichert werden ,mKßte. Daß sich ein großer Teil der iüdischen Flüchtlinge in produktive Arbeiter verwandelt hat, ist nicht zum wenigsten das Verdienst dieser Gesellschaft. Bulgarien. Da der größte Teil der bulgarischen Zionisten im Felde steht, mußte di; Arbeit sehr ein׳ geschränkt werden!. Das bisher in Philippopel erschienene Blatt ״Amischpat" erscheint nick mehr. Nur die kleine Monatschrift ״Jüdisches Echo", die einige junge Leute in Rustschuk herausgeben, kommtin unregelmäßiger Folge in Sofia heran. Trotz alledem ist man ׳eifrig bestrebt, neue Arbeitsmöglichkeiten zu finden und die -vorhandenen Kräfte in det bestmöglichen Weise auszunutzen. Man bemüht sich, in allen Städten Propaganda zu machen, das Blatt ״Amischpat" wieder herauszugeben, dir Schekel- Propaganda zu beleben, die übrigens in Philipo- Pel, Pazardjik und Hascovo bereits gute Er-, folge gezeitigt hat und die Sammlungen für den Nationalfonds zu fördern. För den Zionistischen Zentralfonds sind im Jahre 1916 3500 Lewas aufgebracht worden. Flüchtlingsecke. Reiseverbot für Flüchtlinge in Brünn. In. der Zentralstelle für Flüchtlingsfürsorge" in! Brünn prangt seit einigen Tagen ein Plakat folgenden Inhaltes (Eine Würdigung dieses Plakates müssen -wir momentan aus bekannten Gründen unterlassen, werden es aber doch in der nächsten Nummer versuchen): Kundmachung. Die in staatlicher Unterstützung stehenden Flüchtlinge werden hievon verständigt, daß Reisen im allgem. nur nach Verzicht auf die Flüchtlingsunterstützung zulässig sind. In besonders berücksichtigungswerten- Fällen kann die Flüchtlingsbehörde für den Fall einer nicht längeren als 4 Wochen dauernder ALwesenheit die Wiederaufnahme in die Unterstützung nach der Rückkehr zu sichern. Während der Abwesenheit entfällt der Anspruch auf Unterstützung. Zentralstelle für Flüchtlingsfürsorge in Brünn!. Berkaufsverweigerung an Flüchtlinge in Brünn. Die Verkäuferinen der Spezialitäten- Trafik, Johannesgafse, verwei-gern seit einer Zeit den Verkauf von Tabak u!nd Zigareten -an! die jüd. Flüchtlinge. Die den Verkauf über׳ Wachenden Polizeiorgane wollen trotz Aufforderung nicht einschreiten. Die Staatsanwaltschaft ist von dieser Verkaufsverweigerung in Kenntnis gesetzt. Aber -wir glauben auch die Polizeidirektion täte besser, statt durch ein ganzes Heer von Agenten die armen Flüchtlinge zu bespitzeln und chik-anisieren, ihre Organe über ihre Pflichten,gründlicher zu* belehren. Der Mazzosskandal in Brünn. Das Ernährungsamt hat für «die diesjährigen isr. Osterfeiertage 50 dkg. Mazzes Per Kopf bewilligt. Die k. k. mähr. Statthalterei hat das auf die Brünner Inden entfallende Mehlquantum der israel. Kultusgemeinde, das für die Flüchtlinge nach demselben Maßstabe (50 dkg. Pro Kopf) berechnete Mehlquantum der Flüchtlingszentvale zur Verfügung gestellt. Die Statt- Halterei hat auch mit einem eventuellem Verlustmanko von 16 Proz. (nach Versicherungen der meisten Fachleute de facto höftens 10 Proz. gerechnet, und dieses ersetzt. Wie kommt es nun, daß die Flüchtilnge nur 42 dkg Mazzes bekommen haben? Wer hat die Flüchtlingszentrale berechtigt, weitere 16 % (8 Dkg.) zu unterschlagen? Wb sind diese verwendet worden? Wie kommt es, daß man am ersten Chol-Hamoedtage Mozzes unbeschränkt verkauft hat? Wie ist es zu erklären, daß einzelnen Flüchtlingen 40 Brotmarken für 1 kg für Mazzes abgenommen wurden, anderen nur 36, anderen wieder 20? Einzelne sollen sogar Magzos ohne Brotmarken erhalten haben. Wie das? Und ist der Preis von 1 Kr. für 42 dkg. nicht gemeine Preistreiberei? Da-das Mehl nur 66 Heller für ein Kilogvam und die Gestehungs- Kosten doch kaum auf 1 Krone 30 Heller das Kilogramm zu stehen kommen. Die Zentralstelle ist eine Beantwortung all dieser Fragen schuldig, wenn die Oeffenklichkeit den Gerüchten, die über die dortige ״Wirtschaft" herrschen, sich Glauben schenken soll! Eli. WRtT ״’ Liste der vom 1. Dez. 1916 bis 31. März 1917 in Brünn beerdigten israel. Offiziere und Mannschaften. Am 14. Dez. 1916: Lhajim Proper, Klan. d. Feldkan. Rgts. Nr. 29: 22. Dez.: Samuel Steiner, Lstiuft. des LJR 22: 7. Jänner 1917: Ephraim Gold, Inst. d. IR 80: 30. Jänner: Markus Pudler, Inst. d. Lst. Bz. Kmdo 14: 16. Febr. Norbert Klein, Fortifik. Obl. i. d. R. d. 46. LJTD; 14. März Nathan Messing, Ldstinft. IR 15: 15. März: Leopold Schulhof, Fähnrich d. IR 81; 21. März: Avon Schlächter, Inst. d. L.JR 22,M.-G.-A.: 28. März: Wolf Haas, Inst. d. IR 20; 30. März: Salomon SchwarzbaA Jnft. d. IR. 16 K ׳* . ''•׳V Spendenausweis -der Liebesgabensammlung der isr. k. u. k. Militärseelsorge in Brünn: Vorstand der isr. Kultusgemeinde Brünn 100, Julius -und Eleonore Sinaiberger 20, E.-F. Emanuel Munk 10, Zahnarzt Dr .Schreier 10 Kronen: Sammlung! Frau Dr. Strcmsky 40, Frau Berta Schnabl 10, Oberingenieur Kölbl 10, Jonas Löw-Beer 20, Frau Hermine Brleda 10, Edmund Back 20, N. Grünbaum, Göding, 2, Sigm. Weinberger,!Göding 2, NN. Göding 3, Zusammen 457 Kranen. Allen Spendern sagt herzlichen Dank D Feldrabbiner Dr. Rosenzweig, Leiter der k. u. k. isr. Mil. Seelsorge in Brünn. Berichtigung. Mit Bezug ans Ihre -aus einem Lemberger Blatt übernommene Mitteilung aus Gewitsch, wonach di; dortigen Flüchtlinge außer der staatlichen Unterstützung keine Hilfe erhalten, teile ich Ihnen mit, daß dies nicht richtig ist. Zu Gunsten der dortigen Flüchtlinge wird von der Isr. Allianz seit September 1916 monatlich ein Betrag von 1000 Kronen geleistet. Ueber die Verteilung wurden uns von Herrn Rabbiner Dr. Kohn die von der Stadigemeinde und von dre Kultusgemeinde bestätigten Beleg; zur Einsicht eingesandt. Die Ortsbevölkerung scheint allerdings kein Interesse für die Flüchtlinge zu besitzen und niemand unterstützt den Rabbiner n!i seiner Tätigkeit. Bei dieser Gelegenheit bemerke ich auch, daß auf der ersten Seite Ihrer jüngsten Nummer die Isr. Allianz unrichtig als Zweiganstanstalt bezeichnet ist, während der Verein eine vollkommen selbstständige österr. Organisation ist, die zu keiner anderen jemals in einem Abhängigkeitsverhältnisse gestanden hat. Ferner sind die amerikanischen Gelder, auf welche Bezug genommen wird, keine außerordentliche Zuwendung gewesen sondern eine Deckung für die von der Allianz in der ganzen Monarchie und in den okkupierten Gebieten -allen jüdischen Gemeinden und allen Flüchtlingsgruppen gegenüber übernomenen Verpflichtungen, welche jedes Vierteljahr ungefähr so viel ansmachen, wie die in den Tageshlättern erwähnt gewesene amerikanische Spende. Vom 1. Jänner bis 31. März 1917 hat die Isr. Allianz für Flüchtlinge an die Hilfskomitees 1,000.000 Kronen und an die notleidenden Gemeinden mehr als 1,000.000 verteilt. Hochjachtungsvollll D. A. Kaminka. * * * Nachschrift unseres Gewährsmannes : Diese Berichtigung hat vielerlei an sich. Vorerst die Scheu vor demNamen des ״Lemberger Blates", den wir doch genau angeführt haben. Sie ist nur -daraus zu erklären, daß das ״Lemberger Tagblatt" in jüdischer Sprache erscheint, einer Sprache, die den Leuten um der ״Allianz" ״Treffe" ist. Im Wesentlichen aber wird hier nichts verichtigt. Denn daß die Allianz durch Herrn Dr. Cohn 1000 Kronen monatlich verteilt, beweist

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.