Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVIII (1917)
- Issue
- Heft 6 (5.4.1917)
- Date
- 1917-04-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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t־a. 6. ״Jüdische Vottsstimme" e■*•-« 5 Orthodoxe Konferenz in Warschau. Von Montag bis Mittwoch tagte hier unter .Vorsitz des Herrn Rabbiner Dr. P. Kohn eme ne Methode zu recht gelegt. Vor allem müssen orthodoxe Konferenz, an der sich 120 Delegier-! alle Ansuchen Bukowinaer Flüchtlinge an die Aktion gibt, die genannte Stelle aber doch fühlt sich nicht einmal verplichtet ihren Schächter ״amtshandeln" :muß, so haben sie sich eine eigeherzuschicken, um uns wenigstens ^einmal der te aus der Provinz beteiligten, darunter 17 Rab- Liner aus größeren und kleineren polnischen Gemeinden. Die Beratungen hatten vertraulichen Charakter und erhielt daher auch die Presse keinen Zutritt. Nach dem ausgegebenen offiziellen Berichte bildete den ersten Punkt der Tagesordung^ die Vereinigung der polnischen Orthodoxie. Nach einer längeren Debatte einigte man sich auf folgende Programmpunkte: 1. Die Vereinigung aller Gesetztreuen. 2. Propagierung dieser Dereinigungsidee und Aufklärungen der Massen dahin, daß das Ziel Einigkeit und nicht Trennung sei. 3. Verbefse- Vung der Beziehungen zur nichtjüdischen Be- Völkerung, sowie auch zwischen den Parteien unter der jüdischen Bevölkerung selbst. 4. Wachsame Verfolgung der jüdischen Angelegenheiten und Verteidigung der jüdischen Interessen. 5. Bekämpfung all dessen, was zur Assimilation führt. Ferner wurden wichtige Beschlüsse zur Chedarimfrqge gefaßt. Das Cheder soll gemeindeöffentlichen Charakter haben und unter Oberaufsicht des Rabbiners stehen. Mit der Ausarbeitung eines Normallehrplanes wurde das Warschauer Komiitoe des Agudas Hoorthodoxim betraut. Die Konferenz beschloß auch eine rege Beteiligung an den Gemeindewahlen, ohne bei׳' dem Wahlkampfe unnötig die Grenzen des Friedens zu überschreiten. Als Propaganda- , mittel für die orthodoxe Wahlliste sollen öffent- ׳liche Versammlungen und das ״Jüdische Wort" dienen. Es wurden noch folgende Punkte eingehend besprochen: die Hilfstätigkeit des Vereines, die Schaffung guter Volksbücher für die Jugend, zu welchem Ziele ein eigener Orthodoxer Verlag zu Gründen sei, der Religionsunterricht in den Mädchenschulen. Im Laufe der Verhandlungen die sich auf drei Tage erstreckten, liefen zahlreiche Begrüßungsschreiben aus allen Teilen des Landes ein. An die Konferenz schloß sich >am Mittwoch abend eins Massenversammlung an, die von Tausenden besucht war. Die Haupt-Reden hielten neben mehreren Rabbinern Herr Kammer und Herr Seminardirektor Dr. Carlebach. Ml׳ Flüchtlingsecke. Unter dieser beständigen Rubrik wollen wir Berichte über Leben und Verhältnisse der Flüchtlinge sowie Klagen und Beschwerden über ihre Lage dringen. allgem. Fürsorgestelle das ״Buk. Komitee" Passieren. Dort erfahren sie einer oft eigentümlichen ׳.Amtshandlung" und werden die betreffenden ׳׳Erhebungen" gepflogen. Die Bewertungdieser läßt sich leicht daraus erkennen, daß die Erhebungen der ״Zentralstelle" größtenteils das Gegenteil ergeben. Dabei sind die Erledigungen dieses Komitee nur selten für die Flüchtlinge günstig. Andrerseits ״konkuriert" dieses Komitee in Wohltätigkeit. Leitet,die Zentralstelle eine Aktion zur Kohlenbeschaffung, für die Flüchtlinge ein, gleich ist das Buk-Komitee mit einer ״Konkurrenz-Aktion" da, die doch uinsoeher überflüssig ist als dis Zentralstelle doch auch die Buk. Flüchtlinge umfaßt. Die Zentralstelle be-i müht sich den Flüchtlingen Kartoffeln für Ostern zu verschaffen, das Bukowinaer Komitee) leitet daraufhin eine Parallaktion ein. (Freilich' gehen den Vertretern beider ״Alstionen" diese nicht nahe genug um sie erfolgreich zuleiten. Und so bleiben die Flüchtlinge wie cs scheint mit 42 dg. ״Mazzes" und 1 Kg Kartoffel per Kopf für Pessach.) Flüchtlinge hallten Gottesdienste für die Genesung des Ab,g> Wasfilko ab, das Buk. Komitee hat davon keine Ahnung, was jedoch nicht hindert einige Tage später diese Gottes׳ dienste ihrer Initiative zuzuschreiben. Mzu denn dieses Komitee überhaupt besteht, versteht kein Mensch. Während das Bukowinaer Komitee in Wien durch eine individualiisierte Behändlung jedes ״Falles" durch Vertrauensmänner der Flüchtlinge erprießliche Arbeit leistet, begnügt sich das Bukowinaer Komitee in Brünn mit der Konkurrenz". Ein Flüchtling. Flüchtlingsbriese. Wir entnehmen dem Lemberger ״Tagblatt" folgende zwei Briefe: Die Flüchtlinge in Gewitsch. In Gewitsch leben jetzt an 80 Flüchtlingsfamilien <360 Köpfe) aus Galizien und Bukowina. Außer der staatlichen Unterstützung haben wir gar keine Benefizien, weder materielle noch ideele Unterstützung. Unsere Kinder werden dem Judentum entfremdet. Niemand fiimV mert sich um unsere religiösen, mational-kulturellen und wirtschaftlichen Bedürfnisse. SB«, hören mit Neid, daß andersorts für diese Dinge Hilfskomitees bestehen. Vielleicht wäre es doch , ־1,14^״'V'1 möglich, das uns ein Delegat irgend eines Hilfsentgegnete ste. Woche mit Fleisch zu versorgen. Vom Verkauf billiger Lebensmittel oder Verteilung von Kleider und Schuhen keine Rede. Wir apppelieren an die Kultusgemeindsn Westgaliziens sich unser zu erbarmen und uns welche Lebensmitteln zu schicken, die wir mit Dank bezahlen werden wollen. Wir hoffen, auch durch diesen Apell Nr nmaßgebenden Kreise aufmerksam zu machen, daß sie die Kultusgemeinde u. Rabbinat Franzensbad über ihre Pflichten gegen uns belehren. MargulieS. Jüdischer Buch- und Kunstverlag, Brünn. Jüdische JomtewblMtter יום טוב בלעטער erscheinen in jüdischer Sprache am t.Mai 1917 in Buchform, als שבועות העפה und enthalten belletristische, literarische und wissenschaftliche Beiträge von den populärsten jüdischen Schriftstellern. Preis pro Exemplar inkl. Porto K 2 - Vorausbezahlung. gegen Zu beziehen durch den Herausgeber und Redakteur Max Hickl, Wien, VIII , Lercheng. 6 a. Zwei Welten. Eine Pessachgeschichte von David Pinski. Sie näherte sich ihm, legte ihre Hände auf seine Schultern und sagte sehr weich: ״Benjamin hast Du mich lieb?" Er ließ das Buch auf die Knie sinken, drückte sie fest an sich und sprach ihr nach: ״Lieb?" ״Wirst Du auch tun, was ich von Dir verlange?" ״Ich stehe zu Befehl", rief er aus, sprang auf und stellte sich in Positur, wie ein Soldat. »Ich möchte Dich wohin schicken. Wirst Du auch gehen?" ״Sogar ins Feuer, Lea!" Er machte eine theatralische Handbewegung. ״Nicht ins Feuer — aber ins Brünn. Bittgottesdienst für den erkrankten Abg. Nikolai R. v. Wassilko. Die neuerliche Erkrankung »des Mg. Wlassilko erregte bei allen Flüchtlingen, als deren nahezu einziger Beschüt-! hie uns helfen können und die zer der genanntem Abgeordneten gilt, besonders'haben. -aber bei seinen Bukowinaer Landsleuten große komitees besuche, -um sich mit unserer tristen Lage und Bedürfnissen vertraut zu machen. Haben wir nicht dasselbe Recht auf brüderliche Hilfe als andere Flüchtlingsgruppen? Wir hoffen, daß unser Notschrei diejenigen erreicht, Pflicht dagu Besorgnis. In mehreren Flüchtlingsbethäusern wurden Bittgottesdienste für die Genesung des erkrankten ״Juden-Beschützer" abgehalten so z. B. im Beethause in der Mühlgasse und im ״Machsike-Hadaß. Hier hielt Herr Baumöhl, Rabbiner aus Seletin eine kurze Ansprache, ,in der er die Verdienste des Erkrankten um die Bukowinaer Juden und besonders um die Flüchtlinge würdigte, worauf dann die ungeordneten Gebete .verrichtet und Psalmen gelesen wurden. Zum Schluß verteilten dir Herren Benjamin Baum aus Wizmtz sowie Herr Leo Baum, Oberbuch Halter der Anglo - Banka in Brünn aus Eigenem eine größere Geldsumme für die Aermsten der Armen. EinFlüchtling. ״Konkurenz" der Wohltäter. Den Ehrgeiz ״Wohltäter" zu sein ha-bey be- Vanntlich viele reiche Juden und gibt es für sie keine ״Gelegenheit" (will sagen kein Titel) dazu, so bestreben sie sich mit voller Gewalt einen eiaenen Wirkungskreis zu schaffen. Das Entstehen Des ״Fürsorge - Komitee für Bukowinaer Flüchtlinge" ist zu großem Teile auf diese Grün- De zurückzuführen. Da es doch nur selten Bukowinaev Sonderinteressen der allg. Flüchtlings- Die Flüchtlinge in Asch. Wir sind hier in Usch undnächsten Umtgebung an 400 Flüchtlinge. Wir wissen zwar, daß auch anderswo die Flüchtlinge nicht auf Rosen gebettet sind, aber so arg wie hier dürfte es nirgend sein. Es sind auch einzelne Leute hier, die uns gerne helfen möchten, aber es sind nur, Einzelne, Wenige. Die Macht und Mittel hätten uns zu helfen, haben scheinbar viel zu wenig jüdisches Empfinden und Bewußtsein. Wir unterliegen dem Franzensbader Kultusvorstande. Der Kultuspräsident Herr Spiegel hat uns bis heute noch nicht mit einem Be-׳ such beehrt. Auch der Rabbiner Dr. Spitzer, der Vertreter der ״Aliance" in Fvanzensbad. ״Sogar ins Meer!" ״Etwas näher lächelte sie. Ich möchte Dich bitten, daß Du das neue Oster-Geschirr im Teiche ausspüllen sollst.*) »Dorthin!..." ״Nun?״ ״Schick mich lieber ins Meer!" ״Ein anderesmal. Heute tue das." »Ach mein", stößt er hervor. ״Du wirst es aber tun müssen!" ״Müssen?" ״Die Mutter bittet Dich darum — verstehst? Das muß doch ein tun. Wien soll sie also darum ersuchen?" ״Den Broder Sames.**) Meine Sorge." »Aber sie will, das Du gehen sollst.. " ״Sie will?" ״Soll sie sich wegen dieser Dummheit kränken?" ״Was kann ich dafür?" ״Aber ich bitte Dich darum.. . " Sie streichelte sein Gesicht und sah ihn liebevoll an. »Ich werde nicht gehen," sagte er bestimmt und entwand sich ihr. ״Wie kannst Du so etwas von mir verlangen? Sag' selbst, schickt sich das wer׳ det jede Begegnung, mit den Flüchtlinen und Ve1> teilt die kargen ״Alianz"-Gelder ohne Rücksicht >ur mrch? auf die wirklich Notbedürftigen. , Du hast Recht, aber Du kannst mir den «.»m. r:A w Gefallen schon tun. Weiß Du was, wir gehen Auch stellt ßch der Herr Nabbmer gegen ״ alle Wünsche und Bitten der Flüchtlinge taub, öustvmmen. Währenddessen vergrößern sich unsere Sorgen ®י* uSarm *• umd^kutzte ihn. von Tag zu Tag. Während die ansäßige Bevöl-, ** kerung doch irgendwelche Lebensmittel vorrätig Das ist kerne Beschäftigung für muH. hat, stehen die Flüchtlinge dem Lebensmittel-1 ״Dann rode ich kein Wort mehr mit Dir," Wucher Hilfslos gegenüber. Die Fvanzensbader rief sie zornig und verließ das Zimmer.