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Jüdische Volksstimme · 1917-04-05 · Heft 6 (5.4.1917) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVIII (1917)
Issue
Heft 6 (5.4.1917)
Date
1917-04-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 6. ״Jüdische DottSstimme' ■rrtte Eine Grundlage ihrer Existenz, die ständigen Unterstützungen aus ihren Heimatsländern, haben sie infolge der feindlichen Invasion! in jene Gebiete vollständig verloren. Mangel an den unentbehrlichsten Lebensmitteln und uner- In der gegenwärtig so schweren Kriegszeit Ich denke an meine Kindheit, wo wir Schulda kein anderes Volk träfe Nation sowie! als die jungen den Religionslehrer zu -tutzen pflegten. Juden gerade wegen ihres Patriotismus ertva-- Nicht die mindeste Ehrfurcht, von׳ Liebe gar gen mußte, da hunderttausende jüdische Faminicht zu reden, empfanden wir vor diesem alten lien von ihrem Hab und und Gute verbannt, Manne. Nur zu oft mußte er den Schutz der anviele Tausende Juden unter den Fahnen für deren Lehrer herbeirufen, um geradezu Tatschwingliche Preise einerseits, dezimierende Epi- Kaiser und Vaterland ringen, in einer Zeit, wo lichkeiten von Seiten der Bengel zu entge-j demien׳ — ohne ärztliche Hilfe und Medika Massen jüdischer Kinder verwaist, zahllose jüdihen Die Anwesenheit des Oberlehrers konntej mente! anderseits kennzeichnen die gegenwärtische Weiber verwitwet und eine unermeßliche allein ihm! Gehör verschaffen. War er allein so ge trostlose Lage im Heiligen Lande. Welche Anzahl jüdischer Existenzen vernichtet, da finden halfen wieder Drohungen mit dem Klassenbuchs Opfer die verschiedendsten Krankheiten infolge sich noch Juden, die anstatt ihrer Bestimmung'oder mit Anzeige beim ״christlichen" Lehrers Unterernährung und Mangels an sanitären gemäß ihren Volksgenossen unter die Aym,e! noch der Apell an unsere Gewissen, sich vor den Vorkehrungen dort fordern, kann daraus ergreifen, diesen in die Hände fallen um ihre Kraft »christlichen "Kindern und Lehrern zu schämen., sehen werden, daß wie jüngst aus Palästina zu״ zu lähmen!!Scheibenschießen mit Papierkugeln, Fuß-'verlässig mitgeteilt wurde, von! der über 60.000 Bei den! Juden, deren treue Anhänglichkeit; stampfen und Stecknadel-Zirpen (was auf die! Seelen zählenden jüdischen Bevölkerung in Jefür Kaiser und Reich notorisch ist, deren Opfer-! Nerven furchtbar wirkt) waren der mildeste'rusalem allein kaum 24.000 zurückgeblieben sind. Ausdruck unserer Verachtung gegenüber dem Lehrer der Religion. Dabei taten sich die brav׳ sten und ruhigsten Schüler hervor. Damals waren wir acht bis elfjährige Knirpse. Als ich später ins Gymnasium kam war ich schon Zionist und wußte im Religivns- Willigkeit und Pflichteifer für das allgemeine Wohl aus dem Munde fürstlicher und höchstgestellter Persönlichkeiten wiederholt spontan Anerkennung gefunden, bei diesem Volksstamme findet sich ein Häuflein, das nicht den Schlag- Worten, die unsere Widersacher infolge der Kriegsverhältnisse zu unserem Nachteile verbreitenentgegentrifft, sondevn feinen Hyper- Patriotismus damit bekunden glaubt, indem es seinen Bruder mit Verleumdungen verfolgt und so ihren Bestand und ihre Zukunft gefährdet. Noch vor Jahrtausenden hat ein Prophet dem» jüdischen Volke geweissagt: Deine Zerstörer! zionistische Färbung zu geben. Me dieser junge und deine Verwüster werden aus dir selbst her-!Professor aber in der Klasse erschien, schwanden Uni das Maß der Leiden übervoll zu machen, setzt auch die sonst ansehnlichen Unterstützungsbeitrüge Amerikas aus. Dieses unbeschreibliche Elend nach Möglichkeit jyu lindern, hat die Hilfskommission 1915 für Palästina sich zur Aufgabe gemocht. Seit nahezu zwei Jahren ist Professor einen Gesinnungsgenossen. Bei u-n.sees ihr mit Hilfe des hohen k. u. k. Ministerium ren geheimen ״Conventen" und in den Pausen Aeußern und vieler:edler Gönner auch gelungen, vor dem Religionsunterrichte suchten wir uns׳ das erstrebte Ziel zu erreichen:-Viele Tausende gegenseitig Respekt vor diesem Unterrichte wie wurden vom Hungertods gerettet, viele Kriegsvor dem Lehrer beizubringen. Er kannte unsere Waisen und -Witwen wirksam unterstützt, und ״Ideale" und bestrebte sich dem Unterrichte eine aus unserer gleichfalls gegründeten Kriegsfpitalshilfe für Palästina um) uüi.ue uwccueu u׳u» mc!eum yci.- Prvsenvr aaer tu uer siiurne muüiii, uHuumieit *;״ז״« cm *_ Vorgehen! Und dieser Ausspruch findet im Leben; nierkwürdigerweise wieder die Ideale und die' C Un^ Momente der Juden jedesmal in anberer Form seine Be stätigunjg. In Israel tobt jedesmal unter an- Ehrfurcht und nichts als Spott und höhnische Verachtung brachten wir dem ״Gesinnungsderem Vorwände immer ein neuer Kampf, aus genossen entgegen. Wider Willen 5a!m dieser dem das jüdische Volk nur blutige Wunden da- Spott und Hohn, er war halt selbstverständlich vonträgt. Und diejenigen, die zu ihrer Heiluiw in der Religionsstunde. berufen, träufeln anstatt des heilsamen Balsams Dies war mein und all meiner Mitschüler So sah ihren nur zerstörendes Gift, daß sie nur schwer ver-,Verhältnis zum Religionslehrer, narben. Auf diese Weist! entstehen im!empfind-! Generationen von Schülern mit lichen Körper des jüdischen Volkes immer neue' gionslehrern verfahren. Schmerzen, jedesmal an anderer Stelle. Einer j Als ich später über dieses merkwürdige Vervollständigen Gesundung kann er -sich niemals hältnis nachdachte, suchte ich es mir daraus zu erfreuen! So sieht die Tätigkeit aus, die die Jntelli.- genz, gewisse deutsche Juden für ihre Brüder auf erklären, daß uns der Lehrstoff zu langweilig war. Lernten wir doch schon Talmud im Cheder, wenden. So sieht die hilfreiche Wirksamkeit un-;mit gewichtiger Miene die ״Welterschaffung, die serer Freunde aus! In welchem Verhältnisse; ״Opferung Jsaks" oder die »10 Gebote" u. 13״ verschafft. Nun sind aber unsere Mittel erschöpft, während die Anforderungen an unser Hilfswerk infolge der stetig steigenden Not immer größer wenden. Wir wenden uns daher am! alle edlen Menick schEnfreunde und Wohltäter ohne Rücksicht auf «Mi- ^te Staatsangehörigkeit mit der dringenden Bitte, sich dieser Aermsten der Armen zu erbarmen, an den kommenden "ה: ד^יסד ד,-יר׳י Feiertagen durch Thora-Spenden und Sammlungen unsere Aktion nach Kräften zu fördern und da durch mit beizutragen, daß unsere Schützlinge, darunter Hunderte Witwen und Kriegswaisen, die wir ohne Rücksicht auf die Staatsangehörigkeit unterstützen, vor dem sicheren Hungertode stehen diese fortgeschrittene Juden zu jenen'Glaubensartikel" darzulegen suchte. Es »mußte bewahrt werden. Schädlingen, den polnischen Juden? Fürwahr! auf uns, die wir uns über juridische und theoso- Das Präsidium Hilfskommission 1915 und hier ist Wohl der Ausspruch am Platze, daß unsjphische Probleme die Köpfe zerbrachen, konrisch Kriegsspitalhilfe für Palästina, Wien, 4. Bez. Gott vor unseren.Freunden schützen möge; vor!wirken, wenn der Mann an: Katheder über die! Frankenberggasse 4, W. Reich, Oberrabbiner, unseren Feinden werden wir uns selbst zu Erzväter sprach. Allein diese Erklärung galt; Baden bei Wien, Dr. Max Gruckwald, Rabnur für den Osten. Hier im Westen ist doch alles,! biner, Dr. Adolf Kapralik. Dr. Jul. Schlag, k. k. schützen bestreben. Bernhard Rippe!. Zur Mziehungsfrage. Der Religionslehrer. Von allen Fragen, die in letzter Zeit die jüdische Oe Öffentlichkeit beschäftigten, ist das Problem der jüdischen Erziehung wohl die wichtigste. Wir wollen heute jedoch nicht in das Wesentliche dieses Problems eingehen, sondern was man in der Religionsstunde erfährt, für die Schüler neu. Warum fehlt auch hier de!m Religionsunterrichte jede ״Weihe?" Warum bildet der ״Lehrer!der Religion" auch hier den Ge genstand verachtenden Hohnes Schüler? Hofrat, für die Spitalshilfe. Zahlstelle für Oesterreich: Bankhaus S. M. v. Rothschild. Wen, 1. Renngasse 3; Ungarn: Magyar-Altalanos-Hitelbank, Budapest; Bähvon'Seiten der men: An das böhmische Landeskomitee für Palästina, Prag, Niklasstr. 16; Mähren: Mähr. In der nur oft vorkommenden Umbildung! Fasse 16; Schlesien: Schles. Landeskomitee für (im jüd. u. allg.) dieser Lehrer kann dieser Uebel-! Palästina, zu Händen des Präs. Dr. Th. Sonstand doch nit begründet sein, da der Schüler! nenschein, Troppau; Deutschland: Deutsche doch nicht im Stande ist Mssen und Können der nur ׳einen eigentümlichen Typus schildern, der!Lehrer abzuschätzen und stehen doch die Lehrer mit diesem Problem in engem Zusammenhänge! der anderen Gegenstände selten auf einer höhesteht. Wir haben es reichlich genossen! Wir haben gestöhnt in bitterster- Not Und Tränenströme vergossen! Wir wurden gehetzt aus unseren Hütten, Wir fanden nirgends Rast.... Wir fühlen mit Jedem, weil wir gelitten: Wer hungert, er komm! Er sei unser Gast! Wir wissen, wie Weh Haß und Hunger tut: Drum möchten die Wunden wir heilen. O, Bruder, wenn dir geschwunden der Mut.. Wir wollen zu Hilfe dir eilen! So komm! Nimm teil an unserer Freude, Wenn dich Kummer und Sorge erfaßt! Kommt alle! Befreit ׳euch von eurem Leide... Wer hungert er komm! Er sei unser Gast! Wir feiern heut der Befreiung Fest Aus Aegyptens sklavischen Blanden. .. Das Vertrauen, die Hoffnung uns nicht verläßt, Du Gott, der einst mit Vaterarmen Aus Aegypten erlöset uns hast: Nie schläft deine Liebe, dein Erbarmen... Wer hungert, er komm! Er sei unser Gast! ren Stufe als der Religionslehrer. Auch der Wiederspruch zwischen dem familiär-religiösen Leben und Religion»״' ׳ ׳.richte kann hier niyt genügend um diese Mißstände aufzuklären. Bestehen diese Wiedersprüche (Schule und- Haus) doch auch in vielen anderen Hinsichten und doch gelingt -es der Schule oft das Kind für sich zu gewinnen. Nur der jüdische Religionsunterricht vermag das nie! Dieser Uebelstand wurzelt viel tiefer und ist seine Begründung nur aus dem Wesen des Judentums zu erklären. Das Wesen des Indentums läßt sich nicht in kirchlich-konfessionelle Formen zwängen. Darum kann der Unterricht in der ״mosaischen" Religion, und mag er noch rascher durch hebräischen Unterricht erweitert werden, nie und nimmer Einfluß auf die Jugend gewinnen. Eine jüdische Jugend kann uns diese Surrogat nicht geben. NotuS. Bank, Berlin, Postscheck-Konto 1000 auf Konto Hilfskommission oder Kriegsspitalhilfe f. P. — werden in der ״Oesterr. Wochenschrift" bzw. im ״Frankfurter Jsr. Tagbliatt" veröffentlicht. W Dr. M. H. Friedländer. Ausruf. Die verheerenden Folgen dieses Krieges haben unsere Glaubensbrüder in Palästina, in erster Reihe die aus Ostgalizien und der Bukowina, am schwersten, und empfindlichsten getroffen. Kurz vor Vollendung seines achtzigsten Lebensjahres starb in Wien unser langjähriger Mitarbeiter Herr Dr. M. H. Friedländer. Unsere Leser, die oft Gelegenheit hatten, das ungewohnliche Wissen, welches der Verblichene auf allen Gebieten der jüdischen Wissenschaft bekundete, zu bewundern, werden den großen Verlnst, den das Judentum erlitten hat, ermessen N önen. Dr. M. H. Friedländer hat mehr als ein Menschenalter in einigen Provinzgemeinden das Amt eines Rabbiners und Predigers bekleidet und lebte in den letzten Jahren in Men, wo er sich der schriftstellerischen Tätigkeit Wi8mete. Von seinen zahlreichen Schriften haben ״Jüd. Geschichtsbilder", die Arbeit, nach dom Talmud und den Aussprüchen der Weisen" und ״Geschichte der Juden in Mähren" weiteste Verbreitung gefunden. Auf seiner Bahre sprach Rabbiner Dr. Taglicht innige, trostreiche Worte des Abschiedes und würdigte die Bedeutung, welche M. H. Fried-

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