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Jüdische Volksstimme · 1917-03-22 · Heft 5 (22.3.1917) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVIII (1917)
Issue
Heft 5 (22.3.1917)
Date
1917-03-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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9t. 6. I8WH, manmw Dinenson zurzeit eine Stunde hebräisch pro Tag haben., versität in Warschau 800 jüdisch-nationale Studenten lm BezirkShauS der Miliz unbarmherzig geprügelt. Die And es scheint lein Zufall zu sein, daß die fast rein und Studentinnen. Gründungen wie die jiidischen ärztliche Untersuchung stellte zahlreiche Wunden und hebräischen Schulen deS Zionistischen Kuratoriums eine so viel größere Zahl von Kindern haben (3000) als die <5<S)ükn des Herrn Dinenson (550) und die übrigen jiddischen Kriegsschulen. Die Massen de» Volkes find natürlich nach wie vor orthodox und unter ihnen vor allem chaffidisch. Partei« politisch gibt eS eine orthodoxe Partei nicht. Die wenigen orthodoxen Ratsmänner im Warschauer Stadtparkament bilden keine eiheitliche Gruppe. Der Kampf zwischen den einzelnen chaffidischen Paretihäuptern ist der alte geblieben. Doch erkennt man deutlich unter der jüngeren chaffidischen Generation eine starke Hinneigung zum bewußten nationalen Judentum. Schon be( Len Warschauer Stadtratswahlen haben Tausende vonj Chaffidum trotz der entgegensetzten Befehle der chaffischeu Parteihaupter für die Volksgruppe gestimmt. Und in Lodz haben die jüngeren Elemente es durch sehr energisches Auftreten verhindert, daß die chaffidischen Füher mit den Affimilanten zusammen gegangen sind, .wie sie beabsichtigten. Auch hier haben Tausende von Chaffidim für das jüdische nationale Wahlkomitee gestimmt. Es haben sich übrigens in sehr vielen Städten, auch in Warschau und Lodz während des Krieges besondere zionistische Gruppen von Chaffidim gebildet. Und auch die Misrachisten finden unter ihnen viele An- Hanger. Alle diese Chaffidistischen Elemente wünschen ebenfalls eine stärkere Betonung des Hebräischen. Demgegenüber versuchen zur Zeit in Polen weilende westdeutsche Rabbiner Dr. Pinchas Cohn und Dr. .Karlebach die Orthodoxie in Polen zu einer rein religiösen Partei zu sammeln. Sie geben seit dem 1. Februar unter eingenartigen journalistischen Begleitung ständen eine jiddische Tageszeitung ״Das jüdische Wort' heraus. DaS Blatt ist ganz im Stii des ״Israelit" gehalten. Es sicher daß die Herrn bald Fiasko erleiden werden. Leider finden sie bei den deutschen AffimilationSjuden starke Unterstützung, weil sie ihnen erklärt haben, daß die chaffidischen Masse durchaus nicht jüdischnational sei, sondern nur jüdisch-religiös und daß sie LaS polnische Judentum von den Einflüssen des Zia nismus werde bewahren können. Die Herren sind zu diesem Zwecke ein Bündnis mit dem Gerer Rebbe ein-- gegangen. Sie können sich vorstellen, was für ein Parteikampf innerhalb der chaffidischen Rebben entfeffelt worden ist. Das ist die Lage. Die große Masse ist nach wie vor parteipolitisch nicht organisiert. Die Assimilation bildet eine kleine aber wirtschaftlich und gesellschaftlich ein- Zeitliche und starke Gruppe. Von den demokratischen Parteien verdienen allein die zionistischen die Bezeichnung einer organisierten Partei größeren Stils. Ihr Einfluß auf den Mittelstand und auf einen Teil der akademschen Jugend ist sehr groß. Sie ist entschieden im Aufsteigen begriffen und hat als volkstümliche Partei und als Vertreterin der durchaus volstümlichen Palästina-Idee die besten Aussichten für die Zukunft. Gymnasien und die hebräischen Volksschulen stärken die Blutflecken auf seinem Leibe und einen großen Blut« Kraft der intellektuellen Elemente deS LehrerstandeS, erguß fest, der für den kranken Knaben, der gegenwärtig die im Lande vorhanden sind und werden hoffentlich in Delirium liegt, lebensgefährlich ist. AhenlicheS genach dem Kriege in einem Leherseminar einen Ausbau schah mit einem zwanzigjährigen Juden, der ganz finde, der ständig für neue Kräfte sorgt. Wenn die jü- (schuldlos von den Milizianten tierisch geschlagen wurde, disch-nationalen Kräfte dem polnischen Judentum nur' fodaß seine Haut zerschunden und fein Körper mit während der jetzigen Zeitläufe die Möglichkeit geben., Wunden bedeckt war. diese Arbeit, die eingeleitet ist, weiterzuführen undz In der nächsten Sitzung wurde die Antwort des wenn auch in beschiedenem Maße, durchzuhalten, so Magistrats auf die Interpellation vorgelesen. Sie laubraucht man wegen der Zukunft nicht bange sein. Jeder tete, daß in den angeführten Fällen die Sache bereits mutz wieder immer erstaunt sein über die ungehaure, Kriegsgericht übergeben worden sei. Zähigkeit des jüdischen Volkes, über die Kraft, die auch L amerik.-jüdischen Kongreß. Judentum JU erhalten, über die es heute derfügt, in.j Am 14. Januar 1917 hielt das Adminidem man di« Widerstandskraft dieser Männer 8e««>. ftrationSfowiitec deS Exekutiv-Comitees für ein widriges Geschick stärkt, und gelingt eS, den neuen! Sitzung ab. heranstrebenden Kräften die Möglichkeit einer Aus-j Auf dev Tagesodnurrg stand der Bericht bildung zu eröffnen, so wird das^getan, was alle Kreisendes ״Comitees für Wahlmethoden". Der Vor- ... '־' *־־״־״' '־־־־״־־׳י" 'sitzende dieses Komitees, Prof. Jsvac Hourwich, gab euren Bericht, der auf einem genauen Stu- LeS nationalen Judentums in Polen fordern. (Komuniquet des Kopenhag. zion. Bureau.) Polen und Juden. Die ״Jüdische Rundschau" schreibt: Die Juden in Lublin bilden fast die Hälfte der dium der statistischen Angaben über die jüdische Bevölkerung!Amerikas gemäß der letzten Volkszählung und des letzten American Jewish Aear-Book beruhte. Er!beantragte die Wahl von 229 Delegierten aus den verschiedenen Kongreß- Distrikten, in welche die Vereinigten Staaten zu zu diesem Zwecke eingekeilt werden müßten. ( Außerdem sollten ׳noch etwa 100 Delegierte (25 allgemeinen Stadtbevölkerung. Trotzdem erhielten sie Prozent der Gesamtzahl nach dem! Uebereinkomvon 60 Sitzen nur 17 im Stadtrat. Auch hier gelang e8j men) von den verschiedenen amerikanisch-jüdiverschiedenen Wortführern unter den jüdischen Polischeu Organisation gewählt werden, gemäß der tikern, die jüdische Oeffentlichkeit für eine Verzicht-j Größe und Bedeutung der Organisationen. Politik zu gewinnen, um die Gunst der polnischen Bej Men Juden und Jüdinnen im zur Wahl berech׳ völkerung zu erwerben. Aber schon die ersten Schritte! tigenden Alter steht die Wahl frei. Diejenigen dieser Stadtvertretung zeigten, wie weit diese Gunst jedoch, die keiner Organisation angehören, könreicht. ll , Als die jüdischen Ratmänner später in den Sitzungssaal kamen, um die Sitze unter den Parteien, _ denen sie angehören, einzunehmen, fanden sie alle Louis Marshall Plätze des Zentrums und der linken Seite mit den Kar- ~ ten der polnischen Ratmänner belegt, und alle 17 jüdischeu Ratmänner mußten, zusammen mit den 3 polnischen Sozialisten, die von der Mehrheit des Stadtrates ebenfalls verfolgt werden, auf der äußersten Rechten LeS Hause» Platz nehmen. Zu der Beratung über die Zusammenstellung der Kandidatenliste für das Präsidium war kein jüdischer Ratmann zugezogen worden. Es war schon eine fertige polnische Liste zusammengestellt, die die polnische Mehrheit für sich hatte. Die Juden beschlossen daher, demonstrativ für eine eigene Liste zu stimmen, obgleich sie keine Aussicht auf praktischen Erfolg hatte. Die Folge Poale Zion und Bund sind ebenfalls organisierte Gupmännern in einer geradezu drastischen Form sein Mißneu sich zum Zwecke der Kongrehwahlen in besondere!KongrH-Organisation jzusammenWießen. Diesem Bericht folgte eine lebhafte Debatte. “ trat für die demokratische Durchführung der Wahlen ein. Er schlug für die jüdsischen Kongrehwahlen das System oer städtischen, staatlichen und nationalen Wahlen vor, nämlich!nach Wahl-Distrikten. Wogen der andersgearteten Konstitution des jüdischen Gemeinlebens in Amerika wurde dieser Vorschlag abgelehnt. Die Hauptdiskuston rief jedoch die Frage Vertretung der ״nationalen <d. h. assnerianischjüdischen) Or׳ganisation׳en" hervor. Einander widerseprechenoe!fDefinitionen des Begriffes ״nationale Organisationen" wurden ,gegeben . und der Bericht wurde schließlich dem Komitee dieser Zersplitterung war, daß der Vorsitzende nur mit zur nochmaligen, Beratung und späteren Vor- 31 von 60 Stimmen gewählt wurde. Er unterließ eS^ legung zurückgegöben. Der nächste Bericht wird auch nicht, in seiner Eröffnungsrede den jüdischen Ratin 2 Wochen erstattet werden. Man glaubt jedoch Pen. Sie sind aber auf den verhältnismäßig kleinen Kreis klaffenbewußter Arbeiter und Handlungsgehilfen beschränkt und heute jedenfalls ohne Einfluß auf die Gestaltung der jüdischen Verhältnisse. Die Volksgruppe ist in Warschau und einigen anderen Städten die Trägerin einer noch weniger geklärten nationalen Stimmung, die sich insbesondere in dem instinktiven Wun» sche, dem polnischen Antisemitismus entgegenzusetze^ äußert. In Städten, wo die Zionistische Organisation dieser Stimmung genügend entsprochen hat, wie z. B. in Lodz, ist für die Ortsgruppe kein Raum. Sehr zu bebehagen kund zu tun. Diese Ignorierung der jüdischen Ratmänner wurde schon heute, daß folgender Modus angenommen werden wird. Alle diese Organisationen werden eine gleichmäßige Repräsent,cvn׳z jede 2 Delegierin der dritten Sitzung fortgesetzt, als der Stadtrat zu. te entsenden! dürfen, in gleicher Weise wie «die den Wahlen der acht Mitglieder des Magistrates schritt.!Repräsentanz in dem Senat der Vereinigten Kein einziger der jüdischen Ratmänner wurde zu den-Staaten geordnet ist. Dadurch wird! die Total- Beratungen über die zu wählenden Kandidaten zugezo- Mitgliederzahl des Kongresses ein wenig redugen. Die Polen stellten eine polnische Liste auf, die giert werden, da nur 45 derartige Organisatiokeinen einzigen jüdischen Namen enthielt. Im Namen der jüdischen Ratmänner gab daher der jüdische Ratmann Dr. Warmann folgende Erklärung ab: «Die jüdischen Ratmänner, die gegen ihren Willen neu 90 Delegierte entsenden dürfen, und alle Simmeberechtigten zusammen 270. Es wird also insgesamt 360 Delegierte geben. Die Nachmittagssitzung war de!m! Bericht gegrüßen sind die Bemühungen, die die Vereinigung derj zu einer (im lokalen wie im allgemeinen Sinne) isolier-. widmet, den die ״Kommission zur Wahl AWS/Yytlhhö ntif Xot* Qinnifttfrfia-r« 10t״rYr*rttCrtHntt £•<-!« St/m SrtÄ CTYl _״'״ $** — Ortsgruppe mit der Zionistischen Organisation bezwecken. Das polnische Judentum lebt in einer gewaltigen wirtschaftlichen Krisis. Es ist aber nicht ihr zugrundegegangen, sondern steht vollkommen aufrecht und arbeitet weiter an der Sicherung seiner nationalen kultu- .von ten Gruppe abgesondert und bei den Wahlen des Prä-^ Mitgliedern i>n die verschiedenen Kommissio sidiums wie auch der Magistvatsmitglieder neu" ausgearbeitet hatte. Es sollten nach dem übergangen wurden, fühlen sich von jedem Einfluß auf Vorschlag des Berichtes Kommissionen für die die Konstituierung des Stadtrates ausgeschlossen, trotz-j Lage!der Juden in Rußland, Rumänien, Galidem sie fast von einer Hälfte der Stadtbevölkerung ge-, zien, Polen, Litauen, Palästina, Balan'Stzaaten wählt wurden und eine bedeutende Minderheit im und Salonii ernannt werden. Außerdem wurde rellen Zukunft. Das polnische Judentum ist sich auch!Stadtrat bilden. Da sie daher die Verantwortung für, ,tzje Bildung folgender Kommissionen empso- *,*1י"" die künftige Tätigkeit der verschiedenen Sektionen des hlen: für Hilfe WM! Wiederaufbau, für interna- Magistrats nicht übernehmen können, sehen sie sich getion-alen Verkehr (Korrespondenz) und eine bezwungen, von der Beteiligung an den Wahlen der Ma>! sondere Kommission, um gegebenen Falles i״w ~*י״׳יז״ז<ייי **«r.*״ a׳ Hilcken Hm Administrations-Komitee mrszufüllen oder dies zu erweitern. Die Debatte war wieder sehr lebhaft, als die Diskussion! über die für die Lage der Juden in Rußland und Palästina einzusetzenden Kommissionen begann. Die einen schlugen vor, daß die Kommission für die men hat, zeigt die Interpellation über das brutale Ber- Judenfrage in Rußland nicht ihre eigene Vorhalten der polnischen Milizianten den Juden gegenj schlage dem Kongreß vorzulegen hätte, sondern über. Die Interpellation, die die Unterschriften sämtli-. sich darauf beschränken solle, die Wm-sche der verzur Verfügung stehen. Es fehlt an Führern des Volkes,! cher jüdischer Ratmänner trägt, berichtet von der Terro-! schiedenen Parteien innerhalb der russischen vor allen Dingen aber an Männern, welche jüdisch-na-! risierung der jüdischen Bevölkerung durch die verdor-, Judenheit Vorzutragen. Die anderen behauptetionale Erziehung leisten können, d. h. an Lehrern und!bene antisemitischen Elemente der Miliz. Ein zwölfte>n, daß der amerikanisch-jüdische Kongreß als an Rabbinern. Die Verhältnisse können sich in einem jähriges jüdische Kind, das von einem polnischen Mili- Sprachrohr dev Jlchenheit dev ganzen Welt ZU Jahrzehnt ändern. Schon heute studieren an der Unizianten des Diebstahls bezichtigt worden war, wurde betrachten sei, seine eigenen Vorschläge ZU maunter den heutigen. schwierigen Verhältnissen bewußt, daß die Existenz des Einzelnen bedingt ist durch die Aufrechterhaltung der Existenz der Gesamtheit. Es weiß sehr wohl, daß auch unter den heutigen Umständen jedes Jahr ein neuer Jahrgang junger Menschen ins Leben tritt und daß diese Jahrgänge jüdisch gesichert werden muffen. Die Zionisten haben mit glücklichem Geist begriffen, daß ihre Aufgabe als Organisation ni nur in humanitärer Arbeit, sondern vor allem in national-kulturellem Wirken besteht. Ihre Aufgabe ist ungeheuer erschwert durch den Mangel an intellektuelsen Kräften, die der jüdischen Nationalidee vorläufig gistratsmitglieder abzusehen. Eine ähnliche Erklärung gaben auch die Sozialisten ab, die bei der Zusammenstellung der Kandidatenliste ebenfalls übergangen worden waren. Welche unmenschlichen Formen der Judenhaß außerhalb der Wände der Stadtverwaltung angenom*.

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