Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVIII (1917)
- Issue
- Heft 5 (22.3.1917)
- Date
- 1917-03-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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6tttt 4 ״Mische vstt-ftimme- Nr. 8 den Teilen gewählten autoritativen Schiedswiewohl die Anzahl der rituell zu versorgenden gericht zur Entscheidung Au üibergeben. Es Soldaten bedeutend grWr ist. wurde daraufhin eine Kommission von drei Personen (Wissotzky, Naiditsch, und Reiz) gewählt, um die Verhandlungon mit der Der- Wallung in diesem Sinne zu führen. Die Ver- Die Namen und Zuwendungen aller Sperr der werden der k. u. k. Militärbehörde bekannt gegeben und in .den Zeitungen ausgewiesen. Für die Kommission zur rituellen Der waltung nahm den Vorschlag prinzipiell an. und, köstigung der jüd. Armeeangehörigen u. Kriegssandte auch ihrerseits drei Vertreter (Bi'sk, Mo-'!gefangenen im Bereich des 20. Korpskommaintiljew und Pewsner) in.!dies« Verständigungs-! dos d. Heer. Gr. Kommandos FM. Erzherzog kommission, die unter den: Vorsitz von Herrn) Eugen. An-ski zustimmentmt, um über die Wahlen derber k. u. k. Feldrabbiner b. Heer. Gr. Kmmdo. Schrcdsrichtxr und die Fownulierun» der Ge-^FM. Erzh. Eugen, LO. Karpskmmdo: Dr. rrchtss,ragen zu verhandeln. Leider gelang es.Ahgj^ Altinan, Idabbiner und Prediger für bis jetzt der VcrstandiguiigLkMmnsswn Südtirol im Meran. Jakob Bergmann, Kassier, " Paul Berger, Schriftführer. Adresse für Sendüngen: K. u. k. Israel. Militärseelsorge (Feldrabbiner Dr. Atmaim) Meran. nicht, i׳ene für beide Teile annehmbare Formu lierung dieser Fragen herzustellen, und die Gefahr einer Spaltung!innerhalb der Moskauer tilfsorganisation ist noch immer nicht beseitigt. ׳ie Verständigungskommissiorr beschloß, den Sachverhalt zusammen fmlit den dazu gehörigen Berichten der Oeffentlichkcit zu übergeben. Dringende Bitte für unsere jüd. an der Südtiroler Front. Zu dritenmale werden wir allem Anscheine nach, das Pessachfest im Getümmel des Weltkrieges begehen. Der Augenblick der Weltruhe ist noch nicht gekommen. Ist es schon für den frommen, gesetztjr/euen zivilen Jehuda unter dm Heuer obwaltenden Umstäniden überaus schwer und mühsam das Nötige zu beschaffen, u!mi rituellen Anforderungen des schönen und Die jüd. Parteien in Polen. Von gut informierter Seite wird uns geschrieben: Nach wie vor ist die große Masse der polnischen Juden unorganisiert. Nur ein verhältnismäßig kleiner Teil der Juden wird von den verschiedenen Parteien und KümiteeS erfaßt. Nur sind die Möglichkeiten für die Masse, sich politisch zu betätigen, heute infolge der Stadtrat- Wahlen und infolge der bevorstehenden Demokratisierung des Wahlrechtes in allen jüdischen Gemeinden viel größer als dies früher der Fall war. Im einzelnen ist der Sachverhalt folgender. Die Assimilanten sind zahlenmäßig sehr gering. Sie umfassen in Warschau vielleicht 1000 Familien unter 335.000 Juden. Sie sind natürlich sehr einflußreich, dm' fte die Majorität der akademisch gebildeten Elemente i umfassen. Die sogennanten Neossimilanten sind keine Die hebräischen Fächer nehmen jeden Tag zwei Stunden in Anspruch. Die Schüler in den höheren Klaffen sprechen ganz perfekt hebräisch und sind eine ganz geschloffene Garde des nationalen Judentums. Aber auch in den allgemeinen Wissenschaften und in der polnischen polnischen Sprache entspricht ihre Ausbildung allen Anforderungen, wie die Schulbehörden in Lodz anerkannt haben. Wie stark die Zionistische Organisation zahlenmäßig ist, läßt sich schwer sagen. Denn die Zahl der jetzt in Kriegszeiten gesammelten Schekel ist natürlich kein Maßstab. Ein viel besserer Maßstab find die unzähligen Institutionen kultureller und organisatorischer Natur, welche die Zionisten geschaffen haben. Ein gutes Anzeichen ist der ungeheure Bedarf, den dapolnische Judentum an hebräischen Lehrern heute hat. Würde man den Bedarf decken können, so würde die Zahl der hebräischen Schulen sich noch verfielfältigen. Ein gutes Anzeichen für die Stärke der Zionistischen Organrisation ist auch der Einfluß, den die Zionisten als Einzelpersonen in allgemein jüdischen Institutionen haben. Charakteristisch hiefür ist, wie selbst die Jüdische Gemeinde in Warschau, der noch die Verhältnismäßig stärkste Gruppe assimilierter Akademiker! zur Verfügung steht, auf die Mitarbeit der Zionisten angewiesen ist. Leider ist es nur den Zionisten nicht gelungen, die Abspalstung einer Gruppe von Parteigenossen unter Führung des Advokaten Prilucki zu verhindern. Anlaß zu dieser Trennung bot die vorsichtige Taktik, die die Zionisten in Warschau bei den Stadtratswahlen im Sommer 1916 verfolgt haben. Infolgedessen ist die Grppe Prilucki die sogenannte Volksgruppe unter der jüdischen Masse recht populär geworden und hat der Zionistischen Organisation — weniger der zionistischen Idee — manchen Schaden zugefügt. Leider hat die Volksgurppe den Kampf sehr persönlich geführt und strengen Festes -gerecht zu werden, so besticht diej ^bcrn "u5 cm ®01"ltcc bon e״״aen tuemgen ז be8h)e0en ist es no ch nicht gelungen, ein vollständige» se Schwierigkeit umsomehr, für die van, der reli-! einflußreichen Personen; Mit verernzelter Ausna^ zwischen beiden Gruppen und eine giösen Betätigung!vielfach ganz abgeschlossenen!^ 2anz genau so assimilatorksch wre die offiziellen Gegensätze zu erzielen, obwohl jetzt pro- .Feldgrauen. Und doch wird die jüdWe «W --«"-.«tisch keinerlei Differenzen zwischen' beiden heit und jeder einzelne gute Jude nichts unter-) AssiMilantev-Leute, denen es Mit dem Judentum ganz, bestehen. Es ist aber zu hoffen, daß diese lassen, um auch Heuer der Schwierigkeiten Hnr,ernst ist und die gar Nicht daran denken, ihre Kinder allmählich lösen zu werden und das geliebte heilige Fest in getaufen zu lassen, wie dies ,n anderen führenden Fami-. wohnter altererbtov Vätersitte zu feÄn. Dars i lien geschieht. Das schlimme ist nur, daß alle Assimilanda unser braven heldenmütigen Baterlandsver leidiger und der glaubensgeuössischen Kriegsgefangenen!vetrgessen׳ würjdoni? GswHnicht! Jeder, der einen Sohn, ׳einen Bruder, Freund oder Verwandten im Felde hat, weiß und muß füh° len, was im Herzen des teueren vorgeht, wenn der Zeitpunkt des weihevollsten der Feste, das Posslachfest, mit den herrlichen Sedembrnden hevannaht. Wer noch dazu wie, dev mitgefertigte Militärseelsorger Gelegenheit hat, mit den Soldaten in religiöse Fühlung zu treten nnid immer und wieder die t flehentlichen Bitten ׳ zu vernehmen, ihrer für die rituelle Pessachversorgung eingedenk zu sein, wird begreifen, wieso man sich, wenn auch nicht leichten Herzens entschließen kann, mit einem Weckrufe, wie den vorliegenden, der auch im Vorjahre an dieser Stelle ׳erschien, an die ohnehin stark bolastete jüdische Oeffentlichkeit heranzutreten. Die besten und edelsten Söhne Oesterreichs und Ungarns jüdischer Konfession stehen hier gemeinsam mit!ihren Kamevadep anderer Konsession!in treuer todesverachtender Macht gege׳ den wälschen Erbfeind. Sie verdienen, daß auch ihren heißen seelischen Wünschen wenn auch unter den schwersten Opfern, Rechnung getragen werde. Von der k. u. k. zuständigon, militärischen! Oberbohörde wird, wie im Vorjahre auch Heuer über Eischreiten des Gefertigten, das gewohnte, verständnissinnige! Entgegenkommen in weitträglichstem Maße nicht fehlen. Schritte zur Beschaffung der Mazzot sind auch zweckentsprechend eingeleitet worden, weshalb es die Gefertigten unternehmen, schon jiotzt die Bitte auszufprechen: ״Helfet uns. Euren Söhnen und Brüdern, Gatten und Anverwandtenferner!den religiosen Kriegsgefangenen eine große seelische Sorge abzunehmen und ihr frommes, für Gott, Kaiser und Vaterland treu schlagendes Herz zu erfreuen". Gegen tausend jüdische Soldaten und Kriegsgefangene wurden voriges Jahr mit Mazzot und teilweise auch mit Wein versehen. Mehr >als 100 Mann von Meran und Urngebung erhielten volle rituelle Verköstigung während der ganzen Festdauer. Leider mutzten viele zu spät eingelangte oder Verhältnisse wegen unerfüllbare Wünsche unserer lieben Feldgrauen unerfüllt bleiben. Wir hoffen daß dies letztere Heuer nicht der Fall sein wird müssen. ten ihre ganze Energie darauf konzentrieren, von den Polen außschließlich als Polen angesehen zu werden, und daß sie bereit sind, jedes noch vitale jüdische Interesse zu opfern, um den Wünschen der Polen zu entsprechen. Die sogenannten Unparteiischen sind ebenfalls keine Partei, sondern eine Grupe von einigen Notabeln, die entweder selbst Zionisten sind oder sich wenigstens als nationale Juden betrachten, aber sich parteipolitisch nicht festzulegen wünschen. Die Zionisten bilden demgegenüber eine feste Organisation. Sie sind seit Ausbruch des Krieges in Polen sehr erstarkt, haben ein Zentralkomitee in Warschau mit einem durchaus auch deutschen oder österreichischen Ansprüchen genügenden Büro. Das Büro steht zurzeit mit 70 Städten im Generalgouvernement Warschau in Korrespondenz. Es hat auch eine selbständig arbei- Lende Nationalfonds-Kommission und ist räumlich mit der Amerikanischen Sektion der Hilfskommission ver- Kunden. Die amerikanische Sektion ist sehr ordnugsgemäh eingerichtet, der Verkehr mit dem Publikum ftnrb, werden. Gerade bei den Verhandlungen, die in dieser Frage geführt werden, hat sich eins ergeben, daß nämlich die Zionistische Organisation in Polen, auch wenn sie zeitweise einen Teil der populären Stimmung eingebüßt hatte, sehr stark ist, daß sie tatsächlich neben den Assimilanten, welche als eine völlig identisch wirtschaftliche Gruppe eng aneinder geschlossen sind, die einzige politische jüdische Organisation in Polen darstellt. Die. Volksgruppe kann sich der Tatsache nicht verschließen, daß sie demgegenüber doch nur ein Komitee von einem halben Dutzend Personen ist — ohne besonderes Programm, nur getragen von einer Stimmung, deren Stärke und Dauer niemand übersehen kann, weil sie nur eine Stimmung unorganisierter Massen ist. Welche Kraft der Zionistischen Organisaiion innewyont. zeigt am besten die Wahl in Lodz. Von den 33 jüdischen Ratsmännern der Stadt Lodz sind nur l Assimilanten und 2 Neoassimilanten; die übrigen 26 stehen auf jüdisch - nationalem Programm und gehören zum jüdischen Wahlkomitee. Von ihnen sind 9 Mitglieder der Zionistischen Organisation. Jedermann in Lodz sehr vernünftig gehandhabt. Die Buchhaltung ist in guter i üieiß, daß diese organisierten 9 Zionisten im jüdischen ״״ .. r. — ~ ״..>״. Klub im Lodzer Stadtparlament eine führende Rolle einnehmen werden. Ordnung. Weit hinaus über den Kreis von 70 Städten, mit denen das Zentralkommitee in Korrespondenz steht, gibt es heute überall zionistische Mittelpunkte, sei es in Form von Vereinen, sei es als Bibliotheken oder als Schulen. Insbesondere ist es die Kulturarbeit, welche dem Zionismus rn Polen heute das Rückgrat gibt. Das Interesse für die Wiederbelebung der hebräischen Sprache ist in weiteste Kreise gedrungen. Nur dadurch erklärt es sich auch, daß das hebräische Schulwesen so großen Anklang gefunden hat. Es liegt hierin keine Feindschaft gegen das Jiddische, sondern nur das natürliche Bestreben jedes palästinensisch orientierten Zionisten, der hebräischen Sprache einen weitgehenden Raum zu schaffen. Man ist hierbei garnicht fanatisch, sondern nimmt auf die Lebensverhältnisse durchaus Rücksicht. Die Kinder lernen sehr schnell die notwendigen Elemente der Sprache und plaudern auch untereinander hebräisch. Außer den Volksschulen und Kinderheimen des Zionistischen Kuratoriums in Warschau und außer de. hebräischen Mittelschule «Jabnei" in Lodz gibt es in diesen beiden Städten auch noch Gymnasien, die man nationaljüdische Bildungsanstalten bezeichen ann. Sie haben zwar polnische Unterrichtssprache; die jüdischen Fächer werden aber sämtlich in hebräischer Sprache unterrichtet und Geist der Schule ist ein jüdisch-nationaler. Das jüdische Gymnasium Dr. Braudes in Lodz ist außerordentlich stark besucht, trotzdem das Schulgeld sehr hoch ist. Bor einem halben Jahre hat Dr. Braude auch ein entsprechendes Mädchengymnasium eröffnet. Die Bundisten und die Poale Zion sind zahlenmäßig nicht stark. Alle gegenteiligen Behauptungen sind unrichtig. Ihr Einfluß ist aber größer als ihre Zahl, weil sie, enbenso wie die Zionisten, eine Organisation und ein Programm haben. Interessant ist, daß bei den Wahlen in Lodz die Poale Zion mehr Stimmen bekommen haben als der Bund. Eine besondere Pareti der Jiddischisten gibt e» nicht. Der Bund sowohl Pie die Poale Zion sind Jiddischiften. Auch die Volksgruppe steht auf dem Stand- Punkt des Jiddischismus. Dies» ganze Stellungnahme ist noch eine absolut in der Entwicklung begriffene. Die nächsten Jahrzehnte werden klar und deutlich ergeben, inwieweit es den Polen möglich sein wired, sich mit den geringen Kenntnissen der polnischen Sprache zu begnügen, die sie heute haben. Die polnische Umgansspräche wird sich Wohl in dem Maße auSdehnen, als die Bildung und der Besuch höherer Schulen sich ausbreiten. Daneben wird aber, ganz gleichgültig, wie man theoretisch zu der Frage steht, das Jiddische auf sehr lange Zeit hinaus die Umgangssprache der Mehrheit der Juden bilden. Inwieweit daneben das Hebräische Platz greifen wird, wird von der Energie der Zionisten abhängen. Die Stimmung der Massen ist, ohne irgendwie gegen Jiddisch zu sein, für eine des hebräischen Unterrichts. Eine Jiddische Schule, in der die Kinder nicht hbräisch lernen, entspricht dem Empfinden der Massen so wenig, daß auch die Schulen des Herrn