Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVIII (1917)
- Issue
- Heft 5 (22.3.1917)
- Date
- 1917-03-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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chen. Es wurde endlich beschlossen, daß die Kam- Mission die Wünsche!der verschiedenen Parteien berichten und zu glechier Zeit auch ihre eigenen Vorschläge vorlegen soll. Die verschiedenen Kommissionen werden 6 bis 7 Mitglieder haben und vom Präsidenten ernannt werden. üiiiuljciiaii. 42., 60, Brockensammlung für jüdische Arme. Verteilungslokal 19. Bez. Alserstr. Wien. Spenden sandten: Gustav Taußig David Fanto 60, Bernhard Steinhof 20, Buchwald u. Co. 20, Eugen Herz 20, I. Schwarz 20, I. Lichtmeß 20, Leopold Haas 20, Dr. B. Pollak v. Paruau 20, Albert Hahn 20, m Feilchenfeld 10, I. Eisler u. Brüder 10, G. Ruzicka 10, S. F. Goldberger 10, PH. Liebermann 10 Wele Blüh 10, I. Kutscher u. Co. 10, N. Rauschberg 5, H. Taußig 5, E. Braun 6, E. Wohl 6, W. Anninger 6, I. Wolf 6, Mb. Kohrr 6 Kronen. — Für die nächste Verteilung sind 20 sehr bedürftige Familien vorgemerkt. Wir bitten um Kleider, Wäsche und Schuhe für diese ganz Hilfslosen, die auch für die geringste Gabe dankbar sind. — Vostand der Brockensammlung für jüdische Arme. Unserere Wohltäter und die Flüchtlinge. Dr .Schamarjah Lewin veröffentlicht in verschiedenen Zeitungen eine Abrechnung mit ״Hilfsverem" in der er diesen als ״gefährlichen Vermittler" und "Schandmal" der jüdischen Gesellschaft bezeichnet. Allein müssen wir in Oesterreich erst nach Deutschland zurückgerufen um diese Art von Wohltätern kenen zu lernen? Wir ״Flüchtlinge erfahren diese Art von Wohltätigkeit Tag für Tag an eigenem Leibe. Für ihr lumpiges Geld wollen sie nicht nur in Zeitungen gepriefen, in der OessenUrchkert angezübelt, von ״ho- Herr" Persönlichkeiten anigelächelt und mit Aus- Zeichnungen beschenkt werden. Sie maßen sich an .uns als ihr leblases Eigentum zu betrachten. Nicht nur auf unsere Religiosität wollen sie uns prüfen, unser Familienleben, unser Benehmen, unsere Sitten und Bräuche, unsere Sprache und Redensarten, unsere Häuslichkeit und Speisen bilden den! Gegenstand ihrer ״obhutlrchen" Fürsorge. Sie haben sich die Flüchtlinge gekauft,!darum schauen sie uns nicht nur in die Töpfe, was und wie wir essen, sie zählen nicht nur wie oft und wie wir uns waschen -und baden, sie wol- .len uns ׳auch dreinreden ״wie wir uns gegenfettig benehmen, wie wir reden und beten sollen, wie wir unsere Kinder erziehen und unsere Familien bilden müssen. Sie, denen Religion Sache der Opportunität ist, wollen uns Religion lehren. Körperliche und sittliche Reinheit ist nur bei ihnen zu finden. Redlichkeit und Geschäflsmoral, darauf haben sie allein Privilegten. Drum zählen sie unsere ״Preistreiber", achten darauf, daß wir nicht Drückerberger seien u. in jeder Hinsicht unseren.großen Verwandten keine ״Schande machen." Sie schenken Almosen, ohne die Grundübel zu bedenken, ohne die Armut beseitigen zu wollen. Sie züchten gewerbsmäßiges Bettlertum und verlangen nichts als ״Dankbarkeit." Nichts ist ihnen heilig genug, als daß sie sich von einem Eingriff zurückhielten. Nicht «als Brüder wollen sie den Brüdern helfen, als höhere Wesen lassen sie sich zu ihren ״armen Glaubensbrüdern" herab, und scheuen keine Erniedrigung, nur um sich überall als Wohltäter präsentieren zu können. Sonntagsruhegesetz zulässig seien; er glaube da- .beitergsnosienschaften, Kolonien ,und landwirther, so sympathisch ihm als strenggläubigem schaftliche Betriebe, speziell auch zur Forderung Katholik die Wünsche der frommen Juden seien, von Gemüsekulturen gegeben. Dadurch wurde, daß ihnen in diesem Falle doch nicht geholfen so gut es ging, für die Erhaltung der Wirtschaft, werden könne. Geh. Justizrat und Landtagsabg. lichen Existenzen gesorgt. Selbstverständlich Dr. Ad. I. Schmitt, gleichfalls Mitglied der mutzten auch Unterstützungen und Subvention Zentrumspartei, meint, daß wenn reichsgesetzneu für Arme, für bei Familien ei »berufener liche Schwierigkeiten im Wege stündon, diese ja Soldaten, für Krankenhäuser, Küchen etc. gedurch Anträge beim Reichstage beseitigt werden gegeben werden. . könnten. Stadtverordneter und Landtagsabg. Der sehr aufschlußreiche Bericht konstatiert, Adelung (Soz.) meint, daß dem Wunsche der baß die jüdische Bevölkerung Palästinas bewieorthodoxen Juden stattgegeben werden müsse, nur dürften dann die jungen Leute nach Sabbatausgang in der Nacht nicht stundenlang beschäftigt werdon. Auch für Konditoren und Blumenhändler, die durch die völlige Sonntagsruhe schwer geschädigt seien, müßt enAusnahmen gefunden werden. Schließlich wurde ein Antrag des Rechtsanwalts L. Mayer, Mitglied des Vorstandes der isr. Hauptgemeinde, angenommen, nach dem die völlige Sonntagsruhe Mar beschlossen werden solle, daß aber gesucht werde, eine Form zu finden, um den Schwierigkeiten der orthodoxen Inden zu begegnen. Demnach wird die völlige Sonntagsruhe in Mainz eingeführt, wenn Wiesba den und einige anderere Nachbarstädte sie ebenfalls einführen. sen hat, daß sie die Hilfsgelder, die durch das Hilfswerk gesammelt wurden, in sozialer Organisation für die Bedürftigen aber auch gleichzeS* tig zur Erhaltung geleisteter Arbeit und zum Aufbau der jüdischen Gemeinschaft verwenden kann. Infolge der langen Dauer des Krieges und besonders mit Rücksicht auf die -erschwerte Verbindung mit Amerika, ist gerade jetzt eine Forschung der systematischen Hilsstätigkeit für das Hilfswerk für Palästina erwünscht. Spenwerde,!ben werden an das Hilsswerk für Palästina( Postscheckkonto Nr. 4192 erbeten. Der Hilfsverein als ״Wohltäter." Die Sonntagsruhe in Mainz. Die Handelsammer gab ihr Gutachten dahin ab, bei Einführung der völligen Sonntags׳ ruhe die ׳am Sonnag schließenden Geschäfte ihr Personal zwei Stunden im inneren Geschäftstriebe arbeiten zu lassen. Auch die Stadtverordmeten befaßten sich mit der Angelsgenhert, die Stadtv. Bankier Eduard Simon als gesetztreuer Jude klar beleuchtete. Der Referent zu diesem Punkte der Tagesordnung bezog sich auf die Entscheidung des bayrischen Oberlandesgerichtes, nach der festgestellt sei, daß nach deutschem Reichsgesetz nur für ganze Gewerbe, nicht aber für einzelne Persanenkreise Ausnahmen vom Dr. Schmarjah Acwin protestiert leiden» schaftlich gegen die Vermittlung des Hilfsver- Einstellung des ״Warschauer Tageblatt". Eine'eines der deutschen Juden bei der Verteilung orthodoxe Tageszeitung.! der amerikanischen Hilfsgelder unter den polni- , schen Juden. Er!nennt den ״Hilfsverein" einen Die seit 16 Monaten in Warschau erscheigefährlichen Vermittler... Eine Organisatign, nende jidi'sche Tageszeitung ״Warschauer Tagedie es während des Krieges wagte, vor dev blatt" die von der!deutschen Presseverwaltung Deutschen Regierung mit einem vollständigen herausgegeben wurde und an deren Redaktion Programm zu erscheinen: die türkische Regie Schriftsteller H. D. Nomberg mitwirkte, Wb am! rung dahin zu beraten, daß sie die Jüdische 30. Jänner ihre letzte Nummer heraus. In die- Bank und den Jüdischen Nationalfond in Paläsev Abschiedsnummer erklärt die Redaktion, jte: strna auflöst, alle hebräischen Schulen dort müsse ihre Tätigkeit oinstellen weder aus Manschließt, wobei sie zugleich ein Verzeichnis von gel an literarischen Kräften noch aus Mangel! Lehrern Beamten und, gesellschaftlich Tätigen an einem genügenden Leserkreis, sonldern ledig-, nationaler! Richtung überreichte, die aus dem lich, weil das ״Warschauer Tageblatt" einer! Lande ausgowiesen oder zur Verbannung nach anderen Tageszeitung, seinen Platz räumen! werden sollten — eine derartige Organisation mutz."! verdient es, mit einem Schandmal versehen und Am folgenden Morgen erschien die erste aus der Gesellschaft ausgestoßon zu werden. Ditz Nummer.einer neuen Tageszeitung ״Das Jünunziation des Berliner ״Hilfsvereines", von Äische Mort". Im Prospekt wie im Programmseinem Vertreter in Jerusalem unterzeichtnet« artikel erklärt sich die Zeitung als Organ der wurde der Deutschen Regierung von dem Prä- Orthodoxie. Sämtliche gezeichnetten belletristi-! sidenten dieser Gesellschaft übermittelt. Diese schen und politischjen Beiträge der vorliegenden Tatsache war den Leitern der Hilfsarbeit in Nummern entstammten der Feder deutscher Amerika schon von anderthalb Jahren bekannt, orthodoxer Rabbiner. Nicht ein ׳einziger ostjü- Diese Personen hatten die Denunziation in bischer Schriftsteller nahm bisjetzt an dieser! ihren Händen, lassen sie, Verurteilton, den Zeitung teil. ״Hilfsverein" und trotzdem — ernannten sw Trotzdem das nunmehr eingestellte ״War-, denselben ״Hilfsverein" zum Abgesandten de« schauer Tageblatt" die zionistische' Politik in' amerikanischen Judenheit, und nicht bloß zum Polen bekämpft hat, muß gerade von zionisti-- Vertreter, sondern zum Herrn und obersten Ge« scher Seite angesichts der merkwürdigen Um-'bieter, zum alleinigen Verwalter der gesamten stände, unter denen die Redaktion des ״Tage-'Hilfsarbeit für Kriogsnotleidendde." Dr. Lewm blatts" ihre Tätigkeit ׳einstellen mußte, denn fordert zum Schlußeine reinliche Scherdung größter: Befremden Ausdruck gegeben werden.'Mischen dem! ״Hilfsverein" und dem Es ist bekannt, daß diese sonderbaren Begleit-! tungskomitoe des amerikanisch-jüdischen umstände in allen Kreisen der Bevölkerung fonds in Berlin. Polens und auch in Deutschland, so weit sie bekanntgeworderr sind, eine sehr scharfe, kritische Kommentierung finden. Jüd. Rundsch. Verwalt Hilfst Ein Hilsswerk für Palästina. Korrespontlenzen. HD Kurz nach Kriegsausbruch hat eine Anzahl Prag. Der Oberkantor Adolf Brod des jüdischer Vereine und Organisationen in' Kaifer-Jubiläumstömpel in Prag begeht am 10. Deutschland sich zusammengeschlossen, um die März l. I. den siebzigsten Geburtrstag und blühende jüdische Siedlung in Palästina, die gleichzeitig den 50jährigen Gedenktag als Kan- Kolonisten und Arbeiter, die Handwerker und tor. — Adolf Brod wurde am 10. März 1847, Lehrer, kurz alle Elemente der jüdischen Bein Lieben bei Prag,geboren, kam nach abgelegter völkerung, die der Ausbruch des Krieges in ‘ Leherprüfurrg und ausgerüstet mit den nötigen, schwere Bedrängnis gestürzt hatte, zu stürzen, vor dem Hunger zu retten, und vor dom vollständigen Zusamntenbruch zu bewahren. Das Hilfswerk für Palästina hat vor kurzem fernen letzten Rechenschaftsbericht, erstattet vom Versitzenden des Verteilungskomitees in Palästina, der Oeffentlichkeit übergeben. Es geht aus diesem Bericht hervor, daß die Tätigkeit des Hilss- Werkes in systematischer Mise erfolgt, so daß sie den größtmöglichsten Erfolg bringen konnte. Bis zum 1. Dezember 1916 wurden ca. 200.000 Mark überwieesn. Bis zum 30. Juli 1916 wurden hiervon über 100.000 Franks ausgegeben, davon ea. 80.000 Franks für Darlehen. Diese Darlehen wurden an die jüdische Bevölkerung Wissen als Kantor und Lehrer nach Brzeznitz im Jahre 1867 und im Jahre 1869 in derselben ,Eigenschaft nach Schüttenhofen, im Jahre 1871! nach Böhm.-Lerpa und im Jahre 1875 nach! Karlsruhe in Baden, damals war der Rektor des Seminars in Wien Dr. Adolf Schwarz! ebens Rabbiner. Im Jahre 1880 wurde er vom Vorstande der ehemaligen Neusynagoge in Prag als Oberkantor und Dirigent angestellt und. nachdem diese Synagoge s. Z. der Assanierung zum Opfer siel, an ihrer Stelle wurde in dev wurde, so wurde Herr Adolf Brod vom Vor-- stände dieses Gotteshauses als Kantor unÄ gleichzeitig als Dirigent akzeptiert, wo er p gewissenhafter Weise zur allgemeinen Zufrres organisierten Darlehenskassen zur Förderung, denheit in vollster geistiger und körperlichen ,__* v /Tf-<_t. r-.״. . m . rj£.- r-:״. «r—.t kvn\niA\an PtzM von Handwerk und Gewerbe, für Notstanidsarbeiten, für Versorgung der Städte mit Weizen und Mehl, für Krankenkassen, als Darlehen an Schulen, landwirtschaftliche Gesellschaften, Atz- Frische sein Amt versieht. Wir wünschen Doppeljubilar ein ah meo fchonim!