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Jüdische Volksstimme · 1917-03-22 · Heft 5 (22.3.1917) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVIII (1917)
Issue
Heft 5 (22.3.1917)
Date
1917-03-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. S. ״Mische Vsttsstimme" Sette 3 Neid und Mißgunst hervor! Mach Dich durch. gen sie. Wir wollen kein nationales Band als Unwissenheit beliebt! Das ist eine karnevalische Juden, da wir national nur Deutsche sein wol- Weisheit und — unser Leben sieht heute wahrlen. Wohl können und wollen wir als Menschen llich nicht nach Fastnachtsfreuden aus. I Mitleid empfinden mit Glaubensbrüdern, die Man kann wobl auck der Ansicht lein baft Glaubens wegen bedrückt werden, wir für bai Jud«ntum k-im allzu ^große Bedeut 1״"'‘e" ״״מ■•'^״״ ״t, wV ־,U• J!5e •i Lung hat, ob wir in Deutschland zwei oder Man-' ^and darf Ms nicht mit Sitz jüdische aktive Offiziere haben. Wer das -lM-n veremen Recht haben wir unbestreitbar, dieses im Namen!der Verfassung und der Logik zu fordernd Und unser wirkliches Jnteresie ist hier das Inleresse des Staates und der Gerechtigkeit. Denn wehe dem Staate, m beim) die Verfassung ein toter Buchstabe ist, in dem zwischen Leben und RM ein Abgrund klafft.!׳ Und wäre dieses ״im Interesse der Juden" nur eine schöne Redensart, man könnte sich damit wie mit jeder politischen Frage absinden. Aber es steckt dahinter eine irrtümliche und irreführende Auffassung jüdischer Rechte und Mischer Pflichten. Es steckt darin auch eine falsche Ansicht vom Verhältnis der Juden zu den andejren Bürgern. Man sollte in einer so ernsten Zeit wie der unsrigon endlich mit dem törichten und unwürdigen Spiele der ~ rechnung Auch noch manche andere Dinge müssen verschwinden, die nicht mit unserem deutschen im schwinden, die nicht mit unserem deutschen Volkstum im Einklang stehen. In eiinenm früheren Aufsatz aus dem Felde hat Willy Cohn die Hoffnung ausgesprochen, daß der Krieg eine Wandlung herbeigeführt habe, weil manches durch den Krieg von selbst beseitigt fei, so die Frage der Nahrung Er meint, diese Frage sei für einen jüdischen Soldaten kein Problem mehr, und die Zurückkehrenden würden es nicht verstehen, wenn alles da, was im Felde praktisch gelöst sei, wieder zu!m, Problem werden sollte. Man darf sich dieser enthusiastischen Zuversicht freuen, aber ich ENI iDTiaiieii fürchte, es wird doch noch viel ernster Arbeit Vro^entaus-! bedürfen, ehe die Absondrung, die die Speise- - ׳ ״•^ ־ -! gesetze^mit sich bringen, ganz überwunden sein aufhören. Die großen Ereignisse des Mg*uoemm*m Mn L-S-ns fragen nicht nach Parität mb relatiöen1 J 1¥,OT8;״ Jc6H b,c Ziffern. Deutschland und f-me Kultur sind nicht N^'^LK.E'che Gebote smd, den fall man Mahrdet, weil es -in paar jüdische Juristen ''^?/Eehren Ersuchen, er Verb,ndet rel.gw- oder Aerzte mehr gibt als es die heilige Norm - Gedanken m«t ihnen, und so wenig wir diese der Parität gebietet. Wohin gelangt m-m. wenn Ueberzeugung. man das Recht auf Leben und Schaffen und - > o wir .unsere das Recht auf Dmynheit nach Prozenten aus-^,Heit der°L°tt«°Rttfte^ w"rkUch m . .. .... , I Ueberzeugton ist klein, und daher, schadet es auch Wahrheit und Recht sind «die Grundsaulen wenig, wenn sie sich von . ihren christlichen Mit- ׳rin.es jeden gesunden Staatswesens. Alle kleinbürgern absondevn. Men Rücksichten müssen weichen,, wo es .gilt. Aber neben ihnen gibt es viel Zahlreichedem- Dienste der Gemem.schaft seme Kräfte zu dir sich absondern, obwohl sie keineswegs wechen. Wir Juden sind genau so ww die andern ^Etliche Gebote in den Speisegesetzen sehen. Burger 1m offentllcheu Leben deutsche Staats- Man kann es auf Reisen sogar öfters beobachburger und nichts anderes als das. Dieses Ge- ^n, daß Juden, die sonst gar keinen Wert aus fühl m uns -nucht zu verkümmern, liegt Mi rituelle Kost legen, doch rituelle Pension aufsu- Interesse einer gesunden Entwicklung Deutsch-, —weil sie dort gutes Essen finden oder ^?d. Ünserr Interessen als Juden aber wollen glichen ganz unreligiösen Gründev. wir selbst bestimmen und wirksam schützen. | So wird die Zahl derer, die sich '! ohne religiöse UeberzeriMng absonderm " — — ״־ י־ ־־־ ׳ —. stark vergrößert. Das aber ist ein schweres Hin-! recht. Ebenso wie der Gläubige die Speisegesetze Der Kuriosität halber bringen wir einen duften mutz, enbenso darf es der nicht tun, der Auszug aus einem ״Deutsches Judentum" henicht an ihren, göttlichen Ursprung glaubt, standen, rief die Unzufrichenheit der weiten Ein Konflikt in der Moskauer Hilfsgesellschast. Mit der Verzweigtheit der jüdischen Hilfs- Organisationen und der Ausdehnung ihrer Täftg'keit, insbesondere auf dem Schulgebiete, wurde von neuem der alte! Streit der iudischon Parteien entfacht, die sich angesichts der Not zur gemeinsamen Arbeit zusamm!en beschlossen hatten. Die Sprachenfrage wie auch die Unterschiede!in der Auffassung der Ausgaben einer jüdi» schen Volksschule brachten schon eine Reihe innerer Reibungen i!n die verschiedenen Abtei׳ luugen der großen Hilfsoiyganisation. Gegow> wärtig nehmen sie׳ in Moskau,!in diesem zweitgrößten Zentrum dör jüdischen Hilfsorgmrisation einen verhängnisvollen Charakter an. Auf der letzten, Jahresversamnrlung der Gesellschaft, an der nur 780 von den 6000 Mitgliedern teilnahmen, gelang es dem antizioniistschen, jidichischstischeü Block, die Mehrheitsstimmen für ihre Liste zu gewinnen. Von dm 15 Mitgliedern der Verwaltung wurde nur ein Vertreter der zionistischen Richtung (Herr A. I. Naiditsch) und zwei der dem Zionismus ,nahestehenden U,ausmonnschaftgruppe ,(die Herren D. Wissotzky und M. Ponisowsky) gewählt, und zwar auch diese nur, weil die Jidischiften ihren angebliche interparteiische Charakter bewahren wollten die Kaufmannschaft - Gruppe die die einflußreichtste unter allen Berufsgruppen, aus denen sich die Hilfsorganisation zusammensetzt, bildet und die zwei Drittel des Budgets -deckt, sah sich gezwungen, ihre gcwählten Vertreter zu beauftragen, das Mandat niederzulagen und der Verwaltung davon Mitteilung zu machen. Auch Herr Naiditsch sandte einen ähnlichem. Brief an die Verwaltung, in dem er mitteilte, da,h er, nachdem er auf Grund ner gegeirerischen Liste als einziger Vertreter der zionistischen Richtung im Konimitee, in dem die übeerwiogende Mehrheit eine extreme, den Zionismus bekämpfende Richtung die in Wahrheit nur ein kleiner Teil der Organisation vertritt, gewählt wurde, die Verant- Wortung für die Tätigkeit des Komitees nicht übernehmen könne und daher sein Mandat niederlegen müsse. Der Austritt dieser drei führenden Personen, die seit Ausbruch des Krieges an der Spitze der Moskauer Hilfstätigkeit titelten Aufsatz Prof. Dr.Samters, der im Besonders wichtig in dieser Frage ist das Ver- .״Liberales Judentum" Monatschrift für die AEen der liberalen Rabbiner, auch für sie, muß religiösen Interessen -des Judentums erschienen derselbe Grundsatz gelten-, den ich eben für die ist. Der Autor verlangt, vom Standpunkte aus- Laien aufstellte., Das die Durchführung für sie gehend, daß der Jude in erster Linie Deutscher schwieriger ist, gebe ich gerne zu, nicht aber,!ist, und daß das Vaterland der Religion! vorandaß sie, unmöglich ist, wenigstens bei weitem gehe, die Entfernung aller hebräischen Gebete, nicht für!alle. Darüber habe ich cvn׳ dieser Stelle aus dem ״Gottesdienste" und führt weiter aus: f$on dor 6 Jahren gesprochen, ich gehe also nicht «äfct lick aber di׳ Norderunc! beute durck-?od? e!'n!PaJ /hamuf ein׳. Ein Zufall-hat es geiübr^n obne bic fugt, daß damals unmittelbar hinter meinem SftSÄ s ‘*LS •äSW£ äs fesr׳״׳ oder die ihnen nahestehen, ohne sich so zu nen-,^ 1JL?le\n0^ ^lnwal hmgewresen. nen, ihren Gotttesdienst nach Belieben gestalten,', e uder werden denn die Spersegesetze von mag ihr Gottesdienst fremdartig bleiben, — in!^eralm Theologen heute pogrundet? Ich habe den Anderen Synagogen bekomme das Deutsche Hube öfters darnach gefragt, aber me eine ein-- sein gebührendes Recht.! eluchtende Anwort bekommen. Sie dienen zum rur ... ... c - . .. Zusammenhalten der Juden, sagte der eine. . Gleichzeitig horr man dann auf, m Reft- Wer gerade das Gegenteil ist der Fall, denn glonsunterricht der offentMen , Schulen Heb-! da die Mehrzahl nicht daran festhält, wirken sie braisch zu treiben, — an Religionsschulen mag, trennend auch innerhalb der Juden. Sie gees als Konzession beibehalten werden ) wöhnen an Enthaltsamkeit, war eine anders Ist erst einmal in einer größeren Zahl von Antwort. Auch das trifft nicht zu, denn wer da Orten der Deutsche Gottesdienst durchgeführt,? weiß,^ wie üppig sehr häufig in den jüdischen dann wird er sich allmählich sicherlich schon von? Pensionen der Kurorte die Mahlzeiten sind, der?selbst überall durchsetzen. wird ein Lächeln nicht unterdrücken können, wenn MLolick aber wäre leine Dur-bsübrun^'^ diese Art von ״Gnthaftsaimkeit" denkt. Am 11״ArmÖw ״ו uLlt schmerzlichsten war mir die dritte Antwort auf L"1".L?L?L S LLMtz.« » SA5"ÄÄ£ä״• ׳ Feiertagen wechseln, dabei mästen die beidei '^e״f emf 1!6et״‘en . Teile. Konservative, wie Liberale. KonzessionL ..®'־ ^lchaffung der fremden Sprache im machen. Bisher wurden ja Konzestionen fast! Gottesdienst und di« Abschaffung der Speise, nur von Seiten der Liberalen gemacht, man 8fW>e fmb ז«1ז »efjwele für die Forderungen, muß aber daran! festhalten, daß sie nur da berechtigt sind, wo auch die andere Partei zu gleichem bereit ist. die an ein deutsches Judentum zu stellen sind< Wie diese beide, mutz noch manches andere fallen, was unseren Volkssitten widerspricht. Wie Für dihebräische Sprachim Gottesdienst! NF hat man öfters angeführt, daß sie ein (guti־! orientaftsche Gebrauchstum gungsmittel der Juden verschiendener Nation«- litäten sei. Aber gerade dieser Grund spricht ge-' Oeffentlichkeit hervor. Die Verwaltung selbst drückte ihr Bedauern über dieses Vorgehen aus, hielt es aber für unmöglich, die Ergebnisse der Wahlen rückgängig zu machen. Unter der Kaufmamnschaft herrschte die Strömung, diese Hilfsor ganisation zu verlassen und eine neue, selbstständige zu gründen. Die Zionisten dagegen beschlossen, keine Spaltung in der Organisation hevvorzurufen, sondern bis auf weiteres an der Beteiligung in der Verwaltung zuverzichten und bic neue Jahresversammlung, abzuwarten. Von seiten der Neutralen wurde aber der Verwaltung wiederholt der Vorschlag gemacht, eine neue Wahtversamimlung, an der sich auch die weilten Kreise der Organisation beteiligen sollen, einzuberufen. Auch!die Versammlung der Moskauert Jüdischen Gemeinde, die bald darauf stattfand, faßte eine Resolution, in der׳es unter anderem heißt: ״Die gegenwärtige! einseitig parteiische Mehrheit der Verwaltung entspricht weder dem Charakter der Aufgaben der Hilfsortzanisation, noch den wahrhaften Kräfte- Verhältnissen der Moskauer Gemeinde.. Nur durch eine radikale Aenderung in der Zusam׳ menstellung der Verwaltung wird der unparteiische Charakter! der Hilfsorganisation, die das Vertrauen der gesamten Judenheit hinter sich haben muß, hergestellt". Die Verwaltung׳ blieb aber trotzdem auf ihrem Beschluß 'bestehen. Mn» 18. Januar fand eine! neue Versammlung der Kaufmannschaft statt. Nach einer eingehenden Behandlung!döv Sachlage erklärte sich die Versammlung mit dem der Verwaltung beveits mitigeteilten Beschluß einverstanden und forderte die Einberufung einer neuen Wahl- Versammlung. Dem soeben von seiner Reise nach Galizien zurückgrkehrten jüdischen Schriftsteller S. A. An-ski gelang es -aber, durch eine begeisterte Rede, in der er die Not der Juden zur okkupierten Galizien schilderte und vor giner Spaltung warnte, die Versammlung für eine Verstänmgungmögftchkeit zu gewinnen. Auch I. A. Naiditsch unterstützte den Vorschlag Anskis, den geschaffenen Konflikt einamt von bei-

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