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Jüdische Volksstimme · 1917-03-07 · Heft 4 (7.3.1917) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVIII (1917)
Issue
Heft 4 (7.3.1917)
Date
1917-03-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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.9h 3. ״Mische BsttSstimme" V1 e 1 Kost hat zwecks Ersparung von Service möglichst auf zu bedenken, daß Hunderte ohne Erwerb, ohne warme demselben Herd zu erfolgen, wie die der übrigen Mann- Kleidung, ohne Kohle, ohne Nahrung sind, die Gesuche, schaft. Nur wo dies untunlich ist, hat die Herstellung die sie uns um Hilfe flehend, einreichen, erzählen von mehrere Unterabteilungen angestrebt werden muß, zu erfolgen. Das Zutragen der rituell zubereiteten Kost von der Kultusgemeinde wird nur dann gestattet, wenn die Kost in Speisetraggeräten in der Größe für mehr als zehn Portionen — für deren Beschaffung jedoch unbedingt die jüdischen Kultusgemeinden aufzukommen Hätten — in die militärischen Objekte erfolgt. Das Zutragen der Kost hat in diesem Falle in militärischer Ordnung unter Führung eines Unteroffiziers zu erfol» gen. Das Abholen der Kost mit Menageschalen wird Wicht gestattete Diesfalls ist die Ueberweisung des Menagegeldes von den Unterabteilungen an die die rituelle Kost zubereitende und abgebende Kultusgemeinde gestattet. Der Unterabteilungskommandant (Stellvertretcr), dann die Vorgesetzten Kommandanten haben sich fallweise davon zu überzeugen, daß die hergestellte Kost in Güte und Menge auch dem Menagegeld entspricht. Ueber vorgebrachte Bitte des Mannes wird die Auszahlung des Menagegeldes auf die Hand an einzelne Personen, jedoch nur an den höchsten Feiertagen bewilligt. Die Militärkommandos haben im Sinne der vorstehenden Bestimmungen das Weitere im eigenen Wirkungskreise zu veranlassen. Mehrkosten infolge Verabreichung der rituellen Kost dürfen dem Aerar keinesfalls erwachsen. Diese Verfügung hat für die Armee jm Felde und für die im Bezüge der Kriegsverpflegung stehenden Unterabteilungen keine Giltigkeit. Da wegen Herstellung der islamitischen Kost bisher keine Klagen eingclaufen sind, hat die Zubreitung in der bishergeübten Weise zu erfolgen. herzzerbrechendem Elend, das kaum zu ertragen ist. Wüßten alle, die im Wohlstand leben, welch harten Kampf diese Arme bestehen, um sich vor Frost und Hunger zu schützen, sie würden wo und wann immer, eine Neuschaffung machen, daS entbehrlich Gewordene gern hergeben um die Frierenden zu kleiden, die, trotz Frost und Kälte barfuß Gehenden vor den Unbilden der Witterung zu schützen. Zu unserer letzten Verteilung sandten Geldspenden: Baron Rothschild 100 Kr., Leopold Blum 100 Kronen. Zu 25 Kronen sandten: Bar. S. Springer, Dr. Jakob Engel; Kais. Rat Rosenthal 20 Kr., je 10 Kronen: Dr. Alfred Berger, Frl. Mras, Leopold Wozasek, Th. Mayer, Adolf Streicher, Käthe Pick, Jgn. Pick; je 6 Kronen: Caroline Lichtenstern, Sara von Edith Waller, Dir. Hansheimer, S. Stern 3 Kronen, je 2 Kronen: F. L. Sstern, L. Preßburger, W. Bergel, K. I. Holzer. Für die nächste Verteilung sind 50 Arme vorgemerkt; sie haben nichts als dünne Sommerkleider, und zerrissene Schuhe. Wir bitten was irgend entbehrlich an unser Verteilnngslokal Alserstraße 42 zu senden, eventuell Abholung zu veranlassen. Jda Barber, Präsidentin der Brockensammlung lation. Die Vertreter des Magistrats erklärten, die In« den machten in den Gärten Unordnung, brächen Zweige ab und dergl. und störten überhaupt durch ihre lange» Kleider das Ansehen des Parks. Auch dieses Mal wird abgestimmt und die Behandlung dieser Frage abge« lehnt. Die drohende Gefahr für unsere Glaubensbrtt-er in Palästina. Wir haben oft genug auf das unbeschreibliche Elend hingewiefen, in welches unsere Glaubensbrüder in Palästina durch den Krieg versetzt wurden, aber auch die regste Fantasie konnte sich kein so grauenhaftes Bild ausmalen, wie es leider die traurige Wirklichkeit dort bietet. Nachstehender uns durch das hohe k. u. k. Ministerium des Äußern zugegangener Brief möge dieses dartun. Die Sonntagsruhe im Warschauer Magistrat. Jakob H. Schiff. Jakob H. Schiff, der bekannte jüdische Philanthrop, hat anläßlich seines 70. Geburtstages, der am 10. Jänner stattfand und der ihm herzliche Glückwünsche aus allen Teilen der Welt gebracht hat, eine große Anzahl von Beträgen gestiftet, deren Totalhöhe noch nicht be-- kannt ist, aber auf 750.000 Dollars geschätzt Wird. Aus den Bestätigungen der verschiedenen Institutionen, die beschenkt worden sind, gehen bis jetzt folgende Zahlen klar hervor: Pensionsfond für Rabbiner 100.000 Dollars. Amerikanisches Rot. Kreuz 100.000 Dollars, New- Aorker Universität 60.000 Dollars, Ämerikanisch-Jüd. Heimund Hospital 100.000 Dollars, Henry Street Sie delung 25.000 Dollars. Nun hat der Magistrat den ersten Schritt in Sachen der Sonntagsruhe getan. Es wurde von ihm eine gemischte Kommission eingesetzt und damit betraut, genaue Vorschriften über die Sonntagsruhe und die gebotenen Ausnahmebestimmungen auszuarbeiten. Die Kom- Mission setzt siA zusammen aus vier Delegierten des Magistrates, je zwei Vertretern des polnischen und jüdischen Kaufmännischen Vereines, sowie je zwei Delegierten der polnischen und jüdischen Handelsangestellten. Jm Projekte, das der Magistrat der gemischten Kommission als Unterlage unterbreitet hat, ist die wichtige Bestimmung enthalten, daß Werkstätten und Handelsbetrebe, die Juden gehören, am Samstag und an jüdischen Feiertagen geschlossen sein müssen, dafür aber von der Arbeitsruhe am Sonntag und an christlichen Feiertagen vollständig zu befreien sind. ' Es ist zu hoffen, daß dieser loyale, noch genau zu präzisierende Vorschlag die Genehmigung aller Jnstanzen findet und zum entgiltigen Gesetze wird. Oesterreichisches Landeskomitee vom Roten Mögen David, Wien, 2.Bez. Ferdinandsstr. 23. Unser Zentralkomitec vom «Noten Mögen David" in Luzern hat, wie für unsere österreichischen Kriegsgefangenen und Internierten in den feindlichen Ländern, so auch für die bei uns in Oesterreich in Kriegsgefangenschaft und inter- Die amerikanisch-Jüdische Hilfsaktion. Die Gesamtsumme der beim Joint Distribution- Commitee für die notleidende jüdische Bevölkerung eingegangenen Gelder betrug am 8. Dezember 1916 6,389.422.40 Dollars. Anglo-Jewish-Association. Am 7. Januar 1917 fand in London eine Sitzung M-rt Gch°It-n-n jüdisch-n Bekenntnisses einige tausend der AngI°-J-wish.Aff°ciati°n statt, bei der Her- Claude Kilo Mazzoth (Osterbrote) Herstellen lassen, für die bereits von der Schweizer Regierung die Ausfuhrbe tvilligung erteilt worden ist. Um den Kaufpreis dafür rechtzeitig erlegen und die wichtige Sendung übernehmen zu können, bitten wir um gütige Geldbeiträge an eine der Unterfertigten Adressen oder an die Redaktion dieses Blattes. Unserem .,Oesterreichischen Landestomitee" entsprechend besteht in Berlin ein deutsches unter dem Namen »Reichsverband für jüdische kriegsgefangenen Fürsorge" (Präsident S. Kirchstein, Berlin) und in Verona ein italienisches unter dem Vositz des Advokaten Angela Sereni, Nom. — Direktor I. Brichta, 3. Bez. Estegasse 6, Rabbiner Dr. Grunwald, 2. Bez. Ferdinandsstraße 23, Hofrat Dr. I. Schlag, 2. Bez. Obere Donaustraße 109. Verteilung in der Brockensammlung für jiHifche Arme. Wie war das zu Kriegsbeginn, wenn wir bie! Aus einem Briefe aus Jerusalem, v. 25. Dez. 1916. Ich ergreife die gute Gelegenheit, um Ihnen ein Bild von den hiesigen Verhältnissen zu geben. Vor Kriegsbeginn zählte unsere Heilige Stadt etwa 60.000 oder noch mehr jüdische Seelen, jetzt infolge von Ausweisen, unvergleichlich mehr aber infolge von Absterben, in den allermeisten Fällen buchstäblich vor Hunger oder Unterernährung, zählt die jüdische Bevölkerung, wie wir es im Weizensyndikat genau festgestellt haben, etwa 24.000 Seelen, nicht mehr. Das Hauptunglück ist die Misere mit dem Papiergeld. Alle Welt die für uns offen ist, schickt doch Geld, was kommt aber davon heraus, wenn wir blos 60 Prozent des Geldes erhalten? und dabei die furchtbare unerhörte Teuerung aller Lebensmittel! Ein hiesiger Jude, wie ich es bin, der noch Herz hat, muß angesichts dieser Umstände verzweifeln und verzagen. Blos von den von unserer Hilfskommission, hauptsächlich bedachten Mitgliedern der Gemeinden Kossow, Bukowina und Wiznitz, die infolge der Russeninvasion gar keine Unterstützung von ihren Landsleuten bekommen, sind im Laufe der Kriegszeit mindestens 30—40 Prozent Hungers, aber wörtlich Hungers gestorben. Und wäre nicht unsere Unterstützung gewesen, so seien sie sicher dessen, daß diese drei Gemeinden heute faßt kein einziges Mitglied mehr zählen würden. Sie wären alle elendlich zugrunde gegangen. Darum ergeht meine innigste Bitte an Sie, hochverehrter Herr Doktor, daß Sie auch fürderhin für unsere Aktion eifrigst arbeiten mögen und möge ein jeder einzelne Spender der Worte unserer Weisen eigedenk sein: ״Wer ein Menschenleben gerettet hat, hat eine ganze Welt gerettet". G. Montefiore präsidierte. Auf Vorschlag des Präsidenten wurden L 60 für die Schulen der Palestinensischen Flüchtlinge in Alexandrien bewilligt. Fräulein Landau, die Vorsteherin der Evelina de Rothschild-Schule in Jerusalem, wurde ermächtigt, eine Sammlung zwecks Erhaltung dieser Schule (die ihre Arbeit fortsetzt) in Höhe von 1600 ßj zu unternehmen. { Vorbehaltlich der Genehmigung der Negierung wurden L. 200 für die Bespeisung der Schülerinnen der Evelina-Schule in Jerusalem bewilligt. Konfessionelle Berkaufshalleu. Wie man weiß, hat der Warschauer Magistrat i. Okt v. I. eine Anordnug erlassen, wonach die Kaufleute in den städt. Verkaufshallen nach Konfessionen ihre Stände abzusondern haben. Den jüdischen Händlern wurden hierbei die Hinteren Räume zugewiesen. Ferner ist bekanntlich vom Magistrat endgültig beschlossen wyr Wie aus Vorstehendem deutlich genug hervorgeht, tut rasche und ausgiebige Hilfe dringend not. Außerdem stellen jetzt die nahenden Pessachfeiertage weitere gewaltige Anforderungen an unsere Hilfsaktion, um bei dieser ungeheuren Teuerung die brennende Frage der Mazzoth-Beschaffung auch nur einigermaßen befriedigend lösen zu können. Wir wenden uns daher an alle hochherzigen Menschenfreunde, diesen Hungernden und Notleidenden in ihrem schrecklichen Elend rasch und ausgiebig zu helfen. Das Präsidium der Hilfskommission 1915 für Palästina. — Wien, 4. Bez. Frankenberggasse 14. Wirbeltrommel rührten, so ganz anders! Hunderte von Packeten, die Kleider, Hemden, Schuhe etc. enthielten, den, den Eintritt in den ״Lasienkis" (Lustgarten) und zu langten täglich an, und wurden sofort an die zahllosen den ״Zoologischen Garten" Juden mit langer Kleidung Armen, die bittend genaht, verteilt. Und jetzt? Fast ist es, als hätte das vielgerühmte zu verbieten. Die beiden Maßnahmen haben hier naturgemäß jüdische Herz zu schlagen aufgehört. Die Armen komeine große Erregung unter den Juden hervorgerufen. _ . ״ .. . — /r . t QtMrtvS«!«tirtöW wen noch Einlaß begehrend, bittend wahre Jammergestalten, auf deren der Blick voller Teilnahme ruht, aber die Gaben für diese Armen, die hungernd, frierend da an der Türe stehen, und um Unterstützung bitten, sind leider ausgeblieben. Wir mußten bei der letzten Verteilung, um nur den Aermsten Hilfe spenden zu können, Kleider, Paletots, Wäsche etc. und Schuhzeug kaufen; aber wir alle wissen es: Wie wenig bekommt man um vieles Geld? Unser Vorrat war bald erschöpft. Und da standen noch alte, wie verhungert aussehende Frauen, Männer, in dünnen Sommerröcken, Kinder in defekten Schuhen, sie alle bitten, jammern, daß die Not so groß, die Unterstützung so gering, die Hoffnung, daß es besser Werden könne, so aussichtslos. Wir haben sie bis zur t-ü—slS— So hat die ״Volksgruppe" gegen diese Anordnungen Interpellationen eingereicht, die der Stadtrat in seiner letzten Sitzung betrachtete. Gegenüber der ersten Interpellation, die sich scharf gegen die Einrichtung eines ״Ghettos" in den städt tischen Berkaufshalleu wendet, las der Vicevorsitzende eine Rechtfertigung des Magistrats vor. Darin wird irgendwelche antisemitische Tendenz dieser Maßregel abgestritten, dagegen als ihre Ursache das Verlangen einiger polnischer Kaufleute angegeben. Hierauf schlägt der Vorsitzende vor, von Debatten über diesen Punkt abzusehen und zur Tagesordnung zu übergehen; in der folgenden Abstimmung wird mit einer kleinen Stimmenmehrheit der Antrag angenommen. Das gleiche Schicksal erfährt die zweite Jnterpel- Bon der Jefwish Colonization Association. Am 15. Dezember fand in London unter dem Vor» sitz des Herrn Claude G. Montefiore die Jahresver» sammlung der Jca statt. Der Tätigkeitsbericht wurde angenommen. Der Präsident führte aus, daß man mit Rücksicht auf die durch den Krieg geschaffene Lage alle Energie auf die außerhalb der Kriegszonen liegenden Kolonien verwandt habe. Er teilte mit, daß die Kolonisation in Argentinien gut fortschreite und bald finanziell unabhängig sein dürfte. Die Zahl der argentinischen Kolonisten beträgt 24.000. Die Kolonien der Jca in den Vereinigten Staaten und Canada befinden sich gleichfalls in einem befriedigenden Zustand. Die Wahlen ergaben die Wiederwahl der Herren Leonard L. Cohen, H. E. Lousada und Salomon Reinach für die nächsten fünf Jahre. Ein Vorstandsmitglied, das Untertan einer feindlichen Macht ist, wurde nicht wiedergewählt, da der Beschluß gefaßt wurden während des Krieges die Leitung ausschließlich in fran« zösischen und englischen Händen zu lassen. (?) An Stelle des verstorbenen Nareiffe Leven trat Prof. Albert Wahl in den Vorstand ein. Die erste Sitzung des Amerikanisch-Jüdischen Kongreß» Komitees. Rewyork, 2. Jänner. Am 25. Dezember 1916 trat nach zweijähriger Borarbeit die erste Konferenz des Kongretzorganisierungs» komitees zusammen.

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