Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVIII (1917)
- Issue
- Heft 4 (7.3.1917)
- Date
- 1917-03-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette S. ״Jüdische BolkSsti»«e- Nr 4 Nach der Wahl des Präsidiums folgten die Berichte der verschiedenen Komitees. Als erstes berichtete d Komitee, das die Frage der Zeit und des Ortes des KongreffeS zu lösen hatte. Auf Grund dieses Berichtes wurde beschlossen: 1. daß her Kongreß in Washington vbgehalten werde, ch 2. daß die Wahl von Delegierten zum Kongreß sofort beginnen solle, sodaß die gewählten Delegierten sich bereit halten können, auf Grund einer kurzen Derständigung zum Kongreß zusammenzutreten. Die uiio Adressen der gewählssen Delegierten sind sofort nach ihrer Ernennung dem Administrations-Komitee mitzuteilen. 9. Daß die Festsetzung des genauen Datums des Kongresses dem Administrations-Komitee überlassen werden solle, mit der Maßgabe jedoch daß dieses Datum nicht später als auf den ersten Tag des Monats Mai falle, wenn nicht am oder vor dem 16. März 1917 einzuberufen; in diesem Falle soll das Exekutiv-Komitee am ersten Sonntag des April 1917 zusammentreten und das Datum des Kongresses endgültig festsetzen. DerBericht, der vom ״Constructive-Relief-Comitee" (HilfsarbeitS-Komitee) erstattet wurde, rief eine Diskuffion hervor, die sich im Wesentlichen darum drehte, ob der Kongreß, der im übrigen in seiner Behandlung der wiederaufbauenden Hilfsarbeit unabhängig sein solle, sich in diesem Punkte mit den drei bestehenden jüdisch-amerikanischen Hilfskomitees in Verbindung setzen solle. Ein Antrag von Dr. Harry Friedenwald wurde schließlich angenommen, daß die Frage des ökonomischen Wiederaufbaues auf der Tagesordnung des Kongresses zu stehen habe und Laß die Entscheidung über die Detail-Fragen dem Kongrcsse selbst überlassen werden solle. Auf der Abendsitzung tourdc der Bericht des ״Wahl- Komitees׳ entgegengen1.׳mmen. Das ganze Land soll in Kongreß-Distrikte eingeteilt werden, und jeder Staat soll wenigstens eine Stimme haben. Jeder Jude oder jede Jüdin über 21 Jahre hat das Recht zu stimmen. Die Wahl von permanenten Beamten wurde zum Teil in der Abendsitzung durchgeführt. Das Nominierungö-Komitee erstattete abends seinen Bericht. Die Majorität des Komitees war für Adolf Krause als permauentcn Vorsitzenden, während die Minorität die Erncnnung von Louis Marshall empfahl. Beide treten freilvillig zugunsten von Nathan Straus zurück, der auch einstimmig gewählt wurde. Zionistische Arbeit in der Schweiz. Die Tätikeit der zionistischen Vereine in der Schweiz war in den letzten zwei Monaten eine außerordentlich rege. Die Ortsgruppe Zürich hielt mehrere Vereins- Versammlungen ab und veranstaltatete im November- Dezemeber Palästina-Vorlesungen. Die Zionistischen Vereine Zürichs, die durch eine Vertrauensmänner- Versammlung verbunden sind, veranstalteten gemeinsam eine Herzl - Feier, ferner eine Versammlung mit einem Referat über die Lausaner Nationalitäten-Konferenz und zu Chanukah eine Makkabäerfeiec. Der Zionistische Verein ״Makkabi" veranstaltatete am 10. Dezember eine große Vollversammlung zu Gunsten der notleidenden Juden in Palästina, die einen Ertrag von Franks 489,25 brachte. Der Akademisch-Zoinistische Verein ״Hechawer" beteiligte sich sehr rege am Zionistischen Leben Zürichs. Seine Wintertätigkeit leitete der Verein durch eine öffentliche Versammlung am 21. November ein, wo über ״die Judenfrage" als Europäisches Problem vom Verbandsvorsitzenden gesprochen wurde. Der ״Hechawer" hat hebräische Kurse für Erwachsene und Kinder eingerichtet. Die Zionistische Vereinigung Basel befindet sich in voller Tätigkeit. Im Laufe der Wintersaison hat die Vereinigung eine Reihe von Vortragsabenden veranstaltet, die alle gut besucht waren. Auch der Verein ״Zion" in Basel war eifrig zionistisch tätig. In St. Gallen herrschte ebenfalls zionistisches Leben. Im Juli fand eine Herzl-Feier statt, im November zwei öffentliche Versammlungen und im Dezember eine Makkabäerseier abgehalten. In Bern veranstalteten die Ortsgruppe und der Akademische Zionistenverein eine gemeinsame Herzl- Feier. Im November referierte das Mitglied des komitees Herr WeinbauW, in der Ortsgruppe und im Dezember wurde eine Makkabäerfeier abgehalten. In Lausanne arbeitet die Societe Academique Sioniste ״Hatikwah" mit Erfolg. In Genf vollzieht sich die zionistische Tätigkeit in der Hauptsache im Rahmen der ״Union des Sionistes", die'außer zahlreichen kleineren Verammlungen eine große am 16. Juli und eine Makkabäerfeier im Dezember abhielt. Die Studentenverbindungen nehmen viel aktiven Anteil am zionistischen Leben, wobei besonders die ״Jvriah" in Zürich zu erwähnen ist. Ebenso unterstützt die ״Nehardea" in Bafel die dortige zionistische Der einigung. Korrespondenz««. Wien. Donnerstag, den 16. v. M., fand im Zere moniensaale des Leopoldstädter Gemeindetempels die Trauung des Frl. Stella Jurberger, Tochter des Ersten Kantors der Kutlusgemeinde Herrn F. Jurberger, mit dem Bankbeamten Herr» Wilhelm Brandt statt. Prag. Das ״Prager Tagblatt" von Sonntag, den 8. Februar l. I. Nr. 47, bringt noch folgenden Bericht über einen hochaktuellen Vortrag des Dr. Eisenberg. Der Kriegsdienst der Frau vor und nach Mohämed. Ueber dieses Thema sprach am 14. d. M. im ״Deutschen Verein ״Frauenvorschritt" der Orientalist Herr Dr. Eisenberg. Er verstand es in kurzen Zügen ein Bild von den Kricgsmotiven in Arabien vor und nach dem Islam, sowie auch vom Anteil der Frau daran zu entrollen. Eine gesunde Volkspoesie blühte im Jahrhundert vor Mohammed auf dem Boden Arabiens. Diese berichtet, daß auch Frauen aufs Schlachtfeld zogen, um die Not zu lindern, aber auch um die Krieger durch daher das Motiv für die Streitigkeiten der Stämme, denn eine allgemein herrschende Anschauung besagte, daß die Seele des Getöteten solange am Grabe nach Rache schrie, bis dieselbe vollzogen sei. Nur dem Islam gelang es, die Stämme zu einen und Fälle der Blut rache unmöglich zu machen. Wer eine Seele schuldlos ermordete, ladet auf sich dieselbe Schuld, wie wenn er die ganze Welt der Vernichtung geweiht hätte. (Koran, Ture 5,35 - Vergl. Tank. 37). Dagegen schärft der Prophet die Gesetze des Glaubenskrieges, des Gihad ein, und verheißt dem auf dem Felde der Ehre Gefallenen die Freuden des Paradieses. Denn sie sind Märtyrer. Aber auch die Frau, welche im Wochenbett den Tod findet, ist ebensolche Märtyrerin und wird mit ihrem ins Paradies einziehen. Allseitiger Beifall lohnte diese herrlichen Ausführungen. Wien. Dem soeben erschienenen 29. Jahresberichte für 1916 dieses mit einem ständigen Bethause verbundenen, 215 Mitglieder zählenden Vereines im 2. Bezirke, Stefaniestraße 2, entnehmen wir, daß dieselbe trotz wesentlich verringter Einnahmen an Mitgliederbeiträgen — 38 Mitglieder sind zur Kriegsdienstleistung einberunfen — erhöhte Leistungen auf sozialem und humanitärem Gebiete aufwcist und seinen Besitzstand im Betrage von 29062.29 Kr. im abgelaufenen Jahre um 2952.68 Kronen vergrößern konnte. An der 5. österreichischen Kriegsanleihe beteiligte sich der Verein durch Zeichnung von 3000 Kronen, bei den 1., 2., und 3. Emissionen mit 10.000 Kronen, sohin im Ganzen mit 13.000 Kronen. Einen besonders starken Besuch verzeichnet das Bet- Haus des Vereines während der Kriegszeit, die Spenden reichlicher zufließen läßt, wodurch das seit 25 Jahren per 1784.08 entstandene Defizit des Bethaus-Konü nicht nur getilgt ist, sondern noch ein Ueberschuß von 392.69 erübrigt. Erwähnt zu werden verdient, daß in abgelaufenen Jahre nevst den ergiebigen statutarischen Leistungen 394.97 an Arme und Bedrängte, 21390 Kr. nach Jerusalem und 95.70 Kr. an den Unterstützungsverein ״Machsika hadaß" verabreicht wurden. Als Summarium seiner Leistungen nach Ablauf des 29. Vereinsjahres weist der Bericht d. K. U. V. ״Livias Chen" aus: An Krankenunterstützungen 28.773.36, Witwenunterstützungen 6665.42, Arme und Bedrängte 1935.80, Schiwahgelder 2415.22, Minjangelder 1292.70, Schmirahgelder 57, Begräbniskosten (Wagenbestellungen) 053.16, Errichtung von Grabsteinen für verstarb. Vereinsmitglieder 1375, Widmung zur Notstandaktion im I. 1914 100, Sammlungen für Jerusalem 554.42, Sammlungen für den jüd. Nationalfond 194.45, Ge- Währung zinsenfreier Darlehen 54.601 Kronen. lichte Höhen, eröffnet sie damit unendliche Aufgaben und erweckt sie aus de» Bewegung des Lebens gegen sich selbst immer neues Leben. Sie macht mit dem allen das Dasein nicht leichter, aber sie macht es reicher, bewegter und größer, läßt sie doch den Menschen bei sich selbst Weltprobleme erleben, eine neue Welt erstehen, ja eins Welt wahrhaftigen Lebens als eignes Sein gewinnen. Kein kräftiges Ja ohne ein entschiedenes Nein: das gilt vornehmlich für die Religion mit ihrer Behauptung vom letzten Kern und Sinn der Wirklichkeit; sie ist ihrem Wesen noch intolerant und muß intolerant sein, nicht ge» gen Menschen — denn jeder Mensch ist als Keim einer Unendlichkeit allen Formeln und' Bekenntissen über« legen — wohl aber gegen Denkweisen flacher und in ihrer Flachheit selbstbewußter Art. Denn niemand ist selbstbetvutzter als wer irgends Probleme sieht. Schriften des jüd. Buch- und Kunstverlages in Brünn. Bondy: «Geld und Gut" Ezählung aus dem jüdischen Leben.. Mk. 1.20 EliaS Dr. : Die jüd. Handwerkerschule in Mühl- Hausen.Mk. 0.50 Eisenberg Dr. I. : Weltkrieg und Weltfrieden. Mk.1.20 Funk Dr.: ״Für den Kaiser", königstreue Worte aus dem jüdischen Schrifttum .... Mk.2.20 Grunwald Dr.: Hilfskommission Palästina 1916Mk.0.60 Günzig Dr. I.: Israel Bal Schem der Stifter des Chassidismus . . Mk. 2-.20 Haas Dr. Th.: Die Juden in Mähren . Mk. 2.20 Hickls ״Jüdischer Bolkskalender" Jahrg. 1—14, per Jahrgang. Mk. 1.— Hickls ״Jüdischer Kriegskalender . . . Mk. 2.— Kurrein Dr. M.: Der Zionismus . . . Mk. 0.30 Kurrein Dr. M.: Am Grabe Herzls . . Mk. 0.30 Kurrein Viktor Dr.: Einweihung des Genesungs- Heimes in Meran.Mk. 0.60 Kohn Rudolf: Aus einer kleinen Kultusgemeinde (satyr. Erzählung.Mk. 1.20 Kohn Dav. ak. Maler: Krieg, Kultur u. Sabbat Mk. 1.— KrauS Otto: Zionismus und Sozialismus . Mk. 1.— Krenberger Dr.: Der Zionismus von heute . Mk. 0.50 Kriegshagabah mit Vorwort von Dr. Feuchtwang Mk. 2. Dr. S. Kanfmann: Essays, Palästinareiseschilderung Mk. 3.60 Leimdörfer Dr.: Die Keduscha-Predigten . .Mk. 0.80 Lederer Egon: Unsere Stellung zu den nichtsozialistischen Parteien.Mk. 0.30 Lederer M.: Aus jüd. Sphäre.Mk. 0.70 Nordau Dr. M. Der Zionismus.Mk. 0.30 Nurock M.: Der allruss. Kongreß .... Mk. 0.60 Porges Fr.: Die Helden .Mk. 0.80 ״ Licht (Schauspiel) . . Mk. 0.80 Predigtensammlung zeitgen. Kanzelredner . Mk. 3.— Pinkus Fel. L. Dr.: Palästina und Syrien Mk.: 5.— Protokoll des 5. Zionistenkongreffes . . . Mk. 1.50 Pinfker Leo: Autoemanzipation .... Mk. 1.— Nothblum Dav. Dr.: ״Golus" .... Mk. 2.50 Nabbinowitsch Dr.: Graf Zeppelin beim Wundcrrabi (Purimspiel).* Mk. 0:80 Sandler Dr. A.: Anthrologie u. Zionismus Mk. 1.20 Stein: Geschichte der Juden in Böhmen . . Mk. 3.20 Zlozisti Dr. Th.: Vom Heimweg .... Mk. 3.— Aus dem Werke: Der Wahrheitsgehalt d. Religion von Lucken. Die Religion erweist sich durchgängig als ein Reich der Gegensätze. Mit der Herausarbeitung solcher Gegensätze zerstört sie sicher den trüben Dämmerstand des Alltags und zerteilt sie deutlich Licht und Schatten. Sie Sie stellt unser Leben unter schroffe Kontraste und erzeugt die stärksten Gefühle und Bewegungen: in unserem eigenen Wesen zeigt sie dunkle Abgründe, aber auch ln Seide u. wolle Bücher-Werke in reichster Auswahl Tallesslm Tefillln liefert F M-1 Mrtl Brunn, Adlergisu Nr. t. 127301