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Jüdische Volksstimme · 1917-02-26 · Heft 3 (26.2.1917) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVIII (1917)
Issue
Heft 3 (26.2.1917)
Date
1917-02-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Rr. 3. ,Jüdische Bottsstimme" Seite S. Abg. Nikolaus Ritter von Waffilko und daS jüdische FlttchtlingSelend. gewählten Ausschüssen tun konnte. Sie wird treu die als ältester Sohn deS hochgelehrten Rabbiner Abraham Wacht halten, jederzeit gegen die judenfeindliche Matz- Neuda, des ersten deutschen Predigers in unserem! nahmen, gegen Verletzung der verfassunsmäßig zu geengeren Vaterlande Mähren, geboren worden. Nachdem währenden Grundrechte, gegen Entrechtung und Unterer hier die Volksschule absolvierte und nachdem er von Unter diesem Titel schreibt man uns: drückung energisch auftreten. Sie wird im Polenstaate feinein Vater in das Studium der jüdischen Wissenschaft Ich bin ein politischer Gegner des Abg. Waffilko. das politische Gewissen, eine machtvolle Verkörperung Mgeführt worden war, begab er sich, da sein Vater früh jch habe ihn in seinem Wahlbezirke in der Bukowina nicht des Ncchtsgedankens darstellen. Und dem einzelnen Ju- (kaum als vierzigjähriger) verstarb, nach Wien und! nur unter der jüdischen Bevölkerung bekämpft, sondern den wird die staatliche Organisation ein Rückhalt sein, widmete sich dort mit großem Eifer juristischen und mit seinen Gegnern unter den Ruthenen Beziehungen Sobald er weiß, daß ein ihm angetanes Unrecht vonj literargeschichtlichen Vorschungen, die bald die Auf-'gepflegt und sie bei jeder Gelegenheit unterstützt. Ich einer Staatsbehörde beachtet und verfolgt wird, von merksamkeit weiter Kreise auf sich lenkten. Kaum als einer jüdischen Behörde, die auch den Kleinsten und Ge- Dreißigjähriger trat er in die Redaktion der ״Neuen ringsten vertritt, wird ein ganz anderes Selbstbewußtsein und eine zielbcwußte Kraft in seine Seele ziehen. Und das diese doppelte Segen bestimmt aus der neuen Einrichtung erwachsen ivird, ist deutlich daraus zu ersehen, daß von altpolnischer Seite das Judengesetz mit sehr scheelen Augen angesehen wird. Mögen auch zurzeit mit Rücksicht auf die deutsche Verwaltung die Preßstimmen gedämpft erklingen, so bewertet man in jenen Kreisen doch die Verordnung als richtig. Man weiß genau, daß es den judenfeinlichen Tatendrang etwas zügeln wird Joses der Träumer. In Träumen und Sinnen verloren, Zum Liebling des Vaters erkoren. Geziert mit dem buntesten Kleid, Weckst glühenden Haß Du und Neid. Verkauft, Verraten geschwind! O, armes unglückliches Kind, An Liebe verwöhnt und an Pracht, Als Knecht und in Kerkers Nacht. Doch in Banden selbst, stark sich erweist Dein träumender, sinnender Geist, Verlieh'n vom Geschick und veralten Kommt er Dich aus Schicksals Ketten. Wie reich erst und mächtig an Segen Wacht er in der Freiheit sich regen! Dem höchsten auf Erden gleich. Beschützt er das fremde Reich. Doch neben des Geistes Gut Ward hoher Sinn Dir und Mut; Denn heldenmütig verzeih'n Kennt der Hohe, der Edle allein. Drum Josef für alle Zeit, Wie der Vater segnend geweiht Die Worte dem Liebliugssohne: Bleibst unter den Brüdern die Krone. So mein Volk, zum Liebling erwählet. Vom Geiste des Vaters beseelet. Von Haß drob verfolgt und von Neid, Als Knecht in der Fremde weit! Doch auch in Kerkers Nacht Zeigt sich die Geistige Macht, Hub heut' noch im fremden Reich Stellt sie dem Höchsten Dich gleich. Hilfst mit treuem Handeln und Sinnen, Mit mutigem, edlem Beginnen; Und sei es auch fremdes Gut Wir schützen's mit eigenem Blut. So ziehe auch mildes Verzeih'n, O Volk, in die Seele dir ein. Für die, so dich knechten und schmähen. Find ein brüderlich liebend Verstehen. Doch träunie und sinne nur lveiter, Sei der eigenen Träume und Deuter, Und — frei einst mein Volk, das gehöhnte. Das unter den Völkern, gekrönte! Freien Presse" als Gerichtssaal-Berichterstatter ein, wo er mehrere Jahrzehnte diesen Dienst auf das Gewiffen- Hafteste versah. Moritz Neuda war eine schriftstellerische Jndividua. lität. In seinen Geritssaalnotizen war so viel Persönliches, soviel von der Menschenkenntnis eines Mannes mit warmen Herzen, soviel juristischer Verständnis, wie man selten auf so verhältnismäßig beschränktem Raume vereint findet. Alljährig ein- oder zweimal schrieb Moritz Neuda für die ״Neue Freie Presse" ein längeres Entrefilet. Es war gewöhnlich ein Gerichtsfall, der allgemeines Interesse erweckt hatte, oder eine neue Bestimmung des Strafgesetzes, die Neuda veranlaßte, zu ihr Stellung zu nehmen, und man bewunderte dann den feinen Stilisten und bedauerte, daß er nur so selten an anderer Stelle als in der Gerichtssaalrubrik die Feder führte. Aber nicht nur eine schriftstellerische Individualität war Neuda, sondern als auch Mensch eine ganz ungetvöhnliche Erscheinung. Er war von einer Feinfühligkeit und Herzensgüte, von einer Leutseligkeit und Hilfsbereitschaft, wie nur wenige Menschen. Sein Beruf hatte ihn — wie ein Trauerredner treffend bemerkte — in den Gerichtssaal geführt, an jene Stätte, wo Leidenschaften aller Art zu Dramen sich türmen, da wie in einem Seziersaal die bösen Triebe blosgelegt werden, die uns innewohnen. Alle seine Menschenliebe hat durch all das Häßliche, das er gesehen, das er in der Schilderung erlebt, nicht gelitten. Und all die bitteren Empfindungen die in ihm wogen mochten, sie klärten sich auf der Warte seiner Be> habe dabei nicht nur die bukow. jungruthenische Partei zu treffen gesucht, vielmehr noch zielte ich es auf die Person des Abg. Waffilko, den ich für einen corrupten Demagogen und Schädling des bukow. Landes, des ukrainischen und auch jüdischen Volkes hielt. Allein ich muß gestehen, daß der Krieg und seine Folgen mich eines Besseren belehrten. Ich werde auch künftig vom Abg. Waffilko keine Interventionen für mich oder die Meinigen anstreben, fühle mich aber doch verpflichtet, ihm förmliche Abbitte zu leisten. Herr Abg. Waffilko! Während die jüdischen (auch jüd.-nationalen) Abgeordneten sich seit Kriegsausbruch scheu zurückzogen, nur auf ihr eigenes Selbst bedacht, pflichtvergessen und egoistisch bis zur Schamlosigkeit, haben Sie während der ganzen Zeit keine Mühe gescheut zahlreiche Interventionen, Wohl für Einzelne, (die aber in ihrer Gesamtheit eine stattliche Masse ergeben), vorzunehmen. Dabei haben Sie Ihre Tätigkeit nicht auf die Angehörigen ihrer Nation beschränkt. Sie waren großmutig genug alle Nationen der Bukowina gleichwertig zu behandeln und haben auch dem Stiefkinde des Ostens, dem jüdischen Volke, einen beträchtlichen Teil Ihrer Tätigkeit angedeihen lassen. Besonderen Dank schuldet Ihnen das jüdische Volk in Oesterreich dafür, daß Sie im Proteste, den Sie im Namen des Hlkrainischen Volkes gegen die Note Wilsons erhoben, das Elend der jüdischen Flüchtlinge nicht nur erwähnten, sondern es an die Spitze stellten. Sie, Herr Abg. Waffilko, als Angehöriger eines fremden Volkes, waren dazu umsoweniger verpflichtet, als Sie diesen Protest im Namen Ihres Volkes erhoben, also zu einer Hervorhebung des jüdischen Elends gar nicht verpflichtet waren. Das Sie es doch getan haben, schulden wir alle, die Flüchtlinge aus der Bukowina und trachtuugen zu diesem Mitleid ab mit den Opfern selbst/ Galizien, wie auch die Juden des Westens, Ihnen umsomit den Opfern der Gesellschaft. Wie oft mußte er durchs ^.hr Dank, als dies die erste offizielle Kundgebung seine eigenartigen, im Gewände schlichten, aber um so ci״e§ Belkes ist, die auch unser, der Juden, erwähnt, eindringlicher wirkenden Darlegungen in dem weiten', Dies, Herr Abgeordneter, werden und dürfen wir Ihnen Grünwald, Wien. Moritz Neuda. Kreise seines Blattes reines Mitgefühl zu erregen, wo Abscheu vielleicht allzu hart geurteilt hätte. In diesem Sinne konnte er als Vorbild der Berichterstatter seines Faches gelten, als Vorbild auch in der musterhaften Hingebung an alle Mühen und Beschwerden unserer hastenden, unserer atemlosen Arbeit. Mit diesen herrlichen Eigenschaften hat^ Neuda als langjähriges Mitglied der Verwaltung des, Journalisten und Schriftstellervereines ״Eoncordia" sehr viel Gutes und Bleibendes geschaffen. Es ist bezeichnend für den Ernst der Berufsauffassung, die ihn zeitlebens beseelte, daß er als junger Journalist in der ״Concordia" die Anregung gab zur Gründung eines beruflichen Ehrengerichtes, jener aus auserlesenen Schriftstellern bestehenden Körperschaft, die darüber zu Wachen hat, daß in ihren Reihen kein unwürdiger die Feder führe. Abt'r auch wo es galt, bedürftigeren Berufsgenossen oder deren Witwen und Waisen in Erfüllung ihrer sozialen Pflicht beizustehen, bekundete er eine Menschenliebe, die nur lvenigen eigen ist. nicht vergessen. Ein Flüchtling in Brünn. Kumlfchau. TosdeSfall. In Prag ist der langjährige Präsident der dortigen israelitischen Kultusgemeinede Dr. Arnold R o se n b a ch e r, einer der hervorragendsten Nechtsamoälte Böhmens, im Alter von 77 Jahren gestorben. Die Ueberführung der Flüchtlinge nach Westgalizien. Moritz Nenda war ein Onkel des ihm im Tode vorangegangenen bekannten Wiener Verteidigers Dr. Max Neuda und ein Neffe des berühmten und hochgelehrten Rabbiner Dr .Adolf Schmiedel. Seine Mutter Fanny Neuda, geb. Schmiedel, ist als Verfasserin verschiedener Andachtsbücher (Techinath) noch heute in den weitesten Kreisen wohl bekannt. Die hohe Wertschätzung, deren sich der Verblichene in der Wiener Gesellschaft erfreute, kam bei seinem Leichenbegängnisse, das sich zu einer imposanten Kundgebung gestaltete, zur lebhaften Ausdruck. Von nah und fern eilten die vielen Freunde und Kollegen, namentlich aus juristischen und schriftstellerischen Kreisen herbei, um ihren ausgezeichneten Führer das letzte Geleite zu geben. In der Zeremonienhalle des Zentralfriedhofes hielten die Herren Dr. Julius Sternberg namens der Redaktion der ״Neuen Freien Presse" und Dr. Julius Stern namens des Journalisten- und Schriftstellervereines ״Concordia" tiefempfundene Trauerreden. Beide betonten die unendliche Fülle von Güte und Menschlichkeit, die mit der Persönlichkeit des Verblichenen in die Tiefe versenkt wurden. Am 7. d. M. ist Moritz Neuda, Redakteur der'Ja Moritz Neuda war eine Persönlichkeit. Und darum ״Neuen Freien Presse", unter zahlreicher Beteiligung wird die Erinnerung an ihn nicht so leicht aus dem Geseitens seiner Berufskollegen und aus den Kreisen der dächtnis der Mitlebenden schwinden. ״Was vergangen, Wiener Anwaltschaft hochbetagt zu Grabe getragen workehrt nicht wieder. — Aber ging es leuchtend nieder — den. Mit ihm ist eine der iuteressantesteu und ver- Leuchtet,s lange noch zurück!" ehruugswürdigsten Persönlichkeiten aus dem Kreise der Wiener Jorualistik von hinnen geschieden. Moritz Loschitz. Rabb. Dr. Winzig. Neuda ist am 28. November 1841 in Loschitz, Mähren, .... Wie wir erfahren, sollen die Flüchtlinge und Evafilierte aus dem Osten, die jetzt in Nieder- und Oberösterreich, Böhmen ,Mähren und Schlesien, sowie Steiermark verteilt sind, nach Westgalizien überführt \ werden. Nach der betreffenden ״Miuisterial-Verordnung müssen sämtliche Flüchtlinge, auch diejenigen, die nicht auf staatliche Unterstützung reflektieren, eine der zwei Perlustrierungsstationen passieren, wo sie einer gründlichen Desinfektion unterzogen werden. Die Flüchtlinge unterstehn der beständigen Kontrolle der Staatspolizei und werden zum Teile in Privat- Häusern, zum Teil in Baracken untergebracht. Der Verteilungsplan auf die einzelnen Orte und Bezirke wird im Voraus von der galiz. Statthalterei bestimmt. Der bestimmte Aufenthaltsort darf nur mit Bewilligung der zuständigen Bezirkshauptmanuschaft geändert werden, die Zustimmung wird nur bei besonders berücksichtigenswerten Fällen erteilt. Der Ansiedlungs- Rayon umfaßt die Bezirke: Biala, Zywiec, Oswiecim, Chrzauow, Wadotvice, Mysowice, Nowy-Targ, Limanowa, Brzesko, Nowy-Sacz, Grhbow, Tarnow, Dabralva, Mielec, Tilzno, Gorlice, Jaslo, Krosno, Strzhzow, Ropczyce, Kolbuszowa, Tarnobrzeg, Nisko, Rzeszow, Laucut, Przeworsk, Brzozotv, Sanak, ferner die polit. Bezirke Krakau, Wieliczka und Podgorze, soweit sie nicht ins Festungsgebiet fallen. Zur Transferierung der galiz. Flüchtlinge. Wir erfahren im letzten Momente, daß die Nachricht von der Transferierung der galiz. Flüchtlinge nach Westgalizien auf eine falsche Kommentierung eines Ministerialerlasses beruht. Die Nachricht, die wir in dieser Nummer von den andern jüd. Zeitungen wiedergeben, ist nlo nicht richtig. Die Flüchtlinge verbleiben in ihren bisherigen Aufenthaltsorten,

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