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Jüdische Volksstimme · 1917-02-26 · Heft 3 (26.2.1917) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVIII (1917)
Issue
Heft 3 (26.2.1917)
Date
1917-02-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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% «eite «. ״Jüdische BsNSstimme" 9h 3 GtaatSsekretkr Zimmermann über das nene Indengesetz in Polen Die in Berlin erscheinenden ״Neuen Jüdischen Mouatshefte" (Heft 8, 1917) bringen folgenden interessanten Telegrammwechscl zwischen dem deutschen Gesandten in Washington, Grafen Bernstorff, und dem Staatssekretär des auswärtigen Amtes, Zimmcrmann. ,.״Seiner Exzellenz Grafen von Bernstorff, Kaiserlich Deutscher Gesandter, Washington D. C. Bezugnehmend auf die Verordnung der deutschen Regierung über die Organisation der jüdischen Neligionsgemcinschaft in Polen, welche in weiten Kreisen der amerikanischen Judenheit Aufsehen erregt hat, bittet ״The American Chronicle" Ew. Exzellenz um Aufklärung über die Art und Bedeutung des ertvähntcn Gesetzes. Die amerikanischen Juden wünschen zu erfahren, ob das neue Gesetz über die religiöse Autonomie für die polnische Juden die kulturelle Autonomie auf nationaler Grundlage einschließt, ebenso ob der oberste Rat der Juden, der durch das Gesetz vorgesehen ist in der Lage sein würde, an der künftigen Negierung Polens teilzunehmen und ferner, ob es wahr ist, daß die polnischen Juden in die neue polnische Armee eingereiht werden sollen." Seine Exzellenz der Deutsche Gesandte übermittelte dem ״The American Chrouicle" folgende Antwort, die vom Staatssekretär des auswärtigen Amtes, Zimmermann, unterzeichnet ist: Kaiserlich Deutsche Gesandschaft, 8. Nov. 1916. Washington D. C. An den Verleger des ״Amerikan Jewish Chronicle", Nctvyork. , In Beantwortung ihrer Ltnfrage über die Rechte, die den Juden in Polen gewährt worden sind, gestatte ich mir, Ihnen die Abschrift einer Depesche zu über- Mitteln, die ich soeben von meiner Negierung erhalten habe: 1. Das neue Gesetz über die Verwaltung und Organisation der jüdischen Gemeinden in Polen übertrifft nach übereinstimmenden Urteil aller Sachkenner bei weitem alle bisherigen Verfassungen für die Juden und vermeidet dadurch die durch die früheren Gesetze verursachten Fehler. Es gibt den Juden weitgehende Selbstverwaltung und die Möglichkeit zur Unterhaltung eigener Schulen auf Grundlage eines eigenen Unterrichtssystems. 2. Die Frage der nationalen Autonomie ist nur durch die polnische Verfassung zu lösen und konnnte durch das jetzige Gesetz nicht weggenommen werden. Hierzu ist eine vorhergehende Verständigung zwischen Polen und Juden erforderlich, um einen Jnterressenkonflikt zu vermeiden. 3. Jedenfalls ermöglicht die Verordnung die gesunde unbehinderten Vorwärtsentwicklung. Sie schafft Entwicklung eines blühenden jüdischen Lebens und einer Körperschaften mit Selbstverwaltung, die ihre Schulen organisieren, leiten, überwachen und den Lehrplan bestimmen. Sie haben die Befugnis zur Erhebung von Steuern und bilden angesehene Körperschaften zur Wahrnehmung jüdischer Interessen. Die Verwaltungsräte der Kreisgemeinden und der Oberste Rat der Juden, tvelche dem Gesetze vorgesehen sind, ermöglichen den polnischen Juden, an der künftigen Negierung des Königreiches Polen teilzunehmen. 4. Eine Zwangsaushebung von polnischen Juden erfolgt nicht. Nur freiwillige Meldung von Polen und Juden für die polnische Legion kommt in Frage. Der Umfang solcher freiwilligen Meldungen kann jedoch jetzt noch nicht übersehen werden. ( Zimmermann, Staatssekretär des Auswärtigen Amtes." Zionistische Konferenz in Ungarn. Am 25. Dezember fand in Budapest, zum erstenmale während des Krieges, eine Konferenz der ungarischen Zionisten statt. Den Vorsitz führte der Präsident ves ungarischen Zionistenverbandes, Herr A. Beregi, der in seiner Eröffnungsrede einen Bericht über die Tätigkeit während der Kriegsjahre erstattete und mit warmen Worten der gefallenen ungarischen Zionisten gedachte. Besondere Worte widmete er dem Andenken Dr. Ludwig Dömenys, der als Nationalfonds-Kominissär und Mitglied des Zentralkommitees große Verdienste um den Zionismus itt Ungarn hat. Dr. Josef Schönfeld erstattete ein Referat über die Lage des Zionismus iu allen Ländern, tvobei er er insbesondere auf die Erstarkung der jüdisch-nationalen Ideen in Amerika hintvies. Herr M. Kainmer ergänzte in seinem Referat über die Tätigkeit des Ungarischen Zionistenverbandes die Ausführungen d. Vorsitzender!. Er sprach insbesondere über das Zionistische Hilfswerk in Budapest für die Galizischen Flüchtlinge wofür der Landesverband ein besonderes Bureau kwMichtet hatte. Vom ungarischen Zionistenverbant ist ferner ein Kriegshospital eingerichtet und erhalten worden. Auch zu Gunsten der internierten russischen Juden hat der Verband verschiedentlich Schritte getan. Dr. Ludwig Simon berichtete über die Tätigkeit des Jüdischen Nationalsfonds in Ungarn: Die Sammlungen im Jahre 1916 haben etwa 32.000 Kronen ergeben, d. h. fast doppelt so viel wie in Friedensjahren. Besonderen Erfolg hatte die Kriegslandspende des I. N. F. Prof. Dr. M. Richtmann Referierte über die Parteiprcsse. In der Diskilssion wurde die Tätigkeit des Landeskommitecs und des E. A. C. von dem ehemaligen Leiter der J.N.F.-Sammclstelle, Dr. I. Fichor einer scharfen Kritik unterzogen. Nachdem ihm von vcrschicdenen Seiten entgegnet worden war, wurde der Tätigkeitsbericht angenommen und der Leitung das Vertrauen ausgcdrückt. 250.000 Dollar für jüdische Flüchtlinge. ״Kuryer Godziennh" meldet: Der amerikanische Botschafter Penficld erhält durch Vermittlung des Staatssekretärs in Washington von der amerikanischen Philantropischen Gesellschaft 250.000 Dollar, mit der Bitte, diesen Betrag dem jüdischen Verein ״Allianz" in Wien zu überweisen. Das Geld ist zur Unterstützrurg jüdischer Flüchtlinge aus Galizien sowie der armen Juden in den besetzten Gebieten Rumäniens und Serbiens bestimmt. Die amerikanisch-jüdische Hilfsaktion. Die Gesamtsumme der beim Joint Distribution eingegangcnen Gelder betrug am 8. Dezember 1916 6,389.422-40 Dollars. Das jüdische Hilfswerk in Amerika. Am 21. Dezember 1916 fand in der Carnegie Hall in Newyork ein gewaltiges Meeting zur Einleitung der neuen Hilfsaktion des Joint Distribution Committe statt, die ■ 10,000.000 Dollars für die jüdische Kriegsopfer aufbringen soll. Die Herren Dr. Magnes, Nathan Straus und Jacob H. Schiff hielten Ansprachen, und das Volksmeeting, das selbst für Newyork eine ungelvohnte Teilnehmerzahl aufweisen konnte, endete damit, daß an dem einen Abend 2,000.000 Dollars gespendet lvurdcn. Gleichzeitig wurden in anderen Städten Städte Amerikas etwa 1,000.000 Dollar gezeichnet. Die hauptsächlichsten Einzel-Beiträge waren: Jacob H. Sch.iff 100.000, Julius Nosenwald 100.000, F. M. Marburg 60.000, Nathan Straus 60.000, Mortimcr L. Schiff 25.000, Jacob Wertheim 20.000, Louis Marshall 16.000, Henry Goldmann 10.000, Eugene Meyer jr. 10.000, Daniel Guggenheim 10.000, Simon Guggenheim 10.000, Murry Guggenheim 10.000 Schilling. — Die Beträge, die in anderen Städten gezeichnet ivurden, verteilen sich auf: Chicago 500.000, Philadelphia 250.000, Pittsburgh 100.000, Rochester dl. U. 35.000, Louiswille Ky. 30.000, Indianapolis, Jnd., 25.000 Schilling. Aücüeröesprcchttng Die goldene Kette von Juda Leib Perez. Uebcrtragen von Siegfried Schmitz. Verlag R. Löwit, Berlin nn>A Wien. Polen nnd Inden. Zeitgemäße Betrachtungen von Dr. Max Nosenfeld, 1917. Verlag R. Lvwit, Berlin und Wien. Zwei prächtige Bücher hat uns dieser musterhafte Verlag geschenkt. Die goldene Kette, ein Drama aus dem chassidischen" Leben ist eine der stärksten und reifsten Arbeiten Peretz's. Generationen von Zaddik'eim ziehen an uns vorbei. Rabbi Salomo, will gegen den Willen d. Gottheit die ״Erlösung" bringen. Er will keine ״Halvdala" machen, damit der Sabbath ewig daurere, daß alle Sorgen der Menschheit, jegliches Leid nnd Sorge schwinde und die ganze Welt Sabbath habe. Die Masse braucht die kleinliche Sorge, sie will nicht ruhen und kann nicht feiern. So wendet sie sich Rabbi Salomos Sohne Rabbi Pinchas zu, der sie besser kennt, der den Wochentag mit seinen Mühen und Leiden lviedergibt. Auch er kann nicht alle festhalten, die sich um ihn scharen. Leah seine Enkelin, geht irre. Er vermag ihr nicht Führer und Wegweiser in dieser weiten Welt zu sein. Und als ihr Vater, Rabbi Moscheh, dies versucht, wird er von Jonathan, seinem Sohne, g> stürzt. ״Golden" ist nicht nur Sie Kettte, die ganze Generationen von Rabbi's und Chassidinr bilden. Das Milieu, in dem diese sich gebildet hat und sich dort fortbildet, die Ostjuden sie sind ^die goldene Kette" in ihrer Neligion lind Kultur, in ihren Sittten und Bräuchen, ihren Tun und Lassen bewunderswert und fchätzungslvert. t Mit Polen und Jussen hat uns der Verlag das B«ste gegeben, was bis heute zur polnisch-jüdischen Fragen erschienen ist. Mit großer Sachkenntnis u. noch größerer Offenheit rechnet M. Rosenfeld mit den Polen über ihre politischen Vergehen und Sünden gegen die Juden in Vergangenheit und Gegenivart ab. Unsere großen und kleinen Politikern bietet sich in den 60 Seiten dieser Broschüre ein schier unerschöpfliches Material und recht viele beherzigenswerte Grundsätze für ihre Politik. A. Dawid. Die in Boston versammelte nattonale Konferenz des Hilfskommitces erklärt: ״Die vom jüdischen Volke sind Keineswegs als Almosen, Wohltätigkeit oder Philantrophie zu betrachten; es ist nicht eine von einem einzelncn erteilte Unterstützung, sondern die natürliche und organische Anstrengung eines Teiles des jüdischen Volkes für den zweiten, eine Anstrengung für die historische Selbsterhaltung und den Bestand der ganzen jüdischen Nation. Die nationale Konvention erklärt ferner, daß für das jüdische Volk in den Kriegländern gesammelten Hilfsgelder nicht nur zur Erhaltung der physischen Existenz, sondern auch zur Rettung des Geistes des ruinierten Volkes bestimmt sind; zur Er- Haltung der jüdischen Kultur, zur Schaffung der Mittel, die dem leidenden Volke die Möglichkeit geben sollen, die Heranwachsende Jugend nach den Wünschen der Juden der verschiedenen Länder zu erziehen. Die nationale Konvention erklärt ferner, daß die Hilfsaktion für die Juden in den Kriegsländern keine zeitweilige, sondern eine dauernde sein muß. Sie muß dem ruinierten Volke sowohl in den alten als auch in den neuen Siedlungen den Wiederaufbau seine früheren ökonomischen Positionen ermöglichen und so die Notwendigkeit der Hilfe ausschalten. Die nationale Konvention wendet sich mit dieser feierlichen Aufforderung an alle 'Juden Amerikas und erinnert sie an ihre Pflicht, sich mit ganzem Herzen der Hilfsarbeit zu widmen, für dieselbe Geld, Kraft und Begeisterung zu opfern. Jnsbesondere fordert die Konvention die jüdische Jugend Amerikas aus, in dieser Zeit nationalen Unglücks und nationaler Gefahr ebenso wie die Jugend anderer Nationen ihre Pflicht gegenüber ihrem Volke zu erfüllen. Juden Amerikas! Seid eingedenk eurer gegenwärtigen historischen Pflicht! Die Würde der amerikanischen Juden und die Tragik des gegenwärtigen Augenblicks verlangen von uns die größten Opfer und feste Eintracht für die Selbsterhaltung und Erneuerung unseres Volkes." ״Glücksrad". Besonderer Beliebtheit erfreuen sich in allen Schichten der Bevölkerung von Oesterreich, Ungarn, Bosnien und der Herzegowina die durch die kaiserliche Verordnung vom. 4. Juni 1916 neu ausgcgebenen höchst patriotischen österr. Roten Kreuz-Lose. Dies mit voller Berechtigung, da jedweder Verlust des erlegten Geldes ausgeschlossen ist, kein zweites Los ferner einen derart vorzüglichen Spielplan hat und im Vergleich zu der Gewinnmöglichkeit so billig und sicher ist, wie eben die neuen österreichischen Noten Kreuz-Lose. Wir machen Sie auf das unserer heutigen Nummer beigefügte- Prospekt der Glücksrad-Gesellschaft für Handel mit Wertpapieren in Brünn aufmerksam. Bücher-Werke in reichster Auswahl Tallessim I״״ wöf.l Tefillin liefert iDdisdiisr Kuk־ u. luasMg, M um Brünn, Adlergasse Nr. 9. 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