Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1917-01-10 · Heft 1 (10.1.1917) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVIII (1917)
Issue
Heft 1 (10.1.1917)
Date
1917-01-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2621806-2621995-2621996--3540-2624743
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

*t. 1. ©olW^hnutc״ Mit 3 , Von &!t sslMli'tischett. Mllr!.sPMki,n,de Wicn Prasißent Tr. Albert St-׳,׳!:'. Bize-präsident Hofrat Dr. BenDni^ Rqppopert Md ObevvüMner Dr. Moritz GüdeittaM, den Vize- Präsidenten der i'fmelitischen Kplt.usgeM^.nid>s frag kaiserlichen Rat Roherk Fvchs Edlen v. obctth' Varstaindsnl itglied dev ijroeW-- schen KultusgemMde..Prmm, Adolf Herdan, der Migievungskonunissär der ssvaeli-tischen Kultnsjgan1jom.de Lemberg Dr. Emil Pärirüß,. di<e Präsidenten der israelitischen Ku-ltnsgemei>nE ger (Liinz), Simon Nendi (Graz), Dr. Reumann Wender (Czernowitz), Dr. Theodor Sonnenschein (TropMt), Karl Schütz (Triest), Dr. Josef Schanzer (Pi-ljen), Dr. Alois Hilf (Mähr.- Ostm.lt), Rudolf Löwy ׳(Salzburg), Wilhelm DannHauser (Innsbruck), Dr. Wilhelm Wolf (Wiener Neustadt), den Obnmnnsstellvsrtreter der Nchrasentantz der böhmischen Landesjudenschuft Dr. Heinrich Rosenbaurn mb für den Mührisch-güdischen Landesnrassafonds Dr. Si׳gp nünld Schimimerling. Nachdjenr das Kaiserpaar den Audivnzsaal betreten hatte, trat Oberra1bbi׳n.er Dr. Gi'ldpmann einige Schritte vor und erbat sich ׳die Erlaubnis, mit bedecktem Haupte die althobrätschen Segens- Worte i'iit Namen der gesamten österreichischen Jlidenschaft über ihre Majestäten Msspwchen zu dürfen..Nach erteilter Genehmiigung sprach der Oberrabbilrer erst den hebräischen Segensspruch und fuhr dann deutsch fort: /,Gepriesen sei der ewige Meltenherr, ׳der in seiner Gnade den.Abglanz göttlicher Majestät auf die glorreichen Hällpter Eurer Majestäten herabgesenkt hat und zu bctn wir i<uibränsti>g beton, daß dieser Abglanz in immer hellerem« Lichte des Glückes, der Freude, des Segens und des Friedens über Eure Majestäten erstrahlen möW Amen." In dieses Auren stinrmtein alle Anwesenden ein. Sodann hielt der Präsident der Wiener israelitischen Kultusgemeimde Dr. Alfred Stern folgende Ansprache an Ihre Majestäten: ״Eure Majestäten! Ehrfurchtsvoll nahen die gesetzlicheil Vertreter der Kultusgemeinden der Kronlands- Hauptstädte und einiger größerer Städte Oesterreichs, um nanrens der!gesamten׳ Judenschaft des Vaterlandes Euerer kaserlichen u. königlichen Apostolischen Majestät und ihrer Majestät der Kaiserin die allerlmtertänigste Huldigung dar׳- zübringen. Glücklich und hoffnUngsfroh hat die Jlidenschaft aller unter Euerer Majestät Szepter Vereinigtien Länder die Verheißung Eurer Majestät veruojmmen, die Rechtsgleichheit, welche wir Juden dein un>v,e«rg>eßlichen, nun,mehr verklärten ruhmreichen Vorfahren Eurer Majestät zu danken haben, sorgsam hüten zu wollen. In allen Gauen -dps Reiches fühlt.sich die jüdische B-evölkerrling eins mit ihren Mitbürgern׳ in der uinwandelbaren Tre!W zu Kaiser uud׳ Reich, eins Mv der Bereitwilligkeit, Gut und׳ Blut für Thron uilld Vaterland zu opfern, eins in der Freude über die ruhmreichen Erfolge unjereiv tapferen Armee, eins in der stolzen Zuversicht, daß es Eurer Majestät ruhmbedeckten Armee ^baldigst gelingen wird, den endgültigen Sing über uusere Feinde Al erringen. Wir sind glücklich, die Huldigmig unserer Glanbensbrüder Eurer Majestät hellte zir Füßen legen zu dürfen, da erst vor welligen Tagell die verbündeten Armeen i!n> uNwiderstehlichenl SiegesziW einen neuen Heinitückischen Feind bezwungen, glücklich, daß un sere Glanbeilsbrüder iiu Heer auch hier terlhaben durften au dieser Großtat, durch welche zu Habsbugs Nlchjm. und Ehre das Licht der Freiheit abermals in׳ das Land eines Feindes getrageil wurde, i!n wlchenl unsere Glaubensgen,offen inlter entehrendem Drucke schmachten. J!!l traditioneller K׳ais,ortrene, in herzinniger Liebe für Eurer Majestät geheiiigtie Person׳ richten wir in allen ullseren Gotteshäusern vor geöffneter heilliger Bundeslade, richten wir alltäglich und stündlich -in der Stille ullseres Hauses unsere Gebete enrpor; Es möge Gott, der Allmächtige, Cure Majestät auf allen Wegen beschirmen, Eurer Majestät Sieg und Ruhln und Herrlichfeit verleihen. Ihre Majestät, umjsgre erhabene Kaiserin, behüten, Ihr gütiges Herz in Vorbildsicher Ausübung wohlltätiger Werke stärken, Seine kaiserliche und königliche Hol>eit den Krönpriurzell lvachseu, .gedeihen, erstarken lassen, das ׳erhabene .Herrscherhaus m seinen gaadenreichen Schutz nehnlen! Gott erhalte, Gott beschütze unfern Kaiser Karl 1., unsere Kaiserm Zita, Ihr erhabenes Haus! Se. Majestäs der Kaiser gerlchte hierauf allprglwdigst zu ׳erwidern: ״Die Mir ünd der Kaiserin von den Bertretern der israelitischen Knltnsgemeinden im Namen ihrer gesamten Glaubensgenossen dargebrachte Hnldigung nehmen wir mit Herzlicher Erkenntlichkeit entgegen. Die jüdische Bevölkerung hat immmer ihre Liebs nnv Anhänglichkeit an Mein Hans nnd das Vaterland bewiesen und in der gegenwärtigell großen Zeit zu den unter Gottes gnädigem Beistartd erzielten Erfolgen opferfreudig mit Gut und Blut beigetragen. wie Ich von der Unerschütterlichkeit dieser pattlütifchen Gesinnung überzeugt bin, ebenso mögen Ihre Glaubensgenossen versichert fein, daß sie sich in meinstt Landen der allen Bürgern gewährleisteten Rechte stets uneingeschränkt werden erfreuen können. Gerührt von den Segenswünschen, die Sie in Ihren Gotteshäusern für Mich und die Meinen zum Himmmel senden, sagen Wir Ihnen auch für diese fromme Bekundung Ihrer treuen Gefühle llnseren wärmsten Dank." Die huldvolle Antwort des Monarchen übte auf die Anwesenden tiefen Eindruck aus. Hieraus erbat sich der Präsident Dr. Stern neun!rl ich das Wort, ujm! die Mitteilung zu erstatten, daß die i>svael׳.iti׳sche Kllltnsgemeinde Nagusa (Dubrovnik), die infolge der Kürze der Zeit einen Vertreter nicht entsenden׳ konnte, ihn bieicmftragt habe, bei׳ der Huldi!guin1gsdepuati!onden nnwandelbaren Gefühlen ihrer untertänigsten Treue und Ergebenheit an׳ den Stufen des allerhöchsten Throites Ausdruck zu geben. So. Majestät mljm die vorgewiesene Depesche zur Hand und und reichte sie auch Ihrer Majestät der Kats er in und beauftragte sodanu den Präsidenten Dr. Alfred Stern, der Kultusgememde Ragusa seinen Dank für!die, bekundete patriotische Gesinnung zu übermitteln׳. Ihre Majestäten,geruhten sodann, sich vom Präsidenten Dr. Stern die einzetnen Mitglieder der Abord>nruV vorstellen zu lassen und jeden der Herren durch, gnädige Ansprachen cmsznzeichnc'n. Dem Ob׳errabbbi,!׳gr Dr. Güdemann sprach der Kaiser, indeni er ihm׳ di!e Hand reichte, den Dank aus. Er erkundigte sich sodann über die Dau׳er d׳er Tätigkoit des Oberrabbiners in׳ Wim und bemerkte au-f dessen Antwort, daß er s.'it fünfzig Jahren in Wien wirke: ״Das ist ei,n«e lange Zeit." Der Kaiser ließ sich sodann die« Mitglider der Deputation vom Präsidenten D. Stcr׳n vorstellen, erkundigte sich bei ihnen über ihre Privat- Verhältnisse und übpr die Verhältnisse der vom ihnen vertretenen Gemei,n׳den׳ oder Körperschäften und bekundete besonders lebhlaft>es Intreffe für die Zlpprovisionierrmjgfragen der einzelnen Städte, aris welchen die Vertreter gekommen sin^b. Die erweiterte Autonomie Galiziens und die Juden. Herr Dr. S» Kassner, Advokat u. Militärverteidiger in Czernowitz, früheres Mitglied des dortigen Kultusrates, gegenwärtig Vicepräsident des «Jüd. National- Vereines in Oesterreich" schreibt uns über obiges Thema folgendes: ״Die Volksinteressen der Juden stehen in keinem Gegensätze zu den Strebungen anderer Nationen. Die Wiederaufrichtung des polnischen Staates wird daher seitens der österreichischen Juden in gleich st)1npathischer Weise wie von den anderen Völkern aufgenommen. Zweifellos wird von vornhrein für die Sicherung der Wohlfahrt der Juden im Königtume Polen — in nationaler und ökonomischer Beziehung — von den Lenkern des neuen Staatslvesens in ausreichendem Maße gesorgt werden, so daß seitens der Mittelmächte sich als überflüßig eriviesen dürfte, Maßnahmen zu treffen, lvie sie tm Berliner Vertrage für Rumänien seitens der Signatarrnächte erforderlich waren. Damit erscheint die Lösung der Judenfrage hinsichtlich Polens aufgeschoben. Sie fällt in die Kompetenz des neuen Staates. Die Ertveiterung der Autonomie Galiziens hingegen ist ein Gegenstand, der begreiflicherweise das Nächstliegende Interesse der österreichischen Judenschaft berrührt. Galizien und die Bukowina haben bekanntlich nahezu eine Million Juden, wovon 000.000 auf Galizien entfallen. Die Stellung der nationalen Juden zu dieser Frage ergibt sich aus dem österreichischen Programme derselben und ist aus nachfolgender Resolution ersichtlich, die einstimmig in der General- Versammlung des ״Jüdischen Nationalvereines in Oesterreich" jüngst angenommen lvurde und folgendermaßen lautet: ״Getreu dem Krakauer Programme erklärt die Generalversammlung des Jüdischen Rationalvcreines an dem Programme der Erhaltung festzuhalten. Sie erklärt tveiters, unter Festhaltung der Forderung der Anerkennung der Juden als gleichberechtigte Nation, alle Bestrebungen zu unterstützen, welche auf Herstellung des Völkerfriedens und eine großzügige Wirtschaftspolitik gerichtet sind." Nach dem kaiserlichen Handschreiben erfolgt die Er- ׳»veiterung der Autonomie, ״um der Bevölkerung Galiziens die Getvähr ihrer nationalen und lvirtschaftlichcn Entfaltung zu bieten." Die Bevölkerung Galiziens׳ setzt sich bekanntlich aus Polen, Nuthenen, Deutschen u. Juden zusammen. 000.000 Juden sind ein nicht unbeträchtlicher Teil der Bevölkerung und im Sinne des kaiserlichen Handschrcibcns tvird zweifellos seitens der Negierung auch die Formsk^gefunden werden müssen, um den Juden Galiziens gleichfalls die Wahrnehmung ihrer Volksrcchte zu ermöglichen. Der Kommentar der ״Wiener Zeitung" spricht lvohl nur davon, daß eine Grundlage für ein Einvernchrnen zwischen beiden, das Land bewohnenden Volksstämmen geschaffen werden müsse. Gemeint sind offenbar Polen und Nuthenen. Das kaiserliche Handschreiben jedoch spricht von der ״Bevölkerung", nicht bloß von zwei Volksstäminen, und daran muß festgehalten werden. Die Nationalität der Juden ist durch die Sprache nicht bedingt. Ebenso wie sie in der Bukowina deutsche Sprachgenossen sind und national sich als Juden betä- Ligen, in den Landtag in der deutschen Kurie abgesondert wählen und einen jüdischen Klub bildeten, bleibt cs den galizischen Juden unbenommen, unbeschadet ihrer nationalen Betätigung als Juden, sprachlich auch ein polnisches Kulturelement im Lande bilden. In der Bukowina konnte bekanntlich die jüdische Kurie gerade wegen Galiziens und wegen der Haltung eines Teiles der Juden Westösterreichs, nicht gewährt tverden, obwohl im ersten Wahlreformentwurfe, den der Landtag einhellig annahm, den Juden ein gesonderter nationaler Wahlkörper zugebilligt war. Diese Rücksichten werden jetzt wegfallen. Die jüdische Wahlkurie ist demnach eine Plattform, auf der in Galizien eine nationale Verständigung zu erzielen, empfehlenswert erscheint. General-Versammlung : ׳׳.׳>,/? E'EtzU des Rabbiner-Vereines. Mittwoch am 27, Dezember 1010 fand in Prag, Hotel Bristol, um halb drei Uhr nachmittags die Generalversammlung des Rabbinerverbandes in Böhmen statt. Im Zeichen des Krieges infolge des schlechten Verkehres und des kostspieligen Lebens in der Fremde war die Versammlung weniger zahlreich als sonst besucht, trotzdem seit 1013 keine Versammlung stattfaud und' ein größeres Interesse bei den Mitgliedern hätte erwarten lassen sollen. Vor dem Eingehen in die Tagesordnung gab der Vorsitzende Proffessor Dr. Adolf Kurrein nach herzlicher Begrüßung der Antoesenden der Trauer Ausdruck über das Hinscheiden des unvergeßlichen allverehrten Kaisers Franz Joses betonte besondes, daß er der erste Kaiser in Oesterreich war, und wir Juden ihm eine unvergängliche, dankbare Erinnnerung in unserer Geschichte und in unseren Herzen bewahren werden. Zum Zeichen der Verehrung hörte die Versammlung stehend den Nachruf an. Daran schloß sich im Sinne des Bereloigten die Huldigungs- und Ergebenheitskundgebung für das neue Herrscherpaar, die auch telegraphisch an die k. k. Kabinettkanzlei geleitet iverden sollte. Hierauf erstattete der Präsident den Tätigkeitsbericht. In demselben fesselten besonders 2 Punkte die Aufmerksamkeit. Das Ansuchen des Nabbbinerverbandes, daß auch den Rabbinern als Neligionslehrern an den k. k. Mittelschulen eine Teuerungszulage in demselben Verhältnisse, wie den definitiven Professoren zuerkannt werde. Nicht allzulange ließ die Erledigung des k. k. Ministeriums aus sich warten. Es wurde den israelitischen Religionslehrern wohl nicht eine '2

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.