Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1916-12-22 · Heft 22 (22.12.1916) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVII (1916)
Issue
Heft 22 (22.12.1916)
Date
1916-12-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2621806-2621974-2621994--3532-2624735
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

WWW MWMMM :;fj^atsr^־ : MW^U!b ■;..י'ל‘■׳'. ..*•*“ ■ -rMWUv kleinen Schwester eine Ohrfeige gab. ES wäre nicht noch unterhielt man sich recht gemütlich;, a^e lauschten Feste sind nur schwer drang die Sonne deS Westenzu artig alles zu erzählen, was der schlimme Nimmersatt den Worten dd- Gelehrten, seiner einfachen, aber geist-' uns. getan hat." Endlich gingen sie in den schönen Säal reichen Sprache. Mein Vater erzählte unter anderem, daß! Am 2. Rypember erst kamen wir zu dieser Einsicht, und obwohl cs im Winter War, glaubte Klan im einem er vom Kaiser, der von den Stadtbehördcn und den ver-׳Denn da stand eS in den Grazer Tageszeitungen: Besonders feierlich ging die Allerseelenfeier am reichgeschmückten israelitischen Friedhöfe gu. Als Vertreter Garten zu sein-, ObstbänUchen, Orangen, Feigenbäume schiedenen Lehrkörpern aufgewartet wurde, ange standen in gotdMen Fässern, herliche Blumen und Silsprachen wurde, aber nicht, daß er stolz darauf sei. Men dcrhlätter, große Zpringbrunnen in Regenbogenfarben, schengröße und Schatten" ist gleich viel »aber einem des MititärkömtnctnBös;..:; Messen lasen Bet Held Laubgänge, bedeckt mit großen süßen Trauben, dann Rosche zu trotz, einem Gyinnüsiatdierektör. der mich in rabbiner Dr. Herschkowitz und Äandesrabbiner Är: herrliche, große Lampen, Kerzen, die ein Engel auf Blu-^ Hintergrund stellte, daß ich beinahe unsichtbar wurde Herzog ustv. menkelchen über dem Kopfe hielt. das schien eine Channu kah« Menohra zu sein» herrlichen Gesang und Musik, man dachte eS wäre ein TeMpelchor» wie man au Feiertagen im großen TeMpet in Wien hört. Große Spicgelreflecktören genannt, Wo man die und deshalb hervortreien mußte, weil unser lieber Kaiser fragte, waruM man meine Person nicht . sehen könne? Der Direktor verbleichte vor Furcht Und Grimm!" AIS er die Geschichte beendet hatte; klopfte jeckäüd. Es war das junge DieNstmiidl, das kürzlich vom Dörfchen Person» die vor denselben stand, in allen möglichen j©tef־| Itt die Stadt kam; sie sagte; daß ftfc den jungen Herrn ab tungeü sah. Papageien, wo jeder in einer atldbren!)ölen komme. ״Aber erst nehmen sie liebe Marie ein den Ankommenden begrüßte: ״ScholauM alecheiü!"! Buterbrot und Tee." »Ach danke gnädiges Fräulein; ״Servus!," ״Goöd bhtzl," »Bon jünr!" Im vergoldeten ich bin g'waunt, daß man mir so bull Ehr anthat." »>Ra Käfig wären kleine und große Affen; die machten Purzel- | hören'S, sagte Bertha, das ist sö näturlich, ist nicht nötig bäume, turnten, spielten Lawn-Tennis Fußball, sogar darüber zu redest!" ״Äch entschuldigen gnädige, darf ich Karten, tanzten sogar den modernen Tanz »Tango.'', mir's schöne Ding da .." sie zeigte auf die Mcushra Jetzt wissen wir es: Weg mit den rückständigen Bräuchen! Wallfahret israelitische Glaubenßgenässeri nach dem Sitze des ״illabbinertz dreier Kronlander", feiert Euere Toten am Allerseelcntage! Jlitnl-c! tm. An Feiertagen trugen die weiblichen Affenfräulems nach dem ״Grand chic" solch schmale Nockerl, Jupon genant, Käppchen» die ihst'en die Augen bedeckten, daß sie zornig schrieen, weil sie keinen Schritt machen konnten und fielen auf die Hände, sic zerrten an allen Sachen und schleuderten alles von sich. Die Herrn Afflein trugen nur schwarze Krävatten und küßten den Affendamen die Hände, es war so modern!" Bei diesen Erzählungen lachten die Kinder sehr, sie vergaßen sogar das Butterbrot zü essen. ״Kinderchen, cs ist schon spat, jetzt werdet ihr essen und ich will Euch nach Hause begleiten." Es klopfte jetzt und die Dienerin Lisy, entschuldigte sich, daß ihre Dämchen hier so lange!veilen. ״Es hat uns alle nur gefreut, nicht Wahr meine meine lieben Gäste? Morgen» sö Gott will, könnt ihr Wieder kommen." Die Kinder dankten dem Fräulein, .indeln sie ihnen einen Gutenachtkuß gab. Otto bat noch UM die Erlaubnis hier bleiben zu dürfen, da trat FraU Lachman mit dem Gut-Channukagruß ein. ״Dastke sehr Madamchen, ebenfalls gut ChanstUkäh!" sägte Berta, ״bitte ist ein Tee und Jlnbiß gefällig?" Ich erzählte eine kleine Begebenheit aus dem Leben meines gottseli- Weit Vaters. Diese Menohra ist das Andenken einer inusterhaften Freundschaft meines seligen Vaters mit diesem Manne, von dem ich nun iveitererzählen will. Ich erinnere mich eines schönen Verschens meines guten Vaters: ״Freundschaftsblume welket nie, tränkte Tau der Jugend, sie selbst im Alter weichet nie, BlütcNduft, den sie verlieh — — K. 11. k. israelitische Militär-Seelsorge. Herr k. u. Feldrabbiner Dr. Arthur Rosenzweig in Außig a. hi», -,nschm.cn?- »Bitte Inmmcn sic ganz n°h°,- indem ,״״, Verordnt,״» des I. u. t. Milttärlomm-ndds sie dies sagte, lispelte Otto dem Mädchen etwas zu. ״Du mein!" sagte Marie und faltete die Hände. ״Js wahr?" Bertha kannte den kleinen Schalk und sagte: ״Na» Was gibt's so zu verwundern Und unglaublich Au finden?" Ich such best Engel, aber ich dbrrat's mit, wo er iS!'' Bertha lächelte und mußte dcM Mädchen in kurzen Wörten alles Nötige erklären^ ״So so? Das hätt ich nimmer denkt, daß gnädiges Fräuln so gcpüldet sein und so fromm! Und die schöne Pülder! Meine Herrn! Das ist ■ nicht einmal portagrasieet. wer hat das «-!»״?-- Wnntchq -nt»e»-n, Alle- Gute! Ich selb! werde mcht ivnßtc «,eich j« red-,,, >It,d ttiarui.t srnMn-s »leich alles! GeI-!,enhc,I haben, die «MIage anders, als un stillen in Wien, zum Leiter der Jsr. Militärseelsorge für die Mährischen Ergänzungsbezirke mit dem Sitze in Brünn ernannt- Die hohen Feiertags in russischer Kriegsgefangenschaft: 14. 0. 1010. Teuerste Eltern! abcnde der hohen Feiertage nehmt Heute ain Bärmeine iimigstcri Gedenken zu feiern. Daher betet für mich. — 7. 10., 1010. Chassimohtauwo! Der Jomkipur ist glücklich vorüber; ich habe lvohl arbeiten müssen; aber die Arbeit des Arztes ist ja ilnistet erlaubt: Nichts destoweniger hatte ich׳ Zeit, mich einer stillen Andachtsstunde hinzugeben. Gefastet habe ich gut. Ich hoffe, daß Ihr sowohl als auch ich uns alles' Gute ausgebetet haben. Einschränkung des Kerzen- und Oelverbrauchs. Das Militärkommando verlautbart: Im Hinblick darauf, das hervorragende orthodoxe Rabbiner mit Rücksicht auf die Not der Zeit den Gläubigen Erleichterungen iw Gebrauch von Kerzen Und Oel zu religiösen Zwecken gestattet habeü Und das ferner auch das aus» das ist nicht schön, ich hab's auch ״nicht gefragt." ״KönncUs lesen?, da steht der Namen," erwiderte Bertha. Meinen teueren Eltern zum Andenken! B.. buchstabierte das Mädchen. Otto schrie sofort: ״Bertha!" ״Erraten!," sagte Frau LachiNanst. Bertha nickte; ״aber," sagte sic, ״ich hatte die Bilder nur bei einem klei» nen Lämpchen gezeichnet und waren die Originalbildchen so undeutlich, ich hätte eine Lupe haben sollen; nun wenn ich einmal mehr Zeit haben werde, und die Tage länger und Heller werden, dann will ich alles mit Gottcshilfe noch besser zeichnen." ״Meine Herren," sagte verwundert Marie. ״So g'scheit, s» fromm, so g'schicktl Ich könnt' Ihnen glei die Hand' küssen Fräuln —. Ich bin auch a pissel gcpüldet, aber sowas bring ich nit z'samm." ״Betens auch fleißig," fragte Bertha. »,Oj. .. .. . ״.» , * .*״״..״>* Gott -ja, Mir Han, Jet WcingSrt'n,- »Deshalb?, st»״«. eine Emschr-inkun» d-s Licht. Bertha» ״nun denkens a mal, was dös Geld kostet, und wir zu unserem Herrgott nicht beten täten, der strofert Nun erzählte Berka, wie folgt: ״Viel Licht und Glanz-(strafte) uns» Und der Donner und der Hagel zerschlader Silber- Und Gotdfiguren blendeten des Vatersj 0Ct uns alles!" ״Habens recht" meinte Frau Lachmann Auge/da blickte er in den Neflecktor, er sah einen Mann ״״d alle empfahlen sich zufrieden und heitergestimmt, darin» ihm schien, daß derselbe auf ihm zugehe. Daher! Am nächsten Abend kamen die kleinen Kinder zu sagte er, indem er sich zu Max wendete: ״Ich bewundere Bertha; Steffy war ihre Spielgenossin und dieselben die Aehnlichkeit deines Zohnes, der da kommt, mit dir!"! erzählten ihr, wie schön alles bei Fräulein Bertha sei. ״Ah das ist köstlich!," begann lachend Max auszurufen/', ״Steffy wollte durchaus mit uns gehen, um sich auch zu Jetzt erst erkannte mein Vater die Täuschung. Max lief freuen; bitte Fräulein", sagte Fanny, ״die Steffy ist zum Seidenvorhang und rief, noch immer lachend, seine'^in Judenkind, sie ist eine Christin!" ״Aber das ist gar Frau beim Namen. Die elegante Dame erschien, blickte erstaunt den bleichen Mann, meinen Vater an. Lachend wurde er als Jugendfreund von Max seiner Frau vorgestellt. ״Das ist der Bocher, von dem ich dir immer erzählte!" Freund Max lviederholte die Worte meines Vaters, indem er sich vor den Spiegel stellte. Die Frau begriff sofort, und sie, lviederholte lachend die Bratvorufe. Nun mußten erst die Söhne und Töchterchcn hereintreten. Max noch immer lachend sagte: ״Na, da kannst du die Aehnlichkeiten mit ihrem Vater studi renl," und dabei hielt er sich die Seiten. Freilich lvaren diese feinen Gestalten seiner Kinder nicht schwer zu verwechseln. Papa Max war behebig und dunkelgebräunt, sie glichen ihm an Gemüt, Humor und Witz. ״Die sind gut ausstudiert, die können noch lvas draufgeben" sagte Max. «Bruder ich sag dir's das Leben ist eine Komödie" ״Ja," sagte mein Vater, «aber wenn man nur nicht mitspielen müßte, könnte man lachen." Man versammelte sich im Speisezimmer. Alles lv-ar vornehm. Die Speisen geschmückt, lvie bei einem Feste, der Anblick machte den Mund lvässern. «Ich bitte lieber Max, sind die Speisen auch koscher?," fragte mein Vater leise. ״Natürlich ist alles koscher," lviederholte Max laut, ״Wie denkst du von mir Jakob?, Hab ich je geleugnet?, den Gassenjungen wirst du im großen Max immer noch sehen, aber meine Religion ist mir teuer!" Zeine Augen hatten einen kindlichfrommen Ausdruck. Der Ton seiner Stimme drang ins Heiligtum der Gefühle. Die Unbeholfenheit, die modernen Gegenstände und Speisen zu handhaben, erlveckte noch oft allgemeine Heiterkeit, auch die einfache Lebensweise und Zurückgezogenheit desselben hatte es mitgebracht. Max sagte nicht wahr," sagte im weinenden Ton das Kind. »I bin ka Jnd, i bin ka Christ! I bins Madel von der Mühlfrau!" Bertha lachte herzlich und nahm das Kind bei der Hand, strich ihr freundlich über das glatte Haar und sagte: ״Das weißt du nicht, aber es ist mir auch recht, wenn dl! eine Christin bist und darfst immer mitkolumen." Der Channukah ging lvie im Traume schnell dahin. Bertha fand noch oft Gelegenheit sich und ihre kleine Gemeinde zu unterhalten, und ihre Liebe und Geduld zu den kleinen und auch Großen, das Licht und das Heil unseres Glaubens zu verbreiten, wird gewiß zum Segen sein. Allerseelen in Graz. Das wir ״Oestler", wie in allem, auch in unseren Todtenbranchen rückständig sind, wußten wir schon längst. Tragen lvir doch keinen Trauerflor, halten unsere Seelenandacht an drei frohen Festen (Ostern, Pfingsten und Sukkath) und am Jam Kippur. Die Gräber unserer Toten suchen lvir (außer zu Jahrzeiten und besonderen Anlässen) im Monate Elul aus. verrichten unsere Gebete, schütten unser ganzes Herzleid vor den Toten aus ohne Prädigten, ohne Kränze. Allein der »Gott des Fortschrittes" wollte uns eines besseren belehren, drum prüfte er uns im Osten Verbrauchs zu rittuellen Zwecken nahcgelegt hat; Wird folgendes angeordnet: Der Lichtberbrauch zu rittuellen Zwecken ist auf das folgende Höchstausmaß einzuschränken; 1. Zwei Lichter am Vorbettisch während des Gottesdicnstes in den Militärsynagogcn.. 2. Für alle Wohnungsgenossen ohne Rücksicht auf die Familienangehörigkcit zwei Kerzen von einer halben Stunde Brenndauer für die Vorabende des Sabbats (Freitag abends) und der hohen Festtage, sowie für die hohen Festabende selbst. 3. Eine Oel- und Kerzenflamme für die ersten dreimal 24 Stunden nach Starbefällen in der betreffenden Familie. 4. Eine Oel- oder Kerzenflamme für die jedesmalige Wiederkehr des Sterbetages ' (Jahrzeit) für 24 Stunden innerhalb einer Familie oder in der Synagoge. 5. Das Anzünden der Menohra (achtarmige Leuchter) an allen acht Abenden des Chanukahfestes nach den bestehenden Vorschriften im- Gotteshause, jedoch nur ein Licht an jedem der acht Abende für alle Wohnungsgenossen ohne Rücksicht auf die Familienangehörigkcit in den Privathäusern. Das Militärkommando erwartet, daß die jüdische Offiziere (Gleichgestellten) sowie die jüdische Mannschaft strengstens darauf achten werden, daß die Verordnung, die das religiöse Empfinden mit den wirtschaftlichen Bedürfnissen möglichst in Einklang zu bringen bestrebt ist, auch in ihren Haushaltungen genauest eingehalten lverde. Die Bierkonkurenlen als Politiker. Wie mehrere deutsche Blätter melden, ist Mitte November ein Erlaß des neuen Kriegsminister Generals von Stein ergangen, der sich gegen jede Ausdeutimg des Bekannten Erlasses vom 11. Oktober d. I. im antisemitischem Sinne wendet und klarstellt, das jede ^Beeinträchtigung der Heeresangehörigen nach ihrem Glaubensbekenntnisse dem Ztveck des Ernstes widerspricht. Zum Verständnis dieser Mitteilung wird bemerkt: Im Deutschen Reichstage wurde bekanntlich in der letzten Tagung unter anderen Interpellationen vom Reichsratabgeordneten Dr. Prendel (Regensburg) mit Krieg, vertrieb uns von unserer Wohnstätte und ließ uns Gastfreundschaft und ״Kultur" im Westen, ge-1 auf Beraulassuug des bayrischen Landtagsabgeordneten nießen. Einzelne von uns hatten nach vielen Prü- Schlüttenbauer auch folgende Anfrage gestellt: Aus fungen das Glück, in die Hauptstadt der grünen Steierwelchem Grunde hat die Neichsfuttermittelstelle und halber,ist traurig: ״Wenn man dir Gold in diese Hand' mark, den Litz des ״Rabbiners dreier Kronländer" verdie Bezugsvereinigung der Münchener Hefeverlvergäbe, ich wette, es wird Kupfer daraus!" ״Dafür muß schlagen zu werden. Als ״arme, bedauernswerte Glautuugsgesellschaft mit beschränkter Haftung gemäß der ich das Gold im Munde führen," sagte mein Vater. Denbensgenossen au dem Osten" feierten wir unsere alten Verordnung vom 20, 0. 1915. (24. März 1910) den ge׳

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.