Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVII (1916)
- Issue
- Heft 22 (22.12.1916)
- Date
- 1916-12-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Rr. 22. ״Jüdische BolkSstimme^ Eeite 3 bl.iwi-tuugen zu Fcstlichkivten, Aufzügen und Ehrmrgen gemacht werden sollten, da sprach er den Wum'sch gns, daß die Auslagen lieber der Ingendfürsorge zugewendet werden sollen. Das Kv-ffo? ihn! die größte Freude machen. ״Nichts fiir mich, alles fürs Volk" ■ba§ war fern Wu-usch. Was von! Herzen kommt, geht z!1׳.u> .Herzen. Darnn! Mvauu sein. edles Herz auch bk Herzen aller seiner U׳ntert-a1!en, die ihn!!uivergleichliche Liebe! und hohe Pevehvu,n!g entgegen brach ton, und ihm wie die zärtlichen Kinder dem Vater zugetan, waren. Wie die Geschichte mit eheriwui Griffel!mverwüstlich u,nd uuiverlvischlich den Na!nen Franz Josef in ihre Tafeln eiin,graben wird, so wiird -auch dieser Nmnen u!n-sterbüch und unvergeßlich imden Herzen aller seinor U-nte!- tonen, ihrer Kin-der und Kin,d.׳ski׳nde!r fortlelben undu-och in spätesten Zetten werde!: die konunenden Geschlechter sich erzählen, singen und sage׳- das Heldenlied aus dem Le!beu Kaiser Franz Josefs I. Sie werden auch sagen: Nur er konnte wie kein -anderer ein:- solcher Held sein,, weil er ein felsenfestes Gottvcrtrguen besaß, das ihn! auf allen seinen- Wegen beglviwte, ' ihn m guten und bösen Taigen, uni Glück nind U-nglück niemals verließ und ein fester Stab -eine silchare Stühe ihn! war. Ob auch alles ringsum ihr wankte nnd schwankte, er blieb fest, er hatte einen Gott im Herzen. Mit Gott lebte er, mit Gott regierte er, mit Gott schied er aus oem Leben. Er soll uns Muster und Vorbild sein rmd bleiben, wie man ein guter, treuer Oester reicher ist, nach den! unverblaßten, unvergeßlichen Bilde Kaiser Franz Josefs. Mit tief bewegtem Herzen un,d schmerzlichem Gefühle wollen wir auch Gott,. , . - . . ... de» .-Norm cmfeufcn: GavS-vr dem 1mv«gekN. AqchStl« M>mmcn^,»m «bcr dar n«u« HSs- Praxis der Russen den Polen so in Fleisch Blut übargegangen wäre, daß sie ihr nicht sagen können. In! Warschauer Stadtrat, Habens die Herren irichts eiligeres zu tun gehabt als judenfemdliche Beschlüsse zu fassen. So wurde bk strengste SmmtagSruhe oingeftihrt, die die jüdische Geschäftswelt schwer trifft, da der größte Teil der jüdischen Geschäfte auch Samstag gesperrt ist, und der Beschluß gefaßt, ijn der städtischeu Markthalle den Juden ^sonderte- Plätze von den Polen und zwar in den rückwärtigen Reihen auznweisen. Auch sonst zeigt sich der gute Wille der polnischen Stqdtvät-er, die Juden zu unterdrücken. Die jüdischen Speisehallen werden nicht subwentiouiert, vom städtischen Beamten.- körper Werden die Juden ebenso wie von den Notstandsarbeite!!!׳ fern gehalten. Die Protestreden der jüdischen Vertreter im Stadtvate hatten «nur den Erfolg, daß sich Herr Jlski zu einer anti semi-tischen Rede fortreißen ließ, die russischen Pogroinredu-eru alle Ehre gemacht hätte. Die weitere Neuordnung der Verhältnisse, so die Errichtnug! des polnischen Landtages läßt auch nicht viel Hoffnung auf Besseruin-g aufko!!!!!!en, da es den Inden nach der Wahlordnung nicht ,möglich sein wird, mehr als zwei von den' 70 Mandaten ״mit" ihren, Vertretern zu besetzen. Die Haltung der Polen hat Wohl nlicmanden überrascht oder gar enttäuscht, der die BoykottbewMMg -in Polen aufmerksau! verfolgt hat. Unsere Hoffnung liegt allein im! unserer Kraft u. de!!! Vertra-nen z-n den Zentral Mächte!!, die hei-!!! Eimn-arsch in Russisch-Polen den! Jude!! feierlich die Be.frei׳lmg -versprachen. In׳ Deutschland trat vor kurzer Zeit. der chen Kaiser Franz Josef 1. den wahren Frieden, den er ans Erden nicht ,gefunden, ewige Ruhe, Avigen Lohn und himmlifchs Seligkeit! ..- M1 ׳ - י:•׳־•י ■ Zeichnet . Kriegsdienstgesetz, das alle Männer, d-iie nicht als Soldaten den! Va-terla!!!de dienen können, iiu! Hinter lande den Jntemssen -des Lau des dienstbar!nachen .will. Ter schwexe Kaiupf um die Existenz des Landes und des Volkes zwingt Deutschland, alle Kräfte di-e verfügbar sind gänzlich auszunützen. Wir Juden kämpfen den schwersten Kampf vonallen Völkern, die sich in Kriege zerfleischen. Zerstreut über alle Länder, he in!gesucht von der schwersten Prüfung de Krieges, der Invasion, stehen wir da verwaist, ohne Vertretung, di-e uusew Wünische den- Regierungen übern!itte׳ln könnte-. U!ad der Krieg geht Weiter und innner neue'Umwälzungenändern das Politische Gesicht Europas, die auch unser .Schicksal m-itentsche!iden können für Jahrzente oder vielleicht gar für Jahrhujnderte u. niewp-nd i!st da um unsere Jn-tere-ssen bei Entscheidungen zu wahren. Dürf-M wir die kostbaren Minuten, die viel- :!He wieder kehren, unA'nutzt verstreichen lassen? Auch wir!nüssen die Hilfsdienstpflicht e!m׳f!!hren und können wir sie auch nicht zun! heiligen völkischen Postulate ׳machen, das eben so jeden, in dessen Herren noch ein- Funke Liebe zun! Volke gliwmt, zwinigen muß Wi!e -ein- Gesetz Selbst n!üssen wir!ms helfen, wollen Wir n-i-chi und gebreitet hat, erkannt, hervorgeholt, begrüßt und ent-' gebührend gewürdigt wird. *) Skizzen ans der Kviegszeit nennnt sich das Buch des bekannten Schriftstellers D. S. Silberbusch. — We ge sägst bescheiden aber doch nicht ohne Absicht. Der Verfasser ist den Hebräern zu gut bekannt und es genügt nur > auf sein i-N'tcr-.'ssantes Buch ״Diiin'at Aschukime" hinznweisen, Welches nicht nur seinen literarischen Ruf begründet, sondernihn auch als gründlichen Kenm!er der jüdischen Volksseele boijmVolke eben beliebt gemacht hat. Silberbusch ist ein guter Beobachter und als solcher gibt er Wohl Probleme, drängt aber nicht seine endgültige Lösung derselben den! Leser auf. Er fordert gewissermaßen die Aufmerksam ke-it des Lesers heraus, bm er eine Gedanke narbe it liefert. Man soll sein Werk nicht bloß lesen, oder gär flüchtig durchsehen und bloß dieerzählende Form kritisch behandeln; wenngleich auch in diieser Beziehung dem Autor die vollsije Anerkennung gjezollt werden mutz. Sein! Buch will studiert werden. Die einzelnen Typen!nüssen psychologisch analysiert worden. Denn! die Striche sind für den Leser. Wi-e inaner mich das jüdische Weltbild nach den! großen Weltkriege sich gestalten n!ag, eines ist gewiß; die Jntresselosigkeit der Massen wird, wem! nicht ganz aufhören, so doch stark abnehrnen!nüssen. Mit anderen, Worten, das Volk als Gesanitbegrisf wird sich in so u. so viele denkende, schaffeuskundige und schaffensfreudige Menschen zergliedern lassen, vo denen jeder, so es sich als n-otwendig -erweisen soll, den richtigen Mann zur richtigen- Zeit wird stellen können. Z-n sehr und zu gründlich hat n!-a1nder Not und den! Elend ja selbst dem Tod ins Antlitz s-ehen!nüssen,- so daß!mbedi-ng-t Eindrücke zurück- 'bleiben, -welche beigehöriger Verarbeiitrmg auch jene Pflichtgefühle anslösen sollen, die für die erwähnte Umwertung notwendig sind. Ein großes Stück Arbeit leisten freilich die Denker, s-ozn-sagen als Vorschuß auf -die zu gesta-ltende Zukunst. Ans diesen! Gesichtswinkel sollen die von! Autor vorgeftihrten. Gestalten bpsehen werden. Da sind zunächst die typischen Adelsfamilien (Mojnchossim), welche -eher das Glück ihrer Kinder als -das Geringste von ihrem sonderbar zuyechtgl,egten, Mvöhinlich irnaginären Anstand -anfgeben würden. Jeder Weiblertratsch, der grüßtenteils dem Neid oder der puren Mißgunst entstamint, vermag das Geschick e-inies jiMWi! Kim!- des,z-!l beeinträchtigen. -Uns di-ese>m Gewirr!nüssen sich die idealen Gestalten -emporarbeiten, welche der Autor als die in die Zukunft Hii!!!- überragenden, Wohl mit Strichen,aber meisterhaft Wickeln.. Wir Inden, die wir dis Leiden der׳.׳ Knechtschaft n. der U'n׳s׳e-lbsi,ständigkeiL, dir Hoff-, uüuug auf B-efT'i>u׳ng, kennen, kon-nen die Freude! Polens rnnessen n!!-d tei-len, denn wir wünschen' mtvm Nult-׳ f?nf׳nni!ffוt-nnSmnrrfו,bkei't in n-atiochicks-al des jüdischen Volkes zu entscheiden? Wien, in! Dezember 1916. Felix Ungar. Jüdische Lebensbilder. jeden! Volke Ent!vickln»!gsmöglichkeit in n-atio ׳naler und kultureller Hilnsicht. Aber ni-cht nur als Fernstehende fr-enen wir uns mit. Wir sind selbst mitbetrosfen durch die Neugestaltung Polens und freuen n!ns, daß der große Teil uüseres BolkA.Lcr i« den RMSMenjM tle« Et E-taa.: DK- »ri««SI»emtmk hat alle Win« drr k>» lebt, hen Fangen h-S r«ss-sch-11 Adlers für % welcher j-tzt die Weltgeschlchtc -eNnge Zelten entwunden ist. - I gemacht wird, durchwühlt nndallerhand Details Das Polnische- Volk, das nun selbst berufen, den! don-kba!M Leser anfg-etischt. Dabei sprlt sich ist, sein Schicksal zu lenken, hat schw-eve Ver-^namentlich -in, dem beletristischen Teil, wieder ein- Pflichtungen -auf sich ,genommen, selbst noch n!al der Kmnpf zwischen Wahrheit und Dichtung vor k-auu!?Mi Jahren von ׳rm-eiml Herrenvolk ab, welcher di«: Entscheidung von der Phantasie majorisi!ert, im -ewiigen Kampf, der zum Derd:s. ״n-eugiwrigen Publikums" abhängig macht 11ichtungskalup-f gadi'vh, mit den Inden, ist es — Der spätere Historiker unb Psychologe sott er zur Macht gelangt. Wird es auch zun! Herrenvolk-e werden und die Rechte der Minoritäten mit Füßen treten? Wird -es an seine Pflichten gegen die Fremdvölk-er denken, da es noch selbst die blutigen Spuren der Fessel׳!! der U-n-fveihei t an sei«n.en! Körper trägt und die Freiheit, die es für sich gefordert, nachdem es sie erlangt, auch andren׳-aiWedei,hen taffen? Leider hat es den Anschein, als ob dile Judendan-n seine Sondi-e.rnngsn!ühe haben, wenn! die Volkspsyche von der Autorenlogik wird aus ei-nanderhalten Wüllen. In. der jüdischen Literatur ist bislang Wohl wenig mehr als sachliche Schilderung prodnU-ert worden. Es ist daher begreiflich, daß die Wiedergabe von ei,nein bedeutenden Stück jüdische!! Lebens, selbst hi<nter den! bescheidenen Skizzennlan-tel, tvelchen der Verfasser, darüber Der giroU Kri-egsstur!n der׳ über Ost- und Südgalizi-en wütet, fegt alle die haltlosen Gestalten hinweg, so daß ste! beinahe keine Spur zurucklassen, damit das tvas zurückbleibt, eben bleiben s-oll. Nicht allein deshalb, weil sie der Autor mit Ewigkeitscharakter auHMtattet hat, sondern -auch weil jeder von ihnen d-i!e nöti!ge Lebenskmi'st sich-erwovben-hat, weil ihn die Zeit mit' ihrer abwechselnden Not, Pein und bittore!! Enttäuschunig gestählt hat, so daß er jeder weiterenll-nbill geradezu mit Behagen trotzt. Ltll das sieht -der a!ufn!ie!rksM!p Leser der Striche. Die Heldin -der großen Erzählung,: Beile Git-el gewinnt vor unseren'Augen -ain, Boden und an Ansehen. Sie -ist aber auch diiex׳׳iuzi,ge Gestalt, welcher auf den! Motzen Leidenswege!nichts -erspart bleibt. Anfangs sehen wir im Hint-ergründ>e ihren!ersten Verlobten und Geliebten Schmili-k, fiir welchen sie im stillen selbstlos leidet. Sie läßt ohne den leisesten Widerspruch ihre uichts wen!- ger als kluge, aber dafür umsomehr geschwätzige Mutter, ruhig gewähren.. Wi r sehen sie daun an der Seite des ihr, infolge des KM'venienzkalküls ihrer Eltern aiMtrauten Gatten Mosche Jtzig, der und nicht -eilnmjcsl für den ersten A-ugenblick irgendwelche. Zuiuieigunig abgewinnen kau!!!, tbuiso heroischer ist-die Nosignation der Beile GitlHveu ׳ sie sich in eine Hochachtung hiueün>redet, die sij.׳ ihren! Maune -imd Gebieter eutgivgenbrinigen!nutz.... Ibn-d so sehen wir sie beide vereint und doch gesondert durch das L-eben gehen.; Die Flucht, der!erschütternde Abschied in der Synagoge während der Seli-chot, der mitten im *) Strechalech. Skizzen aus der Kriegszeit 1911 — 1916. von D. S. Silberbusch. Men, 1916. Im Selbstverläge -des Verfassers.