Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVII (1916)
- Issue
- Heft 22 (22.12.1916)
- Date
- 1916-12-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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«h, 22 atfe, auch die ihr nie gewehrt, den-net ist der Tränen der EdÄsten und Besten wert! . Slnl hohen Gveisenaltor von 86 Jahrein, nach 2mmr autzergewöhnllichen Aiegierungsdauer von l>8 Jahren scheidet er voll uns, die wir, selbst die ältesten unter uns, gewohnt waren, Oesterwich nicht anders als mi!t Kaiser Fvantz Josef zu denken. Nun ist es zu Ende; das Leben Kaiser Franz Josefs, ■ein mhaltrsiches Heldenlied mit emem anziehenden lehrreichen Stoffe ist ausgestmgen, verklungen u. für invuer geschlossen. Der Held des Liedes ist ein: tragischer .Held. Hohe, echte Tragik durchzieht das Lebenslied des ״Helden kcvi fers von Anfang bis Ende. Sein. Heldentlnn suchte, wollte er nicht suchen, nicht finden, ׳nur gezwungen auf den Schlachtfeildern. Er war!ein .Held im Frieden, wie.unsere Weisen sagen, ,(Aboth 4, 1): Ein Held ist -derjenige, ׳der sich selbst bezwingt, der allerorten und a-Mrzeiten die Macht über sich selbst besitzt. Das beweist und beleuchtet uns das Lebensbild des hohen Verklärten. In einer Feit, in׳ welcher mächtige Stürme die Geister in! unserem Vaterlainde und in den Ländern Europas bic fest vevramnielten Pforte!: der alten Zeit m׳i!t Gewalt sprengen und aus den Äugeln Heber: und einer neuen Zelt mit Unigestümn: und Brausen den Einzug erzwingen!rollte, da trat der achtzehnjährige Jüng-lin-g di>e Regierung m den: ,aufgewühlte!: :>»1-d ausgestüv!!!!- ten Oesterreich an. Nach 68 Jahre!: ist das Heldenlied zu Ende wieder mitten i>n einem ungeh?uerlichen,n׳och nicht dagewesene!: Weltkriege, der: der Held nicht wiiinischte, nicht wollte, der: er mit alle!: Mitteln seinen: hohen Greisenalters fern zu hatei: suchte. Von: grausamen Schicksal!var ihm nicht b?!sch:׳eid!c>ul, nicht gegö,:m:׳t, als rühmvoller Sieger mit den: Lorbeer sei!!: graues Haupt zu bekränze!: und u:i׳t -?!i!g1?!ner Hand einen stgcnsreichen Frieden feinen Völkern-. zu unterzeichnen. Harmon-isch ist der Beginn, und Schluß b1?!r Tra׳ gi-k in d?>.n kaiserliche!: Held?>!!׳l!!?d?. Das btjsnde Glück mit feinten reichen Gaben überschüttete! nicht den stets vielgeprüfte!: Her: schgr. Die Völker Oesterreichs mit i-hrei: Sonderwünsche!: und Sonderbestpebu'ngen r-?gn.!.»on brachte ihn: keine beglückende!erfreuliche ruhig? Tätigkeit. Es war ein-e schwere Bürde, schwer für für die Jugend, schwerer noch für das Alker. Er hat sie auf sich genommen ,'«!!- treuer Pflichte:׳-, füll,:mg, in׳ u!n-übertraf fei 1!er und unübertrefflicher G?!wisse!:haftigö?i-t, er trug mit fast Übermensch-! licher Kraft.dm Herkulesarbeit lvie .׳in- Held. r. sich, die Macht über sich in Händen׳ hat. Denken wir ferner an: das schauerliche Ereignis, e>.׳. d- - graiisanile Geschick, das ihn als Vater, als Kaiser nicht verschonte, daß feint ׳?»in!-zi,g!?r geliebter Sohii, der Thromrbe, ein- Mann von nicht gewöhnlichen Ge.istesanlageii, von vorzüglicher schviftstelh'rischer Begabung, der zu den schönstei: Hoffnuna für das Vaterland berechtigte, durch einen so entsetzlichei: Tod chm entrissen wurde. Jeder gewohnliche Mensch hätte i-m berechtigten Schmprz über ein׳ so grausames Geschick jede weitere Abeit von sich gewiesen un,d sich der schm.?r,zl> wen Erinnerung an, den irnersetzlichen Verlust M!:.z hingügeibc»:׳. -Der Heldenkaiser bettete die die nnheilbare Mmde tief ins Herz, siegt, ein■ wahrer, tragischer Held über seine Gefühle, hielt mi׳t aller Kraift sich aufrecht, lebte den! Vatvrlan.de u. arbeitete für das Glück seinrir Untertanen. Die ungstortle ruhige Arbeit gestattete ein erbarmunglosts Schicksal ihm nicht lange. Die geliebte Gernahlin, die von alle!:, wie ein hehres Wese!: verehrt wurde, die im. ihren! Zartgefühle keinen: Geschöpf ein Bild hätte zufügen können die ihr gutes Herz, ihr Mitig.'fnhl, ihr Wohlwollen, ihre Wohltätigkeit aller:thalben betätigte!nuße durch den Mordstahl n'1u?s Walunmützigen das teuere Leben vorzeitig enden, so daß der Kaiser vom Schl!:er?,übern rannt, klagt?: ״Mir kann doch nichts erspart bleibe!:". Und noch!nehr ist ihn: nicht erspart geblieben! Als ob■ des noch nicht genug wäre, mußte er in: hohe!: Greisenalter zun: zweitenmale den Tronfolger und dessen Gemahlin auf der Bahre sehen, von verrnchter Mörderhand ge tröffe!:. All das, was ein Mcnschcirherz kann: fassen, eine Menschenseele kaut!» -ertrage!: kann, hat der Heldenkaiser Heldennrütig inseinen: Innern begraben, blieb unerschütterlich und unermüdUch der gewissenhafteste, sorgsamste Arbeiter fürs Vaterla,n-d und für feine Völker, fand darin: seine wahre Befriedigung und harrte aus, bis der letzte! Stur!!: des Woltenbrandes den nieerwarteten traurigen ׳Abschluß brachte. Der Schlußsa-tz in: diesen: Ab schnitte des kaiserlichen Heldenliedes mntßte-mi-t den rührende!: Worten des großen Dulders Job (8, 26) lauten:״Kein- Glück, keine Ruhe, ke׳ii!:en Frieden m:d am Ende Sturn:!" In: diese düstere Schatte!: des!iniitleiderregende!: Lebensbildes leuchtet ein Heller Glanz seiueir t fege!:s reicher Negierungstätigkeit. Was das bliirde Glück ihm nicht in den Schoß warf, das erwarb er dem Ne!iche und den Völkern durch seine unermüdliche, fruchtbringende Arbeit׳, durch weise Benutzung seiner gewonnenen Erfahr:! ngen. Stellt man das in: 68 Jahren seiner weise!: wohlwollenden: Regierung geworden!:׳! jetzige Öfterreich, den: Oesterreich bei. sei,n!en: RegivriungSamp. tritte gegenüber, so findet man ein ganz anders, eim-es neues Reich, das in: alle!!! und jeden! zun: Vorteile :!!!!»gestaltet ist. Mit Una׳rn lvurd? der last und Golnütsiinnligkeit at!nen und das!nit denn Liebreiz der Eim>ga>ngs!uelod׳c berück״ ausklinlgt. Das Ohr veMinumt eing.r französier ten Strauhwalzer nmd wird an: -die traute!: Klänge von der schöne!: blauen Donau erinnert. Begreiflich, baß ״Amouvouse" auch in: Wien verstä!:-dr<isi!!.1.Uge Ausahme fand und in Kon-?,orte u!n׳d umsika-lischeu Häufen! gerne begrüßt um»d gepflegt Mrd, was ich.erst.nach!!reiner Hein!- kehr erfahren: habe. Wie herrlich erst wäre die Wirkung dieses b׳eza!l.bevllde!: Walzers unter den Händel: ei»ues Meisters, :wie Adolf Grün!seid! Das lebhafte Interesse für de!: beliebten Komponisten i)todolphe Berger ließ!!:ich sei,nein erwähnte!: bei׳ Eu-och u. Co., Paris, inn Jahve' 1901 erschiru׳c!!1!en Walzer verschaffe!:, dessen letzte Seite das Bild Bergers zestt, einerminnehmenden Mauuesgestalt im schönsten Alter, voll Geist u. Eleganz, nmd dan-eben ׳ein A uszug des Pariser' ״FHuro" vom 20. März 1901. Hier dessen Urbersetzung: j ״Amoureuse" (Liebeswalzer). j (Der neue Walzer der Zigeuner.) Ein Walzer in u-nserer musikalischen Beilage? Ganz gegen unsere Gewohnheit! Tenn wir .haben uns innuer gesträubt, diese Art Musik zu bringe!!, die imuuerhin minderwertiges Genre darstellt. Doch darf u:an denn jene berauschenden, verwirrenden Walzer, die uns von:׳ den Geigen der Zigeuner ins Ohr gespielt werde!: und die die Hellen Klänge des Eymbals ertönen lasse!:, in: diese Klasse vor: Walzern: reihen? — Seit Strauß und Fahrbach ist der Wiener Walzer verschwanden, jener Walzer, der eiue ׳Art Liebes- .Dicht ist, der uns hin:»re!ißt und -?:!:zwingt, der das Lächel!: auf die Lippe!: zaubert und Unruhe in: die Herzen bringt. Dieser außerordentliche Rythmus hat sich nach und nach verloren-. Nur die Zigeuner habe!: ihn!!.och beibchaiten u. von Zeit zur Zeit bviugeu, sie uns die Ueberraschung eines neuen: Walzers, der dann einstimmigen Beifall findet und für Paris ein!- Erieign-iis ist. Vor 2 Jahren war es ״Monte Christo", voriges Jahr ״Fern von der Heimat" (Loiu du Pays), uird dieses Jahr bringen sie uns den Liebes- Walzer (Anwureuse) v. Rodolphe Berger, der im Verlag Enoch erschienen ist und zu welche!!! M. de Feraudy, das hervorragende Mitglied der Comedie-Fraucaise, für die klein׳? Diva Paulette Darty ebenso sinuilg-e Worte, wie es die Melodien sind, verfaßt hat, — was uicht wenig sagen will. ' Rodolphe Berger ist -ein» Wiener und ich wäre ve rsucht, zu glauben, daß -er ein Enkel Don Strauß ist, dem: dieser Walzer, sowie auch ״Fern von der Hemmt" (Lonn de Pays), drsser: Konnponrist er i»st, und ״Nosenwolken" (Nnages roses), ״Weiser Ball" (Ba! Blan-c), ״Winterblunren" (Parsunus d'Hivsr) und alle anderen, die er kompon-iert hat, kan׳n man n:i!t den beka-nn-testen Werken -des berühmten Strauß vergleichen. Es scheint, daß ״A!n!vureuse" leicht zu spielen ist. Der Walzer ist ׳es auch, was die Noten airlangt, aber das richtige Kolorit zu brin-g׳?!!, -den: Vortrag das ״Gewisse Etwas", das ihn! so viel Eigenart ■und so viel Reiz verleiht, ist ein: Geheimnis, das leider nur Rodolphe Berger n!:d Boldi zu lüften verstehen.. Nene Lara. Wjarun: ich dem an der Sein׳? so gefeierte!:?:! ronisten, Rodolphe Berger,?ine solch ausführ!',her Besprechung widme? Vor einigen Moneten brachte -ein erstes Wiener Blatt di? kurz? fcitfationette Nachricht, baß der Geuanmt'e Friede geschloffen imd es wurde zum iwuen, kräftigen Mitarbeiter imd Mithelfer Oesterwichs genmcht. Den Vöskeru würde -Knm Verfassung gegeben, ini-dem der Selbstherrscher hochherzig der SelbMrrschaft entsagte und die Mitarbeit׳ der Völker n. der Ges?tzgebung gestattete. Kaiser Franz Josef war der erste Kaiser iin Oesterreich, der den Volker-!: dieses Zugeständnis inlachte, der erste! Kaiser in Oestrreich, der allen Menschen, allen Religionen Kn: Staate die gleichen Rechte n!rd die gleichen Pflichten zuerkanute. Einen :!!!:geahnte!: Anfschwnng nahmen iufolgodessen die Länder und Völker. Wi׳? viele imd wie herrliche Anstalten zur Bi.ldu׳ng u>nd Erziehmng des Volkes wurden da i-ns Lebe!: gerufen. Alle Zweige der Wissenschaft wurden an gebaut. Ni-?dere und höhere Lehranstalten trugen wiche Schätze des Wissens i!:s Volk. Die Kunst fand einte!:!nächtigen Beschützer,--?inen eifrigen Pfleger inder Person des Kaisers selbst. Handel, Gewerbe, Industrie, begannen gleichen Schritt zu halten mit den fortgeschrittensten Ländern, denen viel früher di-? Mittel zu geböte standen. — Was an! meisten den Herrscher und die Völker in! den letzten schweren Zeiten mit Selbstbewußtsein, mit Mut, Zuversicht und Hoffnung auf die Zukunft erfüllte, war die ungeahnt? Kr-ast, die das Va-te!rl׳and und die Völker in: denn nrächti!- gen Ninige!: mit den zahlreichen FAnden!» enttvickeltc. Das Oesterreich, das den Feinden ein: inorsches, altersschwaches, d?n: Zus-Gvimenbruch nahes Reich dünkte, :nit dessen Zerreißung und Zert׳eilm:»g sie sich schon! beschäftigten, das entfal- . tete -eine solche Macht, dgß es durch seine Erfolge aus de!: Schlachtfeldern- -den Feinden Achtung u. A!!:-?rkenn:!n1ig a-btrotzte u. diese die. unbesiegban׳:׳ Lebenskraft Qesterrei-chs erkannten. Das war das Heldenwerk Kaisers Franz Josef 1. Bewuuderu-ngswürdig ist der verewigte Herrscher n-!׳cht allein als Dulder, als tragischer Held, als gewissenhafter, pflichte!fr!!g>?!r Arbeiter fürs Baterlanid, bewun:/dernnjgswürdi!g ist er auch ׳als Mensch voll Güte! it. Liebe, voll Wohlwollen, Mitgefühl und Wohltätigkeil gegen d!׳e Uuglücklichen, Arnie!:, Leidende!! und Hilfsbedürftigen. Wie reichlich flössen die Spenden, die. Gaben, die Zuweniduiugeu bei jeden: Unglück, j-eb-er Not und jedeiin-allWii-eilwn Bedürsn-is -i!:n>er- und außerhalb des Vaterlaindes. Stets Hand und Herz offen, zngänrglich jeden: de recht i.gten Vorlangen, war er der größte Wohltäter in: Staate. Wie groß angelegt sein:! Li-?b?swerk lva-r, beweist die ״Sorge für d»as 5d!!nd", di-e -er zuerst mr-regt׳?,, int Bewegun-g setzte-, n:i׳t allen Mittel!: förderte und deren weiteste Berbreitung uud Betätijguug er Vevaulaßte. Als zu sein:-?!:: 60. Jubilänn: Voriu Barcelona Plötzlich durch Selbstinord geendet habe. Was das tragische Ende dieses durch glückl-ich? Begebung ausgezeichm'ten und zu großen: Aufchen und Verinögen gelangten Manires, der so recht -in: de!: besten Jahren stand, eigentlich verursacht hat, tvar nirgends zu lesen oder zu erfahren:. Weder lvußte -eine der Wiener Musikalienhandlunge׳!: n:»och die ״Autoren-Gesellschaft" daüber Bescheid. Und doch erregt diese Frage nach dem Schicksal? dieses Wi.niers, von: den:!mt.11' weiß, das er in ganz jnn-gen Jahren» *mit seine!: Eltern nach Paris kau:, den: Kauf-lnan-nsstande bestin:mt war, sich von diesen: »bald ab- und den: Musikberus? fortaneifrig zugewa!:׳dt un-d solche Popularität erlangt hat, das lebhafteste Interesst und die-wärmste Teilnahnre :ventester Kreise. Obwohl noch Verwandte Bergers in- Wien oder Oesterreich-Ungarn lobe!:, -die das Rätsel über den urysteriosen Hei»!gang dieses berühnntcu׳ Lands-!uannes zu lösen vermögen? So lange dies nicht der Fall, liegt wohl di-e traurige Vermntnmg!nahe, daß derselbe auch -ein! Opfer des Weltkrieges gewordensein: dürfte. Französischer Deutschenhaß n:a-g ihnlvahrsch?׳i-!:Uch zur Flucht!nach der spanischen Stadt »gerrötigt und sein Genrüt bei den: Gedgüike!:, ob sei!: Nb׳■-!!!■? auch nachdem Kriege in Französischen: Lau,de noch de!: a!lten Klang Huben .Werde, arg verbittert habe!:. Wie den: auch sei,!sicher bleibt: nach d?׳m Tobe!: dieses große!: Krie- 'grs kommt!nieder die Zeit friedlicher Arbeit nmd ruh-iW!:- Genn-eßens, das Schölte findet inrsmier wi׳?djer seine gerechte Würdiguu»g und so [ wie -die Klänge des ״Anwureusstoalzers" vor den: Weltkriege -?,ntzückt m!d h-ingeuissen haben, so begeistert wird i>hn-em> einte spätere Gelteratio-n nachher lviedor lausche!: und den: Andenken seines Lchöpfers den: verdienten Lorbeer reichen. . Wien. Anton LSw.