Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVII (1916)
- Issue
- Heft 21 (11.12.1916)
- Date
- 1916-12-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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?יי י־׳5־ל2^נ Nr. 21 t %gion. DlMm, habe ich <m dieser Stelle scharr gefprvchen. Ich will auch mibeve Beispiele citieren. Dor oberste russische Staatsmann heißt — Stürmer. Die Stobt Trautenau woist mit Ent- -rüftimg di!e Zumutung von׳ sich, daß Geh. Rat Czevuy (tschechisch-Schwarz)slawischer Abstammrrrrg wäre und verweist auf die deutsche Schreib- Weise seines Namens. — Kapjtänleutnmit Arnauld de k» Pereire fährt mit einem deutschen Unterseeboot nach Spanien, Rochowanski und Sedlak nmiterzeichnen die dejutsch^völkischen Südmarklose, der Gauobmann der Deutschen i|m Jscrgebirge hat den scherzhaften Namen Woperschalek, ivr gleichen Gau werden dile Heldentaten dos ״echten TMtschböhmcn" Wenzel Petricek gepriesen. Man lese den Gencralstabsbericht vom 14. Oktober 1916: Truppen rumänischer Nationalität wehren heldenmütilg den Ansturm der Italiener auf Höhe 144 ab. Mirko Jeluslich besinnt in der ״Muskete" Nr. 579 mit schwarzrot goldener Arabeske, einen deutschen Stubenten. Es trifft also durchaus die Ansicht,nicht zu., daiß!bei׳ uns Juden das Renegatentum überhandnehme. Boi uns ist der Übertritt nur dentlich kennbar, und eben deshalb wird gr vermieden. Einer Neiuori'.'ntienl'ng werden wir aber nicht au# kurt Wege gehen dürfen. J!n moineu früheren Leitartikeln habe!ich die Nesultatlostg.- keit der jüdifch^nationalen Bestrebungen dargelegt. Ich will!ihn Allgemjeiinen aber auch der Assimilation n.icht das Wort roden. Wir müssen, durch Schlagwerk unbeirrt, einen׳ vernünftigen Mittelweg ei'infchlagen. Einen Staat werden wir >i׳n der nächsten Zeit n-icht erringen. Da sind uns diici Polen zuvorgekommen. Ein Volk, daß Jahrhnndertp. a!uf eiWngiu! Boden lebte, eiin Könige reich bildete׳, und erst nach blutigem Ringen »in«o zweifelhafte Unabhängigkeit. Zu dieser gehört eigener Boden. Wir, überall nur vermittelnd, verwaisend, nicht produktiv tätig, entbehren jener sozialen ׳und wirtschaftlichen Schichtunrg, die zur Volks- und Staaienbi!ldun!g nötig ist. Wir dürfen auch auf unsere, alte Kultur nicht weiter pretenziös Pochen. Noch weniger die verfolgt.׳ Unschuld spielen. Kischinew hat sich in den Balkankriegen und in diesem Kriege hundertfach wiederholt: Polen, Deutschen, Südtiroler und Bulgaren waren di,o Opfer. W׳ir müssen einsichen, daß sich uftcht alles um uns dreht. BescheHdenheüt tut uns!mot. Unsere Gegner haben uns das schon! oft vorgehalten. Und Selbstzucht, Zi-elbewußtheit. Unter fMm!den Völkern leben und sein Judentum betouen, geht einfach nicht. Sehr -richtig, wenn dj.esbczüglich der Zusah zur ersten Fassung des Bas׳oler Pr-ogvakmmes: ״Fiir >n>lte jene, Weiliche sich in. ׳ihren bisherigen Wohnsitzen Miicht assimilieren können oder wollen." Die Fvejnchvölkor Vertragerl rrur einen gewissen Perzentsatz jüdischen Einschlages. Was darüber geht, kann nicht ausgenommen werden, wird unverbaulich. Das Juden tun, steht also vor deru Problern: Eine Oberschicht tan, Will und soll sich afsimilieren, letzteres aus Gründen der Kultur, bic Massen werden im Golus an. jedem Orte, wo sie geschlossen Vorkommen, ein Ghetto bilden: da riiNi werden sie sich aber anic. trohl fühlen und gesund entfalten können. Für diese bteibt nur die An.fsi'be voll Reservoirs. Einzelne, begabte, blltursuchende werden sie au das Herrenvolk ab- ,f>.ib׳en, d-:׳e größere Zahl an das zu schaffende nationale Zentrum, «das Palästina werden muß. Für ums hat der Krieg national nicht viel geändert. Wohl hat er Menschen nnb Werte von lmiserawl Volksgauzeu zerstreut. Aber von diesen! w«achten wir auch keinen Gebrauch, als sie uns noch zur Verfügliug standen. Jetzt führen wir einen Kampf nach allen Fronten. Und die Fremdvölker sinJen noch Zeit, sich an uns, den eigeneil Staatsgeuosien, zu reiben. , In Deutschland sollte die hervorragende Teilnahme der Juden am Kriegsgeschäfte statistisch erhoben werden. Man kam davon ab. Der Antisemitismus fürchtet die Statistik. Semper aliquid haeret. Und was halben wir von den erbeuteten M illionen? Den Haß der Völker. Poti tische und nationale Desorientierung keruizeichnet unsere Lage. Unsere Talente rennen mit ׳km! Kovf an die Wände, fimbeit Tür umjb׳ Fenster nicht. Friedrich Adler, Primtdozent aus Zürich, weiß i׳n dieser großen Zeit, die nach Führern rast nichts,anderes zu tun, als in einem Wiener Gastl)ause beim Mittagessen den öfterlvichischen Premier, ,einen vornehmen, arbeitsreichen Staatsin'MM, niederzuschi.ßeil. Noch Alt, daß schon der Vater vom Papst getauft wurde, sonst müßten wi!r noch für -den degenerierten lieberi>nt.elllWnzK׳r büßen. Arbeiten und nicht verzweiseln, soll mich unfore Losung sein. Unh Führer müssen wir uns suchen und ihnen folgen. Wir haben u.och'viel vor 1ms. Das Denkmal des verewigten Kaisers.. Trauerrede gehalten am 26. November 1916. Von Oberrabbin«e!r W> Reich .in Baklen. ושבתי אגי ואראה את בל ד,עשוקים אשד געשיים, "1התת השמשדוהנה מעת־־העשוקים ואין להם מנחם ״Wohin ich! mich Wenk, siche ich alle Beraubten, die gegenwärtig unter k׳!r Sonne sich ervignen. Jedoch siel)!,' jetzt erst bricht die Träne der Beraubten hervor — denn der Tröster ist nicht mehr bei ihnen!" (Koh. IV, 1. 12.) Mei'ne aildächtlige, von tiefstem Leid erfüllte Tvauergomeimde! In dieser Zeit des großen Sterbens, i.n der so viel Leid rynd Kummer, so viel Sorge, Aufregung imd Vevzwoiflnnlg die! Menschheit niederdrückt: in der so viele Elternherzen bluten, so viele Frauen,Herzen brechen: in der so vi>ele Hejiinmt und Besitz verloren: in der so vi,ele Schlachtfelder zu Massengräbern der Jugend geworden sind; i>n der so Viele vom Schicksal des grausen Weltkrieges beraubt wlirden, wie es seit Menschengedenken ,noch nie unter der Sonn״.׳ sich .ereignet hat: in diesem Fenerbrande der Zerstörung und Bern-lchtlmg — hat es bisher für die AnigchöriMn uu'sever Monarchie noch i!mm,erhin einen tröstenden Gedanken gegeben, der uns selbst im tiefsten Leid heldenhaft erhoben hat — der Zuruf aus unserer alten Kaijerhymne, der für uns rein nur eine P׳hra!se war, sondern cito begeisternder Älufschre.i des Herzens — ״Gut und Blut für unseru Kaiser!" Jedoch sieh! jetzt bricht die Träne, der vom Kviegsschicksal beraubten plötzlich mit tragischem Gewalt hervor — jetzt, da der Tröster, für den wir Gut und Blut hing-eopfert haben, nicht mehr bei uns ist! Unser guter heißgeliebter Kaiser Franz Josef!. ist nicht mehr! Das ist die nidderschnu'ttevude Tvau-erkunde, die uns mit dem heiligen Schauer nlenschlicher Ohnmacht niederbvicht! Dveilnal hat sich der Todesengel im letzten Jahrzent mit seinen dunklen Fittichen dem Krankenlager des greisen Kaisers drohend gemight: es war in den Jahren 1908, 1911, und noch im Frühjahre des Jahves 1914, als noch der glückliche Frieden 1ms,golden nmleuchtete. Im- ,mjer haben da un!s׳eve Gebete Erhörunggefntilden. Gott hat ihu, den alten Kaiser, uns auch wunderbarerweise erhalten, inden 28 Monaten des schrecklichen Weltkrieges, mit der nnvergleichlichen Re«giev1mgslast in dieser stürniifchen Ze!it des Weltkampfes ׳and innner war es da unfer heißestes Gebet, daß der Ewige, in seiinev Huld ׳und Giliade, unseren Kaiser auch das Ende dieses Weltkrieges, auch den wiedorkehrenden Segen des Friedens erleben lasse — Ihn, der durch -e׳'in> halbes Jahrhundort ein Friedensfiirst WM dem die Kriggswasfen von. den bösen Feinden gewaltsailn in die Hand gezwungen wurden — dieses Gebet, es hat leijd!e«ri keine Erhörung gesMiden! Wir beugen uns dgmiütig vor dem un- ׳ervorschlicheu Ratschlüsse des Höchsten — und dev Genius des Vaterlandes steht trauerumflort, ,gram gebeugt, vor der Totenbahre des Vaters hes Vaterlandes — imd wir fühlen uns so tief e>rschnttert — wie Kinder, die -einen^Vater ve!rloren haben! Tausende Zeugen verkünden ׳es ׳!'׳.! in diesen schmerzbewegten Taigen, was wir vorloren haben; tausende Mid aber tausend.׳ Blätter zeichnen Sein unvergeßliches CWmtterbi'ld als Fürst, als Herrscher, als Mensch, Dulder uud Triumphator über tausendfaches Erdenleid: jedoch kein Blätterwald wäre groß genug, , an diesem verewigten Kaiser jenen gewaltigen Lorbeerkmug zu flechten, wir ilm Kaiser Franz Josef i'n!der Geschichte der Menschtieit verdient! Der ,große deutsche Dichterfürst hat es gesagt: In jeder großen Trenuimg liegt m\ Keim von Wahnsinn, nvqn soll sich hüten ihn anfzubvr'lten und zu Pflegen!" Ein solch schrecklicher Sch׳.r«orz der Ti-enmmg ist es, den dieser .Heimgang des großen Kaisers mitten im Sturme des Wvltwngens uns zugofügt — wir sollen und dürfen uns nicht vertiefen in ihn, denn das Vaterland braucht unsere Kraft, unseren Widerstand, unser zähes dnrchhalten! Möge es daher nur eiue einzelne Episode aus der heiligen Schrift sein, die uns die größte Leitung illnsoves verewigten großen Herrschers bildlich wiederspilegelt, die uns das gewaltige, monumentale Denkmal zeige, das Er sich für unser touervs Vaterlaud, für die Ewigkeit der Zeillvende, nilzerstörbar selbst aufgerichtet hat. Meine andächtige Tvauorgememde! Der letzte nn«d größte der Patria!rchen hat aivch die prüfungsvollste Zeit durchlebt. Seijn׳ geli-ebtes Weib starb ihm auf dem Wege zur Heimat: sei,n geliebter Soh«n! wurde von׳ ihm Ja/Hve hindurch betrauert, in der Meinung, er se!i, von wilden Tieren zerrissen worden: Feinde belauerten ihn ׳ringsum, von Außen und auch im Innern seines Hauses waren Neid imd Uneiniigkeit, die ihn!nicht zur friiedlichen Ruhe komimlen ließen. Es wurde ihm durch ein׳ hohes Alter von der gütigen Vorsehung zu Teil und er starb als ane!rkan,nter Sieger des Geschickes, gekrönt von der Verehrung u!nd Verheimlichung aller kommendeu Geschlechter. Was mag ihm diese Wimderbarel Kraft zum Triumphe des schicksalreichen Lebens gegeben haben!? Die heilige Schrift zeigt uns diese Kvgftguelle i!n folgender Erzählung nie versiegendem Nomautick. Er wa׳r in die Welt H׳i,n!ausgozog1en, befand sich allein auf dem Felde und als er sich zur ^kuhe Mben wollte, da heißt cs: ויקח םאבני הבקוב אש." שב םדאשותיו ״da nahm e!r von den Steinen des Ortes und legte sich di׳e׳selben unter sein Haupt". Es waren ׳also mehrere Steine, auf die er sein müdes Haupt legte. Der Talmud erzählt auch: עשאן בבין Er macht aus״ מרזב מ&גי היות רעית den Steinen eine Art von Schützengraben, als Schutz und Wehr gegen wilde Tiere". Was geschah nun aber? Er fand keinen Schlaf und keine Ruhe: — התחילו מריבות וו עב וו ״denn die Steine fingen unter f.ei'ne)ml Haupte au miteinander zu streiten", וה אמר עלי יניח :יריק אתי ראשו ווה אמר עלי יניח צדיק אות ראש ״der eine Stein rief, auf mir soll ׳der adle Gerechte sein H-aupt legen, der andere, ans mir soll er ruhen." Ist es da zu verwundern, wenn der bedanernswerte Patriarch koiuie Ruhe finden konnte!? Da hatte er den berüh!n«ten, uuverglei'chlich schönen Traum. Er sah eiue Stufenleiter, auf der die Engel des Hi!mmels auf- und niodevstiegen und Gott selbst über sich. Und der EwiiK! sprach zu ihm tröstende Worte der Beruhigung, gab ihm die Versicherung, daß der Boden des Landes auf dem er ruht ihm! bleibend gehören werde, ihm und seinen Nachkommen, und das keine Spur desselben, kuia Zoll breit je entrissen werde. Er ,erwachte u. sich da das Wstnder, aus den einzelnen Steinen, die sich bi.sh .׳r un-- einig gestritten hatten, war eineinziger, Wnzer, geworden: — ויקת את האבן וישב אותה מציבה ״Er nahm nun diesen — Stein, und richtete ihn zu ׳einem Denkmal" ׳ Dieser Traum des Patriarchen hatte sich buchstäblich erfüllt. Im Jakobshaufe,waren Streit und Unvilüigkeit ausgebrochen. Wie war jedoch dieser Stvei't innerlich 'beschaffen? Es war der Streit um die Liebe des Vaters, eis war dir Eifersucht, daß die väterliche Liebe! sich um den Einen oder den Andern voll und ganz und ausschließlich ranke. Jeder Einzelne wollte, daß das Haupt des Vaters sich auf ihm Stütze. Wehe jedoch, wenn es Jemand Außenstehender wagen sollte, vou dem Streite der Steine untereinander irvegeführt, in. das Patriarcheuhaus selber, an seine Ehre, au seinen Besitzstand zu vergreifen, J.