Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVII (1916)
- Issue
- Heft 20 (23.11.1916)
- Date
- 1916-11-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Weite 6. ״Mische Vslksftimme" «, Sy wi׳r unsere Kimidrr Nach dem Kriege erziehen" mvd beWMvMt'd>kgs-o Fmy;!i!u den Sähen : ,,Deutsche Kimgens wollen wir erz־-.h;n, v■ ganz mid Mw in׳ ihren! Vatrerlcead uי י־ :1־ auch ׳Nicht im -gjar.ingsten d!:!s Gefühl n;׳:f)r hoben sollen, ׳eiinfom anderen L;bonskreise anzugehöwn.. Mehr als jo soll!msar; Religion nur Religion som!... Das Land, von den! |cliln׳ft der Glaube Klnn;mig-ei-nzigon Gott Liber die ganze Welt zog, ist Ms eine Stätte pietätvollen GMen-kens, ׳nichts mehr. Das wollen wir ulnaren Jungens sagen. Und faio Sprache i!n -der [tjci fühl.1׳u, de!n׳ken und sprechen, sei! Mich die Sprache, in der sie sich zu, ihrem Gott wenden : wa^Un! ihr KöPschon schon' frühzeitig mit piner c»M׳»ru Sprache belasten! ...' Und stcischaidcin sollen sie sein, zurückli-altender... .i Mir wollen׳ ׳nlicht ״andpirs" sein als unsere christliche Miitbnrgov..." Wir.glauhon kamn, daß dies bi!: Ansicht der Vortretor ׳des liberalen Judentmns ist. Glaubt den!!! Herr Kohn, das; die christlichen Mitbürger!den Zusamimenhaing m׳i׳t ihren׳ Glaubetnsgenosson in anldemn Ländern!!- «auch!!!,ach dem Kriege nicht wieder aufinichmon? Kann er sich das von der k-athotischen Kirche Vorstelton. Wenn er die Inden so haben will, wie die Christen, so hat!er über das Ziel geschossjgu, wenn er i׳n einem Aufsatz in der ״Allgemeinen Jeiknng dies Indent!!׳!!! s" verlangt diahihi'nsürdor, ״auch wejnn di-; Landes grenzen sich ekiiniinal für Weltverkehr wieder öffn-;n wieivdan," die!deutschen Judenihre Bezieh UlM>n zu den Juden in. -anderen Ländern׳ endgültig abbrcchen inüssen. ״Mit jenen verbind kt uns kein Band mcihr und darf nie mehr verbindetn." Me Forderungen, daß die hebräis'che־ Gebetsprache zu b>esclilt!Wn) wäre, würde zur völliigen En׳tn׳;wung des Judntums führen, d>as in solcher Gestalt keine Kraft zum Widerstand hätte. Eine solche ״Neligi-oin!" wäre nur die Ueberllüitung zur Dause. Horrcfpondcnjcn. Brünn. Theodor Schwoi.nburg, Beamter der Firma Schindler & Stein im Brün!!!, von! Infan׳terieregin!en׳t.... ׳wurde miit der bronzenen Tapfevkc!its!nedai>lle ausgezeichnet. Er stand bereiks zweimal an der Front nnd hat sich bei der letzten! Russenrstfensi-Vei im Jn!ni d. I. hervorgetan. Die Dekori׳evung fand!nach der Genesung von seiner Verwundung an! 80. Oktober d. I. in Zinaiin vor verfalmiluelter־ Man!nschaft stakt. Holleschau. An! 5. Oktober wurde Frau Sofie Meisek aus Zli!n, u-n!tor außcirordentlicher Betei!ligun-g hier zu Grabe getragen. In der Zeremouimhalle hielt Herr Rabbiner Dr. Zowick ans U!ng.-Hra׳disch der Dahinigoschi׳;denen einen ti!ef -en!.Ps!m׳deinen Nachruf. Die kantoralen Funktionen verrichtete Herr K!a׳ntor Adolf Braun,stild ׳!׳<׳würdiger Wesse. An! der Bahre trauern nebst den! allgemein׳ geachteten Gros;k׳aufn!>a,n׳n Horm Karl Meisel, dessen Söhne J.-Dr. Leopold- Me,sei Prokurist S. Meisel u!׳d der Schwiegersohn! Herr P. Brod. Herr Karl Meisel spendete!ans diesen! traurigen Anlässe namhafte Beträge der Chcwr-a- Kadischa, den! Franenverein und für die hie'siann! O cksarn! en׳. Wien, (Todesfall). Atm< 0. d. M. verschied nach schweren Leiden in! 01. Lebensjahre Herr Adolf Stern ׳aus Lemberg. Der Verblichen׳;, ein Man׳!! von tadle llosqster R echtlich teilt, ehrenhaftester Gesinnnng. der sich aus kleinen Anfängen emporg!.׳arbeitet hat, erfreute sich in Leinberg und ׳nn, Wien -allgmeiiner We!,tschätzun-g. Mit Ausbvuch des Krieges begeinn׳ für den friedlich in! .Kreise und zun! Wöhle seiner Familie wirkenden Mann eine Zeit schwerer Leiden. Sofort bei׳ Begjiin׳!! des Kri-oges rückten zwei! Söhinei ein, von denen׳ der eine, der in! Wie!!!׳ afligiemem׳ bekannt; ann<b geschätzte Dr. Lazar Stern als R;gim-;n׳tsarzt in! Felde den׳ Heldentod erlitt. Ein zw;iter Söhn׳ starb in׳ Wivn!!!ach längeren! Sichtmn«. Drei Söhne, die ihn! geblieben sind, Natan, F'Aip -und Artur Stern!, dienen׳ den! Baterl-ande. Von Haus und Hof vertrieben-, mußte der Vevbli- -chm; invt seiner Gattin Rebekka, di; ihn! in׳ allen Lebens laMeine treue Gefährtin׳ und Helferin!var,!und sein׳; Tochter Lola, als Flüchtlinge in Wen leben. Jetzt, -wo er in sei,!!׳ Hein! zuvückg;- kehrt,!>׳!׳ der Arbeit vergessen und Trost finden wollte, überfiel!ihn ein tückisches Leiden׳,, den! Adolf Stern׳, trotz der Kunst der Aerzte zun! Opfer fiel. Sonntag, den 12. d. M. fand un-tser zahlreicher Beteiligung das Leichenbegängnis an! Fontralfriedhof statt. Rabbiner Dr. Max Grün!- Wald hielt <11,n; ergreifende Trauerrede, Oberkantor M. B. Kaufmann׳ zelebrierte i!n warm einpfnn'dvner Weise die Totengebete. Der vielgeprüften Witwe nn׳d den .Kindern dies Derstorbon׳;!! wmüdet sich a!llgen!ei׳ne Teilnahnw zu. Baden bei Men. Ainilählich der hohen Feiertag;, fand!,!! unsjülrgm« Teinpel der hourigo Gottesdienst in besoiNiders sol.inner M;ise statt, dein!!! jeder Einzeln!; der Fninktiionäre Mb sei!!!! Bestes, ins besondere der s׳;i׳t dien! Vorjahre installierte Oberkantor, .Herr F o r d i n a n d I n r a, der, vortrvfflich -disponiert, -das Register sein.׳s Könnens zu vollsteir En!tfa׳ltun,g brachte. Andächtig lauert;!!!׳an den altwürdigen liturgischen Gesangsweiisen, bewunderte das vollendete des Vorträges, di; ׳A!Anstechn>ik und Koloratur, wie auch die Beherrschung des Stimmateriiales von! Baß bis zun! höchsten Falsett, sein g;schulter,!nachtilget Bari,ton v;rriet die frühere külnstlerische Tätigkeit als Op;r!nsämger und Gesaugspädagogen, und allsesti/ger Lob dankte Herrn Jura für sein׳; hervorragende gottesdignstliche Vortrags- Weise, den! sich noch eine spezi.;ll!e Anerkgnnnn-g des ׳anwesenden wcktberühn!׳ten Professors und Klaviervirtuosen, Herrn Alfred Grünfeld, anschloß. Aus dem Werke: Der Wahrheitsgehalt d. Religion von Eucken. Nur -eine völlige Erschütterung d!es nächsten Lebgus k׳a,nn> ein wahrhaftiges und über-wältigendos Ve!rlangen -nach Reli!gi׳on erzeuigen und njur bei solchen! Verlangen kann i׳n der Seele des Menschen ׳echte Religion -entstehen. Was imlN'er das Leben an Heroischen answeist, das wnrz;lt schließlich iN der Religion; nichts könnt; den! Menschen bis zun! Grunde seinj.-r Seele erregen, nichts seine voll; HingebuN'g gewinnen, was sich nicht seiner Religion verknüpft, oder sich selbst zu -miner Art Reliigion gestaltet. Die Menschen fühlen sich oft um so freier, je weniigor sie die Ursachen ihres Handelns durchschauen. * Der Weg zur Ricligi-on! führt durch die Widersprüche des Lebens hindurch, sie wollen erst gründlich nuMdeckt sein-, ehe sich nach ihrer über- Windung fragen läßt. Das ist das Einzigarti-go des religiösen Problems, daH er hier eiiinen -durchgehenden Widerspruch sowohl zu eröffnen als zu überwinden gilt, daß innerhalb unseres Kpoises etwa aufzuweisenist, was über diesen Kreis hinausführt. Won das religiöse Problen! ennnal -in d;-r Diese seiner Se׳;!l!e! gepackt hat, den läßt es n!icht wieder los; er!nag -;s zurückdrängen, c!f>־| schütteln, in die weiteste Fern; verbannen, er kann, ,nicht lunhin, in die Verneinung den stärksten Affekt zu legen und seine Frage als di!e> Hanp-t-, frage seines Lebens zu behandeln; der Unglaube, selbst wird zur -innersten Überzeugung, zu einem' nur anders,gewandten Glanbe!n. Sv bildet die. stärkste Macht -innjvrhalb der Welt die Überzenigunig von •cimjeir: Übevwelt. * Manch; Erscheinungen Weisen dahin, daß iiunitten aller Bereinigung und Verwerfung wieder ei>n׳e nM-e Wage der Religion aufsteigt und die Menschheit mit sich fortreißt. * Zur Religion, drängt ein Verlangen nach!!!ehr Tilefe und Festigkeit des Lebens, nach i-!!־j 1110)1־01־ Selbständigkeit ,gegenüber dem Gewirr der und nach Erhebung über das Kleinmenschliche Getriebe. Ein Edteves und Höheres möchte der Mensch in seinen! eigenen Miesen beleben und ba)n!)ilt einem Fremden, ja feindlichen Daseinüberlegen werden. * Die. Religion in! besonderen darf allen, ängstlichen Besorgnisse!! folgende einfach; Er-, Wägung entgegenhalten: entweder ist die Neligivn bloß eün durch Tmditilon׳!!. gesellschaftlich;!־^ Ordnung sanktioniertes Erzeugnis n!׳enschli!ch;r, Wünsche nN!d Vorstellungen — dann kann kein;, Kunst, kein׳; Macht oder List verhindern, daß der Fortgang der geistigen Bewegung ein solches, Machtverk zerstöre; oder die Religion ist in Über-!neuschlichen Tatsachen gegründet, — dann kann auch der härteste Angriff sie ׳nicht erschüttern, vielmehr!nuß er alle Not und Mühe des Men-' scheu hindurch ihr schließlich dazu dienen, auf den, Punkt ihrer Stärke zu kommou und ihre Wahrheit!־einer zu vn׳tfalten. I - '׳ .. 'יי-U ׳v. j\\. « ■\ Oückerbe8prcel»ung. Franz Keim. Gesanünelte Werke in 5 Bänden. Bei Georg M ü l le r, M ü n chen. Das Lebonswerk des etwa achtzigjährige!! österreichischen Dichters Kein! ist dieser stattliche!!, vornehmen Ausgabe würdig. Das sagte i-ch mir nachdem ich!!!ich mit seinen bedeutendsten Dr-a!!n־.׳<־.l bekannt gemacht hatte. Nun war ich auch neugierig zu erfahren, was Wohl die ׳Paar Literaturgeschichten׳, die in m׳e׳i׳n-em Kasten stehen,, über Franz Keim enthalten. Aber wie groß war!!!-eine Enit'täuschung, als ich in keinen! der dicken Bücher a-uch nnr den Ncnn-sn׳ dieses Dichters fand. Und die Erklärrmg hi-efür? Vor allem sind die Herren Litevaturhiistoriker meist ans den! Reich und dort pflegte man früher die österreichischen, Dichter zwei'tcr Ordnung überhaupt als Luft zu zu behandeln,. Zu den! war Franz Kein! Zei-t seines Lebens ein schlichter, fleißiger, der Kunst evg-;ben׳er־ Mensch, der die Rektaiuetronünel n-icht rührte ׳und kein-e rege Beziehungen zu der Tagespresse unterhielt, also eine -echte Dichternatur. Er machte -die wechselnden literarischen- Mode-n n,icht mit sondern blieb sich und seinler n-atürliche-n Begabung treu. Wohl hat er in Wi!e-n seinerzeit Erfolge erzielt und, wie er in, seinerautobiografischen, Einleitung ausgeführt, zahlreiche bedeutend; Freunde gehabt, aber seUainerwei.se i-st sein Ruhm ui-cht über die Grenzen, gedrungen. Als Ersatz dafür kann er die Ehren ansehen, die ihn! i-n den letzten Jahren׳ i!n seiner Heimat zute-il geworden sind. Ein-i-ge Städte hab;n, Strassen n-ach ihm benaN'N't, li-terari-sche Vevei,ne haben-!hin festliche Abende bereitet. Er wurde aufrichtiggefeiert, von der Stadt Wien mit Ehren bedacht׳ vom Kaiser ausgezeichnet. Und das Bew!Msein, daß er nicht umsonst gelebt und gestrebt hat, verschönt den Lebensabend dieses edel!!, arbeitsamen, zufriedenen und dankbaren Menschen. Schon darun! alleinkönnte ihn so mancher bekan-n-tere Dichter beneiden. Mas sei-ue Dichtunigen an beton gt, so sinid sie nicht besser als manche andere, von de,nie׳n in-!allen Literatuvon di; Rede i-st. N^och hente wirkt sein- Inge׳nddrama ״Sulamith" und nicht minder lebendig -erweist sich sein Volksstück ״Di; Spinnerin! am Kreuz". In seinem -;rst-eu Stück merkt man! den Einfluß Grillparzers und Halms. Er selbst gefloht es zu, indemer sagt: ״Von der großen Tvagedie Grillparzers hatte ich gleichsam den Segensgrnß em-pfange!!!". Aber bald fühlte er, daß er seinen eigenen Weg gehen müsse. Darum ließ er sich von, den! Bauern- und Lokalstück Anzengrubers uicht beirren. Was!er darin vermißte, den großen Zug des vaterländischen Helden tmns, suchte er in, Stoffen aus der Vorgaugenheit. 4l׳us der Sehnsucht, das Verlorene im künstlerischen Bilde wieder zu erwckein schuf er den ״Schinied von Nol-andseck," den ״Schenk von Dürnstein" und anidere Draiuen n»it geschichtlichen! Jnihalt, oder sagen!lMfteu! Hintergrunld. ׳ Das alte Volksbuch reizte ihn, m ״Münch- Hausens letzter Lüge", die Gestalt dieses Aben- -teuers hemnfzubeschwören. Auch׳ an ein-;!! ״Faust im Rom" wagte er sich heran und löste die Aufgab;, die er sich gestellt hatte, in auerkonuenswerter Weise. Daß er auch über eine humoristische Ader verfügte, beweisen sein ״Schelm von! Kahlenberg" und das Stück ״Fridolin". Was seinen Werke!! fehlt, ist der heiße Atem, das blühende Leben. Zn glatt, albgerundet, adgeklärt erscheinen sie mir und ich geh; -nicht fahl׳ wenn ich auf das Aufkonnnen des Realisn!us das Verblassen ihres Sterns zurückfU)ve.