Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVII (1916)
- Issue
- Heft 20 (23.11.1916)
- Date
- 1916-11-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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EMt L .; . _־ Attische -»Mstim«," Nr. 20 stgns Mch dieselbe DZwcmdbniis Hai es «M dm Lekdon, dis das Chvistentium später fefesnt Judzntujmj zugefügt lM." Ebonso laut erhob Ri-rher seiine Stimme׳ gegen jedes Vorrecht, gegen -das Vorrecht vor Reichen und gegen! das Privilegium eiimr Herrschenidien Reliykm. Folgende Äutzerungmiin seii- E ״jüdischen Briefen," Heft 2., zeugt von dieser edlon Gesinnung: ״Atir, die׳ Kinder der Gegenward Plebejer oder Juden, wir leiden nicht an dem Hochmute, -won>n wir auch!unter, dorn Drucke Hitt-jm, wir könncin bürgerlich unterdrückt aber nicht sittlich Mdemütiigt Worden. Wir n-chrrmnpolitische Gleichligit in Anspruch; aber die Aii.sti,ge haben wir errungen. Wir .haben das Vortreffliche, das Niedrige, des uns entgegenstehenden Uebovmutes, des uns feindlichen Glanbons oder Standesvoruvtsiil erkannt; darum zürnen, wir nicht derselben; b<a!mm ri!n!gen wir nicht ihnen. Scheltet nur unseren Zorn, er ist es, der mrs gesund erhält; iin ihm iist das HMenide Gegengift wider di!o vergifteten Einflüsse des Hasses und -des Hochmutes, wiidior den sittlichen Tod!der Demütigung und des steten Gefühl ׳ Kränkung. Das ist die wahre Bedeutung des .dömo-kwitiischen Prinzip unsrer Tage, jeder unterdrückte Stand, jede! der Geburt oder des Glaubens, wegen zuirückgeschter Klasse, m delml Korn ihres Bewuhtsoins, i־m Gesichte ihrer Menschohwürde, die Kraft des sittlichen Wildere siandes finde und den Sieg der geistigen BefyeiiNng vo der bürgerlichen feiere. Insofern^ halben wir!auch denen ,nicht, das Gewicht citocr -einzelnen bevorzugten Mehrheit, der׳ bürgerlichen ׳Gesellschaft drückend laste,t׳e. Di>e w׳ von der Denrokvatie, wo sie ails Partei anftritt, oft verschinäht und nrißhandolt worden, doch ׳bi' äußerste ׳und letzte 25);ן1»1<1ח0ס4תוז des domokrati^- scheu Prinzips in dessen ׳edelsten Bedeutung an uns d,urchznführ׳׳,n." Wie er die Vorurteile der GeWer bekämpfte, geiitzelie er schoniungslos di!e!- jenigen seiner Stamuresgcnossen, die sich durch Glaubenswechsel ihre Gleichstellung erruugen zu sollen gl,a,ubtcjn!. Zeichnet 5. Kriegs- Anleihe! JPcuiQehm Erinnerung an den Gardasee. >11. (Musikalisches. — Nodolvhe Berger.) (Nr. l. und Nr. N.׳ siehe ״Jüdische Volksstimme" vom 15. Oktober 1915 und 0. Juli 1916.) Herrliche Stunden der Anracmn-g und Zerslvenung boten den Kurgästen in Gardone die musikalischen Darbietungen im Kasino, unter Nando Benvenatis künstlerischer Leitung. Diese Nach mi tjhags konz-erte faudeiu jeden zwei ton! Tag im jchöven weißen Äonzertsvale statt, dessen Hintergrund und Galerien dem Publikunr zugleich Gelegenheit boten, die Jause bchagt zu nehmen. Eine sehr aufinerksmne Bedienung sorgte für Ungestörthei/t der musikalischen Vorträge, denen sich die Hörer also mit doppeltem Gonutze. hingeben koniuten. Vorwiegend klassische Ton- Werke rinithält das jedes nigl sechs N-mnm!e!ryl umfassende Programm, das mit feinfühligem Verstündnisse zusanvuengeswllt, zunrieist nrit einem modieruen, flotten Walzer anskla->g. t;r: rnusikalische. Leiter die Tonschöpfungen konnationaler Meister besonders liebevoll pflegte׳ erschien ׳nur allzubegvei stich, aber die Gerechtigkeit zwingt zur Konstatierung, daß auch jedes Herbstlied. Bon Simon Frng. Wie finster ist׳s -im Waldesraunu Die Blumen stehen erdzu gebückt; Ich Hab in langen Stunden fautn Eirr kleines Sträußchen abgepflückt. Schwarz sind die Blüten, kränklich schvach. — Fern ist des Sommers heiße Lust — Wjem leg ich sie! als stunmres Ach Alts feines Hügels nmckto Brust? Ich trag nur dieses Sträußchen mit, Wie zittert mir dabei die Hand Und wo ich geh, bei.jedem Schritt, Stoß ich an eines Grabes Nam>d. Viel langgestreckte Hügel re-ih'-w Verlieren sich ins Land hinaus — Auf wessen Grab und L-oichenstein Leg ich den armen Blumenstrauß? Aus der Flucht. Von B. Nippel. Es war windig, kalt und regnerisch. Wir die Menschen!nassen auf .den Schlachtfeldern standen die ElM>ent-o miteinander in! Klampfe. Bald strich ein kalter Wind, -der mit seiner ri-sigen Schärfe, wie mit -einier schneidigen Stahlklinge durch die Knochen fuhr. Bald setzte der Wsind aus, um dem Regien dir Herrschaft zu überlasseini. Und wenn eiinimal das strahlende Gefühl .der Sonne für kurze Weile zum! Vorscheine kam, so war es betrübt, wie! man die Herscherm! Äes Tages über das beständige unbarmherzige RinA'in der widerspenstigen Kinder dev Natur׳ über die UneinniAeit, unter den, vernichtenden Rivalen ihr wehmütiges Cnrp finden zun! Ausdrucke bringen Wollte. Wer jedoch -im Daseinskämpfe die Oberhand gewinnt׳ den: steht jede Rücksicht fern. Sein ganzes Streben gipfelit. darin., seiinen Standpunkt zu b-ebauptian!,' seine Macht zur wirksamen Geltung zu bringen. Nachdem gerade der Regen den Sieg davongebragen, suchte >etz seinen Vortei'l voll und ganz sich zu nutze zu «machen. Er ergoß sich, förmlich -iin, Strömen. Und bei dieser fast unerträglichen Witterung waren Flüchtlinge aus Galizien an! Bahnhöfe eingetvoffen. Sie kamen in Vie-hwaiAen he,rängefahren,, wo -nicht weniger als zwei volle Wochesn Programm mit den Namen Mozart, Weber, Mendelssohn und unsiires Schubert »׳!׳schmückt war, und daß die aus ungefähr 50 erstklassigen Musikern bestehende Orcheste.r׳wre.'!n,igun.g die Schönheitesn deutscher Musik erfolgreich zur Geltung zu bringen verstand. -Mine besondere Sln׳z.i!.׳!hun.׳,sk״aft übten jene Konzerte aus, die!nach der Abendmahlzeit iin! dqn größten Hotels ihren Gästen geboten wurden; es waren Deirbietmigen intiirneren Charakters, so recht darnach angetan!׳ die gesellschaftliche Stinnnung unter den Hotelgästen zu beleben und diese -eiulander vertraulich nähar zu bringen. So kon-nten wi!r uns jeden zweiten ZlbenÄ an den Vorträgen oines kleinen Ovchesters bestehend aus Harmoniuin, Geige, Cello und. Flöte erfr-euM und in׳ der Trösterin! Musik, ein! beseeligandes Geleite zur Nachtruhe go- Winnen. In dainikbaver Anörkennumg für dieisen Kunstgenutz. widniete ich den ״Boten vom Gardav fee," -ei,neu Beri.ch!t, den. diese Zeitung imterm 11. 2., 1912, an erster Stelle brachte und den ich als Echo -aus jener seligen Friedans^eit iin ־.׳ח gendem reproduziiere.... ״Einstweilen sorgt neben dom berühmten, unter der Leitung Nando Benvenlutis stehenden Kasinoorchester ein ktein-ever -abwechselnd i'n Iden hiesigen größeren Hotels konzartierender Mnsikverband, bosi׳ehaud ans den Herren Pietro Raggi aus Pesaro (Dirigent und Pianist), Enrico Carmeli aus Mailand (Violine), Ottavio Bastiani,ui aus Parm-a (Flöte) und Euea Mat ly aus Bologna (Cello),!nicht nur für angsu-ehlne Zerstreuung der Kurgäste, sondern auch für hohe Befriedigung verwöhnter musikali- Männer, Weiber und Kinder verschiedene, Alters und Standes lvalsilos zusanrinengepfercht waren-. Müde schwach und «entkräftet räumten sie die Stätsten ihrer Qual, die Räume, wo der Mangel jeg-!llicher notdürftigen Lebensmittel einen halben Monat himiduch sie bedrückte. Sie entstiegen nicht etwa den Waggons, um un-ter einem schützenden Obdach Zuflucht zu fi.nden, >i,n ein Heim einzuziehon oder in einem Hause ihr Haupt zu njiiederlegen Nein. Die Waggons mußten gerämut werden, nachdem dtis Ziel erreicht rmd ihrer andie!rweitigo Verwendung harrt-.׳. Indessen innßten die Fremden selbst darauf bedacht sein, sich -ein Obdach zu fmdein. In! banger Verzweiflung hausten nun die Flüchtlinge unter freiem Hinrnrel. Während der kalte Regen ihre müden Glieder drrrchnäßte, schlniegten sich di!e Verbannten, an ihre Bündel, an dir letzten Reste ihrer Habe und Wärtern,. Vielleicht hätten sie iiygendwo Zuflucht gesucht, aber sie waren zu steif, zu schwach, um sich weiter bewegen zu können. Und so -warteten sie, was alle Menschen ihr ganzes Lehen hindurch ׳erwarteten.. Vielleicht würde sich -i׳rgend leine! Be- Hörde der armen Menschen annehmen!. Menschen? Juden aus Galizien waren es dazu noch ineinem fremden Lande. Die letzte Nahrung ward ihnen noch a!n Vortage int kärglicher Ration verabreicht. Und damit mußte! schon zwei Tage der Hunger gerneistert werden. Die Kinder weinten, schrien um Brot, die Mütter suchten sie zu -beschwichtigen. Die Männer seufzten, zuckten stumm m\i!t ׳den Achseln. Es war unerträglich. -Fwilich an Gaben der Natur׳ die sie unmittelbar enrpfingen, hatten sie keinen Mangel. Wjitnd, Regen, Kälte, Beidriückung hätten sie -in reichlichem Maße. Nur an! Nahrun!gsmiittlell, an Gaben, di-e von Menschenhänden gereicht worden, nlußten sie qualvollen Mangel leiden. Selbst für das teuere Gold!vermochten die Juden. ans Galizien ׳nichts zu erlangen'. Aller Plagen waren diese unglückseligen Menschen schon unterworfen. Aus dem Heiknatlande waren fie vorbannt, von der eigenen Scholle, von Haus und Hof verjagt, ihren Liebsten, den Kindevu, weilt entfernt. Der Hunger und der Durst nrart!e!rte ihren Geist׳ welcher schon vorher von! der abent-euerlichen Fahrt ׳betäubt, vergiftet worden War. Ungekannt, verlassou, ohne Rat, ohn-e Hilfe standen sie in, der Frleinlde, obdachlos und voll Erbitterung. Dem -alten׳ Rafael, dom angesehen-en Karrfm-anne ei-uer gräßoren Stadt Galizivns, kajmien die Tränen i!n> di!e Augen, wenn ihm s-eiin- Schicksal zu Herzen ging. ״Jetzt sehen wir Juden, wor, und was wir sind" sagte -er zu seilUem Leiiidensgenossen. ״Unsere Leiden! sind jetzt gvouzenlos. Inn Frieden!ist unser Bestand Wie eine ncorsche Lehnchütte׳ die bei jedem geringen Anlasse über den Hansen geworfen werden scher Anforderungen. Diese vier Herren, hervor- ,gegangen aus erstklassigen! italiieiniischein Musikschulen, von denen ein jeder sein Jnstrunwut mit vollendeter Technik handhabt, bilden in ihrenr Zusanyv>,ensp.i1el;e!i!n!e wahre Spezialität- Rühinend ist -des wnsichtigen Dirigenten zu gedenken, der zilgleich als Pichi/ist wirkt und das Parkett zu bogeistovu versteht. Sein abwechsluugsr!ei.ches Progranun bringt jeden: etwas. Wir hörten bisher die klassischen Wtzrke deutscher, KaliÄni-scher -und französische-r Mvister, dann auch modernen Kompositionen, wie z. B. Puccitn!i> Mascagn-i,-Leoncavallo nsw. — alles in -gelungenster Ausführung. Eiinies gainz . besonderen Beifalles erfreuten, sich Schumun׳ns ״N-evierr" und Goltornranns ״Andalute per Cello et Piano," worin der Cellist nnt warmer Tongebuiiig und feinfühlia <!׳> Empfindm: t״!׳ <׳.׳>c-rtrat. Aber auch das lustig heitere Gonro konrmt nicht zu kurz. Lehar, Leo Fall, 'Offenbach, fehlen fast bei keiner Darbietulnig und zuletzt, doch nicht zun: letzten, ertönen die alle Herzen beschwiügenden rythmischen Klänge- Johann Strauß, di-r das Auditorimn zu lebhaften Bois-aüskunogebungen hinvissen und schwärin-eriisches Entzücken von bon Ufern des Bonacus zu jener» der blauein Donau herüberloi-tein,." . . -.. Dieses Referat bedarf n-uu heute eines aktuellen Begleituinstandes wegen ein!e,r Ergänzring. Eines Mnz autzerordentlicherr Erfolges uirjor den AuffütMmgen dieses in der Tat künstleirisch.'n Quartetts erfreute sich wärmlich auch ein Walzer ״Amouronse" von, Berger, herrlich ׳g!esp'-.׳lt und von ei,nein internationalen.