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Jüdische Volksstimme · 1916-09-27 · Heft 17 (27.9.1916) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVII (1916)
Issue
Heft 17 (27.9.1916)
Date
1916-09-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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feite 4. ״MrscheBvttSsttmme" Rr. 17 anderen Naöbrner und öffnete sein Geschäft auch ,n:ema.ls kurz und bündig, frei! von! allen Schlak-.nnch Arneviika. Der Paß wurde ihm jedoch verden Sabbat über. Der Oberrabbiner ließ ihn, ken phrasenhafter Gedankenlosigkeit: die Jvviah weigert, da die Regierung, befürchtet, Russell dreimal hintereinander auffordern, das Geschäft, ist eine Schule wie -sie unsere Kinder brauchen'könnte feine der englischen Regierung wonig ana!n Siibba.- xn sck׳!.ckrt>n Unfor!״A+p mib J>i!' Eltern werden sich davon überzeugen? genehmen Ansichten über den Krieg in Ainerika am Sabbac zu schücßen. Unser Wiener lachte aber über die geistlichen Sendboten und Ermahnnngen, war stolz auf seinen Kassenerfolg am Samstag und berichtete über die von ihn: eingeführte Neuerung triumphierend an das Wiener Stammhaus, das in völliger Unkenntnis der örtlichen Verhältnisse sein Vorgehen natürlich billigte. Das dicke Ende!, das des öfteren nachkorninen soll, ließ auch diesmal rricht lauge auf sich warten. Vier Wochen nach Einführung d'.i Sabbatschändung betrat ein Jude überhanvt nicht mehr bas Kaufhaus und unser Wiener konnte sich -die Zahl seiner täglichen Kunden meistens mit Zuhilfenahme seiner zehn Finger!ausrechuen. Die ersten acht Tage lachte er darüber, die Leute ::rußten ihrn, seiner Ansicht nach, ja doch kommen. Da sie aber nicht kamen, brummte er die ganze Woche ärgerlich und schimpfte die folgenden vierzehn Tage wie ein Rohrspatz über geistliche Tyran.nenwirtschaft. Doch da alles nichts half, blieb ihm bei Beginn des zweiten Monats nichts weiter übrig, als den Oberrabbi- ,ner aufzusuchen, ihm Persönlich sein pater peccavi zu ::rächen und ihn! um Aufhebung des Bannes zu bitten. Der Gestrenge nahm die Untcrwerfang der Rebellen an, die Kriegskosten, die er ihnen außer dem Geschüftsschluß an: Sabbat auferlegte, waren über doch nicht ganz ״ohne".^:6 Wiener Firma mußte sofort vierhundert arme Kinder der jüdischen Gemeinde (zweihundert Knaben und zweihundert Mädchen) von Kopf bis zu Fuß neu einkleiden und sich außerdem verpflichten, in Zukunft alljährlich einmal für hundert arme Judenkinder die Kleidung unentgöttlich zu liefern. Damit War der Friede geschlossei:, die Herren in Wien hatteu aber ebenso wie ihr Saloniker Geschäftsleiter fürs erste das Lachen vcrlwnt. DaS ״Boxlmer TageblÄt" titelfoejt ans Notkrdam: Die englische Armee hat infolge der Be- VIII. fördernng des Obersten John Mo nasch zum Generalmajor den ersten jüdischen General erhalten. ״Manchester Guardian" schreibt, es habe ״Jvviiah" lautet der stolze Name der neu wohl schon!mehrere Generale jüdischer Herkunft eröffnten hebräischen Sprachschule und diesen gegeben, über keinen, der Jude geblieben war. Namen kann sie mit Recht beanschpruchen. Kein In Dr. Glanz's Händen sind unsere Kinder gilt aufgehoben, besser als überall sonst. A. Schw. Das Grab -es Wunverrabbi. Vor hundert Jahren starb in Tachau in Böhmen ein durchreisender, froinruer Jude aus den: Osten, ein Wunderrabbi, der auf den! dor- Ligen Friedhof beerdigt wurde. Er hat ein! Testament hinterlassen, das sich i-m jüdischeil Mnsäun: in Prag befindet. In diesem! in hebräischer Sprache geschriebenen Testanlent wurde der Ausbruch ׳des Weltkrieges vorhergesagt. Es heißt da, daß nach hundert Jahren gewaltiges Unglück über die ganze Welt und besonders über die östlichen Juden Hereinbrechen werde. Viele fromine Juden 'würden zun: Manderstab greifen lnüssen. Diese Inden, heißt es in diesem Destmneirt, mögen an das Grab des Rabbi nach Dachall pilgern und dort!ihre Gebete verrichten, dann werde Gott sich erbarmen und das Unglück abwenden. Der Ruf des Wunderrabbi llnd die Kunde voll seinem Testament hat sich bei den Ostjuden erhalten» ill-ild tatsächlich pilgern, jetzt nnzäht'ige Flüchklingie nach Tachau, um dort am Grabe des Heilt -gen zu wehklagen und zu betell. Herr Dr. Wohl, ■ber Rabbiner von Tachau, hat die hebräische Inschrift auf bem Grabe! des Rabbi i'ns Deutsche übertragen. Die Anfangsbuchstaben auf bem Grabstein bilden eine kabbalistische Fornlel und ergeben die Jahreszahl des Ausbruches des Weltkrieges. Der erste jüdische General in England. Hebräische Sprachschule ״Jvriah" Wien, Langegasse 32. Die Juden jetzt und vor -er französischen Revolution. Eine interessante Gegenüberstellung der jetzigen und alten Statistik der Inder: bietet eine soeben Geringer als Dr. Heinrich Glanz ist ihr Jnitim tor und zugleich pädagogischer Leiter. Dieser junge Mensch hat sich :nit seinem ganzen feurigen Idealismus auf das so dornige Problem geworfen: ״Wie können wir!unsere Kinder im hebräi- Mn Geiste als Juden erziehen?" Da ging er, r;׳״־TV" ■in des Dichters Lande, dorthin wo die hebräische! erschienene׳ englische Schrift. Danach betragt die 'Sprache lebt und blüht, unterzog sich in Jerusa- Ul der heute n: Europa lebenden Inden 9 lern bei David Jellin einer Lchranltsprüstmg Mmwnen, wahrend sie mn Vvvübend der f-ran- und unterrichtete an denn dortigen hcibräischen'^sischen Revolution noch nicht ein Drittel die- Lehrerseminare. Nach Wien zurückgckehrt, erhielt J01* B'ffer erreicht hatte. In England lebten er sogleich die Anstellung an einer k. k. Mittel-' damals 25000 Juden, während man dort heute schule, an der er seit einem Jahre den Nelrgions-! 2!>0.000 zählt. In, Frankreich leben 100.000 unterricht erteilt. Nun vornehmer: wir, daß er? -^llden gegenüber 30.000 in. der Revolutionszeit, eine hebräische Sprachschule eröffnet hat. Nach Preußen ist die Zahl auf 410.000 gestiegen, seiner Mitteilung hat er es vor allen: auf d. Kiiiir-'Zn Polen und Litauen beträgt die Zahl, der der abgesehen. ״Eine religiös-nationale Jugend braucht unser Volk" -ist seine Parole. ״Unsere Kinder sind heute auf den: besten Wege — znn: Ab falle. Sie sind daran gewöhnt (die Ursachen sind verschiedener Natur) ihr eigenes Volk mit feindlichen Augen anzusehen. Die Zugehörigkeit zu ihren: Volke ist ihnen eine Last, die sehr schwer drückt und sie sind froh, sie oblegen zu können. Alle dagegen untern 0 nun euer: Versuche (Elternbesprechnngen, Reformen in: Neligionsunterricht) haben zu keinen: Resultate geführt. Nur ein Mittel gibt es, die zentrifugalen Kräfte zu bekämpfen und dieses Mittel ist von unsehlbarer Wirkung. Unsere Kinder sollen das Judentum kennen lernen und, da will ich in :::einer Privatschule den Anfang! machen. Die jüdischen Kinder sollen jüdische Geschichte lernen, hebräisch konversieren, die hebräische Literatur studieren und sie werden mit Liebe zu ihren: Volke hinaufschauen. Nur auf diesen: Wege würde das Judentum zentripetale Kräfte entsenden und unsere Kinder würden sich rnit berechtigten: Solze zu ihre!:: Volke bekennen. Die Hanptschwieriigkeiten in der Erlernung des Hebräischen, besteht darin, daß Pie Kinder Texte lesen müssen, deren Inhalt ihnen unbekannt ist In der Jvriah lallen die Kinder hebräisch sprechen und schreiben lernen und dann selbständig die Bibel nebst anderen Zweigen der hebräischen Litteratur studieren. Aber auch Erwachsene sind gerne gesehen. Zum Lernen ist ntenmnd zu alt und dor $ufoe schon Juden 1,500.000, in Rußland ohne Polen ist sie von 600.000 auf 4 Millionen gestiegen. Die Jargonsprache in d. jiid. Schulen Warschaus. Die Vertreter der jüdischen Bevölkerung Warschaus haben im ״Konzerthaus Harmonia" eine Vers׳am!mttln,g abgehatter: u. eine Entschtteßung angenommen, in dor beantragt wird, in allen städtischen jüdischen Schulen ber: Unterricht ,nicht in polnischer oder deutscher, sondern in der jüdischen Jargonsprache abhalten zu lassen. Aus den Ländern -er Freiheit. Unter dieser ttioberschrift lesen wir in der ״Internationalen Korrespondenz" die folgenden beiden Mitteilungen: 1. Bernhard Ruffel, der hervorragendste Majhematiker und Philosoph Englands, bisher Professor an der Universität in Cambridge, wurde Por einigen Wochen von: Gericht der City of London, zu einer Geldstrafe von 100 Pfund Sterling verurteilt, -weil er für die Freiheit des Ge- Wissens eintrat. Die Universität hielt ihn nuninehr für einen Sträfling und enthob ihn der Professur. Die ameriknnischo Harvard-Universitat sandte an Professor Rüssel hierauf eine telegraphische Einladung, einen Kursus über Logik in .Harvard zu lesen. Russell wandte sich an das englische! Auswärtige Amt um einen Reisepaß Perbreiten. Russell ist ein Enkel Aork John Russells, des berühmten liberalen Ministers, der i׳m Jahre 1832 die Reformbill durchsetzte. 2. Der Londoner ״Jüdische Arbeiterfreund", der im Jahre 1882 ,gegründet wurde, und seitdem regelmäßig als Wochenblatt der jüdischen Anarchisten und Syndikalisten erschien, ist soeben von der Hiregierung verboten worden. Dev Redakteur wurde verhaftet. Die Juden in Siebenbürgen. Die jüdische Bevölkerung jenseits des Königsteigs ist verhältnismäßig klein -an Zahl. Laut der Volkszählung von:! Jahre 1910 betrug die Soelenzahl!der Inden im! Siebenbürgen in: Günzen 64.074, was 2:4 °/0 der Gosanrtbovölkerung in diesen: Teile Ungarns entspricht. Am wenigsten -ist das jüdische Element in dem Gebiete zwischen der Theiß und ber Maros vertreten. Durch den :neuchlerischen lieber fall Rumäniens wurden 13 siebenbürgische Kon:itäte berührt. Die Bevölkerungszahl, beträgt hier im Ganzen 2,255.664, davovu nach einer Meldung des ״Egyenlöseg" 35.000 Jrwen oder i :48°/0, welche jetzt gleichfalls ihre: alte Heimat verlassen n:!ußten. In: ganz Ungarn beträgt die Zahl der Juden 5"/״ der Gesamtbevölkerung. Die Juden Fankteichs int Kkrege» Den:!näW -vrWjllt -ein Goldenes Buch..!׳״- ransgegebeN bou: israelitischen . Zentralkönsistöviwn, das sämtliche, jüdische Küitchser, die ans den: Schlachtf-ejde gefallen sind, müt Namen etc. angibh Es w:!rd in der jüdischen Presse auch der Vorschlag ge-niacht, in jeder Synagoge Erinnevungstafeln an die jüdischen Helden znn: ewigen Gedächtnisse anzubr>,n,gen. Die Liste, der gefalleneu jüdischen Svldäte:: schwillt ^anherordelstlich an, die tNeisteN, fanden vor Verbüü ihren Tod. Sü wird von einer Nadüine Wccard in .Paris geineldet, haß sie bereits drei. Söhne auf den: Felde der Ehre verloren hatte. Sie verlangte, deshatb, daß der vi,ert-e und letzttz Sohn, der auch in: Schützengraben lüg,, zum Jn-nendienst komn:e. Der General bewilligte ihre Bitte,, der .Jüngste wurde nach Barte-Duc versietzt. Das.Unglück )vollte, daß er hei einen: Fliegerängriffe auf diese Stadt getötet Würde. Hebräisch als Unterrichtssprache. Das Budapcster Landesrabbinerseminari'um -hat, wie! von, dort berichtet wird, auf Antrag des Präsidenten des Kuratoriruns kgl. Rates Dr. Franz Mczey beschlossen, von: nächsten Schuljahre angefangen, sowohl in der unteren wie in der oberen Abteiiung für die hebräischen Lehrgegenstände die hebräische Sprache als Unterrichtssprache einzuführen. Diese Neuerung ist lens so bezeichnender, als gerade in Ungarn! in jenen Kreisen, welchen die Leitung des Nabbinersemi׳- nars angehört, bis vor gar nicht langer Zeit eine entschiedene Abneigung gegen die An er״ kennung der hebräischen Sprache als lebendige Sprache notorisch war. Diese Wandlung, welche auch anderen jüdischen Lehranstalten zur 9ü:chahmnng einpfohle!: werden kann, wird sicherlich n-icht ohne Wirknngi auf die Erziehung der künftigen Generation der ungarischen Juden bleiben. [ Watty Sibirien geschickt, weil er am Tischoh b'Av Kinnoth gesagt hat. Ein! Greis, dessen Söhne!und Schwiegersöhne in: Felde stehen, wurde nach Sibirien devortiert, weil er an: Geidenktag der Zerstörung oes Tempels gebetet hatte! In ׳einen: Briefe an das jüdische Hilfskomitee für Kriegsopfer in Petersburg schildert er alle auAgestandenen Qualen. Der 76jährige Mann Meier Moschkowitsch Gri'nschvone aus dm:: Marktflecken Kuvinia, in: Distrikt Kan:enetz-Podolsk, erzählt, daß er a>: den: Tage, an dem die Inden der ganzen Welt die Zerstörung des Deinpels beweinen (1915), in seinen: Zimmer «ans dem Erdboden gesessen sei und gebetet habe. Plötzlich traten zwei in: Dorfe als Banditen bekannte Bauern mv und riefen ihn: zu: ״Du betest wohl zu Gott, daß die Deut-

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