Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVII (1916)
- Issue
- Heft 17 (27.9.1916)
- Date
- 1916-09-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 17. ״Jüdische Volksstimme" Gelte 3 Für Schuhreparatnren wurden in Posti-tz zwei, l׳u Türmitz gleichfalls zwei! .und in Mariaschein ׳Me Schuhmacherwerkstätte! eingerichtet. Die -Werkzeuge und daBLeder sowie!die Arbeitslöhne wurden von! Komitee beigestellt. Für Leder wurden K 3540.32, für Schuhmparaturen K 825.20 bezahlt. ( In öe'r PolkKhalle in Po kau, wo zumeist alleinstehende Personell nntergdbrächt waren, die nach Abzug von je 10 h fi'tr Nachtlager von! den übrigen 60 H. der staatlichen Unterstützung nicht leben konnten, stellte sich die Notwendlkeit heraus, eine gelnemsameKüche >e!i«n!zurichten, die ,jtiliilfa' der bewährten Leitug der Frau Pauline Raubitschek und bfe!r Herren Sigmund Gans und Gigmund Braun und noch einigen Danken und Mädchelt, stand. Die aetneinisain-e Küche wurde vom 16.. Dezeinbev 1014 bis 15. April 1015 in streng!ritueller Weise geführt und in dieser Ze.it da. 10.060' Portionen -ausgeteilt. Die mit 60 H. bövechnete^ Tagesportion׳ öe- ׳stand aus: morgens: Kaffee ,(für Kinder Milch) 2 Semm-st und 1/^ kg Brot, inittags: Suppe, Zuspeise (zwei!!!!!al wöchentlich Fleisch), nachlnittags: Jause, abends: Suppe oder' Zuspeise. Für -di>e.se Ausspeisung erhieitett w)!r von!nehreren Geschäftsleuten Geschenke an LeÜe'üsnritteln, ferner von! Stadtrate in Aussig einen Waggon Kartoffeln, 2 Sack Erbsen, 2 Sack Reis, 2 Sack Gries und 2 Sack Graupen, wofür auch, .an dieser Stelle der,gebührende Dank ausgesipro-' Den wrden Mag.Seitens. des Ko!!!itees wurde .für die gemeinsaine Küche: ein. Betrag von 2000 K bereitgestellt. In dem Bestreben, den Flüchtlingen bite־ Beschaffung der Lebensinittel zu isrlei'chtern, verckb.folgte das Komitee 2 Waggon! Kartoffeln gratis und ׳gab außerdem 3 Waggon. Kartoffeln an sie nn!ter dem Selb.stkostenpretse ab. Kohlen wurden gleichfalls umsonst beiigestellt. Wjo das wegen der Entfernung nicht in natura möglich war, erhielten die einzelnen Parteien monatlich 6 K m. Bargeld. Die uötilge Kohle wurde in zuvorkommender Weise! von. den Firmen: I. Petschek, Ed. I. Weinmann,und A. Weigl gespendet. Die Zahl der hier verstorbenen Flüchtlinge betrug 15 (davon 0 Erwachsene und 9 Kinder), von denen die!!!!eisten kurz nach dein Eintreffen .Hierselbst verstorben sind. Nach anfänglichen Schwiierigtzeiten .infolge der Einrückung der meisten Aerzte zu militärischen. Dienstleiistungen, fn-uktionierte auch der ärztliche Gesundhieitsd-ienst in b-efriediigender Weise. Die Medikamente wurden anfangs vom! Komitee selbst, bezahlt, später, ebenso wie die Honorare -für die Aerzte, von der . Regierung beglichen. Die Beerdigung der Verstorbenen geschah auf Kosten der Kultusgemeinde. Bel Entbindungen, ihr!e -Zahl betrug 14, wurden durch giiti'Qe Vermittlung der Frau Helene Petschek und Frau Rosa, Landesmann aus der Neustadtl'schen Wöchnerinnenstiftung Ünterst-ützungen gewährt. Zu -erwähnen wäre noch, daß drei: Flüchtenqic -auf Kosten der Frau Helene Petschek im Lungenheim bei׳ Pokau, und eine Person: aus Kosten des Komiteesi-!n Siechenhaus Ausnah.m>e fand. Den juristischen Beistand erhielten die Fluchtlinge durch die Mitglieder des Komitees, Herrn I. U. Dr. O. Schanzer I. 11. Dr- N- Langstein, I. U. Dr. S. :Mahler sowie durch Herrn I. U. Dr. G. Kahn unentgeltlich.!Wer die Fürsorge des Koinitees für den lllnterricht bemerken wir folgendes: Sobald als ,möglich wurden die schulpflichtigen Kinder, nachdein sie mit Unterstützung des Fraueuvjereines und der Chewra: Kadiischa vollständig neu!a.n-g-ekleidet waren, zur Aufnahme in die Volksschule angemeldet. Die Schüler und Schülerinnen nahmen mit regen! Elfer -und gutem Erfolge an den! -allgemeinen und den! sich anschließenden Religionsunterricht -des Kantor Grzyb teil. Es besuchten in Pokau 50, ln Aussig 30, in Tilriniitz 46, in Karbitz 19, in Ma ri a schein! und Sobochlebeu 57 Schüler und Schülerinnen die Schule; ihnen wurden die notwendigen Schulreguisiteu teils auf Kosten des Komitees, teils durch den k. k. Schulbücherverlag in Prag kostenfrei beigestellt.' Auch für manuelle Betätigung der Flächtlinge wurde gesorgt. In Aussig sowie in Türmitz wurden Uuterrichtskurse für Stsnograhie und Maschinenschreiben e luge richtet, an! denen 20 Schüler biezw. Schülerinnen teilnahinen. Auch Wurde!einzelnen Flüchtlingen der -Eintritt in ein Geschäft oder in!andere Stellungen ermöglicht. י?» -י י . י.^׳.* r.r Des Kriegerweibes SabbatLrost. Am! Sabbattische zur Sabbatnacht Sitzt einsam mit ihren Kleinen Ein Kriegerweib.. In ferner Schlacht .Der Vater kämpft für die Seinen. Wer,preiset den Höchsten beiin Sabbattrank, Wer teilt das Sabbatbrot heute? Wer segnet dis Kinder mit frommen Sang? Wer sitzt heut an Mütterchens Seite? — Ein stummes Fragen, kein Wörtchen hallt. Die Zähre des Grams verschleiert Des Weibes Auge; denn, ach, wie bald Wohl ewiigen Sabbat er feiert?- / O Heldengattin, sei unverzagt! -Mag dieses Trost dir ,bereiten: Fällt er, so hat er sein Leben gewagt. Um den Sabbat der Welt zu erstreiten. ׳H. Unikower. Freitagabend im Felde. Schützengrabenerlebnis von Louis Nofenblatt. Es war wieder einmal Freitag geworden nach sechs langwierigen, gefahrvollen Arbeitstagen i:m ewigen Kriegsgetöse. Da es ein sonniger Herbsttag war, wollte ich die'letzten Stunden dieses Tages i!m Freien verbringen, in gemütlicher Un!terhaltu!ng mit meinem! Gesinmiungs- und Glaubensgenossen N. Ich begab mich daher zu seinem zwar klei!nen, jedoch niedlichen Unterstand, den er allein für sich bewohnte. Auch er hatte sich eben nach,einigen Stunden stiller Rast vorn Lager erhoben, um die Frieden atmen die- 'Luft inr Freien zu genießen,. Wir sprachen von so!nanni!g!fachen Dingen aus der süßen seligen Heirnat, von den prangenden Sabhatliichtern, von den ausgezeichneten Sabbatbroten und vom heiligen Kidduschwein. Je!mehr Wir uns in diese holde Welt vertieften, desto inniger.reifte in uns •ber sehnsüchtige Wunsch nach!eimiern solchen ge-!nütlichen, idyllischen Abend. Schließlich!nachte - i>ch einer kurzen Pause, die jetzt i!r unserem Gespräche leiuigetreten war, ein Ende mit folgenden Vorschlag: ״Wie wäre es denn, mein: lieber Frieund, wenn, wir heute Abendden heiligen Sabbatgast, in! würdiger Weise empfingen? Erst gestern, habe ick) zwei, -Kerzen von zu Hanse geschickt bekommen". ״Einfach trefflich, fiel mir jetzt N. ins Gespräch; wird gen! acht! nur die Geschichte!mit dein einem Brotlaibe will mir nicht harmonieren", fügte er jetzt fast wehleidigen .Tones hinzu. ״Besser!etwas als gar nichts", entgegnete ich i-h!n snergisch und schon schickten wir uns an, den Sabbattisch zu decken. Im Unterstand befand sich' ein kunstvoll -ausgeführtes Tischgestell; dies. Wurde mit ,einem blendend cheißen Taschentuch verdeckt; zwei׳ Patronenhülsen als goldene Leuchter wurden aufgestellt, darauf die beiden Lichter gesteckt, die Ko!ni׳ßsalzbüchse ׳stand feierlich daneben und schließlich wurde noch ein Weißes ״i, Sandsäckel" zum! Barchesdeckchen gsste!n:pelt, ,in dem wir mit einem Tintenstift darauf die Worte: ״Sochaur es jaum haschabbos l'kadschau" anfzeichneten. Da di!e Zeit bereits zieml-ich vorgeschritten war, hieß ich meinen Freund sofort di!e Lichter entzünden", mit dem entsprechenden Segensspruch. Hierauf ׳verri!Hteten wir i-!n trauten Heiine das Maariwgdbet für den^ heiligen Sabbattag in an,ge!messen!er Weise. Mittlerweile war die Nacht hereiugebrochen :und die Fon rage gebracht. Aber wie gütig hatte sich da der Him!nel gezeigt; hatte er schon bis dahin unsere ganze Vorbereitung sichtlich unterstützt, so hat er uns beiden jetzt offenku,ndig sei!ne wundervolle Hand gezeigt, ind!e!n es heute׳ zu!n ersten Male eine Brotzulage gab, bestehend in ׳einem weiteren halben kleineren Laibchen für den Mann, das noch dazu aus besseren! Mehle hergestellt war; .jetzt war also jede Not vorbei׳. Zwei, Brote lagen N-un!uehr unter der Barchesdecke. Feierlich wurde jetzt Kiddusch genüacht, dankbaren Herzens ^der!nit köstlichen We!ne aus der Heiurat gefüllte Sabbatkelch erhoben und dabeider Schöpfer des Weltenalls und der Le!rker unseres Volkes g!e^ Priesen. Tränen standen uns jetzt in den Augen, -ich weiß nicht, waren es Tränen ewigen Dankes gegen Gott, oder Tränen heißer Schnsucht nach ׳dem noch trauteren Heime, weitab von dem Donuer der Kanonen. ־ - ..^5" Runcht^uu. Herr Dr. Marek Schcrlag ersucht, festW-!stellen, -düst der Aufsatz über Enm«l Quint nicht von ihm herrührt. * * * Auf dein Felde der Ehre gefallen. Zu Beginn des Krieges gegen Rumäuien u. zw. am 1. September I. I. fand Walter: Hirsch, Rechts- Leutnant eines Feldkanonenregimentes den Heldentod. Zwei Brüder d. tapferen Offiziers stehen auch ,in! Felde. Walter Hir-sch, -ein: Sohn! des Advokaten Dr. Mov'iitz Hirsch in Mügli!tz labsolvi,erte mit ausgezeichneten Erfolgs seine Studien an!der Wiener Universität nnd ervsichte ein Alter von 26 Jahren Er war s. Z. Praeses der jüdischen ,Verbindung ״:Umtas" und seit seiner frühesten Jugend stand Walter .Hirsch >a!n, der zionistischen Bewegung; er der sich durch b-esondere Herzensgüte, durch hervorragende Geistesbildunig ausgezeichnet hat, er kämpfte tapfer diente in seiner letzten Stunde der jüdischen Sache, da er im Kampfe gegen den Erbfeind seines Volksstainmes zum Opfer fiel. Malter Hirsch war der Stolz -unid das höchste ,irdische Glück seiner tiefgebeugten Eltern, ein zärtlicher Bruder,!e!tm: Freund' der Menschheit, der zeitlebens keinen Feind hatte. Noch vor einigen Wochen eilte er in die Geburtstadt sei,!!er Eltern, nach Boskowitz, um vor Abgang in!'s Feld, bei, seinen hier lebenden Verwandten ein!׳- ge Stunden ״verleben zu können. Leider sollte er zum letzteninale hier verwei!lt haben, wohin׳ er so gern alljährlich kam, -und im zartestten Kindesalter an seine seither verstorbene fromme, büdere 'Großmutter, so schöne jüd!,sch-deutschs.Briefchen sandte. iEr wuhe sanft! ׳ ' יי י י .׳ •: Ein Ruf nur Hilfe. Der Vorstand des Allge-!!!,einen Jüdischen Kraukenhausss- ״Schaare Jedek" i׳n! Jerusalem :(.׳Verwaltu,n!gssitz: Frankfurt!01. M.) wendet sich in: einer Sonderbeilage dieses Blattes mit einem dringenden Hilferuf zugumsten des genannten, musterhaft wirkenden Krankenh-auses der h׳e!il!i!gen Stadt an׳ den oft bewährten Wohltätigkeitssinn der deutschen Juden u!!.d bi-ttet um rei!ch,li׳che Spenden, d!a!nit er auch noch weiterhiin, den Kampf gegen Krankheit und Seu- .'chen aller Art, gegen Not und Kriegselend unter der Bevölkerung, und! namentlich unter der jüdischeu Bevölkerung Jerusalems fortsetzen kanni, was ihm! ohne Hilfe von außen nicht!!!ehr!nöglich ist. Die zuständigen deutschen d׳iplo!natischen Stellen in Deutschland, in. der Türkei! und Paläftina haben die volkserhaltende, die Wehrkraft stärkende Patriotische Tätigkeit des Instituts sehr lobend an׳erkann!t. Bestrafte SaVbatentweihung. " In einem sehr interessanten Feiuilleton der ״T. N," erzählt A. S. Rambo folgenden Vorfall der sich in Saloniki noch' in! der Zeit der türkischeu Herrschaft!sreignete: Hatte׳ da ein! großes Wiener Haus in Saloniki, ein recht bedeutendes Geschäft eröffnet, in den! es außer Stoffen und fertiger Damen- und Herrenkonfektion euch Wäsche, Strumpfwaren, Hüte, kurz so ziemlich -alles gab. Di!e Besitzer :des Stammhauses waren Juden, und der :mute Leiter der Saloniker Gründung, der die Sache in die Höhe bri.ngen sollte, ebenfalls Jude, ein tüchtiger Geschäftsm-cvim und -netter, lustiger Kerl. Leider War bei ihn!, dem geborenen Wiener, das religiöse E!!!-׳ Pfinden Wohl nicht sonderlich ausgebildet, denn bereits nach zweimon-atlichsn!: Aufenthalt erschien es de!n Kaufntann. lächerlich und unpraktisch, daß für ihn und seiu Geschäft die Woche in S-alonifi nur fünf Arbeitstage, dafür aber zwei Sonntage haben sollte. Alles Abraten seiner Bekannten, die die dortigen Verhältnisse von Grund aus kannten un-d ihm begreiflich zu!!!achen versuchten, daß er sich -als Jude und Kanfrnann der geistlichen Obrigkeit zu beugen habe, nutzte!nchts. Herr Modern hatte seinen Kopf für sich, lachte über den Oberat,n!b alle