Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVII (1916)
- Issue
- Heft 17 (27.9.1916)
- Date
- 1916-09-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 17 Geit- 2. ״Mische Bolksstimme" unbesiegbar un,d unbezwin-gbar finb, das göttliche Urteil, das gerechte Walten dev göttlichen Vorsehuing zu erblicken? Und offenbart sich nicht das göttliche Gericht und das göttliche Urteil in den furchtbaren Niederlagen, die der neueste Feind der Monarchie, das Königreich Rumänien, jenes Land, das sich -so frech über jedes Recht 1m,d jeden Vertrag hinwegsetzte, seit Eröffnung der FemdseliBsiten gegen uns erleidet? Wenn, dis Schau fa-rstimlN6 am Beginne des neuen Jahres ertönet und au das göttliche Gericht und das göttliche Urteil uns mahnt, dann erfüllt sie uns milt -neuem Mut, neuer Hoffnung und verkündet uns die frohe Botschaft des endgültigen Sieges und des baldigen Friedens. Die Schaufarstimme, so lautet ein dritter Grund, will uns eriuuerin an die עקדת יצחק an die Opferung Jsaks. Unsere Weifen sprechen von עוקד ונעקד vom ״Opfer und Opfernden". Und! Mch in unf>ever Zeit g i׳ b t!es Opfer und soll ,!es Opfernde geben. Di!e Opfer des Krieges — wir brauchen sie iniicht erst zu nennen. Mau trifft sie auf Schritt und Tritt, in׳ großen und kleinen Gemeinden, in den Hauptstädten und in den entl,eigenen Dörfern — unsere armen Glaubensbrüder die um? stät und flüchtend umherirren 1׳ . Sie sind auch Opfer ihrer religiösen Ueberzeugu-ng,!ihrer religiösen Gesinnung. Nur dadurch -unterscheiden sie sich von! uns und nur ׳deshalb stehen wir ihnen — bei allem Mitleid, das wir für sie empfinden — -innerlich kalt u. fremd gegenüber. Ader wi!e es dem!auch fei — Opfer des Krieges sind sie jedenfalls, die ersten Opfer und die unschuldigen Opfer. Und׳ es soll keine Opfer ohne Opfernde geben. Unsere Pflicht ist es, diesen Aermsten der Armen, die vielfach!ihr Blut geopfert, etwas von unserm Gute zu opfern, um ׳ihr Los erträglicher zu gestalten, ihre Leiden unW Schmerzen zu lindern und zu mildern,. Wenn uns die Schaufarstimme -an! di!e Bereitwilligkeit Isaaks, sich opfern zu lassen erinnert, dann s-ollen wir auch an die Beri0itwilli>gkeit Abrahams denken, opfern, zu wollen. An Opfermut und Opferwillen fehlt es zwar -nicht in unserer großen ZÄ-t. Auch,in dieser Hinsicht beweist das gegenwärtige Judentum, daß es Sinn und Verständniß für die Größe seiner Aufgaben besitzet. אני ישנה ולבי ער ״Ich schlafe — aber mein Herz wacht". Wenn Israel auch in religiöser Beziehung schläft und untätig und gleichgiltiig dasteht, sein jWifches Herz schläft nicht, es wacht und schlägt und fühlt mit anderen׳ -und für an-diere, für alle die seiner Hilfe -bedürfen und' sich an es wenden. Trotzdem muß bei! jeder Gelegenheit immer vom Neuen an die- Aufgaben erinnert werden, die wir namentlich in dieser -Zeit zu lösen haben. Ohne gab 1eS noch kein Telephon, daß von anderswo ein Schofar Hütte schnell gebracht werden -können. Der Gottesdienst wurde fortgesetzt. Es fehlte in den Reihen der Männer -nicht an mißliebigen Bemerkungen. Manche,eMickten darin eine göttliche Strafe für die zunehmende Freiheit intzÄtgiösen Dingen. Andere sahen ein böses Omen darin. So hatte jeder seine eigenen Gedanken. Unterdessen wurde das Mussafgebet ohne bie obligaten Schofartöne, die Gott als König, als Richter und als Gesetzgeber verkünden, verrichtet. Der Vorbeter hielt mit dem gesanglichen Teil lange hin, und mancher wurde schon- -etwas uugeduldig, da der Zeiger-der Uhr schon die Mittagsstunde überschritten hatte. Zum letzten Male wurde die heili-ge Lade geöffnet, als das hajaum« teamzenu beginnt. ״Heute mögest du uns zum Heile ersorscheu". — Da öffnet -sich die Türe, ein, Bote Mrreicht dem Gemetndediener ein -längliches Paket,!er öffnet!es und aus der Umhüllung kommt ein Schofar -zum Vorschein. In rascherem Tempo wurde der Schluß des Mussaf verrichtet. Etwas blaß -noch im Gesichte betritt der Baal tokea den Almemor, ׳ihm folgt der Nabbinjer und die dreißig Töne durschmettern den Raum, und alle verließen befriedigt das Gotteshaus. Während des Mussaf mußte ein Bote aus der Nachbar gemeinde den Schofar holen. Seit jener Zeit hat diese Gemeinde auch einen Reserve-Schofar. , Opfermut, ohne Opferwilligkeit und Opferfreudigkeit können und werden sie unmöglich gelöst werden, dazu ist Not,in Israel viel zu groß, das Elend -viel zu gewaltig. Möge die Schaufarstimme uns Mut und Trost einflößen und -unser Herz mit Zuversicht erfüllen. Möge aber -diese Stimme in uns das Gefühl der Zusanmiengehörigkeit wachrufen, das Gefühl der Einigkeit -und der Brüderlichkeit. Möge aber vor allem der Allva-ter sich unser erbnmen und -uns und unser gesäurtes Vaterland -erfreuen m-it einem שנה טובה וטתוקה'. Elul! , 1 Im KrieKjahr 1916, Elul 6676, im Schützengraben verfaßt von! Inf. Fritz Noth- < schild aus München. Elul, der Moniat!der Buße ist dal Elul, das Jahresende ist ׳nah-' l Elul! Das Schofar, es nrahnet uns sehr: ״Buße! Tut Buhe!" so rufet der Herr! 1 . Elul! Die Zeit, da man. in -sich geht! - Elul! — Ob miau die Prüfung besteht? Elul, du Moniat der Rückkehr! und Reu'! Wie alt der Gedanke!! —Me ewig neu! Elul! In diesem Jahr, ach, so schwer! Elul, im Felde noch -immer das Heer׳! Elul! Er mahnet uns an das -Gericht; Auch des Krie-ges Stiimnre vern-ehmliich spricht! Elul! In ihm eilt' alles einst heim! Elul, im Elternhaus wollte man sein! Elul, dein Schluß die Familie vereint! Doch -diesmal hält uns «Noch ferne der Feind! Elul! Verzeihung, o Herr, gewähr'! Elul! Der letzte im K׳ri!eg Wenn d׳i!es war'? Elul, den nächsten in d-er Heijmat wir sind- Bet Eltern, Geschwistern׳, bei Frau u. bei Kind! Herrgott! Ullmächt'ger! Ich-filrcht'׳nicht Gefahr! In! der Not deine -Hilfe mit mir stets war! Erhör' mich!, Allgüt'ger, ich bitte dich sehr, Laß siegreich zurückkehr-'n das deutsche Heer! Gewähr' mir die Bitte, da ich am Ziel! Da mit Deiner Hilfe ich -si!egreich! mi,H fühl'! Da ich mich!mm׳ endli ch durch gerungen! Ich habe gesiegt! — Mich selbst bezwungen! Meiiü Leben, D i r widme ichs allein! Und kchre ich Wieder!? Komm siegreich ich heim! Hilfsaktion für die Flüchtlinge in Aussig a. E. Unter -den gewaltigen Aufgaben, die der opferreiche Krieg, der leider noch immer nicht zu Endo ist, unserem Ba.ter-la.nde gebracht hat, nimmt die Fürsorge für die Kriegsflüchtlinge ein'nicht zu unterschätzendes. Arbeitsgebiet ״ein-, wovon, der Bericht des Komitees für die Flücht-!irrige das sich -in! Aussig« -unter der. Führung des Kultusvorstandes gebildet hat, Zeugnis ablegt. Bereits bevor die Gründung des Komitees in Aussig -notlvendig wurde, hatte der Vorstand der Kultnsgemeinde im Herbst 1914 den Beschluß gefaßt, die -au den hohen Feiertagen üblichen Thoraspenden der Kriegsfürsorge zuzuwenden. Die Spenden betrugen K 1800. wovon ÜC300, de!lu, Zweigverein des roten Kreuzes in Aussig, K 500, nebst 6 großen Kisten mit Effekten dem Hilfskomitee für di-e Flüchtlinge aus Galizien i,!n Nikolsburg und 500 K der israelitischen Alli- -ain-z zu Wien zur Verfügung gestellt wurden.- Sofort Wurden vom Vorstände der isrl. Kultusgemeinde, sowie des isrl. Frauenvereines die notwendigsten Arbeiter: aufgelrorrmren; die Flüchtlinge fmtit Strohsäcken und ׳Decken, sowie mit Sei-fe und Waschgelegenheiten versorgt, es wurde ihnen Kaffee, Tee, Milch, Brot uild Sernrrreln gereicht. Unverzüglich ging man m die Gründung eines Komitees, welchem folgende Damen und Herrn: angehörten: Die Vorstan-dsdalneil des isrl. Frauenvereines, die Obrnännin, Frau Anna Pick, Frau Paul ine Naub i tschek, Frau Jen ny Nous.chul, Frau A. Schnützer-Türmitz, Frau I. Dub-Kiarbitz, Frau Grete Nosenzwei!g, Itobbiuersgattin, Frau Singer-Maviaschoin׳. Ferner die Herren: Oskar Pick, Vorsteher der isrl. K-ultusgem-einde als Obmann, des Hilfskomitee, Nabb. Dr. Arthur Rosen zweig als Schriftführer, Dr. S. Pollaik, kai-s Rat Fritz Gib ran, Dr. Oskar Schanz-er, Dr. S. Mahler, Dr. N. Langstein, M. Kohn, Cd. Naubitschek, M. Klaber, M. Glauber, Sigm«. Gans, August Schn-itzer, Türmi-tz Sigm. Braun, L. Hammerschlag, I. Dub, Karbi-tz, I. Singer, Mariaschein. In Karbitz bildete sich ein selbständiges Konrit-ee, -an dessen Spitze Herr Stadtrat I. Dub und Frau Gemahlin standen. Dasselbe wurde von dem Aussiger Hilfskomitee mit Geldmitteln in der Höhe von 1800 K unterstützt. Für di-e hier durchfahrenden Flüchtlinge wurde unter reger Beteiligung -der Aussiger Damen -auf den Bahn- Höfen ein Labed-ienst eingerichtet. Die Fluchtlin-go -wurden mit Kaffee, Tee, Butterbroten, Semmeln -und di-e Kinder mit M׳i-lch bet-eilt, wozu von dem isrl. -Frauenvereine und voneinzelnen Damen Persönlich -gespendet wurde. Insgesamt wurden für -den Labedien-st 777 K verausgabt. Di-e nach -und nach eintreffenden Tr-an,sporte wurden verteilt in die folgenden Ortschaften des Aussiger Bezirkes: Aussig 170, Garti-tz 22, Obersedlitz 7, Po-kan 263, Postitz 28, Türmitz 160, Hohenstein '12, Karbitz 235, Kulm 14, Mariaschein 203, Sobochleben 77. Die Gesamtzahl der Flüchtliinge betrug un-gefähr 1400, deren sich das Hilfskomitee ohne Unterschied der Konfession -a-nnähm. ' - , Die Flüchtliinge mußten beiihrer Ankunft ,in den ihnen bestimmten Aufenthaltsorten in Masfenqu-a-rti-eren uutergebr-acht werden, -in d-enen nicht einmal für,genügende Mengen von Strohsncken und Decken, geschweige denn von -a-ndereu Diingen, vo.rgesorgt war; aber sehr schn-ell zeigte sich das gesunde Bestreben, aus den Massenquärtieren heraus in. Privatwoh-nungen zu kommen und d-a:rin wurden die Flüchtlinge ׳durch das Komitee aus hygienischen und mor-alischeu Gründen unterstützt -undgefördert, indem ma׳n> -ihnen, -wo -es notwendig wa-r, -Wohnungsbeiträge von K 5—15 manatlich gewährte!. Durch häufi-ge Kontrolle wurde für die Reinhaltung der Wohinungen und ihrer Bewohn n-er gesorgt und «jedem die Möglichkeit geboten, kostenlos -wöchentlich ein Bad zu nehmen. Für Bäder wurden so der ansehnliche Betrag von K 1930 verausgabt. Die -umfassendste undmüh!e!vollste Arbei-t galt der Beschaffung- -der׳ notwendigsten Kleiidungsstücke, zumal die Flüchtlinge ausnahmslos i«n -ei-iwm nicht zu beschreibenden Zustande ang-ekommien waren und -anderseits sowohl gesundheitli-che Vorsorge, als auch die ei-ngetretene kalte Jahreszeit schl-eu>n,i-ge Maßnahmen erforderten. Eine sofort -ei-ngeleitete Sammlung von Kleidungsstücken hatte -einen ganz h-ervorragenden Erfolg, der -aber bei׳ der -immer nr-ehr wachsenden Zahl der Flüchtlinge!nicht -genügen konnte. Gleichzeitig wurde vom Hilfskomitee eine allgemeine S-ammlun!g bei der Bevölkerung Aussigs eingeleitet, deren San1!mielergebn-is sich aus 4483 K stellte; -außer diesem Betr-a׳ge von-der isrl. Allianz in Wien 1000 K und vom patriotischen Hilfskomi-tee in Aussig- 300 X. Da aber beider Tenerun-g der Lebensiuittel zu einer durchgreisenden Fürsorge für die Flüchtlinge dieser Betvag bei weitem «nicht langte, mußte sich das Komitee aberm-als an die isrl. Bevölkerung wenden mit der Bitte, die Hilfsaktion mit Monatsraten zu fürdevn. Der Erfolg blieb nicht aus; durch fixe Spenden wurden monatlich ca. 2700 K hereingebracht. .. . Insgesamt wurde vom Komitee für Klei- -dungsstücke, Wäsche, Schuhe, Strohsäcke, Decken u. s. w. ein Bter-ag von 51.945 K verausgabt. Von Seiten des Staates erhielten wir Außerdem als Subvention zur Anschaffung der notwendigsten Kleidungsstücke einen Betrag von 34.824 L.