Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVII (1916)
- Issue
- Heft 17 (27.9.1916)
- Date
- 1916-09-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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y- ״״> **—t— . .Jatzra MN Nummer 17. f Bezugspreise: Für Oesterreich-Ungarn, halbjährig . Kronen 6*20 ganzjährig . . . . .... . —׳12 Kronen. Deutschland, ganzjährig . . . . . . Mark 12 — Rußland, ,ganzjährig ...... . Rubel 16 — Balkan, Frankreich . . . , . . . —׳4 «Frank . Redaktion: Wien VIII. Lerchengaffe 6 a. W-:---p Redaktion und Administration: Brünn, Adlergasse 9. Buchhändlerische Vertretung: Otto Klemm, Leipzig. Inserate: -die bspaltige Petitzeile 80 h. Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht hono- . riert. — Manuskripten ist Rückporto beigufügen. U—-—-—-:-׳-® Wien—Budapest. *Krittln 27. September 1916 ׳^tUUU2 ׳^. Eiul 56T6 Prag—Lemberg. Zum Jahreswechsel entbieten unseren Freunden, Mitarbeiterin,, Abonnenten, Inserenten und Lesern, die herzlichsten Glückwünsche כתיבה וחתימה Redaktion und Administration ״Jüdische Volksstinrme". Kampf!auf allen. Fronten, ein furchtbarer mörderischer Kamps, ein Kampf wie er ohne Beispiel in! der Weltgeschichte dasteht. Die Not und das Elend nehmen täglich, stündlich zu, die Zahl der Witwen und Waisen wächst von Stunde zur Stunde, die Schlachtfelder sind von Blut durchtränkt und uüt Leichen bedeckt und es ist noch immer kein Ende abzusehen. Es gibt .genng zu klagen und zu beklagen in diesem Jahre-. Denn nicht allen, die des vorigen Jahres Kommen!noch mitgefeiert haben, war es vergönnt gewesen, fein Ende zu schauen. In wie manche Familie mag, der Tod, plötzliche unverhofft und unerwartet, schmerzvolle Lücken gerissen haben. Wie mancher hat d,a hinnntersteigen müssen in des Grabes stille Wohnung im Laufe des Jahres, das wir zu Grabe tragen. Wie manche׳ Eltern, so sie die Häupter ihrer Lieben überzählen, mögen es schmerzerfüllt wahrnehmen, daß ein teures Haupt ihnen fehlt, das sie am vorigen Nasch- 'Haschono noch zu den ihrigen zählten. Wie mancher Glückstraum ist zusammen gesunken, wie manlche Hoffnung zerstört, wie' manch'! sicher geglanbtes Gut entrissen worden 1i,m Lause dieses Kriegsjahres. Ja,^die^ , י תרועת מלחמה . - die Erschütterung des Krieges — sie ist niemandem!erspart geblieben, wir alle leiden unter den Folgen des Krieges mittelbar oder unmittelbar. Di!e Schaufarstimme will uns aber nicht bloß.erschüttern, sondern, vor allem uns trösten, stärken und erheben. ^. Die Schaufarstimme, so lautet ein fernerer Grund, hat den Zweck להזכרט יום הדין הגדול והנורא uns an den Tag des Gerichtes zu erinnern, wie geschrieben-steht קרוב יום ד" הגדול׳ וד יום שופת ותהועה ״Nahe ist der große Tag des Herrn, sehr nahe bevorstehend — ein Tag des Posaunenschalles und der Huldigung". Dem Tage des Gerichtes;— wir sehen ihm nicht mit Bangen, sondern mit Schn,sucht entgegen, wir fürchten ihm nicht, sondern wir. hoffen auf ihn. Die Weltgeschichte ist Die Schofarstimme in Kriegszelten. Für das Ertönen der Schaufarstimme am ersten Tage des beginnenden Jahres werden zehn Gründe angegeben. Einer derselben lautet: להזכרנו קול תרועת מלחמת האויבים . / Die Schaufarstimme ׳soll uns erinnern an die Kriegstrmnpete, an die Schrecken und Erschütterun gen des Krieges, wie geschrieben steht . ' -Tקול־שופר שמעה נפשי ״ ״die Schaufarstimlnre hat meine Seele! vernominen — die ErschütterunG des Krieges." Zum dritten,male während dieses furchtbaren Völkerringens!ertönt die Schausarstinime in unfern, Gotteshäusern, nicht aber Wie sonst, mahnend und warnend, sondern, גנוהי גגיח וילולי יליל ׳wie unsere Weisen behaupten, ״klagend und -stöhnend,. .seufzend und ächzend." . Es tobt ein das Weltgericht" — sagt der Dichter. Wir Juden sagen anders: Gott ׳ist der היק אמת der Richter der Wahrheit. Er ist der Weltenrichter. Und auf seine Allgerechtigkett uns verlassend, braucht uns vor seinem Urteilspruch nicht bange zu werden. Er weiß, daß unsere Monarchie rein -ist.von der Blutschuld, die diejenigen auf sich geladen, die diesen Weltbrand in! solch leichtfertiger und frevelhafter Weise entfacht-haben, unsere Monarchie wie das Reich unseres treuen Bundesgenossen im großen Reiche; Er weiß auch, daß wir mitten im tiefsten Frieden meuchlings überfallen und zweimal von unfern ,Freunden "^verraten Wurden und Er weiß auch, daß wir diesen ־■ uns auf,gezwungenen Kampj zu Ende führen müssen, sollte der Feiind über uns nicht triumph,i!eren. Und-!das göttliche Urteil wird auch dementsprechend lauten.׳ Man! vergegenwärtige sich bloß, das Rasch-Haschono vor zwei Iahren — gleich nach Ausbruch-des Weltkrieges. Welche Erfolge hat denn der Feind während dieser zwei Jahre errungen? Ist es ihm gelun- ,'gen ,wie >es in seiner Absicht lag, uns zu Vernichten und niederzuriugen? Kan׳n! er aus nennenswerte Vorteile zurückbl-icken? Und dabei standen und stehen wir einer ganzen Welt von Feinden gegenüber. Ist nicht in dieser Tatsache, daß wir Feuilleton Der zerbrochene Schosar. . Von M. Schweizer, Glogau. Es war vor mehr als fünfzig Jahren. Die Feier an den hohen Festagen war damals doch etwas anders, ,als die abgeblaßte Art, wie sie heute vielfach begangen wird. Man wußte noch nichts von ״fahrenden Sängern", die aus der Ferne kamen, um Vorbeterdienste zu verrichten. Ein׳ Fremden wurde kaum zugelassen, da> in jeder Gemeinde Männer waren, die als Baal tesillo oftm!als sogar!dem ständigen Vorbetev nichts «niachgaben. In jenen Tagen leitete.schon der Vorläufer des Tischrimonats mit seinem mahnenden Schofaruf zur ernsten Noschhaschono-Stimntung hinüber. Vor allem waren diejenigen, die durch Gemeindebeschluß oder durch Herkommen ein Amt an diesen Tagen zu bekleiden hatten, darauf bedacht, sich würdig vorzubereiten. Dev.Baal tesillo, stets ein stimmbegabtes und durch Lebenssührung geachtetesMitgtijed, übte fleißig sein Pensum ׳im Machsor, hüllte seinen ׳Hals ׳in wo-llene Tücher, damit keine Erkältung seine Stim!me trübte, und der Baal LoPa probierte seinen Schofar, spülte!ihn mit Essig und /Wasser, damit der Ton nicht versage. Dev Schofar ist ein Jnstrument, das seine'Launen hat. Die Gemeinde hatte eine uralte! Tradition und hervorragende. Manner, ansgezeichnet durch Mssen und Frönimig- Veit, waren eiinst ihre Zierden. Doch auch hier hatte der Wandel der Zeit manches - geändert. Zwar blieben die durch Alter, ׳geheiligten Gebrauche dieselben, aber die Menschen, die deren Hüter sein sollten, waren andere geworden. Der Rabbiner in jener!Gemeinde war zwar dm sehr braver Mann, der es mit »niemanden verderben Wollte, doch seine Gutmütigkeit und Nachgiebig- Pit m Fällen, die seine entschiedene Haltung erfordert hätten, hatte manches verdorben. Allerlei Risse.zeigten sich doch in dem festgefügten Gemeindebau. - Dev Roschhaschono war nun ins Land geko Minen. Ernst ■mb ׳andächtig ׳verrichtete die Gemeinde ihre Gebete und lauschte den alten .Sangesweisen, die trotz ihrer musikalischen Einfachheit auch heute.noch ihre steghaste Kraft auf Herz und Ge!müt bewahrt haben. Nach der Vorlesung der Thora :nid der Haftoro, zwei Familienidyllen ׳aus Abrahams und Elkanas Hause, betrat der Rabbiner <b׳ie Kanzel. ״Heil dem Volke, das die ״Taruo" versteht" klan!g.es aus den verschiedenen. Teilen der Rede. Gar eindringlich wußte er von der Bedeutung des Schofars zu reden. Er führte seine Hörer zu den Horebs- Höhen, wo.unter Posaunenschall das einstimmige ״Wir wollen hören und tun"-gehört wurde. Eindringlich war schm Rede, sie ergriff jeden. Er erzählte von dem Ankläger, der׳ Israel vor Gott verleumdet. ״Warte mit deiner Anklage bis zum Tage des Gerichts!" Da erscheint er am Röschhaschono und bringt als Zeugen die Sonne, welche die bösen Taten Israels bescheint. ״Wer. ein 1 Zeuge genügt nicht, bringe noch einen anderen". I Da suchte der Ankläger den Mond und f׳aud ihn "nicht; denn Roschhaschono ist das!einzige Fest, an dem der Mond verhüllt ist. Der Ankläger hatte keinen Erfolg. Der Repner erzählte von dein Scho far, der das Jobeljahr verkündet und von dem Schosar, der zur Rückkehr mahnt. ״Wird 'der Schosar in der Stadt gehört, und das Volk ׳sollte nicht zittern!" Als der Rabbi geendet, wurde die Stimmung׳ noch ernster. Tiefste Stille herrschte im Raume. Selbst die sonst ruhelosen Kinder verharrten in Ruhe. Nur der Baal tokea,' der sein, Gehet verrichtete, wurde manchmal gehört. Zu seiner Seite stand der Rabbiner. Mit m>arkiger Stimme ' sprach der Baal tokea die Segenssprüche, setzte den Schosar an die Lippen. ״Tekioh!" rief der Rabbiner ihm zu. Nein und rnarkerschütternd folgte der Heroldsruf. ״Schovorim!" auch dieser des. Lebens wechselvolles Geschick darstellende Tvn erfüllte den Raum und die Fenster klirrten diabei״ .׳Terüoh!" verkündete der Rabbi. Was ist das? Kein-Ton, wurde gehört. Unruhe und-Entsetzen - ans den Gesichtern der Nächststehenden. Der Baal tokea hatte! einen Ohnnmchtsaüfall,. der Schosar entfiel seinen Händen und lag, der Länge nach gespalten, ans den, Boden des Alme!m!or. Zunächst waren mehrere Männer um den Baal tokea bemüht;!nach «einigen M innten hatte er.׳׳sich׳-wiW!p evholt. Aber der Schosar war völlig unbrauchbar geworden. Was war ׳.nun zu tun, da ein anderer in der Gemeinde nicht vor- ׳Händen, war? Mit der Andacht war es Harfe da der Höhepunkt derselben, die drei-ßig Schofartöne,!nicht gehört wurden. Eine kurze Beratung des Rabbiners und der Vorsteher folgte. In jenen Tagen WM- Soeben erschienen: Hickls Äüd