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Jüdische Volksstimme · 1916-09-07 · Heft 14 (7.9.1916) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVII (1916)
Issue
Heft 14 (7.9.1916)
Date
1916-09-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 14 ״Züdtsche Vslksstlmme" Leite S. Verteidigers an, worauf der'Gerichtshof bk Revision des Prozesses anordnete 1tnb telegra- Phi sch verfügte, das; Wrsan.o»vitsch sofort auf freien F»vß gestellt werde. Aus Zeitungen und Zeitschriften. Die Kölner Volks.׳,eituug schreibt i,1». einem Artikel ״Deutschland, die Juden und die Frage der Ostluden'' u. a. folgendes: ״Die Türkei ist fei!»• einheitlicher Nationalstaat. Ihr Gebiet beherbergt viele Völker und . viele Stämme. Ein großer Teil ihrer Vevölkerung entbehrt jedes Verständnis für staatliche Organ isatio,»»׳, eil! anderer Teil, besonoers d»e tevalltiüische Bevölkerung, steht unter allen möglichen fremden Einflüssen. Der Jude konnnt nach. Palästina nur als Jude, Er arbeitet »licht sur frelnde AuteiVgen. Er arbeitet für sich, will Palästina zur Heimat wiedergewinnen. Er sieht, das; er dieses nur unter türkischen Schuhe vollbvingen kann. Er bringt ans Europa eilt großeres Verständnis für beit Staat und seine Einrichtnngen mit, als es z. Br die Prilnitive arabische Büvölkerlljig besitzt. Je freier die Türkei die jüdische. Kojonisgtion behandelt, desto, .fester ivirb diese in■׳ Palästina und der Türkei Winzel schlagen. Die Inden sind im Laufe ihrer Geschichte bekanntlich durch Staatshilse nicht ver- .wohnt worden. Könnte die Türkei sich entschließen, sie gut zu behandeln, ja sogar ihnen zur Erreichung ihres ersehnten Ziels zu verhelfen, so wird Dankbarkeit •und Treue der Lohn sein. Gerade in Palästina Wirwden Inden der ihnen so häufig anhaftende Zug von Internationalis- »׳,ns verloren gehen. Ist doch dieser Internationalismns, diese Heimatlosigkeit, Wohl iip der Hauptsache auf ihre soziale Schichtung znrückznführen, deren Umwälzung ja auch ein Hauptziel der jüdischen Kolonisation.ist. Auf der national- ,jüdischen und hebräischen Bewegung ist die ganze Kolonisation Palästinas aufgebant. Sie muß ,geachtet werden. Weder darf die Türkei sie unterbinden, noch dürfen wir verlangen, das; die Inden ausschließlich als Vorkämpfer, für deutsche Wirtschaft und Sprache auftreten, denn, nur so wird Palästina mit jüdischer Hilfe für uns ein sicheres Absatzgebiet unseres Handels und rm.serer Indn.strHe, für die Türkei eine blühende Provinz, die. jn bedeutender Weise zur Kräftigung des türkischen Reiches beiträgt, nUd für die Juden selbst wieder zur .Heil»tat". Ein Interview mit Zangwill.? J Recht merkwürdig muten AeußerungeH tk!!.- die Herr Israel Zangwill, der auch nach seinem Austritt ans der zionistischen Organisation als ein national-jüdischer Führer betrachtet wurde, kürzlich in einem Interview (The Mäccabnean, Juni- 1010) getan hat. Er führt dort u. a. folgendes ans: Es sei unehrlich und intsinnig ihn'als Antipalästinenser zu bezeichnen, weil er es ehrlich - ־־ r ׳>■ c t . r. . . > , 1 ' ' gelvagt habe, oen >;noen vie ׳^aZmerigrenei׳ zu bezeichnen, die sie bei der Gewinnung Palästinas Iiaben werden, Wen!» eine Gelegenheit kommen ivürbe, Palästina zil gewiüjtelt, wäre die Iw die erste, die sich für dessen Erwerbung ..einsetze»» würde: denn sie ist an jedes und an kein Territorinii, geblillden. Aber wie kann de!in Palästina als ein,e rechtlich gesicherte Heimstätte für das Jüdische Volk gelten, »venu das Jüdische Volk »licht erestiert? Es ist einfach ״Meschuggas" zu erwarten, daß die Inden in der gegenwärtigen Zeit als ein internationaler politischer Körper für Palast!!»» arbeiten.... Wie nuii» angesichts des Unglücks und der Zerstörung der Indenheit in Polen uub Littauen glatt von einer jüdischen Nationalität oder von irgend einer jüdischen Solidarität sprechen könne, sei ihm unbegreiflich. Vor einigen Tagen habe er von der English Zionist Federation eine ״Erklärung", ,die ein Bekenntnis zum Baseler Programm darstellt, ,mit der Bitte um seine Unterschrift erhalten. Es sei wohl nicht nötig zu sagen, daß er es verweigert habe, seinen. Nainen unter das Schriftstück zu sehe»»׳, denn das Basler Programm verlangt ״eine rechtlich-gesicherte Heimstätte für das jüdische Volk", das, »vie er schon gezeigt habe, «nicht erestiert. Er habe daher an Die Federation geschrieben, »venu sie damit einverstanden wäre, die Worte: ״Eine rechtlich-gesicherte Heimstätte für das jüdische Volk" nmznändern in ״für ein jüdisches Volk", so werde er seinen Namen gern unter die Erklärung sehen. Aber die Federation ha«be das.nicht akzeptiert. Seine Ansicht gehe dahin, daiß es weder solch ei'11 Ding, »vie die jüdische Nation gibt, noch daß ein beträchtlicher Teil dieser sogenannten jüdischeu Station, nach Palästina gehen wird.... Die ser große Krieg, der schrecklichste itt der Geschichte, habe die Inden unwiderruflich in zerrissene Ein-!»eiten zersplittert, iü zerstreute jüdische Ge> meinschaften, von einander getrennt und abgcsondert durch ihre verschiedenen Ziele und Interessen, »velche notwendigerweise sich auflehnen müssen, während die Inden Untertanen von, verschiedenen, rivalisierenden Staaten bleiben »verden. Und selbst »»ach den» Krieg werde es für Jahre hinaus »mgehener schwierig sein, die Lücke»» in den Schntzmän!e!rn jüdischer Einheit »nieder Herzustellei» ... C.s gebe feilte Hvffnniig für den Jüdischen. Nationalismus an'ßerhalb Palästinas v!de׳r eines Indischeck Territorimns. Unser Volk sei nicht,groß und heroisch gienng, gegenüber seiner Umgebung sich zu erhalten. Sei es!»icht anznnehmen, das; »»ach den» ungeheuren jüdischen Blntvergieben die Inden sich zu ihren verschiedenen Vaterländern!»»ehr ()»!»»!gezogen fühlen »verden, als vor dem Krieg? Das Schlack) st selb verlvischt oder schwächt alte Vorurteile. U!!d wo Inden »knd Ehr! stell,ein gemeinsames Leid getragen habe»», wo sie.gemeinsam ihr Blüt a»igesichts eines gemeinsäilieii Feindes vergossen habe»», könne es da! nlöglich sein, daß.diese physischeu O׳ps!e׳r eines Tages leicht vergessen »»׳erden? Die Jude»» in, England, die Iiidei» in Frankreich, die Inden in Htalien, die Juden in Rußt land würde!» fraglos nur noch mehr bestärkt »verden, in. ihren» Patriotismus für die Lä»»der, für die sie ihr! Alles hingegeben haben...׳. Auf die Frage, was die Inden nun zu tun hätten, erwiderte Zangwill: ״Di«e Juden ii» de!» verschiedenen Länder»» haben dafür zu agitieren, daß sie ihre vollen •religiösen, nationalen, bürgerlichen und politischen Rechte erhalten, genau so, »vie sie ihre MitbüyMr besitzen," Aus Palästina. Angesichts der drohenden Gefahr der Cholera wurden sämtliche Einwohner Jerusalems verpflichtet, sich mit Sern»» impfen zu lassen. Dr. Arse Goldberg veröffentlichte in» ״Hächerüth" einen ausführlichen Aufsatz über die Bedeutung dieser Impfung, indem er die jüdischen Einwohner zur Erfüllung ihrer Pflicht •ansfordert. Das Gesulidheitsaint in Jerusalem eröffnete in den Vorstädten zwei Abteilungen, in denen die Aer- »neren nnentgeltlich und die Bemittelteren um geringen Preis die Seruminüpfung erhalten. Amerikanisch-jüdische Äerzte.ExPedition nach Palästina. Herr Jacob de Haas, Sekretär des AröPisioval Zionist-Koinitee >n t>st׳»r-Bork, niib Heri Inlins Pley ser vom, Wa sh in grober Mnistischen •Bureau, nahnieü Gelegenheit, den Staatssekretär Polak anfznsnchen, um mit ihn» oie Emzelnheiten der ärztlichen Erpedition nach Palästina, Pie aus 1(» Aerzten und 4 ausgebildeten Pflegerinnen bestehen soll, zu besprechen. Sie erhielten die Versichern»,g, daß die Regierung der Vereinigten Staate»» alles tuit werde, die notwendige Erlaubnis der verschiedenen kriegführenden Mächte zu erreichen, um so schnellstens die Möglichkeit für eine baldige! Abreise der Erpedition zu schassen. Heilbäder in Palästina. In einen» Aufsatz der ״Naturlrissenschaftlichen Wochenschrift" »nacht Dr. A. Friedmann auf die berühmten Thermalbäder Palästinas aufmerksam, die grösstenteils in dein» vulkanischen Jordan-Gebiete liegen. Die hohe Temparatnr dieser Bäder und ihre außergewöhnliche Lage — etwa 200 Meter unter den Meeresspiegel — machten diese Bäder schon in der Zeit der Antike bekannt und berühmt. Neben den Bädern von Tiberias genossen noch diejenigen von, Gadara und El Hammi, die int Winter so beiß bleiben »vie i»»» Sommer, seit jeher hohen Ruhm und Bewundern!!׳; als Natu Mm! nder. Ihre nnvergleich lich schöne Lage, die noch heute nlmitten allge>- meiner Zerstörnvg von ein-stiger Schönheit künbet, und die Heilkraft ihrer Quellen »nachten sie zu den ersten Badeplätzen der alten Welt, und ami) heute noch suchen namentlich die Eingeboreuen a»1s allen Teilen des Landes durch diese Quellen Heilung und Hilfe. Die »vissenscha׳ftliche Untersuchllng dieser berühinten Thermen ist für die! wirtschaftliche Erschließung des Landes von, hoher Bedeutung. Es ergab sich, daß die Teinperaturen dieser palästinensischen Quellen 58, 7 Ol, 5 und 01,0 Grad C. betragen. Das Thermal- »vasser entspricht in seiner Zusainmensetzung einet Lösung, die in einem Liter 82,208 Gramm Salz eüthält, wobei Chlor und tllatrinnr, sowie Sulfat und Hydrovarbonationeit' vorl)0rr»chcn. Der hohe Salzgehalt und die .Radioaktivität der Quellen sind besonders bedeutsam. Das 1. Doktorexam. eines Jaffaer Abiturienten Als erster Abiturient des Jaffaer Gymnasiums hat Herr Naamau Beermam» aus Jaffa nach einem sech.ss0l1»estrigelt Studium an der Heidelberger philosophi.schett Fakultät mit der Dissertation ״Dia Kriegführung der alten Hebtäer" Promovierte Herr Dr. Bei-ma.n.1» beabsichtigt nach decke Kriege nach Palästina als Lehrer zurückzukehreit. Das Wachstum der Zionistischen Belvegung in Amerika. Im Jahre 1015—101(1 zahlten in den Vereinigten Staaten von Amerika 40.520 Personen den Schekel gegen 20.810 in» Jahre zuvor. In der Zahl von 40.520 sind div Schekel des ״Order Knights 0f Zion,", der Zionistischen -Organisation'en von Skew-Aork, Brooklyn, Cleveland und Baltijnore, die etwa, 80.000 ausmachen, noch nicht •ei1»begr!fkeck. Die Zahl der Anhänger der Zionistischen Bewegung in beit Vereinigten Staaten hat sich also in» Laufe dt's letzten Jahres vervierfacht. Das Provisorische Zionisti!sche Eyekntiv- Kolnitee hat in, der Zeit vom 8. September 1018 bis zu»» 10. Juni 1010 den Bvtrag von 1,180.!»80 Dollars erhalten, wovon 458.445 Dollars für die verschiedenen Fonds des P. E. C. bestinrmt tvaren, während 088,023 Dollars Private lieber- Weisungen darstpllen. 82.811 Dollars waren für verschiedene Sonderstvecke bestimmt, Hinzu köMinen »ioch: 100.000 Dollars, die für die Pflanzer-ÄnleiheN in Palästina bewilligt wurden, 115.000 Dollars, die von» Iüdisclien »Nationalfonds in den Verei«nigteN Staaten ausgebracht Wurden, und 50.0,00 Dollars, die Von den verschiedenes den» Provi-sorischer» Ereklliiv- Komitee unterstehenden Organ isationen als organisatorische Abgaben gozaylk würden, sodaß die Wsamtsnnune der vom P. E. E. für zionistische und Palästinensische Zlvecke vereinnaymteit Beträge 1.400.000 Dollars aus»!acht. ^orrehionäenzfn. ׳ . c~ ״־־' י .-■״י־•׳! wie«. (Scfff)(ife W Nkchtlinge)'., Die ans Staatskosten' bür ungefähr einen׳ halbe!» Jahre eröffnete Lesehalle (k-k Praterstrasp' 0) für die hier »veilenden Ge flüchteten bereit Zahl bei ttÜbött Wetter zwischen 450—bei lg'ißer WitteruNig Mischen 240—200 täglich 'schtvankr, ver sott, den Hauptzweck denjenigen Flüchtlingen die dw Siraße-n.der Hauptstadt nicht frequentieren wollen, die Kasse Häuser »veder besuchen können noch »vollen eine gRstige Zerstreuung in ihrer N'otlage in reichen»! Maße zll bieten. Und »vahrlich, der Aufenthalt daselbst fesselt jede»! Noch so anspruchsvollen Besucher. D»P Lv kalitäten im Halbstock eines der luxeriös gebartten Hauses Uiitergebracht, sind so glücklich ge, wählt, hell und luftig, daß matt sie nirgeuds besser finden konnte. Die •aufliegenden 100 Zeitnttgen an der Zahl und Periodischen Schriften aller Sp'vachpn dämmter hebräische, jüdi'sche und deutsch-jnöischen In- Haltes »verden •von den Lesern geradezu ve'tfchlungen. Zudem befindet sich daselbst eine mehrere tausend Bände tunfassende Bücherei in allen Sprachen (darunter selbstredend hebräische und jüdische der.neuesten Ausgaben) die den »vissensbegierigen Leser befriedigen »nüssen. Herr Dr. Schwarz-Hiller der Gründer und Leiter dieser litemrischeu Unternehmung erklärte den» Schreiber dieser Zeilen gesprächslveise und scherzhaft, es gelang ihn» mit diesem Institute gleichsam die so verwickelte und schlver zu lösende Nationalitätenfrage gelöst zu sehen indem er die Jnsoni'ationstafeln in allen in» Reiche vertretenen ׳Sprachen (auch jiddisch) abfassen liefst Ueberdies bleibt es dein Gesetzestreuen jüdischeir

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