Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVII (1916)
- Issue
- Heft 14 (7.9.1916)
- Date
- 1916-09-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2621806-2621974-2621988--3479-2624676- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
«eite 6. ״Mische BottSstimme" Rr. 14 Lesern unbenommen im Lokale der Lesehalle des Buches ist ״Die Sünde". Diese Erzählung seinen Hut oder Kappe am Kopfe zu behalten, ist in Meistermerk novellistischer Feinarbcit. Tie .Herr Dr. Finkelsteiu selbst mit der jüd. und Gestalt des Jnstrumentemnachers Raimund, der Weltliteratur bekannt dem mehrere galizische boi allen Schicksalsschlägen, die ihn. treffen, stets Scants zur Verfügung stehen sorgt fiir Aufrecht-, nach der Sünde grübelt, für die ihn der Herrgott baltnng der Ordnung im Hause das von 8 Uhr! strafen will, ist derart lebendig gezeichnet, daß Morgens bis 8V2 Abends ununterbrochen dem wir diesen Sonderling leibhaft vor uns zu sehen Lesepublikum zur Verfügung gestellt ist. Es ist wähnen. Er lebt vergrämt m den Tag hinein, nur zu bedauern, daß die glückliche Idee u.icht stets nur um seine Instrumente bekümmert, von gleich nach Anbruch der Flucht ins Leben trat, denen ihn: insbesondere seine ״Meistergeige", die er vor Jahren aus alten Teilen zusammengestellt hat, in's Herz gewachsen ist. Und er entfremdet sich so dem Leben und seinem einzigen Töchterchen, das neben ihm mutterlos und unbehiitet hgvauwächst. Bis sie eines Tages von irgend einen! Manne, beit sie näher gar nicht kennt, ein Ki.nd gebärt. Raimund ist anfangs wie vor den Kopf gestoßen. Als er aber erfährt, daß es eiu Knabe ist, wird er ganz umgewandelt. Und er ist voll Freude über dieses Ereignis, obwohl ferne Tochter die Geburt des Kindes mit ihrem Leben bezahlt. Naiinund kann es kaum erwarten, bis der Knabe größer wird, und läßt ihn, kaum harangewachsen, Deige lernen. Obwohl der Junge weder Lust noch Talent zmn Gcigenspiel hat, schickt er ihn. später in die Großstadt aufs Konservatorium und gibt ihm seine bisnun sorgsam behütete Meistcrgeige,als kostbares Angebinde mit. Eine gute Geige ist, seiner Meinung nach, mehr wert als Talent und Musikliebe. Der auferzwungene Beruf zerstört dem Jungen die Debensfreudc und treibt ihn zmn Selbstmord. Bald wird Raimund in die Stadt berufen. Er findet den Jungen tat und neben ihm die zertrümmerte Geige. Naiinund klaubt die Geigenteile zusanlmen, fährt nach Hause und beginnt aus den Splittern die Geige wieder znsammenzubanen. lind er grübelt dabei weiter nach der Sünde, für die ihn der Himmel so straft. In der Erzählung ״Väter" sind zwei sorgenbedrückte Familienväter einander interessant gegenübergestellt, wobei die Handlung aus scheinbaren Geringfügigkeiten wirksam zur Tragödie gesteigert wird. Die Art wie der Postkassier Günter sich von. dem harmlosen Briefträger Dittrich stets beobachtet und verfolgt wähnt, wie er in jeden! Blick und Mort.des anderen dessen anklageschweres Mitwisseu zu sehen vermeint, und ihm entfliehend, in den Tod geht, gemahnt in ihrer Psychologischen Vertiefung an Dostojewsky. Von den anderen Novellen dieses Buches sei. noch erwähnt: ״Der Himmel voller Geigen". Dann, last not least, die Erzählung von der ״Mutter Ruh mann". — Ein bedeutender Menschenkenner hat diese Geschichte geschrieben, ohne Pose und ohne Sprachenschnörkel, schlicht und wahr, wie sie das Leben selbst gestaltet und lvie es eben nur ein echter Dichter zu schildern vermag. zumal da die Bücherei der Kultusgemeinde über cm nur beschränktes Lokal verfügt und nur wenig bemessene Zeit zürn Besuche bietet. Olmütz. An! 1. September l. I. beging Herr Rabbiner Dr. Oppenheim in aller Stille, dem Ernste der Zeit entsprechend, sein 26 jähriges A,׳mtsjubilätlm. Olmütz. Am Vorabend -des Kaisertages fand im israel. Tempel ein. Festgottesdienst statt, an welchen! außer der jüdischen Mannschaft der hiesigen Garnison und emern zahlreichen Publikum die Vertreter der Militärbehörde, unter Führung des k. u. k. Stationskommandanten, des Generals Schrei ter v. Schwarzenfeld, teilnahinen. Die Festpredigt hielt Nabblnr Dr. Oppenheim. Den gesainglichen Teil versah Oberkantor Schlesinger. Der Herr General sprach sich dem Herrn Rabbiner gegenüber in besonders lobender und an erkennender Weise über die erhebende, herrliche Feier aus. Teplitz Schönau. Am 21. August l. I. wurde l,ier int KonM-tsaale Kaiserbad zu Gunsten der jüdischen Kinderhorte im galizischen Kriegsgebiete ein Vortrag über die Erlebnisse der Frau Maria Goldfarb während der Nnsseninvasion in Lemberg nebst Gesangsvorträgen abgehalten. Ilnhor den Mitwirkenden befand sich der ,Heldenteuor und der rühmlichst bekannte Ober׳ kaiitor David Czernovsky von! Kaiser Franz- Josef-Jnbiläumstempel in Prag, über welchen Nur int Teplitz-Schöucmer Anzeiger lesen:: ״Ein frisches Stück Leben, unbändiger Kraft liegt tatsächlich in der gutgebildeten,. in allen Lagen abgerundeten Tenorstimme des Prager Oberkantors Herrn D. Czernovsky. Für Lieder lvie der Asm von Nubinstem( dessen Konzertzngabe), oder die Eleazar-Arie, kommen den so stimmbegabten Sänger die Mollfärbungen der o i ren ta l! scheu Ge fühlsabsti tmtt tt ng vo n h im nie!־ hochjauchzigen, auch die bis zmn Tode ״betrübteu" bertlfslniäßig zu stattett. Der uuverkennbare Edel klang der Stimme und die sympathische Vortragsart verhalfen zu außerordentlichen Auerkennung seiner Leistungen." Herr Czernovsky hatte mit seinen Darbtetungen viel Beifall, als erster gratulierte! Personlich der anwesende Fürst Clauy-Aldingen dem trefflichen Sänger zu dein große!! Erfolge. Czer- Lüge wird, ,das ist tust einer Darstellncngskraft, die sich ihres Reichtums tnit höchster Ucberloguug bedient, ganz m\\b gar du-rchgesührt. Denn es ist suz Sinn« der Worte. Christi wahr, daß Quint der wieiderigoborene Chrisstts ist, weil er!nichts anderes seijn. lvill als der int Geiste! Wiedergeboreue. Nur indem die Umwelt nicht anders kann als diie religiöse Wahrhciit, ׳bi*a geistige, zu einer sozialen, zu enner le.ilblichen um,deuten, ,nacht sie sie zu einer Lüge; und i-ndent sie da,n.n n!it ihrer kurz svnlnvgen und ungeduldigen Entschlossenli dlilese verwirft, verwirft sie auch jene. So ivird aus dein Heiligen der Wahnsinnige, und der Mahn,sin!n!icze geht, aber mit!>uue!r!e!r Sieghaft>i,g- Feit unter. In ״Emainriel Quilut" ist iedow 1»ichr als das Probleint eiinics Charakters, einer voligiösen Bewegtmg; .der Roman hat die Breite und Fülle eines Epos. Menschen, Landschaften, soziale V-erhältnWe, die Neg!tmg!en der Massensc!ele, d!a>s halb physische Seelenge sp tust des Ein^ .zelnen, dieses alles spttnflit sich, ohne daß es st״ zur Episode würde, zu einem, großen Lebensu!nd Jeitgebstde zusammen. Der Neichtunt au "X1) lichkeit, die! Treue und Klarheit des Blicks, die Festigkeit ttub Zwecksicherheit der Komposition sind wahrhaft mei-sierlich. Es ist Brot iu> de»! Buch, und davtnn nu!ß es ein Volksbuch werden. Dr. M. Schovlag. Gesucht werden: Pepr Spierer Flüchtling ans Zalesczyki sucht ihren Manu Moses Spierer 11. Train-Di- Vision 1. Esk. zuletzt i>m Nes. Spital in Szeged .Ungarn. St. Pölten, August 1016. Lorenz Scherlag. Gorhart Haupt manu, Der Narr in Christo Emanuel Quint. Nonteun- Volksausgabe. Geh /iüeröcäefprec^ungen. Viktor Fleischer: Der Himmel voller Molken, Novellen( Verlegt bei Fr. Will). Grunad in Leipzig). lieber allen N'ovellen dieses Buches ist derselbe Hiniinel gespannt: ein Hinunel voller Wolken. Doch sind die Schicksale, die in diesen Erzähhingen behandelt werden, so grundverschieden, daß jede von schneit in ihrer Eigenart besonders hervorragt. Eine Erdenschwere Traurigkeit liegt übet׳ diesem Buche gleich einen! dichten Wolkenslor. der die lachende Sonne fernhält. — Viktor Fleischer, der durch seinen Roman ״Wendeliu und das Dorf" in die Reiche der ersten österreichischen Erzähler gerückt ist, zeigt sich in diesem Novellenbande als geschickter und vielseitiger Ge sta i t n ngskünst ler. Die erste Novelle ״Die kleine! Angelike" ist lvie -ein schlichter bescheidener Auftakt. Es wird da das frend- und ziellose Lieben eines jungen zeit sonnigen Erleben wird. Es ist eine stille Tragödie der Häßlichkeit, die in diesen! Mädchendasein znnt Ausdruck kommt. Das stärkste Stück novsky macht den Prager! Kollegen stets Ehre r 0 ™ ״r und rangiert unter den Kantoren Prags an erster Mk., geh. 8 M. /.> Psig. (S. Ftschut, Verlag §^׳lle. Borlrn.) Haaiptmanus ״EmeiNjuel Qum-t!st * seit seiuent Erscheinen intim׳ tiefer in das Dewnßtsein des Volkes eingetvachsen. Dieser Nonmn s!st, tmch sei'n-ein inneren Wert tmd nach der Art svi'ner Minkung, ein Volksbuch; mm soll er es auch noch twrden, inbciu die neue, wohlfeile nn.d trotz der Wohlfeilheit schöne Ausg!abe. die der, Verlag soeben darbiieticit, den tve!'testen Leserkreis suchen rmidi finden!vi'rd. In Entgnnel Qtli'nt ist rtnferer Feit dargestellt, der anfänglich nn'cht so- Wohl .eine Nachfolge Cchrilsti. als beinahe ciine Wilederholnng zu bedeuten scheint. Auch! er eines Tischlers Sohn, auch er mtr seiner Mutter Kind, früh in, sich und sein Gebeintn!is versunken. Prediigeujd, von Jüngevu ausgesucht, Dinge tuend, die ׳als Wunder a!nsgeleg-t werden, von einem rauhbaarigen nnd gülden Vorläustir getauft und dan!ech auf vierzig Tage in di!e Einsarnk-eit^ sich e״'nschließend. Belvundert tuau schon, wie dieses Thenta ans die niatürlichste. jeder Priistmg der Nelalstät staudihaltende Meise auschrführt vürd. so steigert sich die Anteilnahme darüber weit hinmts, als das Schicksal Qttints sich Immier selbständiger t׳,vd eigenti'tntlicher entfesselt. Wie Quint erst von seiner tuchr oder tnindler leicht- Schüleraufnahme na für das Schuljahr 1916 17. Zur Eröffnung gelangen in diesem Schuljahre nur die höhere Fachschule (höhere Gewerbeschule) für Textilindustrie in den l., II. u. IV. Jahrgangen, und der Kurse für Noppen und Ausnähen von Webefehlern. Die Einschreibungen in diese Schulabteihingen finden statt: am Samstag den IE» September 1916, von 8-10 Uhr vorm, für die Bewerber um die Aufnahme in den I» Jahrgang der höheren Fachschule; am Montag den 18. September 1916, für die in die II. und IV. Jahrgänge aufsteigenden Schüler der höheren Fachschule von 8—10 Uhr vormittags, und.für die Ausnähkurse von 10—12 Uhr vormittags. Bei den Einschreibungen sind vorzulegen: 1. Der Tauf-, bezw. Geburtsschein, 2. der Heimatschein, 3. ein amtsärztliches Gesundheitszeugnis, 4. die Schulzeugnisse der letzten zwei Studienjahre, mit der vorgeschriebenen Abgangsklausel auf dem letzten Semestralzeugnis 5. zwei vollständig au״gefüllte Nationale (beim Schuldiener erhältlich). 6. Das Zeugnis über die genossene Vor- oder Ferialpraxis. Die Aufnahmsprüfungen finden am Tage der Einschreibungen statt. Bei der Wahl der Schü'erwohnungen (Kosthäuser) ist größte Vorsicht notwendig und ist es wünschenswert, bei der Ausfindigmachung von Schülerquarderen sich stets des Rates der Schule zu bedienen. Alle weiteren Auskünfte erteilt die k. k. Direktion der Lehranstalt, Franz Josefst!aße 131. häßlichen Mädchens geschildert, dem das Liebesgläubigen, tneh.r oder nstnder tiefgläubigen Ilntglück ihrer hübschen Freundin zt!m einzigen kurgebnug für Christus gelmlten wird. wie er selbst sich zu diesen! Glauben entzückt, anfäi'gl.ich inn Symbol und schließlich tatsächlich: das heißt also.׳ wie eiue subjekti-ve! Wahrheit ztt eiiner objektiven Privat-Kochschule ANNA LARISCH. vom k k Landesschulrate genehmigt, empfiehlt ihre 3-monatlichen Kochkurse. Beginn 1. Oktober 1916, 2 Jänner und 1. April 1917 mit anschließenden Einsiedekurs. Gediegene gründliche Ausbildung in gut bürgerlieber und feinster Küche. Prospekte und Auskünfte durch die Schule Brünn, Franz Josefstr. 3*4, Tel. 3614/Vf.