Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1916-09-07 · Heft 14 (7.9.1916) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVII (1916)
Issue
Heft 14 (7.9.1916)
Date
1916-09-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2621806-2621974-2621988--3477-2624674
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 4 ״Jüdische Bolksstimme" . Nr. 14 ״Dem Klugen Wnügts müt einem Winke" — stehts im Talmud — und Rubins Frau und Kinder sind klug, seiner würdig... Am nächsten Morgen reißt der Kosak die Türe auf und wie er da ins Zimmer hereinblickt, ruft er: ״To schto? (Was ist das?) ZdochJewrej! (Der Jude ist krepiert!)" und mit einem ansgielügen Spuck machk er sich davon ... Rubin Eisenberg, der mir dieses^ sein Adenteuer erzählte, schloß (eine Erzählung mit den Worten: —״Ich erlebte schon verschiedene Arten eines Todes: Ich war schon todbetrimken, todkrank, todmüde, — aber so'nen Tod erlebte ich noch nie"... Belz. Josef Falk. Feldwebel Franz Beck, s. A., geboren! am 18. Feber 1874 im Marienbad gestorben am 2. Feber 1015 in Valjevo. (Ein Nachruf in Freundschaft gewidmet von Rabbiner Dr. I. Diamant in Martenbad.) Teurer Freund! Als mir die schmerzensreiche Kunde wurde, Du hättest auf hem Felde der Ehre Dein Heldenleben abgeschlossen, da durchflog ich im Geiste all die Jahre, die ich mit Dir in treuer aufrichtiger Freundschaft verlieben durfte, und da fiel mir folgende Erzählung ei!m: Ein Gärtner hatte in feinem großen Ziergarten zwei Nosensträuche, die nebeneinander standen, und denen er gleich allen übrigen Pflanzen seine Sorgfalt und Fürsorge angedeiheu ließ. Als er eines Morgens seinen Garten betritt, um sich an heim Wachstum und Gedeihen seiner Pflanzen zu ergötzen, da erschrickt er, denn ein Rosenstrauch lag verwelkt auf dem Boden, seine Blüten und Knospen waren abgefallen und der Stamm gebrachen. Manche Träne entquillt dem Auge des Gärtners, denn, der Strauch war ihm zur Lieblingspflanze geworden. Allein gar bald hält er Umschau und findet einen andern Strauch, ׳den er auf die verwaiste Stelle hinpflanzt. Als im kommenden Jahve an dem Nachfolger die ersten Rosen blühen, da hat der Gärtner seinen einstigen Liebling bereits vergessen.-Anders aber der Rosenstrauch, welcher verlassen zurückgeblieben Untr und der bei seinem ersten Nachbar stets teilnahmsvolles Verständnis fand, wenn seine Blätter traurig hiuüberrauschteu, und welcher miit ihm Jahre hindurch Sonnenschein und Uingcmach des Wetters gemeinsam trug. Er fühlt sich noch immer verwaist und sieht, daß sein Bruder, sein zweites Ich, nicht mehr ist. Und wenn er des Morgens nach einem stärkenden Schlummer erwacht, fällt mancher Tautropfen!, manche! heiße Träne um den verlorenen Bruder zur Erde.- Sein Schi merz wird erst Weichen, bis auch er derwelken und verschwinden muß. Jawohl, o teurer, unvergeßlicher Freund! mag auch dev Gärtner, mag auch die ganze Welt im Laufe der Zeiten Dich vergessen, ich bewahre Dir ein treues, unwandelbar treues Angedenken bis an mein! Lebensende, denn Deine Freundschuft und Deine Treue war echt, Deine Liebe mir wert und teuer. Aus Deinem treuen Augen- Paar, daß so ernst und ruhig blickte, strahlte Güte und Milde, aber auch unbeugsame Festigkeit. Dein Lebensbild bleibt mir unvergeßlich, denn Du warst ein Charakter vom Scheitel bis zur Sohle und ei,ui überzeugter Bekenner Deines Glaubens. Du warst ein idealer Gatte Deiner nun! gram-gebeugten Gattin, der beste Vater Deiner beiden Kinder, an deren Anblick Deine Seele sich so gerne labte, warst der beste Bruder und Verwandter. Zahlreiche Arme und Bedürftige. die sich hilfesuchend an Dich wandten, fanden in Dir ihren Helfer und Berater und beim׳inen n!>it uns Dein Scheiden. Nun ruhst Du aus, o bester Freund, auf fremden Boden, auf der Höhe Streng reell als Kaufmann, woltätig als Mensch und ausgezeichnet als Jude genoß er allgemeine Hochachtung und Verehrung. Bis zu seiner Einrückung bekleidete er das Ehrenamt eines Tempelvorstehors in der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde mit größter Gewissenhaftigkeit. Sein Angedenken wird nicht nur von seiner Familie, sondern Puch von der hiesigen Kultusgemeinde stets howgehalten werden. Kunäfckmu. Anszeichnnng. Dom verdienstvollen Vorsteher der israelitischen Kultusgemein.de Marienbad Herrn, Otto Wolfner wurde in Anerkennung seiner Verdienste das Ehrenzeichen 2. Klasse vom Noten Kreuze zuerkannt׳, ebenso wurde dessen im Wohltun unermüdliche Gattin, Frau Luise Wolfner, mit der silbernen Ehrenmedaille vom Noten Kreuz ausgezeichnet. Hebräisch als Unterrichtssprache. Das Vudapester Landesvabbinerseminar hat auf Antrag des Präsidenten des Kuratoriums, Dr. Franz Mezey, beschlossen, vom nächsten Schuljahre ab, sowohl in der unteren, wie in der oberen Abteilung für die hebräischen Lehrgegenstände die hebräische Sprache als Unterrichtsspräche einzuführen. Diese Neuerung ist nmfo bezeichnendem, als gerade in Ungarn in. jenen Kreisen, welchen die Leitung des Rabbiuersenünars augehört, bis vor nicht langer Zeit eine entschiedene Haltung gegen die Anerkennung der hebräischen Sprache notorisch war. Diese Wandluug wird sicherlich nicht ohne Wirkung auf die Erziehung der künftigen Generntion der ungarischen Juden bleiben. Einstellung der .Kriegslandspende. Deines Ruhmes bist Du gefallen, ans dem Felde der Ehre, im Kampfe für Kaiser und Vaterland! Und wenn auch Deine! Grabesstätte von keinem Denkstein, gekennzeichnet ist, in meinem Herzen hast Du Dir ein Denkmal errichtet, das dauernder als Erz. Ruhe sanft! (Nachschrift): Herr Franz Beck, Hausbesitzer und Lederhändler in Marienbad, ist am 81. August 1014 als Feldwebel eingerückt, zog nach dem südlichen Kriegsschauplatz, wo er mit besonderer Heldenhaftigkeit kämipfte. Er geriet in serbische Gefangenschaft, erkrankte in Valjevo an Bauchtyphus, welcher Krankheit er!am 2. Feber 1015 erlag. Der Verklärte hinterläßt eine tieftrauernde Mitwe Frau Paula Beck geb. Steiner, und 2 unmündige Kinder (Erich und Nelli). Dieser Tage erging mi den Vorstand des Vereins ״Keren Kajemet Lejisrael" in, Wien ein Erlaß der k. k. niederösterreichi scheu Statthalterei, der dem Verein die Sammlungen ״mittels Aufrufes in den Zeitungen und durch Propoganda seitens der Vereiusmitglieder und eingeb ner Vertrauenspersonen zwecks Erwerdung von Grund und Boden in Palästina und Uebergabe desselben in Erbpacht an jüdische Invaliden und sonstige' durch den Krieg schwer getroffene Personen jüdifchen Glaubens" mit der Begründung verbietet, das; gegenwärtig nur Sanmuilungen erlaubt seien, die sich ״mit dev Invalidenfürsorge im allgemeinen befassen NNd diese Fürsorgetä tigkeit im In lande zu entfalten beabsichtigen" Angesichts dieses Erlasses, gegen den, nach dem Wortlaut des Schreibens dev Statthaltcrei, eine Berufung unzulässig ist, veröffentlicht der Vor stand des Vereins ״Keren Kajemet Lejisrael" in Wien folgende Erklärung: In Befolgung dieses Erlasses stellen, wi hiermit die Propaganda für die Krießslnnd spende eii^Die für diesen Zweck bereits gesam inelteu Gelder sind an uns unverzüglich' abzu führen. Der Ruhm, die Kriegslaiidspende eingefiihr zuzüglich der bisherigen auswärtigen SaNrinlnn gen auf 150.000 K gebracht zu haben, bleibt den österreichischen Zionisten ungeschmälert. Die Idee ist neuerdings außerhalb Oesterreichs freu dig begrüßt und ihre Ausführung in Angriff ge nommen worden. Auch in Oesterreichwerden wir sofort nach Friedensschluß da fortsetzen, wo Wim jetzt abbrechen mußten. Die Arbeit für die statutarischen Zwecke uu .'!!eres Vereines in sämtlichen Sammelzweigeu nimmt ungehindert ihren Fortgang und Wim forderu unsere Vereinsmitglieder nachdrücklichs! auf, uns mit allem« Eifer und der größten Tat kraft weiter zu unterstützen ״Wenn ich ein Jude wäre.. Die Einführung des militärischen Zwangdienstes für die nach England vor Politischer und wirtschaftlicher UnterdrückMg ausgewanderten Juden wird Wohl Tatsache werden. Die Sache erhält elnett pikanten Beigeschmack besonders noch dadurch, daß der eifrigste Befürworter des Projekts, die Juden vor die Wahl des Eintritts in die englische Armee oder des Rücktransports Nach Rußland zu stellen, dör englische Minister des Innern, Herbert Samuel, selbst ein Jude ist» Dock) haben sich auch in England Stimmen zuguustcu der politischen Flüchtlinge erhoben. So äujßerte — nach einer Mitteilung der jüdischen Arbeiterkorvespoudenz — im Oberhaus der durch seinen Friedensappell bekannte Lord Lorebumn: ״Wenn ich eine Jude wäre oder auch n!ur einen Tropfen jüdischen Blutes tot mir hätten ließe ich mir lieber die Hand abschmüdeu, als das zu tun, was Mr» Semmel getan hat, nämlich den Leuten zu sagen: Wenn ihr nicht in der euglischeu Armee dienen wollt, werden wir euch nach Nußlaud zurückschicken". Wie mag das Wohl Herrn Samuel geklungen haben?! Russische Gewalttaten gegen Juden bei der russischen Offensive t Das ״Warschauer Tageblatt" berichtet: Vor einigen Tagen wurde durch Warschau ein Trans- Port vvrwMldeter gefangener russischer Soldaten gebracht, unter denen sich' auch Juden befanden. Diese jüdischen Soldaten erzählten! schreckliche Einzelheiten von den Greueltateil der russischen Soldateska in den besetzten Orten. Außer zahlreichen Räubereien 1t׳Ub Plünderungen an» jüdi- י, ()ä 1 igt 01kr erschosseii.Sof0rt mit dem Einzug der russischen Herrschaft beginnt für!die Juden des Ortes eine schreckensvolle Periode unerhörter Leiden. Wer nicht genug Geld besitzt, um sich loszukaufeu, wird ohne, jedes Gericht gefangen gesetzt und verschickt. Jüdische Klagen werden nicht angenommen. Die russische Heeresleitung scheut nicht vor den ärgsten Verbrechen zurück. Eine charakteristische Begebenheit erzählte ein jüdischer Soldat, deren Augenzeuge er war: In einem gaiizischen Städtchen nahm man ein Paar Juden, steckte sie ln österreichische tXtxifovjneu und transportierte sie ab als ״gefangene Öestemre!- cher". Ein russischer Dreyfus-Prozeß. Wie von der russischen Grenzegeiiieldet wird, erregt ist NUßlüUo die ungeordnete Revision des Ürteils eines zu Zuchthausstmfe. verurtei kteN Juden astgepieines Ans seheil. Diesel, namens GersüMvijsch, hatte \\\\ ih14, als die Deutschen die Stadt Mariampol besetzten, auf Wunsch der Bevölkerung und auf Geheiß des deutschell. Konnnalldlerenaeu .die drste Bürgermeisterstelle übernoNMiem Räch 14 Tagen mußteil die Deutschen den Ort räumen, worauf die russischen Behörden wieder ihre Tätigkeit beganneu. Infolge einer Denunziatioil lpurd-e Gcrsa nowitsch vor ein.Kriegsgericht 'gestellt NNd wegen allgeblicher SPivnügo und verschiedener Miß>- bmliche zu acht Jahrelt Zuchthaus und zur Deportation nach Sibirien verurteilt. Mittlertveile wurde der Denunziant selbst der Spionage überführt. General Berltatzkh, der bekannte Mitarbeiter des ״Rußkij Invalid", nahm» sich der Sache des unschuldig verurteiIteit Juden an und veröffentlichte in seinem Blatte Einzelheiten über den Fall, die allenthalben große Sensation hervorriefen. Unter der Einwirkung dieser Veröffentlichungen wurde die Frage der Revision Petersburg verwiesen. Die Verhandlung war eine öffentlicheVerteidiger Dr. Grusseilberg, derlelbe. lr>elck»en n! > 41 sWiMifis Egon Zloeig imd dem Sekretär Dr. Wilhelm Beigel. Borträge von Dr. Schmarja Lewin. Mehr als 1000 Personen hörten in Pittsbürg eine Rede von Dr. Schmarja Lewin, der ein eindrucksvolles Bild von dem schrecklichen Elend entinavf, in dem sich die Juden der Kriegszone befinden. Auf der Versamiiilnng wurden über 400 Doll, für palästinenisisckx Jnstitlitionen gesammelt. er überzeugt ist, daß seiin! 6llaubensA׳nosse Infolge einer gewissenlosen Denllnziation seit zwei Iahum unschuldig im Zllchthaus schmachte. Die Juden NlDands habell iim jetzigen Kriege bewieen, daß sie ihre Pflichten in der Armee wie im Privatleben entsprochen haben, ßleneralstaatsan- Walt Koregiwo schloß sich den Ausführungen des-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.