Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVII (1916)
- Issue
- Heft 14 (7.9.1916)
- Date
- 1916-09-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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<* «r. 14 ״Mische BolkSstimme» Seite 3 L ren Stufen der Kultur und Zivilisation. Die jiddische Nation hat von jeher für dos höchste geistige Ideal gekämpft; ihr Leben während des zweitausendjährigen Exils war ein großer Kultus der Suprematie des geistigen. Die Geschichte der zionistischen Bewegung selbst beweist die Macht eines Ideales beute norf> das jüdische Volk zu neuem Leben und heroischer A.u.spanuung ananzurogen. Auch sollte es nicht nötig sein die Bedeutung des Beitrages hervorzubeben, den ein starkes entwicklungsfähiges jüdisches Volk in Palästina zur Lösung des uralten Ost-West- Problemes leisten könnte, — Palästina, das durch seine geographische Lage prädestiniert ist .ei.ua Hauptstraße des Verkehres und der Kultur zu sein — ebenso wie das jüdische Volk durch seine Geschichte geeignet ist ein. Vermittler zu sein zwischen dem Osten ,wo es seine Wurzel hat, und!den: Westen, wo es durch Jahrhunderte geprüft und geschult wurde. Bei der Neuordnung die dem Kriege folgen wind, wird die jüdische Frage die Anfinerksainkeit derer beanspruchen, deren Aufgabe es sein wird eine neue Ordnung aus den Ruinen der alten anfzubaucn. Die Inden tvevden — wie sie bisher getan haben — Gleichstellung in den Ländern fordern, wo ihnen bisher die Rechte als Menschen und Bürger versagt wurden — und diesmal vielleicht nicht umsonst.. Aber noch eindringender als die Forderung des einzelnen Juden auf Menschenrechte wird das Verlangen des jüdischen Volkes nach Gleichheit in Lebensbedingnngen sein, die es dadurch erreichen kann, das; es wieder einmal der Herr des eigenen Schicksals wird. Das Prinzip der Gleichheit der Bedingungen im Wettbewerbe, das seit lange von modernen Staaten in ihrer inneren Oekononne anerkannt ist, ist nicht von weniger vi-taler Bedeutung für Nationen als fiir einzelne. Das jüdische Volk wird für sich die Wohltat dieses Prinzips sondern. Es wird nicht diese Fordernng mit bewaffneter Macht nnterstühen, denn obwohl Inden für jede der kriegsführenden Nationcu Blut vergossen haben, gibt es keine jndisehe Ar»ree. Sein Anspruch wind sich ansschlies;- lieh-auf stecht und Gerechtigkeit stützen. Wenn;liecht u. Gerechtigkeit die Grundlage!: der neuen Ordnung sein werden, wind es nicht vergebens appelierem Wie die rumänischen Juden um ihr Recht betrogen wurden Nachdem Rumänien, unter schmählichen Bruch der mit Oestorreich-Ibngarn und uns abgeschlossenen Verträge unserem Bundesgenossen den Krieg erklärt hat, wurde es von unserer Regiernng nicht lange darüber in Unklaren gelassen, das; es uns sofort auf Seite der angegriffenen Donaumonarchie finden würde. Dieselbe Treulosigkeit und Arglist, die die jüngste auswärtige Politik der augenblicklichen rumänischen Macht- Haber erkennen lies;, war ein .Kennzeichen auch der inneren Politik dieses Landes, insbesondere bei Behandlung der Iudenfrage. Das Kön.igreich Nmnänieu, dessen etwa 71/., Millionen Einwohner betragende Bevölkerung vorwiegend dem« griechisch-orthodoxe:: Bekenntnis angehört, wird von etwa 800.000 Juden bewohnt. Ais im Jahre 1859 Moldau und Wallachai als Fürsteittuln Rumänien unter Oberhoheit des türkischen Sultans vereinigt wurden, erfolgte die gesetzliche Organisierung der jüdischen Geineinden nach den: Muster der türkischen. Diese Organi-sation galt aber nur für die eingeborenen Juden, welche zun: Unterschied von den fremden Juden, den ״Sudditi", ״Pamentani" genannt wurden. Wie Daniel Marcus-Smyrna in einer 1!>02 erschienenen Aktensammlung zur rumänischeu Iudenfrage ausführt und dokmuentarifch belegt, ist diese dainals zuerst auftretende Unterscheidung von der allergrößten Wichtigkeit für die spätere Rechtslage der rumänischen Indenheit geworden, deren eingeborenen Elementen bereits im Jahre 1864 vom Fürsten Alexander Johann Kusa das uneingeschränkte bürgerlich« Recht und znm Teil selbst das Gemeinderecht verliehen wurde. Nachdem Rumänien im Jahre 1878 im Frieden zu San Stefano als unabhängig anerkönnt und in: Berliner Kongreiß des gleichen Jahres die Politische Gleichberechtigung aller Bekenntnisse bestimmt worden war, suchte sich das seit dem Jahre 1881 bestehende Königreich seinen Verpflichtungen gegen unsere Glaubensgenossen immer mehr zu entziehen und bedrückte sie durch eine wahrhaft barbarische Behandlung, die mehrfach zu entsetzlichen Pogromen führte. Während der Artikel 44 des Berliner Vertrages ganz unzweideutig bestimmt: ״In Rumänien darf die Verschiedenheit des Glaubensbekenntnisses Niemandem gegenüber als Ausschließungsgrund oder als Unfähigkeitsmotiv für die Ans- Übung der bürgenlichen und politischen Rechte geltend gemacht werden", gelang es der Arglist Johann Bratianus, Rosettis und anderer Führer der herrschenden Klassen, (der Bojaren), die Juden um ihr gutes Recht zu bctmgcu, indem sie dieselben unter Wiederaufnahme einer schon früher verwandten Rechtsfiktion für angeblich erst seil kurzem eingewanderte ״Fremde" erklärten, eine geschichtliche und staatsrechtliche Ungeheuerlichkcit, die Professor Martin Phili-PPson in seiner ״Neuesten Geschichte des jüdischen Volkes" zutreffend als ״eine neue, jeder Vernunft, jedem Rechtsbegri'ffe widersprechende Erfindung der verschmitzten und gewissenlosen Betrüger in Bukarest" brandmarkt. Es ist bekannt, wie alsdau-n. eine eigens zu diesem. Zweck erwählte Volks- Vertretung der mnnänischen Verfassung einen Artikel einfügte, der die Erwerbung der Naturalisation in jeden: Einzelfalle von einem besonderen Gesetz abhängig machte und allen nicht naturalisierten ״Freinden" die Erwerbung ländlicher Grundstücke untersagte. Dieser schändliche Vertragsbruch rief zunächst große Entrüstung und heftigen Wjiderspruch bei den europäischen Mächten hervor, Deutschland brach sogar, zeitweilig den diplomatischen Verkehr mit Rumänien ab, und Bismark drohte im Jahre 1870, durch eine neue europäische Konferenz Rumänien wieder der Türkei zu unterstellen und es von dieser zur Beobachtung der Vorschriften des Berliner Vertrages zwingen zu lassen. Doch verflog leider der Eifer der Mächte recht bald; freiwillig haben die Rumänen nach Philippsons Angaben während zweier Jahrzehnte 1167 Juden und Jüdinnen von 266.652 (!) naturalisiert, und Nosetti konnte in einem! ministeri'ellen Rundschreiben 1881 ausrufen: ״Wir dürfen es jetzt gestehen, wir haben die Iudenfrage in: Gegensatz zu den: offenbaren Willen der Mächte und zu dem eigentlichen Geiste des Berliner Friedens- Vertrages gelöst". Die neuerliche Bedrückrmg unserer Glaubensgenossen, ihre Ausstoßung aus den meisten Erwerbszweigcn, ihre Pressung zum Heeresdienste, ohne daß sie einen militärischen Grad erreichen konnten, ja sogar nicht einmal im Sanitätsdienst, die Bestimmung, daiß die jüdischen, einen: beson- Hers hohen Schulgeld unterworfenen Kinder nur dann in eine Schule überhaupt zuzulassen seien, wenn, nicht genügend ״rumänische" Kinder da seien, die widerrechtlichen Ausweisungen aus den Landgemeinden, die furchtbaren Pogrome von März 1007, die gesetzwidrigen Landesver- Weisungen des gleichen Jahres u. andere Gewaltakto zeigen, mit welch unerhörter Willkür die rumänischen Machthaber. vorzugchen sich nich: scheuen, wenn es sich uni eine schwache und schützlose Minderheit handelt. Die Arglist und Verschlagenheit aber; welche die :::eisten rurnänischen Politiker von jeher gekennzeichnet hat, möge, wenn es -dereinst nach siegreich beendetem Kriege auch zun: Friedensschlus; n:it diesen: Lande konm:t, für unsere verbündeten Regierungen eine Mahnung zur äußersten Vorsicht sein! A. Mahler. Der amerikan.-jüdische Kongreß. Auf der Sitzung des Organisierungs Komitees, die unter dem Vorsitz von Louis D. Brandeis an: 22. Juni in New Aork stattfand, wurde zunächst über die Einladung des American Jewish Koninritee zu der von ihn: einberufenen Kauferenz verhandelt. Auf Grund des hier gefaßten Beschlusses hat das Organisierungs Kömittee des amerikanisch-jüdische:: Kongresses folgendes Schreiben an -das American Jewish Kömittee gerichtet: 1 Sehr geehrte Herren! _ Ihre Mitteilung von: 16. ds., in der Sie uns einladen, Delegierte zu einer Konferenz zu entsenden, die am 16. Juli in dieser Stadt abgehalten werden soll, ״mit dem Zwecke, Maßnahmen zu erwägen, welche auch die Diskussion von Vorschlägen urnfassen, die vorgelegt lverden könnten bezüglich der Organisierung eines.jüdischen Kongresses zur Sicherung der vollen Gleichberechtigung für die Juden aller Länder, und der Abschaffung aller,gegen sie gerichteten Ausnahmegesetze", hat dem Ex!ekutiv-Organisterungs-Komitee für einen amerikanisch-jüdisehen Kongreß auf seiner Sitzung vom 22. d. M. Vorgelegen. Dieses Komitee ist eingesetzt worden durch die Vorkonferenz in Philadelphia am 26. und 27. März, zu der alle jüdischen Organisationen eingeladen waren, und die ein bestimmtes Progrannn zur Einberufung eines jüdischen Kongresscs auf einer demokratischen Basis zur Arbeit für die Erlangung jüdischer Rechte angenommen hat. Unter diesen Umständen könnten wir, ohne diese Angelegenheit unserer ganzen Körperschaft von nationalen und centralen Organisationen und städtischen Kongreß-Komiteiss zu untcrbreiten, am einer Konferenz, welche aufs neue die Fragen zu erwägen beabsichtigt, in denen wir bereits Schritte unternommen haben, folgerichtig nicht teilnehmen. Es ist auch klar, daß die Orgauisationen, die sich der Kongreßbewegung äugeschlossen haben dadurch daß sie durch die Entscheidüngen der Vorkonferenz gebunden sind, e-igentlich nicht teilnchmen können an-Verhandlungen, welche die Anulli-ernng des von ihnen angenommenen Programms erstreben könnten. Wir haben daher beschlossen, die Einladung zu der von dem American Jewish Komite-e und anderen Organisationen einberufenen Konferenz abzulehnen. Wr haben weiterhin beschlossen, ein Komitee von 3 Männern zu ernennen, die, wenn sie eingcladen werden, bereit fein werden, Ihrer Konferenz beizuwohnen und vor den dort versammelten Delegierten die Ansichten unserer Körperschaft darzulegen. Wir beehren uns Ihnen ferner :nitzuteilen, daß in dieses Komitee folgendc Personen ernannt worden sind: Oberrichder Louis D. Brandeis, Richter Hugo Pan: and früherer Richter Leon Sanders. Wir werden Ihnen dankbar sein, wenn, Sie uns sobald wie möglich mitteilen wollten, ob Sie Mimischen, daß nnse-r Konnte vor Ihrer Konferenz erscheint, damit wir die Mitglieder! hiervon so rechtzeitig in Kenntnis setzen können, daß sie in der Lage sind, der Einladung Folge zu leisten. Mit vorzüglicher Hochachtung u. f. w. So'n Tod... Das Abente!uer eines Spaßvogels), enige Tage bevor die Russen den: Städtchen Velz -in Galizien an-no 1015 ״Adieu" sagten, fanden sie es für nötig, in der Gegend des Städtcheus weitausgedehnte Deckungen zu bauen, was nicht sagen will, daß sie diese auch benützte::. Dafür sorgten schon die tapferen, zuvorkommende:: Bayern, daß kein einziger Russe in die Gräben schlupfte, um ihren Siegeslauf aufzuhalten zu versuchen. Nichtsdestoweniger fanden dabei die Knulden und Börsen der Kosaken ihren Profit. Denn die unfreiwilligen Bauer der Deckun>gen waren größtenteils Juden und auf Nichts in der Welt saust eine kosakische! ״Nahaika" so freudig nieder, wie auf einen jüdischen Kopf oder Rücken, und Niemand auf dieser Welt gibt, wie ein Jude, so bereitwillig ״Diengi" (Geld) her, wenn es gilt, sich der Kosaken Nahaika von: Leibe zu halten ... Schon als Mittel zu dijcfen: verlockenden Zwecke konnten die Decknngsarbeiten bei den Russen hinreichende Berechtigung finden. Auch Rubin Eiisenberg hatte! einen Tag an den Deckungen mitgeavbeitet und er gelobte es sich, an: nächsten Tage nicht :::ehr dabei zu fein .. Aber wie den: entgehen, wenn er nicht von. Jenen einer ist, dieso mir nicht Dir nicht in die Tasche greifen? Drei Rubel sind für Rubin Eisenberg Geld und noch nie in seinen: Leben bekam er diesen Betrag geschenkt... Sich auf den: Dachboden verstecken? Dort hatte ja Rubin's Frau ihr ״Futter", die Paar Laib Brot versteckt — und ein Kosak trifft auch auf den Dachboden. Wenn es den: Kosaken mal ein fällt, dort nach Rubin zu suchen, so findet er Beide: Rubin Eisenberg und sein Brot... Doch Rubin weiß Bescheid: Am Abend, vor dem Schlafengehen, ruft er seine Frau und seine!beiden Kinder herbei — und sprlcht also: ״Morgen früh, wenn, der Kosak in unsere Gasse kommt, um zur Arbeit zu schleppen, — sterbe ich... Ich lege :::ich auf dem: Fußboden hin. Ihr bedecket :::ich ganz mit meinem Kaftan, zündet nur hinterm Kopfe,auf einem Scheine! drei Kerzen an und setzet Euch um mich auf den Fußboden, jeder ein Buch in der Hand, — und weinet... Verstanden?"...