Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVII (1916)
- Issue
- Heft 13 (23.8.1916)
- Date
- 1916-08-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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scheu russischer Staatscmgehörigkeit. Eine Ver einbartmg mit der!rttssischett Regierung besteht nicht. Nach memem Vorchlag unid anderer hat Pas Kriegsministcrimn zugestimmt, daß diesen jl«n!gen Russen erlaubt wird, Mt der britisch ׳n Armee attf Grund fwi-williger Anwerbung zu dienen, da sie in der Tat zum Dienst nicht gezNmnNen werden können. Diese Männ/sr! werden .dalter jetzt eil! geladen, sich ztt melden und eine «nicht tmbodetttende Zahl Ijwt sich bereits anwerfreu lassen. Noch aber bleibt eine! bedeutende Anzahl, die keine Neigütig zeigt, int bett verbün- •baten Ländern oder int der russischen Armee Dienst zu nehmen, tmd ich schlage vor, diesen Männern zu bedeuten, daß, wenn, sie nicht nachweisen können, daß sie aus denn, Militärdienst oder jenem Grunde auszufchließen aus sind, sie!darauf gefaßt sein müssen, entweder dev britischen Arruee zu dienen oder nach Rußland znrückznkehren, tun ihren militärischen Pflichten dort zu genügen. Ich schlage vor, ein besonderes Tribunal zu errichten, tutt die Beschwerden dieser Leute zu Prüfen". Aus dieser Erklärung folgt, daß die englische RMiorimg zugibt, die russi scheu Juden zum Militärdienst ׳nicht zwingen ztt können, daß ferner.die Entschoiidung noch nicht gefallen ist. ■■■■■■■■■■na■■■ Hilserus an edle Menschenfreunde. Irr. Hullem befinden sich seit einem Monat hundert arme jüdische Flüchtlinge ans Galizien und der Bukowina. Für die erste Zeit konnte mit dein int Hullein aufgebrachten Mitteln das '.Alleruotweitdi'gste gefunden werdet!. I Nachdent aber hier selbst 1nj.tr drei jüdische Familien anscMg sind, so ist es schwer, oder geradezu unmöglich die nötigsten Bedürfnisse für die Flüchtlinge ztt beschaffen. Damit die Not nur einigermaßen gelindert weiden kamt, wendet sich das gefertigte Komitee an edle Wohltäter mit der innigen Bitte ein Schävflein zur Linderung der Not beitragen zu wollen. , Etwaige Spenden a!n Geld, Naturalien, Mtoiber, Wäsche und Schuhe werdett freundlichst an dett Obmmm des Komitees Herrn Dr. Huppert Bahnhofrestaurateur in Hullein erbeten. Koimjitee der israelitischen Kriegsfürsorge für galiz. und bukow. Flüchtlinge in Hullem. (Mähren.) ischen Literatur beginnen lassen will, dann mnß und Verleger war, und deren größter Teil heute man den 20. Ab ׳des Jahres 1891 wählen, nnd^ heute von ihm, der iN Warschau verblieben ist, die neuhebräische Literatur dürfte so heute in( ׳getrennt istz Wenn, aber die hebräische Literatur einem gewissen Sinne ein 25jähriges Jubiläums mich in ihrer äußeren Organisation heute bereits feiern. f so stark ist, daß sie sicher sein darf, selbst ble Der vor 25 Jahren das erste Büchlein der Stürme dieser Zeit zu überdauern, so trägt mit ״Sifre Agora!" heauKgab, tvar ״Ben-Awigd0r">- das stärkste Verdienst därain zweifellos Bett .Awigdor. Die indischen Schriftsteller Warschaus gebenkeit das Jtvbiläum Ben Awigdors in gebühre»tder Weise zu feiern. Mit Rücksicht auf die gegenwürtijge Ferienzeit hat der »»Verein jüdischer Schriftsteller und Journalisten" beschlossen» die äffen t- Historischer Gedenktag der jüd. . Literatur. Man schreibt uns ans Warschaner jüdischen jonrnalistischen Schriftstellerkreisen: Am 20. Ab (19. August) feiert die hebräische Literatur ienen historischen Gedenktag: vor 26 Jahren erschien an diesem Tage das erste Heft der ״Sifre Agorah" (Kopekenbibliothek), eine Publikation, die einen Merkstein bildet in׳ der Geschichte der ׳neuhebräischen Literatur. Sie trat damit eigentlich in ihr modernes Stadium und :nahm ihre wahrhaft moderne ״europäische" Form and. Und zwar gilt dies i»n einomi doppelten Sinne: äußerlich bedelltete die Herausgabe dieser Kopeken-Bibliothek die erste auf gesunder Basis /angestrebte Popularisierung ׳der hebräischen Litenatur, den ersten großzügigen Versuch, sie in die breiten jüdischen Volksmassen zu tragen; innerlich war aber diese Publikation von richtungweisender Bedeutung, weil sie als erstes Büchlein die schnell berühmt gewordE Erzählung ״Lea mochereth hadagim" (Lea, die Fischverkänferin) brachte, eine der ersten realistischen Erzählungen der nenhebräischen Literatur, die schon in ihrer künstlerischen Form und Gesinnung das Stad! tun der ״Haskalah" und den Stil der ״Haskalah", die unnatürliche, gespreizte, gewaltsam gewollte ״Melizah" .ganz überwunden hatte mW mit wuchtiger Kraft der hebräischen Belletristik (L. Schalkowitz), der mit ״Lea der Fischverkäuferm" seine erste belletristische Schöpfung pu-blizierte. Und so wie dies ftitt erstes Auftreten iw. der neuhebräischen Literatur ein historisches Ereiguis, den Beginn einer neuen Entwicklüngsfornt derselben darstellt, so blieb er bis zum heutigen Tage so etwas wie der Nepräsendant und Träger der machtvollen Entwiklnng, auf die die hebräische Literatur m diesen 25 Jahren zttrückblicken darf. Das gesamte äußere Gerippe um das -sich diese Entwicklung gerankt hat» hat ihn zmttl Mittelpunkt; er war es, der den ersten hebräischen Verlag ״Achiassaf" schuf, der dann den attderett hebräischen Verlag ״Tuschijah" ins Leben rief, der die erstett populären hebräischen Büchersammlungen herausgab, der in hervorragender Weise beteiligt war an der SchaffMg des ,nenhebräischen Zeitungssystcms, der in, unermüdlicher Produktivität Zeitschriften, Sammelschriften und Bibliotheken publiziert; und man kann hetlte ohne jede Uebertreibung sagen, daß es fast keinen einzigen hebräischen Dichter und Schriftsteller der letzten 26 Jahre gibt» der nicht in den Verl-agskatalogen Ben Awigdors verzeichnet war. Was Cotta etwa für die klassische Zeit dar beutscheu Literatur» was S. Fischer für die neuere, ,naturalistische Richtung gewesen ist, das ist Bett Awigdor für die nenhebräische Literatur geworden, das und eigentlich,noch viel mehr, da er bis in die letzte Zeit hinein fast der einzige große Verleger derselben geblieben ist. Vor alletn aber: Er ist nie nur Verleger gewesen. Wie sein erstes Hervortreten gleichzeitig verlegerischer und! literarischer Natur war, so trägt seine gesamte 25 jährige Tätigkeit diesen Doppelcharakter. Er ist immer iim tiefsten Grunde hebräischer Schriftsteller geblieben, einer der innerlich, selbst schafsend und kritisch beeinflußend den ganzen Entwicklungsigang der neuhebräischen Literatur mitgemacht hat und dem seine verlegerische Wirksamkeit nur das Mittel war zur Verwirklichung der Ideen, Aufgaben und Bedürfnisse, die er als Mitträger der hebräischen Literaturentwicklung für notwendig tmd zeitgemäß erkannte. Diese seine literarische Grundeigenschaft verlieh seiner Verlegertätigkeit jene rastlose Produktivität, die nie in Schablone erstarrt, sondern ständig Neues schafft; die dauernd fortschveitet, fast allzusehr überquellend an der Fülle der Anregungen, Gedanken und Ziele, die sie zu verwirklichen trachtet Wer die Nanten all der Zeitungen und Zeitschristen liest, die Ben Awigdor gegründet hat, wer all die Bibliotheken und Schriftensammlungen überblickt, die er Publiziert hat, wer all die zahlreichen Projekte -kennt, die er verwirklicht hat, all die zahlreichen noch, für deren Verwirklichung die Zeit noch nicht reif war, erschrickt förntlich vor der Rastlosigkeit, Elastizität tmd ungewöhnlichen Dynamik dieses Mannes, den ,ein Projekt eigentlich nnr reizt, solange seine Verwirklichung Lausend Schwierigkeiten zu überwinden hat tmd der kl« selben Augenblick, da es gesichert ist, bereits an ein neues denkt. Es ist leicht zu verstehen, wie segensreich ein ״Verleger" dieser Art gerade für die tteuhebrätsche Literatur werden mußte, der bei der Fülle der Talente nichts mehr fehlte, als der starke Organisator, der ihr die äußere gesunde Basis schaffen, konnte und die in Ben Awigdor einen solchen Organisator von geradezu Vorbildlicher Art gefunden hat. Seine Verdienste um die Entwicklung der nenhebräischen Literatur kann mein« darum gar nicht hoch genug anschlagen. Sie smd vor allem einzig in ihrer Art u. unersetzlich. Er ist nicht nur ein bedeutender hebräischer Schriststeller, deren es so manche, nicht nur ein warmherziger Förderer der hebräischen Literatur, wie es deren viele gibt, sondern er ist bis heute tu vielen Hinsichten so etwas wie die zentrale organisierende Persönlichkeit derselben geblieben. Sem 25jähriges Jubiläum als Verleger und Schriftsteller fällt i'n eine Zeit, da unter den furchtbaren Wirkungen dieses Krieges auch die hebräische Literatur in ihrer Entwicklng jäh gehemmt und unterbrachen wurde; und es ist Wohl liche Feier bis zum Herbst zu verschieben. Das gesamte Warschauer Judentum nimmt M stiitent Jubilämn lebhaften Anteil und mit ihm darf die gesamte Jndenheit a׳N diesem Tage nicht achtlos vorbeiHehen; denn der JnbiläumMg Ben Awigdors ist ein. Jnbiläumstatz der neuhebräischett Literatur; tmd Nichts spricht wohl beredter von den Verdiensten und der Bedeutung Ben Awigdors, als diese Tatsache die feinet« Person» lichen Jubiläumstag zu eineut solchen des gesautten jüdischen Volkes erhebt. Hugo Salus: ״Sommerabend". Es int sowohl, 1N den jetzigen Tagen furchtbaren Weltgeschehens eine Ablenkung zu finden. Und nichts vermag uns aus dent eisernklingenden Lärm der jetzigen Tage so sanst hiuüberzuretten wie ein gutes Buch, das abseits vom Kriegsgeschehen seiw friodenstillen Wege geht, Diesen Vorzug besitzt in besonderen Maße das -im Verlage Fr. W!'i׳lh. Grunod in Leipzig jüngst erschienene Buch: ״Sommerabend" v. Hugo Salus, Alles was uns dieser feinsinnige Prager Poet bismm beschert hat —- ob Lyrik oder Prosa — ist so wundersam, dnrchtöNt vöni seiner interessanten Persönlichen Note, daß man vermeint, iin seinen Werken ihn selbst zu erkennen, und so mit jedem neuen Buche den Dichter mehr liebgewinnt. Dieses jünigste Werk, das alle hervorrageuden Merkmale dieses Dichters vereinigt, ist tms nmtsowertvoller, als Hugo Salus dieser Tage das halbe Jahrhtmdert seines Lebens vollendet. In der sti'immungs'vollett Titelnovellje! erzählt ein! nüchtevner alter Junggeselle sein einziges Lwbeserleben, das beint Lesen eines Gedichtes ״Sommerabend",!erwacht.. Es ist eiin. leises Zueinaitdertasten^ der Gefühle zweier Menschen, die durch den stillen Somimierabend dahinwandeln. Ein׳ sontnterliches Abendlied, das int leisen wehmutsvollen Herbstakkorden verklingt... Ein ähnliches Thema liegt auch der Erzählung ״Frühling-Herbst" zugrunde, die int Meran zur Zeit der Reife spielt. Auch hier wird das Problem des alternden Man-nes in seiner Beziehung zur Liebe erörtert. Er steht bereits int Herbst des Lebens, sie ist frühlingsjung. Beide schreiten durch die verschwenderische Pracht des Meraner Herbstes dahin, dessen Beschrei>btmg einen wie ein Prächtiges farbenfreudiges Pastelbild amnutet. Und er, der selbst int Hevbst des Lebens steht, fühlt sich von. einem Taumel erfaßt und spricht zu seiner viel jüngeren Begleiterin: ״Ja dev Herbst ist schön! Die Zei,t der Reife, die Zeit der Frucht, des Gebens und Verschwendens ist die ׳beglückte Zeit des Lebens. Mir ist es, als ob auch der Wein meines Blutes zu gären bcigonneu hätte, es fühlt sich eins mit all den Säften, die da ringsuin« in׳ den Fvüchten ihre Süße erleben. Ich bin die Reise, ich bkt ein! Stück der beglückenden Natur, ich bin der Herbst!" Seine maienjunge Begleiterin findet den Hevbst auch schön, aber ׳der Frühling dünkt ihr tansendmab schöner. Und sie schwännt mit glänzenden Augen vom Frühling. ״Sie schwärmt von׳!den Kirschbäumen, den Apelbäumen und Edelkastanien in rosigvvißer Mütenpracht, von dem Duft, der über der Landschaft liegt und dent Kennen und Sprießen der Saat, von all den leuchtenden Vor- Heilungen der Frühltnigs jubelnden Natur." Ihr flammendes Loblied greift ukt heißen Hältden in sein Empfinden, ittüb gibt ihm das Verstehen, daß der Lenz wahrlich viel schöner als der Herbst... und daß nach dem Herbst der Winter kommt. Diese stimmnngsreiche Schilderung ist vom heißen Atem der 9katur so stark durchglüht, den Wieg wies, eine moderne, im Leben wurzelnauch persönlich für Ben Awigdor das Schmerzdaß die tiefen Wechselbeziehungen zwischen de, natürliche Literatur zu werden. Sucht man vollste an sememu Jtchiläumstage, daß er ihn Mensch un>d Natur wunde,rsam aufklingen.