Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVII (1916)
- Issue
- Heft 13 (23.8.1916)
- Date
- 1916-08-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Zabra. XVII. Nummer 13. JUifike 1-- »ezusßpreise: Für Oesterreich-Ungarn, halbjährig . Kronen 6*20 ganzjährig. Deutschland, ganzjährig . «! . . . Kronen 12 . Mark 12- Rußland, ganzjährig ...... Balkan, Frankreich . Rubel 16 — —׳4 «Frank . Redaktion und Administration: Brünn, Adlergasse 9. Buchhändlerische Vertretung: Otto Klemm, Leipzig. Inserate: die Sspaltige Petitzeile 80 h. Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht hono« rtert. — Manuskripten ist Rückporto beizufügen. Wie«—Budapest. Brün« 2s. *atu» 19 «ran«, 24 5676 1916 Prag—Lemberg. AAAAAAAA@AAAAAAAA KnegMeilijerü Soeben erschienen: Hickls Religion und Zionismus. M-Kcklliler 15. Jahrg. Preis K 2 50. Aus dem Inhalte. Kriege. Benedikt Clothilde: Die jüd. Frau im Fenchtwang D. Judenschicksal. Dr. Max Grunwald: Die Hilfskommission 1915 für Palästina. Frankfurter Dr. A. Die k. u. k. isr. Militär seelsorge in Wien. Grünwald Malwine: Elegie Gedicht. Günzig Dr. I.: Kalendarium Kohn David: Krieg-Kultur-Sabbah. Kurrein, Dr.Ad. Prof. Rabbi Johuda hachassid. Knhmerker Circilie: Waisen. Müller Anitta Wien. Mein Beistand für die Flüchtlinge. Porges Friedr. Sinkende Sanne. Scherlag Marek: Flüchtlinge. Schreiber, Dr. Heinr. Die Wiener Kultusgemeinde u. -die Fürsorge für die Fliichtlinge. -Stand Adolf: David Wplffsohn. Eag Bernard: Das Judentum! u. der Weltkrieg Illustrationen. skr die aus dem Felde der Ehre Gefallenen usw. Jüdischer Buch- und Kunstverlag Brünn, Adlergasse Nr. 9. Unter diesem Titel hat Herr Hermann Cohen eiwe kleine Broschüre veröffentlicht, i!n welcher er von: Standpunkte eines ״Liberalen Indien" im Ziouisjmus mm Gefahr für die jüdische Neligiou erblickt und daher zu seiner Ablehnüling getan,gt. Was uns dieser sonst anerkannte Gelehrte hier erzählt, ist das Geii-sbesprvdukt ver- A1!!Mn>or zwei! Jahrzch!nte. Lauter alte Geschichten. Man lese irgend oinie zionistische Schrift von vor 15 Jahren zurück und man sieht wie alle Behauptungen Cohens in ein Nichts sich .verflüchtigen. ״Liberales Judentum, Deutscher Nation — mos. Glaubens, Miss. Israels etc.", lauter bekannte Dings. Vor mir liegt das 9 seitige Heftleiiu Cohens, lvslches Min dem Zionismus den Todesstoß versehen soll aber es ringt nur ein iiMeidiges Lächeln ab, wenn ich sehe, wie Hermann Cohen in diesen 20 Jahren nichts gelernt and -nichts vergessen hak. - »Für geistige! Fragen ist und bleibt das beste Kanchfmittel die positive Darlegung des gchiankli!chen Gegensatzes" ruft uns Herr Cohen einleitend zu. Wjas er 1ms aber inseiner Broschüre bietet, ist alles nur keine Gsdankendarlegting. Wer Gedanken darleigen will, muß denken uuld das bis zu Ende und nicht iauf halben Wege stehen bleiben. Radikales Zuendedenken, Unerschrockenheit vor dev Wahrheit, mutiges in die Wirklichkeit Schauen sind es, was ich in dieser Broschüre -vemn>isse. Herr Cohen unterscheidet zwischen Nation und, Nationalität. ״Nicht Nationen vereinigt der Staat sondern Nationalitäten. Der Staat erst stiftet und gründet die eine Nation-, mit welcher er sich gleichsetzt" folglich fühlt sich Herr Cohen als ״Deutschem Nation". Gewiß hat Cohen -vor allen! Deutschland in! Auge aber für geistige Darlegrmgen ,eines Prinzips, muß man sich schon den Luxus gestatten, einen Blick über die Grenze zu werfen. Und! nun sagen Sie mir zechrter Herr Cohen, welcher Nation sind denn l>ie schweizer Nationalitäten, die österreichischen, die mnerikanischen? Herr Cohen lauft wie eine Katze um den heitzen Brei hemm. Nein Herr Cohen! Die Scheidung zwischen Nation׳ und Nationalität, wie Sie sie vornehmen, ist uncichtig. Wir Inden sind, ״Jüdischer Nation oder Nationalität" . und in DeutWla,nd ״Deutsche Staatsangehörige" aber keiine ״Deutschen", gleich den Polen, Mnen, Franzosen (im Elsaß) lauter deutsche Staatsan gehörige aber keine Deutschen. Und gar m Oesterreich! Was müßten da nicht die lieben Juden alles sein? Deutsche oder Tschechen? Polen ödem Nuthenen? Magyaren oder Slowaken; Sevb-okroaten oder Kutzowalachen? Nein! Wr sind überall ״Jüdischer Nation oster- -veichischsr Staatsangehörigkeit". Nur die iinnece Haltlosigkeit «eines Assimilanten und einvon Assimilationsfiberu geschütteltes Htm, könnte solches Zeug erfinden. Wenn Sie Herr Evhen deutschem Nation, sein wollen, so machen Sie sich das gefälligst mit Äen Deutschen aus. Da werden Sie schon die richtige Antwort bekommen. Sie haben aber nicht das Recht, eins solch wahnsmnige Behauptung über -alle Juden zu erstrecken. Ich schätze und achte die deutsche Nation über ich bin kein Deutscher sondern ein IM. Mit den Deutschen haben ׳die JMn nur die Staa-tszugehörigkeit gemein. Eiinie rem äußerliche Erschei- Nlln/A Sonst nichts. In Oesterreich teilt die jüdische Nation ihre Staatszugehörigkeit mit einem Dutzend anderer Völker. Was soll sich denn Per ganz vorurteilssvoie Arier denken, wenn er sicht, wie.ein Gelehrter mit allen markanten Merkmalen einem völkischen Eigenart, durch kopfzerbrecherische Sophismen eine fremde Nation für sich roklannDrt? Muß da.nicht der Arier bei in besten Willen (auch ohne den Chamberlain zu kennen) schließlich an die Minderwertigkeit dos Judenvolkes glauben? Für jeden denkenden Nichtjuden ist der Jude ״jüdischer Station". Es ,gibt keinen einzigen christlichen Gelehrten, der eine andere Ansicht vertreten würde. Für jeden Arier ist die Nüchtzugehörigkeit der Juden zu seiner Nation das kleine Einmaleins. Und nun tonimert Juden und schreien laut Wer alle Dächer: Es gibt keine jüdische Nation. Wir sind Deutsche, Polen, Frainzosen etc. das lassen wir uns weder von׳ Zionisten noch von anderen Antisemiten bestreiten". O! Mit welcher Knrzsichtigkeit sind sie doch geschlagen. Oder sie verschließen gewaltsam die Augen und wollen nicht sehen, wie gerne sich die anderen Nationen für die jüdische Kalnevadschast bedaniken. U-nd nun gelange ich zur zweiten Behauptung Cohens ,gcwissevlnaßen zürn Steckenpferd aller Asfinr-ilanten. Das Judentum ist eine Roli.gionsge1>n!eiu-schaft. In Deutschland gibt -es Merrschen ״Deutscher Nation-rnosailschev Confession", in der Schweiz Italiener «und Franzosen mosaischer Confession, in Oesterreich gibt es,gar mosaische Polen, Tschechen, Magyaren, Ruthenen, Huzulen, Muschi-ks, Serbokroaten, Kutzowailachen usw. Wahrlich ein Prachtvolles Bild! Dieser Behauptung entgegen wiederspricht meinem Empfinden. Eine Polemische Auseinandersetzung müßte ja den Anschein erwecken, als würde sich solch wahnsinniges Zeug einen! assimilatorisch getrübten Hirn ent- Pressen, ülbevlMnpt kritisch behandeln lassen. Ich will daher mit Herrn׳ Cohen von seinen!! Stand- Punkte sprechen. Herr Cohen ist mosaischen Glanbens und zugleich liberaler IM, der auf Zere-!nouien und Ritualien nicht hält. Herr Cohen! Sie sprechen von Gedankendarliegnngen! Wo sind hier ihre Gedanken? Sie spielen die Religion, gegen den Zionismus aus. Sie kämpfen für diese Religion» und halten nichts vonihr? Möchten Sie wir nicht gefälligst ganz konkret aber genau! — keine in den blauen Wolken des Menschentums sich verlierende Redensarten — sagen, wodurch sich Ihre Zugehörigkeit zur jüdischen Religion dokumentiert? Herr Cohen, Ihre Religion ist — um mit Laisalle zu sprechen — ein Messer das weder Stiel noch Klinge hat. Worin besteht Ihre jüdische Religion? Nur eine Antwort gibt es: ״Darin, daß Sie,nicht getauft sind". Etwas Wirkliches, Handgreifliches können Sie unmöglich nennen. Ich mujßi Ihnen schon die harte Wahrheit heraussagen. Das ״Deutschtum! jüdischen Glaubens" ist eine schinvrzliche Lüge nach Innen und! eine durchsichtige nach Außen. Jüdischen Glaubens sind die konservativen Juden. Welche Anschauung richtiger ist, die liberale oder die orthodoxe, ist hiev gleichgiltig. Nur die Koav servativen können sich mit Recht ״jüdischen Glaubens" nennen. Die Liberalen sind nicht ,getauft oder noch nicht getauft aber nicht mehr. Es geht wirklich nicht am mit Feuer und Flau!- men, in Wort und Schrift eine Religion zu ver- Leidigen — in Parauthese vor keinem Angreifer —, sei als Vorwand für politische Kriecherei zu benützen und von ihr nichts zu halten. Da!J ist eines anständigen Meuschen -unwürdig. Oder