Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1916-07-27 · Heft 12 (27.7.1916) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVII (1916)
Issue
Heft 12 (27.7.1916)
Date
1916-07-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
84% known words query
IRI
…/2621806-2621974-2621986--3458-2624653
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Cr״ *י «r 12 90nVnP VVnVyRMRt Seite 3. Kriegswaisen errichtet und dasselbe miit 15. ^uiii NUN im Hause ״Laxenberg" auch bereits eröffiiet. Äni 1«>, d- M. trafen mm die ersten 10 Knadein im Alter von! 0—-IN Jahren ein, deren Väter für Kaiser uniib Reich ge kam pst mb auf dam frjltfc! der Ehre ihr Leben gelassen haben. (Es w׳,r horzergoZifend, als die armen kleinen Staatsbürger im Erholuligsheim Ausstellung nahmen n>ndl!er Herr Protektor die kleinen Zogfinge hgsichtipte, UHrraitf der Obmann׳ des Komiwes, Hebt Fritz Bnrbanm, Bankier in Marienbad, nmgeben non׳ seinen m-itarbeitenden Herren nnd Paar den Herren: 3. Hirsch. I. ttterichler, B. Sp ringer, ' I. Fischer, 3r. Ehrwurden Herrn Rabbiner Dr. Diamant, Sr. Ehrwürden Herrn Bezirksrabbiner Kotz und den Herren Brüder Tiirtl, den Herrn Protektor begrüßte und folgende Ansprache an ihn hielt: Hochgeschätzter Herr Protektor! Es gewicht um*;41 •ciflicu* beso,nÄe>r:cn Ehre, das; Sie^verehrter Herr Regierirngsrat, das Protektorat für! unser.- wenn auch bescheidenes, aber sicher hmnanes 1l>4>tern>ebmen übernonrmen Habelt. Wir haben es uns zur Ausgabe gemacht, während des gangen Sommers eine Anzahl von armen Wai senkindern in dä'fes neu cMründete^ Erholungsheim ciufzuuehmen und für deren leibliches als auch geistiges Wohl ansgiebig und nach jeder Richtung f)in;11 seglgen, um id'ilesen Ki'ndern׳, die ichr bestes durch den wütenden Krieg verloren und meist der Hei mal ber!au«bt. wemr auch nur vorüber gehend, ei׳n Helm zu schaffen, wo diese Kleinen nichts entbehren sollen. Unser Komitee wird bestrebt sein, dieses Erholnngsheiiin so gnt als möglich;n führen, arm den kleinen verwaisten Kindern einigerm׳aßen Ersah für di!e Fürsorge durch ihre mviiuÄ'iit• Väter zu bieten. lZn den Herren des Komitees Mvendjet:) Und Sie, meine werten Herren Kollegen, bitte ich, sowie in unserer FlüchiI1agsüns׳orge auch fernerhin unentwegt mit mir eines Sinnes .Pi bleiben, um das uns gesteckte Zipl. ei-.n. Erholungsheim für israelitische K r!«eg.s)vai!sen tatsächlich zum Wähle diesen arnien .minder,;nr Freude unseres .Komitees und zur Ehre unsener gesamten Knltnsge'.nrinde durchzuführen. Un.se r lie'ber Herr Rabbiner Dr.. Dia- N'jant, unterstützt von! seinem ehitrürdigen Kol-!lagen Katz, hat es übennommen, für die geistige Nahrung unserer kloiinen Schutzbefohlenen zu sorgen und die übrigen Herren in Verbindung der hier nicht e!rschienenen Mitglieder n׳n!se׳res Komitees U'iorden!nichts anher Acht lassen, um in lva.hrUch väterlicher Fürsorge den armen .goi'iggslvchsen ein׳ Erhosnngshoim im lvahrsten Sineie des Wjortes z-n führen. lZn den Kindern .gewendet:) llud ihr, meine lieben .Kleinen, Ihr scheint NlNs so fremd an und glaubt wohl, wirklich s׳eii׳de 11 Menschen gegenüber zu stehen. Doch nein! Ihr seibt nicht bei Fremden, Ihr sollt bei uns und '±1 diesem Heim alles erhalten, was zu eurer Gos.i'nidheit, zur e.1e,er Verpflegung, z.u!eurer Entv׳ickl!׳i1׳g nötig ist, vertrant ans Gott und befolgt die Anordnungen und Ihr sollt sehen, Uw alle, lviie lvi!r liier versa:nimelt sind, wollen euch lose ante Väter oder lvenigstens wie gute Freunde beschützen. Wie Ihr seht, hat sich eine große. Aii'ejhl Herren 41׳ eurer Begrilß'i.ng hier ein gefunden. Herr Protektor! Ich übergebe Ihnen somit das ׳nein errichtete Erholungsheini nnd stelle mich als der Obmann, des Komitees gang in Ihre Dienste und werde stets mit wah- 410a* Freude Ihre lreisen Ratschläge u.n!d Anord-!rjillngen befolgen. Hierauf dankte der Herr k. k. Regicrungswt Pros. Dr. Kisch dem Obmann für seine Herzlichen Worte und fuhr fort: Da Sie lieber Herr Barbe,um schon! so vieles Humane dnrchgefübrt, bin ich gewiß, das; auch dieses den Bedürfnissen noch entsprechende Erholungshrm unter freund!- schaftlichein Zn!sa׳1!׳i1nennrbeiten mit den anwesenden Herren aodeihen lvi-rd. Hiera ns hielten Herr Rabbiner Dr. Diamant eine fesselnde AnwMilche an die Kinde,׳; n!»d Herr Zeezirksrabbiner Katz richtete ebenfalls herzliche Worte an die Waisen. Die erste Grundlage zur Errichtung des obbezoichneten Erholungsheimes wurde uns durch die ׳namhafte Spende das Herrn Liga Türkl aus Lomber״!. derzeit itn Wien, im Betrage von 2000 K r. geboten, und es sei ihm für diese wohltätige Sin'iide «ans di/eseni Wege der rnin-igste Dank gesagt. Aufruf! Ui!׳erwartet wurden ans bechördliche Verfügnng 880 .Kriegsflüchtige aus den verschiedenen Barackenlagjern hierorts!!!lrteiM'brächt. Die verzioe!ifl!n1Mvolle Notlage der zahlreichen leidenden Frauen unjd Elternlosen Kinder wacht hier rasch wirksame Hilfe notwendig. Der grauenhafte MasN'gel an Kloiiduing and die! namenlose Ar- »!.nt dieser unverschuldet elend gewordenen Kriegsopfer erheischt schleim,igste Lindorung. Wir richten daher ׳an. alle hochgesinin.ten Dannen die woltätigen Herzens sind die dringende Bitte um einen Bei,trag! am Geld und alter Kleidinigsstücke zu unserem Hilssworke. Strasrnitz, mn 18. Juli 1016 Die Vereinspräsidentin: Rosa Frcifeld, N׳a!bbi>nersg,attin Kassie reriür - Schriftführerin Berta Wchs; Frieda Siebensckpiu VwwwvwWlfWwwWv Zur Judenfrage in Rußland. Petersburg, 20. Mai. Die rrlssischen Zeitnngen der letzten Jahre glossieren die zwischen ״Nowo je Wromja" n,nd ״Seimschtschina" in der An - golegenheil Suchoml-mow entstanden^ Polemik. Ein Mvisser Efremow erinnert in ״Seinls'chtschina" darair, daß der bekannte Pnbl׳izi!st Mcnschi- -kow anläßlich der vor sieben Jahren erfolgten Ernenunng Suchomlinows zu.m Kriegsminister in! ״Nolvose WreinW״ schrieb, man werde die Tätigkeit Suchomlinows scharf konkrallieren müssen, da er von׳ Inden mngeiben sei, die grasten Einfluß auf ihn׳ ׳ansübten und ihn geradezu gefangen hielten. Est'einow fragt in dem Artikel, weshalb Menschikow nicht mehr Mut anfbringe, gegen die Inden an fzntreten. Menschikow erwiderte i>n! ״Nowose Wrem ja", er wolle setzt aus dreierlei Grü-nden über die Juden nicht schreiben. Erstens habe er alljejs, was er über die Juden Z» sagen hätte, benei-ts gesagt, zweitens sei zu Ansang des .Krieges aus den höchsten Kreisen die Weisung gokomflnen, natianah׳, Zwistigkeiten und Parteistvciitigkeiten für die Tia,u!er des Krieges zu unterlassen, drittens sei es Rußlands unwürdig, mit kleineren Nationalitäten, wie den Juden und Litauern, Kämpfe auszufechten, während dig Söhne dieser Nationalitäten für Rußland bluten. Er habe allerdings vor sieben Jahren geschrieben, daß die Inden verderblichen Einftnst ans Snchomlinow ausübten. Dies habe aber ,uicht den Tatsachen entsprochen. Er habe gewußt, daß in der Unigebnng Suchomlinows sich Deutsche und Oesterreicher befänden, die infolge ihrer Mit- Wirkung bei seiiuer Skandalheivat und iheir Mit beteiligung an verschiedenen Liefern,!:«gen in Kielv ihn in ihreni Baiun hielten. Der damalige Miiiristerpräsident S^tolypin, ddm dieser Artikel im Abzug vorgelegt worden sei, habe jedoch n!icht gestattet, daß gegen Deutsche Veidächtigungcn ansgesprochen würden. 11 m aber die Veröffcntlichnng se-ines die Oeffentlichkeit waviwnden Arti k׳e,ls zu eirmöglichen, habe Menschikow, wie er sich ausdrückte, zur ״jüdischen Sauce" gegriffen und ans Deutschen Inden gem-acht׳, so habe sein Arti-kel erscheinen dürfen. Das verschwindende Ghetto von Amsterdam. Aus Amsterdam wird geschrieben: Im städtischeu Mnsenm in Amsterdam wurde in diesen Tagen eine eigenartige Ausstollumg eröffnet. ״Das verschwindende Ghetto" nennt sie sich, und der Umstand, dast ein Teil des Amsterdanier Jndenviertols, die Ui'lenburg, uiedergerissen wird ist der äußere Anlaß zu ihpar Veranstaltung. Diese A׳usstellnn,g bietet ein uingemein interessantes Bild dar Enüvicklnng des Amsterdamer Jndent.nms. Lange hat ׳der Kampf gedainert, bis der Entschluß, das Jndenviertel uiederzrUegen, sich dnrchnisetzen vermochte. Groß tvar die, Gegnerschaft derer, die cs Vandalismus nannten, oi'Nen der ältesten und besonders lbcMrkteristischeu Stadtteile von Amstjerdam einfach verschlvinden zu lassen. Das Ziel der Anssteltung, ein möglichst vollständiges Vi.ld des Amsterdamer Judentums zll geben, ist Dank dev eifrigen Mitarbeit ans den holländischen imd portugiesischen Kreisen der jüdischen Bevölkerung und W verschiedenen kirchlichen und wissenschaftlichen Einrichtungen durchaus gelmMn. In neun Abteilungen mit 10-18 Nuni'Mprn ist hier ein Stück jüdifcheir Knltnrgefchichte! ziisammengehänft, wie man es im solcher Anischaulichkeit und Neichhaltiigkeit kaum j!c> beisammen gesehen hat. Einzigartige Kostbarfeiten sind da ausgestellt, wie ׳cline prachtvolle Handschrift ans dem dreizehnten Jahrhnn!dert mit Gebeten für die jüdischen Festtage. Welchen Mfrt man dieser Handschrift beiniistt, geht daraus lMwr, daß sie für die kurze Dauer diestr Ausstellung mit der Snmnie von 90.000 Gulden versichert wurde. Auch die bis i.n die kleinsten Einzelhciiten gehende 9tachbi!lÄ1mg eines typischen Ghettozinnners niit all den Gegenständen für die rituellen Gebräuche ift vom besonderen Interesse, ebenso wie dig reichhaltige Bildorsamnllnng mit!eli,n>em bisher nnbeka,unten Porträt von Spinozallrtib so sind es hundert Di!nge, die das Auge st Mn!, und man! kan.n beirn Durchwander n der Ausstellimlg fast bedauern«, daß es sich hier um eine nnr vorübergehende Veranstaltung handelt. Ans Rußland. Die Leiterin«nen der jü!dis׳chen Kinderkrippen in Südrnßland hielten eine Berat 1 mg ab. Die. Berichte gewähren eiinen Einblick in die,großen Leistungen der jüdischen Kindergärtnerinmen in dieser schrecklichen Zeit. Sie schufen eiiue für die jüdische Erziehung ganz neue Institution, im der Taufende von! Kindern jüdischer Flüchtlinge nnd Nefervisten Pflege nnd Erziehimg finden- Die Kinderkrippen versorgen Kinder iim Alter von 8 Jahren an! aufwärts. Die Kindergärtnerin'nen — Absolventinnen der höheren Fröbelschulen — spielen mit ihnen, speisen sie, pflegen sie, wenn sie krank sin«d, nnd bereiten die älteren ׳uuter ihnen zu׳m> Eintritt in die Schnle vor. Es wurde beschlossen, dajß die Lehreri.n!nen nicht n!ur mit den Kindern, sondern anch unterei«!!ander jiddisch sprechen sollen. Ein anssührlicher Vortrag lggte dar, welche Bedeutuug die hebräische Literatur nnd ihr unerschöpflicher Saigen- und Märchenschatz für die Erzi«ehuug der Zöglinge habe. Im A!n׳.schl-uß daran wurde^ folgende Resolution׳ gefaßt: ״Um die, jüdischen Legenden und die Werte der jüdischen Kultur im Original kennen zu lernen, findet es die Berntnug wünschenswert, daß die Lehrerinnen die helbrätsche Sprache erl«c!yn>en. nes zu überweifen und werden die Spenden promptest,ihrer Bestimmung zuführen. rSSVSSSiSKSKS»»«!»» Hilferuf. In der Gome-inde Ws et in sind tu der letzten Woche über 800 galiz. Flüchtlinge eingvtrossen die all ihr Hab und Gut im Stiche lassen mußten, um vor «dem grlauisamen Feinde lven,i!gstens das nackte Leben zu retten. Ter israelitische Kultusverein in Wseli«n hat sich der Aerinsten äugenommen, um ihnen «nach besten Kräften wen׳igstens über di!e ersten Tage der ängsten Not hi'ii'inegznhelfen, doch sind dte zur ׳Nerfügimg stehenden Mittel n,nr beschränkt. Der .Kultusverein richtet daher au alle edlen Menschenfreunde die dringende B׳i«tte, zur Linderung dieser 9stst durch Spenden beitragen zu wollen. Auch die kleinsten Spenden worden ggru, «angenommen. Sendungen i«u barelin, Gelbe sowie in alten Kleidern׳, Schuhen u!nd Wäsche wollen an Herrn Map Reif;, Schriftführer des israelitischen Kultnsvereins in Wsetin, gerichtet werden. Einzug in Polen. Rach >1)0411 Einzüge ila Rnssisch-Polen haben die Oberkommaindanten der österr.-nngarifchen Und ׳deutschen Armeen in dkamen ihrer Megierivngen den Bewohnern des besetzen Gebietes Be- ,freiung von allen absolutistifchen Ausnahmsgesetzen, bürgerliche Freiheit 1u!d Freiheit des ־0)11׳ ttonalen und kulturellen Lebens zugesagt. Durch Erlässe ivnrbte anch die Gleichheit aller Staatsbürger vor dem Gesetz verkündet und HWurch von den Inden die drückende Schmach,der vnssifchen AiNÄnehn 1 sgesetze genommen. Die österreichische VeUvaltung geht nunmiehr auch daran!, das kulturelle Leben in demOkku-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.