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Jüdische Volksstimme · 1916-07-06 · Heft 11 (6.7.1916) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVII (1916)
Issue
Heft 11 (6.7.1916)
Date
1916-07-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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״׳ ■;דיל W’v s- M II *Ufo M ft An die Abtrünnigen. Zur Geschichte der Juden von Verdun. J,n Verdun wohnen Juden so ick klm 12. Hahrhundert. Sie kamen von Spanien iiber Südfrank-- wich und lehrten die Bewohner -der Maasufer bien Wetinibau- Mer kwürdi!gerwe!i se brachte auch gleich bi!e erste Zeii-t, in der Juden sich dort ajm sässig machtet!, jüdische. Gelehrte von solcher Bedeutung hervor, wie sie Vevdrm späterhin niemals!!!-ehr sah. Es war die Schale der sogeina-nnten Tosaphisten, der diese Gelehrten angehörten. Wie diese Schule i.n das Leiben der Juden einigegriffen hat, so ist sie auch, wenigstens niach ׳ihrer praktischen Seite, aus dem unmittelbaren Leben heworgeganjgen. Der hervorragendste Viertretor der To saphisten schule wa,r allerdings Raschis Tochtersohn Rabbenu Tarnaus Rawenu, aber mich die Verduner To saphisten hatten nicht nrindem Bedeutung, so sind von ihnen zu nennen: Samuel ben Chajin! (Tosef. Job. 66a, 66b; Loses M. K. 23a; Tosef. B- K. 77a 89a; Samuel ben noch leine herrliche Staudpron!e!nade und mehrere größere! Hotels besitzende! Stadt in deren Nähe sich schöne Billen, darunter jene rotauMstrichone Otto Erich .Hartlebens, bekannt durch die halkyoirischen Feiste, die dar Dichter daselbst feierte, he!- finden, trägt ausgesprochen ickalieuisches Gepräge und ist fast narr von. italienischer Sprache erfüllt. Eine Spezialität -in den verschiedenen Trattorien und Osterien daselbst sind die vorzüglichen und billigen Weine, die zu vorkosten,!!!an nicht 1mterlassen niöjge. Mus diesem Naturprodukte, das zu inuner höheren Preisen nach Oesterreich und Deiltschland ausgeführt wurde, flössen dem Lande reiche Einnahmen zu, die! den Ausfall der Citronenernten in den letzten Jahren wettmachen konnten. Verläßt nran Solo mit dem! Dampfer in, südlicher Richtn!ng, grüßt schinunevnd wie ein Traumbild die langgestreckte Jsola di Garda, ei n׳ Jiwel des Gardasees, auf der sich das in venetiauischer Gothik erbaute glanzvolle Marmorschloß des Fürsten Borghese, weit i!n dev Runde sichtbar׳, erhobt. Ursprünglich ein- Schloß, das dann von, Franz van Assisi zu einein Kloster umpjewaivdelt wurde, ging es zu Beginn des 19. JahrhmiLorts in den Besitz des Grasen Lech! über, von wolchenr es im Jahrs 1875 der Herzog Ferrari angekauft hatte, ehe es in -den gegenwärtigen Besitz gelangte. Das Danrpfschiiff landet leider nicht cm dieser Stelle; es empfiehlt sich daher eine Segelfahrt von Salo hie-her, da der Besuch des sehenswerten historischen Schlosses,, wo auch Dante gewellt, haben soll, gestattet war. Weiterveisend ergötzt noch z-ukin letztenmale -der Anblick des zurückgelas- Joseph, der jüngere; Tosiofi Mddvh 28a Md Jakob ben Joseph, ein Bruder des Vorgenannten. Aus den städtischen Archiven von Verdun und Motz erfahren wir. daß im Jahve 1433 der Dom- Herr Wilh. Chaney ein porgäiliches Gesuch an den Rat in Basel richtete, zur Hebung -der zerrütteten Finanzen, die vorher vertriebenen Juden wieder .Um Verdun zu lassen. Bis zu Frankreichs An-nexion im Jahre 1659 waren in -den drei, Bistümern Toul, M!ch und Verdun alle Wohnrechte in diesen Städten ebenso wie jeder vorübergehende Aufeythalt der Juden verboten- Schutzbriefe׳ von HoinrichlV., den Ludwig XIII., XIV., und XV., gestatteten späterhin den Metzer Juden vorübergehendes Verweilen in Verdun. Wenn noch im Jahre 1774 eiln Jude es wagte, länger als drei Togo in iber Stadt Verdun zu weilen, ward er von De Vatraoville, dem Vertreter des Jnckendanken, (früher Titql des Präfekten) Marquis von Gvail, -wusgetrieben. Im Jahre 1748 richtete die jüdische Gemeinde von -Metz ein׳ Gesuch an den Intendanten, dlaß ihren Mitgliedern der Besuch Verduns verstattot werden möge, die! Bitte wurde indessen verweigert, insvlge der heftigen Gegn>orschast der Verdckmer Kaufte u!te, Goldschn!,iede, Schneider und Althändler, namentlich aber der Zunftmeister, die in ihrer Feindschaft gegen die Juden von sonst seltener EiÜimütiakeick waren. In den Jahren 1762 und 1766 siedelte sich eine Anzahl Juden in ׳dem Umkreis von Verdun an!, sie sind indessen durch den Intendanten wiederum auf dringende Forderung der Zünfte oertrieben worden. Von dieser Zeit bis zur großen Umwälzung von 1789 sind irgendwelche Spuren von Juden in, Verdun nicht zu finden- Der ewig wandern,de! Jude, er ist vor Jahrhunderten von unserer Westfront an ׳unsere gegenwärtige Front ׳in! Osten geworfen worden und das, was die To saphisten von Verdun! gedacht, geforscht und geschrieben, es wird seit der Ansiedlung ver Juden in Polen, in Warschau, Wilna!, Kowno, Lemberg und Krakau gedruckt, gelernt und erklärt und heiße Köpfe gibt es oft in den Talmudschulen von Grodinv und Pinsk, wenn solch ein Verduner Tosaphist von den Lernbeflissenen nicht richtig ausgefaßt wird. Nichts zeigt die Tragik der zerstreuten Judenheit greller wie de!r sich hier unwillkürlich aufwerfende Gedanke: Hätte Frankreich seine Juden ip/ sei,neu Nordprovinzen belassen, sie wären dann von dem gleichen Schicksal Hein!gesucht worden,!das sie!nun im Osten geitroffen, ihre Städte und Dörfer, ihre Synagogen u. Lehrhäuser wären ׳auch dort den Schrecken des Krieges zum Opfer ge׳fallen. Aber die im Jahre 1792 neubeigründete. jüdische Gemeinde von Verdun׳ zählit heute kniapp ׳etwas mehr denn 60 Familien. seinen Panoramas, das Enlde der Schiffahrt Tpstnzano ist erreicht und wir treten, die beiden lombardisch venetianischen Hanptstädte Mailand und Venedig noch berührend, die Hei׳!n-reise an, all die herrlichen Eindrücke des Erlebten und Ge-! schauten nochmals im Geiste an 1ms vorüberziehen lassend. Aber neben dieser Freude beschleicht mich letzt hin Gefühl von Wehinnt, da ich lese: ״Artilleriekämpfe an! Gardasee"- So ist die Kriegsfurie auch dahin entfesselt und all die behaglichen Unterkuuftsstätten, die der glücksuchenden Welt einst errichtet wurden, sie dienen heute höchstwahrscheinlich als Lazarette. Wer hat in! Februar 1912, da ich vom Gardasee Abschied nahm, geahnt, daß wenige Jahre -darauf die lachende Anm>ut dieser Landschaft, mit -der so süjße Erinnerungen der Menschheit verknüpft bleiben, zum Schaichlatze eines wirklich blutigen Krieges, der uutznießen-de Freund sich Plötzlich zum tückischen Feinde, verwanidelu werde, der gierig nach Raub ausholt? Wohl lauge überlegte er sich's, bevor er den teuflischen Plan verwirklichte, schien er doch vor solch einer Niedertracht selbst zuxückzuschrecken. Dann aber begann! die mit Albions Geld bezahlte Verhetzung und D'Annunzio predigte die Erlösung. O, -sie» wird anders. kommen und da es noch eine/ Gerechtigkeit gibt, Wird Oesterreich, dank seiner ruhmWichen Armee und glänzenden Führer, seines Reiches südwestliche Grenzen dauernd zu sichern wissen. Das walte Gott! Anton Löw Wien. Van! Adolf Fveyhcm. Belgoiistevt für die Wahrheit und das Recht S-ijnd Eure Väter!ihren Weg gewandelt, Doch Ihr, ein ehrvergessenes Geschlecht, Habt treulos au dev Ahnen Stamm gehandelt. Der frommen Väter stolzes Heiligtum, Um!das manch' Jahrhundert lang gestritten Und, unbesiegbar, das Martyrium Des Feuertods Md Schmach -Md Hohn! erlitten- Das sie Euch an vertraut als höchstes Gut, Hecht Ihr, ein Volk gosmnungsloser Erben, Verraten und -verkauft mit kalten Blut, Um eitel Rang und Titel zu erwerben. Just wie ein! nichtig Ding, ein! schlecht' Gewa!nd Man! von sich wirft, so warft ihr sonder Zagen Den Glauben wog, -der uns mit Euch verband! Und durch,der Zeiten Stürme Ms,getragen. Euch lenkt die Scharn um eiig'nes Fleisch u. Blut, Ihr aber nennt's -das Machtgobot der Zeiten, Ihr rühmt Euch in,ick der Ueberzeugung Mut Und seid zu feig', für Euer Volk zu streiten. Und seid zu feig, mick Eurem Volk das Leid Gemeinschaftlich zu tragen und zu dulden, Das ihn! der Bruderhaß und Wsahn und Neid Von Alters her ber!e!itet oifyn’ Verschulden. Und was gewännet Ihr? Der Gegner spricht Verächtlich vom Äe»ml Spiel, ׳das Ihr getrieben; Er ׳achtet Euch und Euer Opfer nicht, Was Ihr ihn! -wart, das seid Ihr i!h!n geblieben. Auch seine Lehre bout ׳der Pflichten Last, Und mtm! Ihr Eurem -Glauben abgeschworen, So seid Ihr dort etiirt unMbet'iner Gast Und Euer GlEchensHeim habt Ihr verloren. Wo ist der Port, der Euer Schifflein schützt, Weng es i!n Kampf mit Sturniesnot u. Wellen? Wo ist der Anker, her es hält Md stützt, Droht es an felsiger Klippe zu zerschellen! Weh, über Euch, we!!,n!nick gewailt'gor Macht Des Schicksals Prüfung Euch entgogenschreiwt. Und wenn dos bangen Zweifels düstre Nacht Die Schwingen über Euro Seele breitet- Und doch, u!!!d ׳doch es reut Euch einst der Fehl; Dann! flüstert Eure Lippe im Vereine Mit Euren Brüdern: ״Höre Israel!, Gott nnsor Herr ist einzig!, ist der Eine!" Anteil der Juden an der Pulverfabrikation und am Artilleriewesen im Mittelalter. Wenn wir ׳allgemein׳ von!dev Erfindung des Pulvers sprechen und diese ״Erfindung" dem sagenhaften Freiburger Mönch Berthold Schwarz zuschreiben, so hat dies wissenschaftlich ka<u!n ei,ne Berechtigung. Es!,st -nachgewiesen, daß m manchen deutschen Städten, beispielsweise in! Angsbürg, län'gst vor Schwarz eine Geschühgießerei nebst Arsenal sich befand, Mischn!!- gen besäßen bereits in umlteir Zeit bi!et Chinesen; ferner die Sarazenen nnd Byzantiner, und es wird angenommen, daß im Mittelalter das Pulver von China über Byzanz zu uns nach Deutschtand gekomn!en Ulst. Gerade in gegenwärtiger Zeit dürfte die Tatsache interessieren, -daß bei׳ dieser Uobermicktelung unsere Glaubensgenossen eine nicht unwesentliche Rolle spielten. Behauptet doch sogar einchristlicher Chronist un! die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts, ׳der Indo TyPsiles halbe im Jahve 1363 in Zlngsburg^ wo bekanntlich bereits i׳n!1 frühen Mittelalter Juden ansässig Waren, das Pulver erfunden -und von dieser Stadt aus fyd&e die Erfindung des M!-a,nn׳ten Inden, ihre Verwendung zu militä-r. Zwecken und die Anfertigung von Geschützen, ihren Weg durch Deutschland Md das übvitge Europa gonomn!en. Zu dieser Notiz, die sich in ׳der -um die Mitte des 16- Jahrhunderts verfaßten ״Chronik der Stadt?lngsbuvg" des gelehrten Clemens Jäger findet, -bemerkt -dm bekannte Kulturgeschichtler Karl BvauM-Wiiesbaden in einem in den achtzi-

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