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Jüdische Volksstimme · 1916-07-06 · Heft 11 (6.7.1916) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVII (1916)
Issue
Heft 11 (6.7.1916)
Date
1916-07-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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MIC 2. «SttVWt Rr. 11. schon längst gewünschten und vom Vizepräsidenten des ״Jüdischen Nationalvereim" Dr. Solornon Kaßner, im, der ״Jüdischen Zeitung" Ege* regten ״Enquete" bewllht-jüdiskbsr Vertrete Mer Richtrmgen, aus Men Kronländern als Substrat zur Beratung der gsmemsamen Tätigfeit vorgelegt werden. Ich stimme vollkommen mit Dr- Kaßner daviin überein, dah diese Enquete raschest eWerrrfen Warden mutz, rmd daß eine Einigung der österysichischen Jrchen auf jüdischer, österreichischer sowie wirtschaftlicher Grundlage unerlätzlich ist. Wirklich volkstveue Jrlden müssen heute mehr als je i׳m gesamten Reichs sich zusammenscharen, eine starke Rsichsorigamisation bilden, die geigen koiine Nation, gegen keine Koinsession und keine Klasse gerichtet ist, vielmehr mit allen jenen zusammen arbeiten will, welche ein! ׳neues, großes sociales Kaisertum Oestevvsich erstreben, einen modernen Rechts-Kultur- und Wirtschaft!-- staat, ein Bimdoglied zwischen Orient und Okzi!- dent, das Zentrum eines mächtigen Staatenbundss von Berliin bis Bagdad. Wunderschön läßt sich's auf den Höhepromenaden dieser Riviera ergehen. Wohlig umschmeichelt uns dis blütenreiche Luft und über See und Höhen liegt ein berückender Duft und Glanz, a,us dam sich iim majestätischer Schönheit der Monte Baldo stolz emporhebt. Das Hügelgelände zeigt Formschönheit und steigt etwa 300—400 Meter an. Am besuchensweirtesten ist der Gardasee wohl vor oder nach der Hauptsaison. Man geht dem Gedränge aus dem» Wege, ist durch nichts gestört unid genießt die Paradiesische Schönheit dieses Erdenwinkels mit Ruhe und Behagen so voll und gang- Gleichwohl, haben ׳Ss einige Reichsdeutsche für Mt befunden, sich hier das ganze Jahr hindurch seßhaft zu machen und nur den Hochform mer über in Tirol oder der Schweiz zuzubringen, um dann wieder cm diese trautgewordonie Stätte zurückzukehren. Ich habe ein Ehepaar aus Wesel a/Rh. in Gavdons kennen gelernt, das schon viele, viele Jahve so durchlebt. Der Gemahl, ein leidender Herr in vorgerückten Jahren, blickt auf ein arbeitsreiches L^ben zurück, Will den ihm zugemeffenen Rest des Daseins in Ruhe genießen und fand hier die passendste! Landschaft, innerhalb welchM er in einem von zärtlich liebender Gattin geleiteten Wägelchen kleinere M׳d größere Spazierfahrten unternahm. So ließ er sich's dahier wohl bekommen und freute sich kindlich auf jede Spazierfahrt. Bei regnerischen Wetter begegnete ich ihn: im Schvetibsalon unseres Hotels über einer italienischen Grammatik zum Selbstunterricht eifrig studierend und schreibend. Die glückliche Natur dieses im Verkehre überaus liichenMürdigen Mannes kennt keine Melancholie tMWgngeweile. Ad multos annosl Zu treuen langjährigen Stammgästen zählte auch Major K. arcs Berlin samt Gemahlim, ei,n nettes kimderloses Ehepaiar, dessen nourasthenisches Leiden n>i!rgends solche Linderung fand als im diesM ruhig-milden begnadeten Landschaft, die der Menschl-eit ganzes Leid vergessen lehrt. Es läßt sich ldahier, Dank dev großzügigen Hotels und Pensionen auch billig leben; für 10 Lire pro Tag ׳ist der Gast vollends und reichlich versorgt, dazu kommen moch die ungefähr 10°/o betragenden Trinkgelder- Die zahlreichen größeren Hotels und Pensianen stehen zumeist, unter bewährter Leitung von Deutschen und Schweitzern, die den modernen Anforderungen nach allen Richtungen entsprechen rmd den Gästen «durch Verstellung eines vorzüglichen Hausorchesters jeden zweiten Tag musikalische Ganüsse darbieten. Der Begründer des Ruhmes vom Gardone war eim Qestevreicher, dier Jngenieflrr Wimmer, ein gebürtiger Rotzer (N. Oest.), der das imposänke Grandhotel im Jahve 1883 erbaute und dem zu Ehren -der Hafenplatz daneben ״Wimmer- Platz" beniannt wurde. Hier flutet aller Verkehr zusammen, eim großstädtisches Leiben und Treiben entwickelt sich bei Ankunft und Abfahrt, was Vielen gerne Machte Zerstreuung bi. tet. Hat sohin ein Oesterveichlev den Grund gelegt zum Emporblühen dieses Seeufers, so gebührt der trofflichen Leitung dev Gastwirtschaften seitens Deutschlands und der Schweiz, besonders den Inhabern Hh: Lützelschwab (Gremdhotel) u. Schuhmacher (Hotel Savoh) das Verdienst, zum Aufschwunge dieser Riviera wesentlich bei getragen zu haben, nicht zum geringsten durch die Errichtung des Kurkasinos und der Spielbank, denen ich tm ersten Feuilleton bereits meine Auftnerksamkei.t gewidmet Habs. In nsuevov Zeit fand die Pflege «des Segelsports viele Teil,nehmer und ebenso haben die an Sonn- und Feiertagen stattgefundenen Rundfahrten um den See zahlreiche Gäste!amgelockt. Ein Blick im die alten engen Gassen von Gardone und Salo Verrät so ׳mamche charakteristische Wahrzeichen- Das enge Gegenüber der Gassen wird zum Nebeneinander, natürlich daher, daß Wäsche auf von einem Hause zum andern gegenüber gezogene - Seile gehängt und trocken gebracht wird. Ist es nationale Eigenart oder günstige Gelegenheit: Das stete Wäschereinigen an den Seeufevn ist ei,ne permanente! Erscheinung. In kleimen und größern Läden worden Heilnische Erzeugnisse Wie Bettdecken und kunstgewerbliche Gsgenstände fsilgeboten und regt sich allerhand von der Fromdenmdustvie Mt belohnter Gewe-rbefleiß. Neben den heiurischen Handelsgeschäftelr haben sich lstztens arrch deutsche Kaufhäuser eta- Kliert und sowie der Bäcker,nebst seinem Erzeugnis Kuchen,^Weine, Liqueure und allevhaud Ehwaren zum Kaufe ambietet, so sorgen die Warenhäussr für Me sonstigen Bedürfnisse des täglichen Lebens. Salo, nächst Riva die größte Stadt des Gardasees, war schon, iml Mittelalter eine bedeutende Hasenstadt, die 1120 durch Kaiser Heinrich V. befestigt wurde. Es besitzt aus der Römerzeit zahlreiche Kunstrmd Baudenkmale, in seinem historischen Rathause sehr interesscmts Fresken. Auf der Piiazza Napoleons sind die Palazzi Mrmizipiäle und Giustizia zu sehen. Salo ist dis Geburtsstadt des hervorragenden Komponisten Bernardino Bertolotti, dessen Sohn Caspare dev Erfinder der Goitze war- Die u. a.

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