Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVII (1916)
- Issue
- Heft 11 (6.7.1916)
- Date
- 1916-07-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ן■*»* Ayfli Nummer 11 Misiht Dlllksßim«e. »—-V Ve-«r»preife: Für Oesterreich-Ungarn, halbjährig . Kronen 620׳ ganzjährig. Kronen 12 — Deutschland, ganzjährig.Mark 12 — Rußland, ganzjährig.Rubel 16 — BaÜan, Frankreich ........ Frank» 4׳— Q-D N---M Redaktion und Administration: Brünn, Adlergaffe S. Buchhändlerische Vertretung: Ott» Klemm, Leipziz. Inserate: die bspaltige Petitzeile 80 h. Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht honoeiert. — Manuskripten ist Rückporto beizufügen. «-:-m Wien—Budapest. Brünn, |“1'95676י Prag—Lemberg. Der hemtgen Nummer liegen Post׳ erlagscheine bei. Die P. T. Empfänger werden um gefl. umgehende Bezahlung deS Abonnementsbetrages ersucht. Die Administration. Eine jüdisch-österreichische Reichsorganisation. Dr. H. Kubisch, Karlsbad. Wie für alle Minderen Völker bedeutet der Weltkrieg 1914/1916, per gewaltigste Krieg der Geschichte, auch für die Entwicklung des jüdischen! Volkes lsilnen Wendepunkt. , Soll dieser Krieg aber zur ReaWrung der jüdischen ״Kriiegsziele" führen, dann mutz in 12- Stunde innerhalb der Juden über diese Ziele Klarheit und Einigkeit herrschen und zur Realisirung unserer Fovder!un.gen auch eiine zweckentsprechende Organisation geschaffen werden. In feiner neuen, sehr lesenswerten Zeitschrift der ״Jude" fordert Dr. Martin Buber ״Lebensitnlb Arbsitsfreihoit für die Juden, um nicht weiter vn ihren: größten Teile als ohnmächtiges Objekt der Ereignisse behandelt zu werden, sondevn freies Subjekt zu seiin, damit sie zur Erfüllung ihres Amtes au der Menschheit hervuwiachsen". Zu diesem) Zwecke mutz das jüdische Volk vom neuen Europa fordern : 1) Die Gleichberechtigung als Bürger in allen Staaten. 8. Die Möglichkeit der Einwanderung nach Pa-- ,lästina für den durch!den Weltkrieg gewaltig angewachsenen Teil der Juden der aus seinen jetztgen Wohnsitzen ׳auswandern! muß, kann oder will. Auf dieser Plattform könnten und sollten sich die Juden aller Län)bor und besonders die Juden dssDonauveiches einigen. Ja, noch mehr: diese jüdischen Postulate müßten von allen ehrlichen Vertretern der!nationalen, konfessionellen und wirtschaftlichen Gleichberechtigung, ohne Unterschied der Nation, unterstützt werden, wie es anoevsieits eine Kardinalpflicht aller Juden ist, wo sie auch immer wohnen, getreu unserer demokratischen Tradition, für das gleiche) Recht sänltlicher Nationen, Konfessionen und Klassen einzutreten. Jeuikletvn Erinnerungen an den Gardasee. II (I siche: ״I. V." Nr. 24 v. 15. Okt. 1915.) Uobov vier Jahre sind es her, daß ich Gavdo- Uet-Riviera zwecks Rekonvaleszenz aufgesucht und mehrere Wochen daselbst verweilt habe. Es war im Vorfrühling des Jahres 1912- Der Zug nach Tripolis beherrschte schon damals die Geister unseres südwestlichen Nachbars, erhitzte so :um:- chs PoNische Köpfe, aber über dem Politischen und wirtschaftlichen Verkehr zwischen uns und unseren Bundesgenossen von damals lag) scheinbar ausgebreitet noch eine Atn^osphäre von fveundnachbarlicher Harmonie, so dajtz ein starkor Fremdenstron:, von Jahr zu Jahr anschwelleud, sich!dahin lenkte und reges LcbLN den Gardasee erfüllte. Die Ausstrahlung der Jrredenta berührte nur scheu und schüchtern die Oberfläche, übevwigt doch gerade da der kluge Opportunisinus, sichs mit der reichlich nährenden fremdenindustrie ja nicht verderben zu dürfen. Und nicht zum geringsten tief eingeprägt im Herzen des Volkes war die Dankesschuld an deutsche Dichter und Schriftsteller, die ihre Leier zmn Preise und Lobe italischorlLandschaft erklingen ließen. Ander- Ws verlohnte es sich muh, solchen Rufe zu folgen; SoniW u. Luft vorn Gardasee haben Vielen ihre eingMißte Gesundheit wieder gebracht. Von Nervosität Heimgestbchte fanden hier das richtige Plätzchen zum Erholen, in: Ausruhen mrd Get Von diesen Anschauungen ausgehend, fordere ich feilt 20 Jahren in der ״Jüdischen Volksstimme" (wie auch ln aicheren jüdischen Blättern) eine Einigung!der österreichischen Juden auf der Basis einer jüdisch-»d>e!n:okmtischen, social-öfterreichischen Politik. nießen der!aus tropischen Gewächsen strömenden balsamischen Düfte. Wer, wie Schreiber dieser Zeilen, Gelegenheit hatte, schon im Januar am Gardasee zu weilen, konnte beobachten, daß die s-ehnsnchiwekkende Sonne muh dahier eiinen harten Kampf 1üi!t dein Winter zu bestellen hat, der, Mckon nicht lange, sich recht trotzig! zu geberden vermag. Ein tüchtiger Schnee fall in der Nacht auf den 2. Februar 1912, der den Bahnverkehr von Toskol!ano nach Brescia ein,ige Tage völlig ins Stocken brachte, war ein Eveignis, oessen sich schon alte Ortsbewohner von früherher kann: zu erinnern ver-mtochten- War das ei!u lustiges Schneeballwerfen tqgsdavauf, ׳an den: sich jung und ׳alt, Heim:- sche und Frelnde flott beteiligten und vergnügten. Da konnte mau die seltsamen Farbenkontraste zwischen den: reliinen Weiß und den: Prangenden Grün der Palmen, Lorbeeren und dünkleren Pinien so recht auf sich wirken lassen. Nicht lange währte diese Nückfallsepiisode des Wetters, die Sonne liebkoste Bäume und Sträucher und vergoldete mit ihrem Strahlenglanze die» nun um so Herr!. bervortretende Landschaft. Einen׳. Sonnenaufgang an: Ga׳rdasee zu beobachten, :st ein: öochgennß, dessen Herrlichkeit zu schildern kaum eine.t gelingen dürfte; solch ein prächtiges Natnrphä'.wmen will und soll an Ort und Stelle persönlich in Augenschein gen0lnn:en werden. Aber nicht nur der Staturauch der Kunstfreund empfängt an dieser klaWch-schönen Stätte gar mannigfache fesselnde AnvWu:gen, denn! das .Rauschen der großen historischen Ereignisse, die über den Gardasee hinüberzogen, haben in alten Vergrasten, Kirchen, Palästen und Stadttoren So erstreben wir die Erhaltung und Stärku::,g eines Völkerstaates Oesterreich uird in: Rahmen dieser Staatsidee eine politische Orga- Uisation der österreichischen Inden zum Schr:tze ihrer kulturellen politischen und wirtschaftlichen Interessen. ... - ferner ׳die Schaffung einer vollen ׳nationjalen Autonomie der einzelnen Völker aatif Grundlage lokaler demokratischer Selbst- Verwaltung, ohn,o Rücksicht ans die torriioriale Verteilung. Eine über den Völkern! stehende stjarke zentrale Gewalt l-at die Aufgabe, diese nationale Autonomie mit den gesamt-staatlichen Interessen in Einklang zu bringen" Unser, alle national-kulturellen, Politischen und wirtschaftlichen Forderungen umfassendes jnngjüdisches und jungöstsrreichisches Programn: sollte — meiner Mejin׳nng nach — einer von! mir Spuren hinterlassen, die Jahrtausende altes Ge- Präge tragen. So erfahren wir aus der Geschichte, daß die ersten Ansie'dler der Riviera Kelten und Etrusker waren, denen Veneter vder Ligurer folgten. Nach den Römern (auch Banacenses geuannt) tarnen die Ostgothen, Griechen, Longobavden -und Franken, später die italienischen Kör:ige!und Deutschen Kaiser, worauf die venetia-- nische Repnib!ii,k und die Herzoge von Mantua zur Herrschaft gelangten. Kehren wir von dieser!geschichtlichen Erkurswn zurück nnd halten wir liehe,r die gewonnenen Eindrücke fest, die das mehrwöchige Leben in: Herzen!der Riviera des Gardasees, Gardone nämlich, dargeboten hat. Den anziehendsten Teil des Gardasees bilden die westlich plagenen Orte Maderno, Fasano, Gardone, Salo, die denn muh vermöge ihrer die Sonne an: längsten genießenden Lage, insbesondere ver:::öge ihrer herrlichen, knnswoll gepflegten Natumnlagen uiud ha:chtsächlich ihrer ko:::- fortabeln Hotels und Pensionen die stärkste Frequenz aufweisen- In der .Hochsaison, in: Frühling und Herbst, zählte man daselbst bei 3000 Gäste. Daß es vornehmlich Reichsde.utsche sind, die sich hier ein finden,' habe ich bereits früher erwähnt. In den letzten Jahren stellte auch Ogsterreich-Ungaru ein ansehnliches Besncherkontigent; Wien war verhältnismäßig schtvach vertreten, Budapest miehr. Wir lasen übrigens in den Fremdenlisten, die der allwöchentlich in Salo erscheinende, von Martin Binebann: geschickt redigierte ״Bote imn Gardasee," Publizierte, Namen aus Rußlmck, England und sogar aus den vereinigten Staaten Rwrda:nerikas.