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Jüdische Volksstimme · 1916-06-28 · Heft 10 (28.6.1916) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVII (1916)
Issue
Heft 10 (28.6.1916)
Date
1916-06-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ftf 10 ■■yM, m Sette S. augewiesen werden. Warum lendest du deine Ariueen a!ls, ltm auch fremde Länder un׳ter dem! Joch zu beugen"? Wir fragen. ״Wann werden die Nuöiouen die Ideen des Weltfriedens erfassen und ihre Fe!re!r r«n»d Verderben speienden Geiräte in »nützliche Ackergegenstände und Winzermesser verivaudoln׳"? Doch können wir es als sicher annehmen, das; der Weltkrieg, welcher den russischen Aschmodai um vierhundert Meilen von seiner. Greife ,zurück geworfen hat, zu einen!» Weltsrieden führen wird, der ollen Nationen eine P-eri-ode der Ruhe und Enllvicklnng bringen wird. Schlußwort. Es ist wiederholt benierkt ivorden, daß der gegenwärtige. Weltkrieg in Ezechiel, K«ap. 88—30, angodoutet zu sein scheint, wo erzählt wi-rd, daß die Vernichtung -des feindlichen Herrschers ״Gog" z-mn ewigen Frieden fiihrcn 1nn»ß. Gog ist der König der aus dein Kaukasus u'.?tussisch- Asien stamrnenden Gothia. (Vgl. Palestin. Talmud, Megila Abschn. I) der Nachkommen der Skythen. (Josephus Altertinner I, 6 und Hieronynms zu Ezechiel 38, 1) Gog herrscht über drei Völkerschaften (Ezechiel 382), bon welchen ersterer ״Rösch" schon Hammer-Purlgstall mit beim! im Komin, (Su!m 26, Vers 40 und Sure 60, 12) vorkommendei! Volk ״Naß" identifiziert und darin das Volk der Russen erblickt. Dia rabbinische Tmdition lehrt, daß nach Bekämpfung des Goig durch den ״Messias ben Josef" (nach der christlichen Legende nach Bekäinpfunig des Antichrilst durch Christus") wird der wahre Messias ben Dawid den ewigen Frieden Herstellen. (Dargun! Jonathan, Exodus 40-1, Talmud Sukka 62 u. ö.) Der Koran (Sure 18»->—1)8 u. 2190) ertvähn-t ebenfalls, daß Jagug u. Magug die Menschen dere-inist hart bedrängen werde, bis sie Dhnel- Karnaiin» (Alexander d. Große) hinter einen «aus Eisen und flüssigen! Erz hergestellten Grenzwall stoßen und unschädlich machen wird. Dann soll der Ewige Frieidm beginnen. — Anläßlich meines am 16 Dezember 1916 über Ci-nlad-umig des ״Deutschen Beweine׳s für Volkskunde und׳ Sprach- Nnssenschaft" in! Deutschen Hause zu Prag geh-altenen Vortrag ״Ueber den .Krieg in -der altarabischen Poesie -und in d!er Koranliteratur" er- Ivähnte ich die Hel al Kisai (ad Eisenberg) vokein inende arabische Legende, Jesus werde am» Ende der Ta,ge den Dagal, Iden Untichrist, töten, 1k1!m1 iciitnie Frau von den Verehrern Muhamnicds ehelichen und den Weltfrieden begründen. Der Weltkrieg, welcher eine Verei>nigung zwischen Eh r üsten tum und Jsla!m lx'weits anbahute, wird b\\0 auch nach den Islam den Weltfrieden folgen lassen. uiilgevn!?l-nschluß finden an ihr Volk. Die aus inn-erücher?totlvendigkeit geborene Liebe zn seinem Volke leuchtet aus seinen Werken -und Worten der letzten Lebensjahre. Sie ist es auch, die ihm den Weg wies zu übermenschlich edlen! Wollen, dessen erhabene Größe ihn׳ zu einer kultnrhistorisch Ix'ibKMttcnbci! Ersche-i-nn-ng machte. Mögen seine Schriften aifu-r einen vorübergehenden Wert haben, sein. Wirken war Vorbildli-ch und zeiitigte unvergängliche Früchte- Für den Alltag schrieb er flüchtige Feuilletons, für die Zukuuft schuf er Ciiuwichtungeu, deren Bedeutung auch idle Gegner des Ziouiswlus anerkennen ,aussei!. Er selbst versöhnte sggar die größten Gegner durch seinen läutern׳, uneügenützigen Charakter, durch den hinreißenden Schwung seiner Gedan«- ken ׳und »die leuchtende Opferfreudigkeit. Wdhl schenkte er -de.!!! Volke keine unsterblichen Dichtemgen, au deueu sich spätere (^!!erationen erquicken könnte!!, aber er gab .ihm die Jugend wieder. Die jüdische Jugend wurde von seinen Visionen wie von, einen! Rausch erfaßt. Sie träumte mit ihm den königlichen, jugendlich schönen Trau!n, rvnjbekümmert ■um Möglichkeiten und Wirklichkeit, lind sie fand den Weg zu!n Judentum zurück. Sie hatte in, Herzl ei-n«en Heros, an dessen herrlichem Beispiel sie sich stolz u!!b selbstbewu.ßjt aus Goluthzweifetn, aufrichten konnte. VoNN Schlacken befreit stmhlt sein Bil-dniis .den! neuen Geschlecht. Das sieht in ihn! nicht etwa »den glänzenden Feuilleton-isten den -Wistrcichen Lustspieldichter, den! philosophischen Erzähler, -den Politischen Redner, den geschickten Diplomaten, den ge»n»ialen Organisator und» tätigen Träunrer sondern den harlnonischen Menschen, der em ganzer Mann war in einer!natevialistischen, an Halbheiten und Wilderspvüchen kraukenden Zeit. Hilfsaktion der Wiener Israel. Allianz in Galizien u. Russisch- Polen. Der soeben von der Wiener Israelitischen Allianz anläßlich ׳ihrer diesjährigen Genera wersan!1!!lu!!!g an! die Mitglieder versendete Bericht zeigt das imposante Bild einer weitausgreifende!! Hilfstätigkeit, für die Hunde rttausende!mserer durch den Krieg in Not geratenen Glaubensgenossen. Die FürsoiMaktion!der Allianz für die aus Galizien und -der Bukowina nach Westösterreich geflüchteten Juden wurde auch in! verflossenen Jahre durch Subventionierung einer großen An!- zahl von Wohlfahr tsei-nrichtnngen in Wien und von Hülfsko!!!i!tees in Böhmen und Mähren fortgesetzt. In Wie!! hat die Allianz bis Anfang Mai 1916 den! Verein ״Eiinhe-it", b*cr Israelitischen Volksküche, den! Verbände der huingniitären galizischen Vereine, den! Vereine , ״Machfiko Hadath" und verschiedenen speziiellen Vevanstajltungen für die Ansspeistmg -arnrer Flüchtlinge insgesanlt K 37.900, der von Herrn Gcmeindemt Dr. Nrvdolf Schwarz-Hiller geleiteten Zentralstelle der Fürsorge für die Kriegs fl iichtlinge zun! Zwecke der Erte1iln,ng von! Unter stntzimgen in besonders beriicksichtiigungswerten Fällen an notleidende Flüchtlinge Monatssubventionen im Gesa-intibetrage» von- K 79.000, den Hilfsaktionen der Frau Anitta Müller, den! Zionistischen Armen-Ambulatoriinm, der Israel ütischen Kinderbewahramistalt und anderen Institutionen Boträge m -der Höhe von zusan!»!!!en K. 21.000, zu,gewendet. Die Unterstützung a!r!u-er Rabbiner und Lehrer -aus Galizien -erforderte K. 32.983, die Zahlimgen für Schulgelder, Taxen und Bücher K. 32. 843, Jnsgesauüt wurden in Wien K 203.816 verteilt. Von den ea 160 Hilfskomitees für die Flüchtliin-ge in den Krönt ändern erhielt Pilsen allein (zugunsten einer größeren Anzahl von Flüchtlingsgvuppen) K. 43. 600, Bndweis K. 17.300, Karlsbad K.14.100, für das Barackenlager in Aükolsburg wurden K> 62.750, für Pohrlitz K. 12.760, für Gaya K. 14.150, verwendet. Größere S-uibventionen erhielten a!lch Bodenbach, Elbogen, Fvanzens'bad, Kaaden, Kornotau, Marienbad, Petschan, Reichenau a. K., Saaz, Schlau und zahlreiche aindeve K!l.ltusgen1einden. In noch bederltend größevein U!nf׳ang War die Allianz seit der Befreiiun-g Galiziens und der Bukowina und dew Besetzung russisch-polnischer Gebiete durch die öfter.ungar. Truppenfür die Liüderning der Not -in! diesen Ländern tätig. Un! bei. den! verbreiteten Interesse für die unglücklichen Opfer des Krieges udem gleichmäßigen Streben aller jiidischen Orgauisativnen in Wien, lvelche schon, i-n Friedenszeiten auf die ei»n,e oder andere Weise für die Juden -i׳n! Ga-lizien gelvirkt hatten, bei ׳der Kgeuwärtigen großen?tot hilfreich ejinzugreife!!, in -der Akti-on keine Zerspl-i'ttevung entstehen zu lassen, trat die Jsr-aeliti-sche Allianz mit ׳beim Verbände der Jüdischen Huinaiuitätsvereine ״B' n-au B'rith"!«!!> Oesterreich und den! Hilfsveweine für die notleübende jüdische Bevölkerung in- Gal-izien -ins Eiiuvernehinen und bildete!!!it Delegierten dieser Körperschäften ein ge!nei׳ns!a,n!es Koinitee. Fiir Ostgal-üzien wurde das Hiilfskon!-itee in Lvmberg als Zentralstelle fiir eine »große Anzahl klei-n-erer Geiueinden oi׳!M׳richtet. Anßerd-en! wurden in den größeren Städten (Bvody, Staniislau, Koloinea, Jaroslau, San!hör, später auch ill!׳ Czernowitz und Rzeszow) besondere Kviwitees ei-ugesetzt, fiir die klei-neren Orte!>!!! Michtelgattz zidn eiin Zentralkon!itee in Przeinhsl und für Westgal-izien in Kmkau. Bis?lnfang Mai 1916, also eigentlich in! Verlaufe von nur 6 — 7 Monaten (da die Orga-!risati-on des Hilfswerkes im groißen Maßstabe erst Ende Oktober 1016 in die Wege A׳lei-tet werden kon!!!te) wurden a!ch »diese Weise!in .!vngefähr 200 Orten Galiziens zur Li.n׳derung der?tot der jüdischeu Bevölkerung,׳!»nsbesondere zur Erhaltung von Volksküchen, zur?lnschasfung von Lebensinitteln und zur Provisorische!! Untewbringu.n׳g der Waisenki-nider inbereiits -bestehenden oder!neugeg^imdeten Kiudevasylen K. 876. 766, verwendet. Hi-nsichtlich der Höhe der für^diy einzelnen Orte bis zur?lbfassung des Berichtes gewährten Uniterstützrmgen steht an der Spitze Lemberg selbst mit K. 35.700. Es foljgen: Glmlany!!!it K. 36.344, Czernowitz mit K. 36.700, Brody mit K. 31.334, Zloczow m-iit K. 29.000, Stanisr!c!u mtt K. 27.000, Przemyslany mit L.26.000, Kolmnea n!»it K. 19 000, Jaroslau mit K. 16.000 Przen!ysl mit K. 14.300, Beiz mit K. 13.000, Sainbor!1! iit K. 13.700, Burzacz, Rzeszow, Si»e!ri!a^ mit je K. 11.000, Gorlioe mit K. 8.000 Turka mit K. 7.750־, Kolbußowa!md Niemitow n!i!t je K. 7.000, Brrsk mit K. 6.900, Tarnobrzeg mit K. 6.894, Rymcrnow ׳mit K. 6.800, Gologory, Worochta!u!d Stary San!bor n!>it je K. 6.000 Deinbüoa!mit K. 5.800, Uhnow ttnüb Zabiotow mit se K. 5.500, Dobvo!n>i!l!!!iit K. 5.300, Drohobycz mit K. 5250, Bi»alykan!!i!sn, GwoMi-ec, Horodenka, Mielec, Nadwovna, Rawa ruska und Sanok n!-i:t je K. 5.000, -und eine lange Reihe kleinerer Orte mit Beträgen -unter K. 5.000. Am längsten dauerte es, bis die Hilfsaktion für die schwerheini'gesuchto Bevölkerung inden ockupierten Gebieten zu organifieren!!!öglich war, da noch ׳ün den .Herbst!!!onaten des vorigen Jahres i:t! diesen Gebieten keine geregelte Post und Telegra-fen'verbindung für -die Zi-vi»lbevölkev!mg bestand und es!!!-it unüberwindlichen Schwier Weilten verjbunden war, über -die Lage in den jüdischen Genreiuden -verläßliche Nachrichten zu erlangen oder Delegierte׳ zu Jnsorinationszwecken dorthin zu entsenden. Es war übriigens bekannt, daß die Militärbehörden bei ihrer huinanen Gesinnung -m!d bei» ihrer Kenn-tn-i-s der Tatsache, daß gerade die Juden in Polen während des Krieges wegen der bei! ihnen vou den?küssen vora-usges-etzten Neiigung zu O-estevrioch ein Märtyrinn! zu evdu.lden hatten,, bei׳^ihren! Einzüge als Befreier iu das Land der ärgsten Not uiuter unseren Glaubensgenossen Abhilfe zu gewähren bestrebt waren. In mehreren Fällen Wandten sich die k. u. k. Etavvenkommaindanten an die?lllianz ׳unter Hi,nweis auf die unter den Juden der besetzten Orte herrschende Not um Gewährn-ng von- Hilfe und insolchen Fällen war die?llli-anz in der Lage, ihre Unterstützungen sofort durch die betreffeuden Kommandanten derteilen zu lassen- Erst iini Jänner laufenden Jahres konnte die?llliauz ihren Sekretär nach Russisch Polen delegieren, um eine systematische Regelung der Hilfsaktion im ganzen Lande soweit es von den ästerr.-ung. Truppen besetzt ist, und inden angrenzenden wolhyn-ischen Bezirken zu orgauisi-eren. Die i»n, Betracht konüneuden Gouvernements in Russisch Polen allein׳ haben eine jüdische Bevölkerung von. ungje-fähr 500,000 Seielen (ganz Russisch Polen zählte -nach einer Statistik von! Jahre 1909 -unter 11,935.318 Eünwohn-ern. 1,747.655 Inden). Davon wohnen: ׳ in! Gouvernement Lubliu 206.180 Inden unter 948.770 Einw. in der Stadt Lublin! 31.607 Inden iiintcT 62.222 Einw. -in! Gouvernen!ent 5iadon! 163. 782 Juden unter 1,989.244 Einw. h! der Stadt Radon! 16.979 Juden unter 39.981 Eünw. in! Gouvern-eiuent Kiel-Le 106.511 Juden unter 973.247 Einw. iu der Stadt Kielce 11.207 Juden unter 30.618 Eiuw. in! Gouverneinent Piotrkow 288.082 Juden..unter 1,901.662 Einw. in der Stadt Piotrkow 13.960 Jriden!mter 38.115 Ei,nw. wobei zu beinerken ist, daß eiin großer Teil des Go-uvevnements Piotrkow mit «der großen Fabriksstadt Lodz (88.201 Juden unter 162.-950 Eiuw.) 1!>icht zum österr.-n-ngarischc!!, sondernzun! -deutschen Ockupatiousgelbiete gehört. Der Sekretär der Israelitischen?lllianz, besuchte die jüdischen Geiueinden in den Hauptorten, trat!mit allen Bevölkerm!gskrersen im. Berbindlmg, bildete sich durch eigene Beobachtungen ein Urteil über den Uinf-ang und die?lrt der Not, hielt mit den Geineilndevorständen und den Leitern der Wohltätigkeitsvereine eingehende Berntungen ab und organ-ifierte vier Hauptkon!i-tees in den größeren Städten, durch lvelche ün- Berbindung -m»it zahlrei«chen Lokalkoniitees in den kleineren Orten die Fürsoyge für die notleiden-de jüdische Bevölkovrmg in aa. 120 Genieinden ausgeübt wird. Auf Grund der telegrafischen Anträge des Delegierten kounten bereits Ende Jaanar erheibl-iche Mon-atsbeiträge zur ErlM-ltung von Volksküchen. Kinrderheiinen u.!!d anderen Wohlfahrtsemrichtungen sofort planinäßig bewilligt werden. Die gegenwärtigen Monatsbeiträge in Russisch Polen betragen für den Fürsorgesprengel des Hilfskorn-itees Lublm K. 36.000, für den Fürsorigjesprengel des Hilfskomitees Radon! K. 25.400, für den FürsorMpreugel des Hiilfsko-

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