Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVII (1916)
- Issue
- Heft 10 (28.6.1916)
- Date
- 1916-06-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Mül ״ י WWUMÜL» ' igPipi VvIlipiRRi" 9tt 10. 11en jüdischen Gruppen Gesamt-Oesterreichs einzubernfen. Die GmmÄsays könnte unser jüdischdemokvatisches, sozialvefornmtovisches, jungösterreichisches Programm bilden, für dessen Popularisirung der zu einer jüdisch-österreichischen Raichsorganisativn ar^zubauende ״Jiidische NatioimlvereiN" zu sorgen hätte. Bei aller Berüchichti׳gun,g «der verschiedenen provinziellen und lokalen Verhältnisse milch doch die Organisation einen einheitlichen, östevveichijede::: Clx:-uvinjis:n.ns freie jüdisch-österreichische jcjben Chenlviu-isnms freie jüdisch österreichische Politik, die in erster Linie aber Kultur Md Wirtschaftspolitik und erst ito zweiter Linie Mandatspolitik ist, — verfolgen. Eime solche :::::fassende Arbeit setzt aber in Oft und West eine politische Erziehung der jüdischeu Massen voraus, ohne welche jede großzügige jüdische Votkspol-itik ׳umnöOich ׳ist. Natürlich setzt dies voralils daß tiKnn1 i׳n weit höheren Maße als bisher mit »der Lcmjdesarboit sich!beschäftigt, un: so mehr, als diese nicht nur ״Gegenwart"- sondern auch Zukunftsarbeit für jene große Mehrlpi-t des jüdischen Volkes sein muß, welche ans verschiedenen Gründen nach Palästina weder a׳::swan׳devn will nach kann, wenn׳ an!ch als K0M sequenz des Krieges ohne Jweiifel die Zahl der nach Palästina auswaud!ernden Juden wachsen wind. Es wird ihr dies jedoch ׳erst dann mögliich fci<tt, wenn im Rahmen des Oesterreich, Deutsch- Land die Türkei u. Bulgarien umfassende Staatenbnndes, in dessen Grenzen sich dann auch Palästina befindet, daselbst neues kulturelles und Wirtschafliches Leben sich geltend macht und Wsi- -ters als Folge!der geänderten Pöltschen Verhältmisse auch die Ei!nwa>ndev:m.g der Juden!in׳ Palä- -stina keine Hiindern'isse, sondern Förderung er- .fährt. Dieter Staatenbund i׳st daher ei>ne Lebensfrage für den Zionismus. Für alle Fälle müssen aiber die Juden Oesterreichs als Juden und als Oesterreicher sich rüsten für ihre zukünftige Ausgäbe als Mittler zwischen -dem Orient und Okzk dent. Sie müssen ferner -ihre Aufgabe als e!ine völkerverbindende Nation., eine Konsequenz -auch der jüdischen Ethik im Nahmen der Habsburger^ nw-navchie -erfassen, da sie nur unter dieser Voraussetzrmg Verbündete rmtor den anderen Reichs- Völkern haben werden. Nur wenn die Juden des Donaureiches es verstehen werden, -ihre nationalen Lebensinteressen mit denen Oesterreichs und aller seiner Völkor in Einklang zu bringen, -werden sie ihre vollständige Gleichberechtigung i'1׳r allen Belangen erlangen. Möge dies vor allem die zusammentretendtz jüdische En gute berücksichtigen, dann! Wörden ihre Beratungen zu einem -ersprießlichen Ergebnis führen sie in tausend Farben schillern!, holte! aus ihnen die subtilsten Stimmungen hervor und erzielte großartige Wirkungen. Wer tiefer hinzuhorchen verstand, hörte!ejinzelue Töne heraus, die zu der glatten Ueberlegenheit un«d weltznOnuischen Jronie nicht recht stimmten. Hier sei vor allem auf das Feuilleton ״Fvühlmg ihn Elenid" verwiesen, aus dem man ersieht, wie -e!r sich zwang, nicht von dein Elend zu sprechen, »das er zu bannen suchte, von dem Elend seiner Brüder. Innerlich mochte er daranverbluten, doch er schwieg von seinen: )großer: Schmerz. Schwieg er aber nun wirklich? Bein: Lesen der Feuilletons, Ms -der Zeit, da er den: Zionismus qu,gehörte, ist es uns, als Wandorten wir über eine Herrliche Wiese :md hörten diinen -heijmjlichen Bach raunen. Der begleitet uns, ohne daß W8r -ihn sehen. Er ist ganz unter Gras und Blütek -verborgen. Doch -was er,geheimuisvoll rauscht, ist Trost und Labsal. Wer ״Dm unsterbliche Stadt" oder ״Däumerk -und Bäurnerle" recht erfaßt hat, konnte über Herzls inneres Leben!nicht im Zweifel sein. Wohl schritt er nach durch die Gassen u. die Gärten dev Stadt mit offeinen Augen, denen nicht das geringste entging, aber er blickte seltsam tief auch hinter die Dinge oder gar Wer die Dinge hinweg -in -eine blaue Ferne!, wie weltverloren, versonnen, verträumt. Und er, den: früher das Treiben «der Welt sich zu zarten Lustspielen oder Humoresken wandelte und die Kontur der Menscheu und Dinge komisch dünkte, Prägte nun die Worte: ״Doch mit der Zeit wächst nran. und fin- M eine größere Anzahl von Merkmalen heraus, die Konturen füllen sich und man entdeckt, ׳daß die Auswüchse durch Elend oder Leid verursacht Weltkrieg und Weltfrieden. Bon Dr. I. Eisenberg. (Nachdruck verboten.) (4. Fortsetzung und Schluß.) Ein erhabenes Ideal verfolgt die Menschheit, ein Jdcpil, Welches allen Völkern ewigen Frieden und dauernde Zufriedenheit verspricht. Es ist jenes Ideal, welches zaierst di'e Propheten Micha, (Kap. 4, V. 4) u. Jes. (Kap. 2, V. 3) im grauesten Altertum erfaßten, rrrit Schevblick als einzige Rettung für die leidende Menschheit erkannten und übereinstimmend verkündeten: ״Die glück!iche Zukunft dev Menschheit wird derart gestaltet sein, daß mir das Rechtsgesühl, das Gewissen allein eüvaitge Stveitigkoiten unter den Völkern auWeichen u. Meinlmgsvejrschivdenlieiten schlichterr Werden. Dam׳:: werden sie -ihre Schwerter in Ackergeräte und ׳ihre Spiäße i,u׳ Winzermesier verwandeln können und sich nie niehr für eiinen Krieg rüsten"! Das sind goldene Worte in den Annalen dev Weltgeschichte, Worte, welche die größten Denker und Staatslehver aller Zeiten aufgelgriffen, erläutert und als sicher eintretend bezeichnet haben. Als die großen Propheten die sich vor ihren Augen abspielende Zeitgeschichte Wahrnahmen als sie sahen, wie die schöne Gotteserde von den verschi. Stämmen,:!: ein endloses Schlachtfeld und diel Welt in ein Jammertal ver- -wandelt wird, -da fragten -sie: ״Wann wird den,!: das böse Treiben dev Menschen sein Ende finden? (Daniel, Kap- 12. 6). Wsavum verfolgen denn die Völker -einaindör mit grimnniojem: Haß >un!d fügen ׳einander -grenzenloses Leid zu? Warum ziehen denn, -biicJ großen Macht- Haber aus, -um Länder zu unterwarfen und ׳die Erde!!injit dem Blute gefallenier Krieger zu fürben? Hat denn׳ der Mensch wiirklich keine andere Besti-mniung als -sich zu -bereichern? Nein! — Es wird konrmen der Tag, da die Starken lernen Werden, auch das Recht!der Schwachen zu wahren und die arrs Eisen verfertigten Waffen als Ackergeräte verwenden werden! Es wird kommen dejr Dag, da die Völker -das göttliche Recht erkennen und in -einen: Friedenstempel für die Erhaltung des Weltfriedens Sorge tragen werden,! — Eine Legende im Talmud, (Gittin 68 u. a. b. St.) die aiuch Äk Koranexegese anführt, (Vgl. meinen Aufsatz: ״Der Tempelbau in der arabischen LiteraturlOlO) verleiht -diesem Gedanken eine ausfühvlichewe Erklärung. König Salomo, d. Gott die Herrschaft über Menschen, Tiere, Vögel und GeP fter gewährte, galt, wie der mit Asm Worte ״Schokaum- Frieden verwandte Name! beweist, als Friiedensfürst, welcher!den allgemeinen Friestnid. Und wenn/ vnjlm alles veirfteht, so hat man das Lachen verlernt." So kam -es ׳daß Herzl -das Lachen verlernte. Das Leben wurde ihm wichtiger als die Kunst. Die Dramen der Wirklichkeit griffen ihn: jetzt tiefer in! die! Seele -als die spielerische Kunst um der Knust -willen, der er den Fehdehandschuh hinwars mit dem Ausruf: ״Nein, die K-unst un: des Lebenswillen, um es zu verstehen, zu -verbessern, zu erhöhen". Es fragt sich n!ur, wie. Dariiber san!n er unaufliörlich. Bold gelangte er pn Kernpunkt der Sache, -indem er auf die -ernste Frage die feste Antwort fand, daß nran, -um Sinn und Art der Menschen umzubilden, die Bedingungen ihres Dasei»n,s Planvoll ändernmjüjßte. Dabei -war -er sich jedoch bewußt, daß dies ein schweres B-egi>n!nen wäre, denn -die Trägheit der Masse sei! ein fast unüberwindliches Hindernis. So ergaben sich neue Hamletfragen: Ist es besser, -die alten Üebel regungslos zu ertragen? Festsitzen in Schmutz u. in! angejahrtem Elend verbleiben, aus Furcht vor einem neuen Zustande? Nicht we>n!i,g>stens den Versuch wagen, sich auf eine andere S׳eite zu le)gen. Kurz: Aus Fojigheit und Trägheit verkommen oder durch Wagemut -einen unbestimmten Schaden erleiden? Was ist vorzuziohen? Auch dar,Ms gab Herzl eins mannhafte Antwort mit seinem gcrogen Tun und Wirken. Wie ein Zlbglanz davon liegt es über dem si/njnigen Feuilleton: ״Di׳? unsteMiche Stadt", das stellenweise an ״Altneuland" evinnert. Er hatte in froher Begeisterung alles, was er besaß, seiner Idee geopfert. Aber als es galt, die Mittel für den Ausbau des Gedanjkens herbeizuschaffen, ׳da begannen die Schwierigkeiten. den sicherte. Nur ein GeMer suchte seine Macht zu Mtevgmbcn und M:r der König der -bösci: Ge'sstcr, geuannit rlschmodai. Letzterer :rar, wie der au das lMräische Wort ״ ״zerstören" erimrerde Nande lehrt, als Prinzip der Vernichtung gedacht. Eines Tages ließ i»hn Salomo festnehmen und sich vorführen. Er überreichte ihn: einen Stab von vier Ellen i,n der Länge u-n׳d sprach: ״Wenn der Mensch, welcher in: Leben unersättlich erscheint, seine Augen für invnjer schließt, wird ihn: ein׳ Raum von vier Ellen als letzte ^tuhgstättio :md sohin als bleibendes Eigentun: angewi-esen. Wjavnn: kennt -er denn keine Sättigung? Da ritz Aschinodai den Siegelring vom Fülger Salolnos, jenen Ring, we.lchsr den großen Gottesnainen tvryg, u. schleu!de,rt!e Salomo 400 Meilen weit weg. Ersterer warf den Ring ins Meer, nahm diq Gestalt Salomos an, bemächtigte sich seines Throines und leitete die! Regiernngsgeschäfte, ohne -dajß jenWnd es :nerkte. Erschöpft und gebrochen wanderte Saloino von Ort zu Ort, gab sich übcjrall als König vor: Jemsalem ans uitd -erntete ,nur Spott und Hohrr. Er rief wehlnütig aus: ״Ms für Nutzen findet dev Mensch nach all seiner Mühe unter der Sonne"? (Koheleth I, 3). Nach 40 Tagen kaufte er sich einen Fisch un: seinen Hunger zu stillen, öffnete tifyit und fand darin seinen Siegelring wieder vor. Er eilte!!:ach Jernsalen:, verscheuchte den Geisterkön'ig u>nid bestieg seinen Dhron׳. -Da,rauf konnte er den Denrpelbau in Angriff nchnien. — Als vor ׳ein und ei n halb Jahrzehnte n der Beherriiber des.größten Weltreiches sei׳nen Willen bekanntgab, -di!e kri׳etgevi-schen Vorbereitungen einzuschränken, dem Gedanken des Weltfriedens mäherzutreten und in ei׳n!em Tempel Streitigkeiten der Völker beizulegen, da atmeten unis-ere Zeitgenossen auf, ׳iu der Hoffnung, daß die Schreekn-isse einer Schlacht ׳ihnen :mnn:eh׳r ,erspart bleiben werden. Sie begrüßten ihn! als wahren Salomo, als Fri-edensfürst, und glaubten, daß die HoffirulW der Propheten vom/ ewigen Fri-chen nun der Bsrwi.rklichMig entgegeagphe. Man vergaß ihn:, daß -er sein großes Reich für seine Völker in einen großen Kerker verwandelte und wiederholt schwarze Banden aussandte, um wehrlose jüdische Ge-n:-ei!n!de:: zu quälen. Die zwei׳ Jahre Weltkrieg belehren uns jedoch, daß kein Salomo das größte Weltreich in: Norden beherrscht, sondern ein verkleideter Aschnw-dai, -welcher selbst den Friedensteinpel entweiht und die höchsten Ideale der Menschheit zevtrümlnert. Zlvei Jahre Weltkrieg bek'hren -uns, daß der -Genius -des Friedens, der wirkliche Salon:o, um vier Jahrhunderte zurückgeworfen wurde und daß die von:. Aschinodai verübten Grausa>1nKei-ten vor vier Jahrhunderten denkbav gewesen wären. Wir fragen ihn: ״Wenn du ׳aus dem Leben scheiden wirst, wird dir ein Raum von vi!er Ellen als bleibendes Cigent::u: Mit wehmütiger Ironie schilderte er sie iu der philosophischen Erzählung ״Däumerlq und Bä::- inierk". Herzl kannte die rauhe Gen>ugtun.g, von: Pöbel verkannt und von! dessen Witzlingen verhöhnt zu werden. Er kainnte die grimmige rmd reine Bergfreride -der Einsa-rnen.. .s. Die Einsamen aber wachsen dabei und Härten sich für die äußersten Aufgaben. Gerade in se>i!ner Unerschütt׳ertichke!it lag das Bezwingende. Das große Boispiel, das er gab, konnte nicht vereinzelt bleiben. Da lernte er -eine m:dere Freude kennen, die berauschender und edier sein n:ag als die des Einfamteu- Von -dieser Freude -des Führers sind die Schlußworte! der Philosophischei: Erzählung durchpulst. Aber nicht lauge währte sie. Eine leise Meianchol-ie senkte ihre Scha!tten wie eine Todesahnung. Die Schauer ׳des Alters!:mhn: er vorweg und ward doch -nur -vievundvi>erzi,g... Wenn wir dieses re-iche Leben überblicken, und das Neimnenschliche hervovheben wollen, so drängt es -uns, ein Wort allen anper-n voranzustellen, das n:!it einem Schlag das Wiesen Herzls kennzeichnet: die Herzensgüte. Nicht jene weiche, sentirnentale, in: Egoisnms wurzelnde, sonder:: d>i׳e starke, werktätig, aus Altvuinms erblühte Liebe- Sie strahlt -aus den Lustspielen, die er uw Ns Schwächen der Menschen und die Me-l׳ancholie des Alltags spinnt, sie schin:n:ert aus den Bitdevn! des Elends.und tröstet die Mühsalbeladeuen. Sie flammert sich vevständnisvoll zärtlich an die Kinder, un: sie auszurichten, zu veireÄelu, zu erziehen. Ihn beseelte -der Wunsch, seine Kinder^ tu eins bessere, vollere, einheitlichere Lebensn:üglichkeit emporzuheben. Sie sollten Ms festem: Boden jstehen, in fnichtbaveren Erdreich wurzeln u. in-