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Jüdische Volksstimme · 1916-06-09 · Heft 9 (9.6.1916) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVII (1916)
Issue
Heft 9 (9.6.1916)
Date
1916-06-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Ske S WM L und bei mir im Hause machen. Merm es eiNil Der Rabbiner von Belgien verurteilt. Chibet Hakewer (Anm.: Qualen nach dem Tode)! gibt, so werden ich, meine Zenta und meine drei! Dr. Bloch, der Rabbiner von! Belgien, der kleinen Kinder nichts mehr zu leiden haben. Ich Bruder des Rabbiners von, Lyon, der kürzlich au kann es!nicht länger aushalten. Die Taten von der fairzösischen Front den Tod fand, wurde im Sodom und Gomorrha sind gar nicht zu verglei- Anschluß an׳ eine Predigt, die er in der Syuagochen mit den jetzigen. Wir rechnen heute nachts ge in der Ruo de Regence in Brüssel hielt, von von. hier zu fliehen. Gebe Gott, daß uns dies den Deutschen in! .Haft genommen und nach gelingen soll! Bete zu Gott für uns! Dein Jonas. Deutschland!gebracht, um eine sechsmonatliche (Datum fehlt.) Familienname fehlt.) , Grsänguisstrafe zu verbüßen. Dr. Bloch hatte in die er am kl. Dezember 1907 im österreichischen Abge-vM:atenhans über die Inden und die- Freihalt der Wissenschaft gcWtett hat. Ms Dr. Maler im Jahm 1911 .dan k des von Pol iri scher Se i te altsAiümeu WMterrors tktcht wiodelWwählt wnrde, zog er sich von der äußeren politischen Tätigkeit zurück. Eine Reihe wissenschaflichar Arbeiten (er hatte Archäologie studiert und mit einer Schrift ״Polyklet ׳und seine Schule" int Jahre 1902 zmu Doktor promoviert) hatten ihm die, Dozentur für klassische Archäologie an, der doutschen Universität itni Prag ei>!:g-c!b:׳acht. Er wurde daun׳ auch Professor am ׳anMikairische!: archäologischen Institut tat Rom. Das archäologische Institut in Wien n«nd die Akademie seien- -tisique in! Panis enmnnteu ihn! jviwn korrespondierenden M>itglied )(ach Abschluß seiner parlainentarischen Laufbahn tvollte sich Dr. Mahler :vicdernlii ganz der Wissenschaft widmen, aber die wate re Ansübu,n!g seines Lehramtes an der Prasger Universität wurde ihm unmöglich ge!- wacht, da sich unter Führung von, Univevsitätslehren: die ihm sei,»blichen Parteien, Antisemitcn und Assij!n»ola!:ten, gegen ihn verbanden. Dr. Mahler boganiu!min eine, intensive publizistische Tätigkeit, zunächst als NedaktionsMitglied verschieden,er Wie!!«er Tages.zeitn11׳ge>:, zuletzt als Mitgl ied d».״r Nv^edk-t-Nou des Pester Loyd. Bei in Begräbnis Dr. Mahlers war das Zionistische )lktious-gonn'tee durch lnehrere Mitglieder vertreten. Dr. Moskovitz (Rechoboth) gestorben. Da<׳ palästinensische Judentum ist von ׳dine»: .. . . schweren Schlage!»».״troffen Worden. Herr Dr.-' heiten be,i!n Ganerarlgorrpekmaur, Professor Dr. der Oberst du Pach de Clmn unjd sein! Sohn ha- »eviuau Moskovi-'tz, ehenlaliges Mitglied' des׳ Major Bakckan aus Lemberg zum Referenten r "" Großeil )letions'KonriteeL der Zivil ist!scheu Or-'für «das jüdische Schulwesen Md der velMsen Wni.satioir mild mi lai:giährig׳.׳-r Führer deik ru-pAntzelegeithe-iten -berufen werden. rnanischeil Zionisten, in! bctt letzten 0 Jahrenf if_.__r einer der beliebtesten und tüchtigsten Aerzte in! ' Piailästino׳, ist has Opfer eines entschlichen U,n- Schilderungen eines rumänischen Bauern aus Der Briefunischlag trägt zwei amtliche Vermerfer Vorn Regiment.״ ׳Ädreßat abgängig." Vonr Ausgangspostamt in der Bukowina: ״Dorna watra" (Poststempel) 28./12., 1914, Nr. 665. ״Lairt eingeholten Recherchen wurden der Absender samt Frau und drei Kindern von einer ׳Kosakenpatrouille erschossen." Ans dem österreichischen Okkupationsgebiet. Aus Lublin wird berichtet: Auf Gr-Nild einer Verordnung des Schul inßpektors anl Kveiskom- :::ando iat, Radon: wurden sämtliche jüdischen Cheher-Schnlen in! Radchn« geschlossen, da sie ihren )lriifgaben weder i!n sanitärer Beziehung!noch lilit Rücksicht ans ihr wissenschasliches Niveau entsprachen- An Stelle der geschlossenen Cheder- Schicken worden Schulen ii!ouen Typs, die sich be־m Typus der konfessiione'llen Schuleil nähern, mit polnischer Vortvagssprache u.ud mit Berücksichtig:m«g tallimldischen Wissens errichtet werden. Wie verlautet, soll Dr. T. Aschkenazy, gewesener Landta!gsabgc«o!rdn,etle!r tmd Vizepräsident der Stadt, schlecht gefallen, mlachde-m er lilit de»m׳ Krerrz der Lenrberg, zum Vertreter der jüdischen An!gelege::-j Ehrenlegion, ausgezeichnet worden war. Auch der Oberst du Paty de Claim nutz׳ ' bei: sich auf dom Felde der Ehre ausgezeichnet. Nur von d'Esterhazy hört nu14t nichts mehr- Man sagt, er sei: gestorben. Maxim Gorki für die Juden. fciinncr Predigt den Segen Gottes ans bctt König herabgefleht und der königlichen Familie eine baldige, ,glückliche Rückkehr gewünscht. Er verglich den Auszug der belgischen Bevölkerung mit dar Flilcht ails Egypten, und sagte, daß die zehn» Pla-- gen die Sieger treffen sollten. Schon längere Zeit war Dr. Bloch von deutschen Spionen überwacht, die!den syuagogalen Zereluonien4wiwohnten und auf jedes Wort dies )tabbi'ners achteten. Wiederholt wilrde er wegen verschiedenen Aeßernngen in sein,er Predigt m1\ die K׳o:um>anda!:tur befohlen uind znr Verantwortung Mögen. Die Ueberlebenden der Dreyfuß-Assaire im Felde. Alfred Dreyfus, be,r seinerzeit so vielgenannte Märtyre׳r der Teufelsinsel, kommandiert gegenwärtijg als Major einen Artillerieabschu,1't't voil Paris. Sein׳ Sohn Pie/rre Dreyfus steht als Unterlentnaint vor Verdun und ist letzthin in! eitnenl Tagesbericht ehrend.erwähnt worden. Ein! Sohn des Mathien Dreyfus ist in dpr Champagnegilücksfalles geworden. Die Palästinvensische Juden hoit wie die zioklistische OrMin.i-sation vorlilort in' d-ieseiii Manne einen ihrer tMiosten un«d! bewährder Bukowina. Miha-il Sadovcanu, der weitaus bedeutendlästinia!__,_ __ .. , . .... den Unglücks fall gehen n!!!s folgende Mitte, l-ml- Schilderung der furchtbaren Greuel, die die rusgeil zu: Dr. Moskovitz Nmrde ant Sonntag fische Soldateska an der friedlichen Bevölkerung Abend, den-19. März von« Rechoboth zu einem. verübt hat. Dieser Tage, so schreibt er, bei einem Dhphuskranten nach Ben-ScheMeu gerufen. Es Schneesturm, der wie ein! grauer, beweglicher hatte den ganzen Tag gewgnet und die Nacht wär' Flor Himmel und Erde bedeckte, kam an meine stürnlisch/Ju׳ Ben-Scheinen drängte 1111! darauf,! Tür ein, Flüchtling aus der trauernden Bukodaß er «lischt in der Nacht zurückfahreil sollte, über.wina, ein Rumäne. ״Vorgestern früh," so erzählda er auch in׳ Rechoboth einen schlverkranken Patienten hatte, bestand er ans sofortiger Nückfalivt, lre-lche! er ■\m\ e.9va 1 Uhr in! der Nacht antrat. Jur gvoßerr Vad! vor Lydda wriche der Wagen von 1c;i(1kim/ Plötzlicherr rcii ßendeir Strom umMworfen, der Krrtscher verlor die GellMIlt über die Pferde nnd lvn׳rde vom Wageir wrggetrieben. Er rettete sich selbst, lvar aber ׳uicht imstande, Dr. Moskovi׳tz zu helfen, der sich ans dem Wagen nicht rrrehr' lier,ansairbeiten ton,nte. Die Pferde! ertranken, der Wagen wurde zerschtageir r׳nd der Leichiram des Dr. Moskovitz wir-cke erst gegen Morgen meli re re Ki'lokneter entsern!t inder Nähe von Wilhetma anfapfuindcn. Dr. Nuppin und Dr. Thon haben den Verstorbenen in> der jüdischen Presse lvarme Na-chvnfe getvidmet. Die Tragödie von Russisch-Moldawitztt (Bukowina, Oesterreich). (Ouginalbericht des ״Jüdischen Archivs".) Dem ״lüdischen Archiv wurde ein Feldpostbrief zur Verfügung gestellt. Er ist mit Bleistift in jüdischer Sprache geschrieben. Der Umschlag ist .zerrissen. Als Briesblatt ist ein! fleckiges, aus eillem Schulhefte herausgerissenes Stückchen Papier verwendet. Die Adresse lautet: ״An Bonno Sporn, k. k. Landsturminsanterie-Neg. 8/22. Feldpost Nr. 169" Der Inhalt lautet in lvortgrtrener UehmP'hung: ״Teurer Benno! Die Postvevbindung ist von hier abgeschnitten. Ich lveiß nichts von, der Welt. Die Feinde (Russen) sind ringsunl und auch bei uns in Nus»stsch-Moldawitza ist eine große Zahl eingezogen. Meine , , ganze Wohnung ist voll von Feinden. Was die! lein, wohin ihre Füße sie trugen, damit man sie machen, kann ich!nicht schildern. Ich beneM den, nicht rlmbringe, nnd als der Brand aufhörte, Vater, der ans den! Friedhofe liegt und schon als wir die ganze Arbeit unseres Lebens in alles Puter sich hat. Die Schckderungen der Po-. Asche vrwandelt sahen, da gingen auch wir in gronle in- Kischem'w nnd Bialystock si,nd nichts, die weite Welt. Und so kam ich bei diesem Schneegegen das, tvas die Feinde in imsevem Dorfe stur»»» an diese Tür. k er, haben mir die Kosaken das Haus angezünbei, daß es brannte wie ein׳ Streichholz. Da.mals, als sie ins Gebircp zogen, war es nichts Beson deves. Sie nahmen ei!n!fach weg, was ihnen in, die Hände fiel, und auch das Weibervolk fand keine Schonung. Jetzt aber, als sie zurückkehrten, verjagt und geschlagen, da erst lernten wir alles Ucbel kennen. Sie karuen in Haufen und waren voller Wut. Sie verlangten rasch Heu und Hafer für die Pferde und Essel: für sich selber. Gleich darauf kan: der Befehl, das Haus des Dorfrichters anzuzünden. Dann brachten sie den jüdischen Schankwirt, um auch ihm seinen Teil zu geben. Einer spießte ihn! mit der Lanze auf und ein anderer, der Mitleid mit ihn: hatte, schoß ihn vor den Kopf, un: seine Qualen zu beenden. Daraufhinkamen Leute von den Unsrigen und baten, daß man ihre Häuser und Habe vor Raub schütze. Auch sie wurden von den Soldaten aufgespießt und niedergeschla!gen. Es war fürchterli'ch. Und in der herrenlosen Schenke floß der Branntweir: aus den Fässern. Die Soldaten tranken sich toll und voll und gingen dann in die Häuser, um ihre Gelüste zu befriedigen. Sie ka:nen zu mir sowie zu den anderen, ich weiß nicht ׳mehr, wie viel es waren. Sie schändeten mein Weib vor den Augen der Kinder und vergelvaltigten meine unreife Tochter vor den Augen der Eltern. Mich banden sie mit Stricken und warfen mich unter dieOfenbank, dannt ich. mei׳u»e Schmach sehe und nichts tun könne, damit ich mich vergifte :md nicht sterbe, damit ich lebe, als der elendste aller Menschen. Und ganz zuletzt steckten sie uns das Haus -in Brand. Die Weiber liefen davon, wie die Gluckheinne mit ihren Küch- In der Ieitschvift ״Jewrejskaja Podjelja" .veröffentlicht Maxin: Gorki einen offenen Brief, iiu -dem es heißt: ״Ich bvMxäfe, daß der Jude Grund hat, den Russen zu mißtrauen. Wir Nusseu habe:: uns eben etwas spät an -die! Eröte-ruurg her Frage -vander Gleichberechtiig-ung der Juden hevanzWuacht. Doch die Erklärung dafür ist einfach: Sind wir doch -auch n:it der Fürsorge für uns selbst zu spät A״kon:n:en. Das Leiden -ist schändlich und muß anfhöre::! Dies ist das LotmrgÄvort d!erer, die nicht heucheln׳ wollen. Unsere Aufgabe ist «es, alle Kräfte auf den Kan:pf gegen die Bedrückung der Menschen zu konzen- ׳trieren. Der Nnsse ist,0:111 vernünftiges Wesen. Jetzt wird er doch endlich verstehen, daß auch die Jude:: rnssifche Bürger seiin! köimen. Ich verhehle m|i׳r ׳nicht, daß der gewinn,liebende faule russische Jindrustvielle in der )lbsicht, sich vom deutschen Kapital zu befreien, ijn, die Hände des br-itischel: gerat!»!: ift. Vielleicht lernen wi>r endlich, daß die russische Industrie in jüdischer: Händen i-mmerhin eine russische׳ sein׳ kann:, ׳während' sie iln bei: Hauden der Engländer nird Amerikaner bestimmt eine eu,gl׳i-sche oder eine amevi,ka,!:!i׳sche ift. Dies» Erkenntnis ,ist nötig, lvenn. wir nicht wünfcheu, daß Amerikaner und Briten mit,unferei: prodnk- -tiven Kräften, von deren Anrspamnmg jetzt so viel gesprochen wird, )ianbban treiben". Verwechselte Rotten. Vor ei׳::.igen Tggeu fand in Warschau — wie ״Moment" meldet — die! Versammlung eines gewissen Professionellen Arbeitervereines, den: Jude!: und Christen angehören, statt, -in der über vorschiedeiUe ökon>on:i-s«che Fragen beraten wurde. Die Bevhaudlu::,gen wurden die ga»!:ge Zeit in Polnischer Sprache geführt- Schließlich betrat ein Pole die Tribüne und erklärte! zu j,edern:a!:1!:s Ueberraschung folgendes: Da ein-großer Teil der Wrsaimnelten Juden seien, für die jidisch die /leichter ve!rständliche Sprache ist und da er gerade jidisch verstehe, halte er es für seine Pflicht, die gchaltenen Rede!: für die, jüjdischen Mitiglieder ints Jidische zu übersetzen, worauf er tatsächlich In sprechen bega!:׳::. Wie erstaunt mußte aber dieser u-aivr Pole gewesen sein, «als er beit Lärm und die Protestrufe bmuerkte, die sein scheinbar so ei-nsacher um,d gerechter Vorschlag hervorrief. Ein Teil der Versanunelten verließ dejnwustrativ den Versau:urluuigssaal. Der A-usührer der Demoirstratipn, waa׳ ei!:- Jucke. . . . Verwechselte )tollen: Ein Pole spricht jidisch rmd dije, Juden — -denwnstrieren.

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