Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVII (1916)
- Issue
- Heft 9 (9.6.1916)
- Date
- 1916-06-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2621806-2621974-2621983--3430-2624622- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
«rite 1 *Stufte Nstt-P««.» Nr. 9. lau bet die Frage: welche religiöse StMmg nimimst -du als Vorsteher ein. Bist bat orthodox, dann mußt du gegen die Orgelsynagogen a!tlftrete!:, mindestens auf Wlro Amt als Vorsteher verzichten. Gehörst du der liberalen Richtung an und findest du die Existenz der Orgelsynagogen gerechtfertigt, dann fei liberal gen-Uig, andern daraus keinen Vorwurf zu inachen. Wir haben aber Beispiele genug, daß selbst streng orthodoxe Rabbiner, Rabbiner, die als Koryphäen der Orthodoxie gelten, sich nicht scheuten, das Obcjrrabbi>n>at in Gemeinden zu bekleiden, in denen sich auch Orgelsynagogen befanden. Ter verstorbene Oberrabbiner Hirsch m Hamburg war früher Oberabbimer in Prag, wo es vielleicht mehr Or- Allsynagoaen gibt, als in Wien. Freilich hat Oberrabbmer Hirsch wie sein! Nachfolger, der gleichfalls verstorbene OberraWiner Dr. Ehren- ־;fclb g. A. solche Synagogen nicht besucht. Kann >!nja>n, daraus diesen Herren den Vorwurf der Inkonsequenz machen? Und nun gär der Vorwurf betreffs der Ge haltsfrage. Fünfzehn- oder dreißigtausend Kronen soll Dr. Nobel als Jahre'sgehalt beansprucht haben! Es ist geradezu beschämend, auf diesen Vorwurf reagieren zu miissen. Jeder Wiener weiß, wie teuer das Leben in Wien ist, nicht nur letzt, sondern׳ auch in FriodenszeÜten. U!nd ist!es nicht n!ehr als selbstverständlich, daß,ein Mann, der das Wiener und somit das Österreich. Judenhpnzu repräsentiieren berufen ist, sich pMmiär u׳nabhänlgi>g fühlen!nuß, ztunal mtt einen! solchen Einkommen jeder bessere Arzt und Recht sciw tvalt uubedmWt rechnet? Warmu soll denn ein Wiener Oberrabbinior finanziell ärger daransein als e'iini Arzt, dm׳ Advokat oder iciitn. besserer Bank-- Beamter? Freilich, es gibt in Wien ei!n ganzes Heer von Rabbinjeirn׳, die sehr schlecht besoldet sind׳, ärger als >ein besserer Hamdelsgehilfe oder Ge schäftsmisender. Das ist leider wahr. Aber׳ diese Wahrheit ist traurig genug und bildet ein, Kapitel für sich. Dies beweist!noch lange nicht, daiß du von auswärts nach Wien berufener OberraibbilNpr das Los seiner übrigen Standcsgenossen tei'len muß. ,Man sieht aber aus all diesen Argumenten, mit welch' häßlichen Waffen dieser ganze Kampf Algen leinen Mann geführt Wurde, der sich der Achtung einer der größten und vornehmsten dejutscheu Gesntz׳>i>n!de erfreut und dessen ArutstätiA keil wie Charakter über jeden Vorwurf weit e!rhaben ist. Dr. Nobel hat seine Kandidatur zurückgezogen un!d mit Recht. Als schlichter, gerader, kristell klarer Charakter hätte er sich ans den! Wen!er Posten nie recht wohl gefühlt. Kämpfe hat zwar jeder Rabbiner zu!bestehen; die Kämpfe in! Schoße der Wiener Kultusgemeitude sind׳ aber anderer Art. Und Dr. Nobpl ist durchaus keine Kampfniatur, dies schrieb er dem Präsidenten Dr. Stern und dies wird jeder bestätigen, der Geh> reiche!md rein vokstninliche Sprache!׳eigetragen. genheit hatte, ihn persönlich lernen. näljer kennen Jahlzeitslicht. Ich will des Herzens Begierde zähmen, Will mich dem Willen Gottes ergeben, Er hat's gegeben, Er dürft es auch nehmen — Das soll in ich über den Zweifel erheben. WUs hier unten in Mühen und! Plagen Hat gelebt umd hat da gelitten — il1!|b des Daiseins schlveres Joch getragen, Hat seht gefunden Ruhe u,!1d Frieden. Das Witt ich dom ׳stürmischen Herzen künden, WM mein Los mit Zufriedenheit tragen, Vertrauend das Jahrzeitslicht entzünden Und dann meinen Kaddisch sagen. zu, Mrmen seines Schaffens sind Monolog, ׳Dialog, Brieflvechsel und Szene. Er erzählt nicht von seinen .Helden, sie erzählen salbst jeder in seiner Sprache. Die erste seiner Schriften erschien tin vier Bänden in! Jahre 1908. Zn seinen! fünfnnd.gvanzigsäheigen Schriftstiellerjubilänn! 1908 begann man. ein-e vollständige Sannnlnng seiner Schriften zu veranstalten, die bis jetzt fünfzehn dicke Bänide ujmsaßt. Mehr als hundert Erzählnngen erschienen in Sonderausgaben, die ii! Zehntausend Exemplaren abgesetzt wurden. Ins Hebräische wurden vier Bände seiner Werke durch den jungen Schriftsteller Berkewitsch übortvagen. Ins Russische übersetzt erschienen 1910 acht Bände. Auch ins Deutsche wurden viele seiueir Werke übertragen und sind hu, Zeitschriften und Zeitungen zerstreut. Gesaminelt erschien in deutscher Spvacho bis jetzt ׳nur ein Bändchen Erzählungen ״Die verlorene Schlacht" (-Jüdischer Verlag, Ber- Im), übersetzt von Dr. Birnbaum. Scholem Alechem. Der Krieg — der ist, höret, das,größte Unglück >in der Welt. M'jnn -ich Rothschildwäre,!müßten alle Kvijejge gufhören, spurlos verschivmden! Wollt ihr wissen wie? -Dupch!!!ein Geld! Ich WM!eis ׳euch erklären und -ihr werdet s verstehen. Wils!nain mir,neulich erzählt hpit,!!!achten sich ׳bitte Engländer über die Buren her,Deutschs Franzosen uiiM die anderen über den Chinesen, mit den! Zuchtrien!en ,des Schulmeisters iin der Hand. Sie wollten ׳ihn Mores lehren, daß er ßlisnei! Zopf abschneide u!!!d Hosen aulege. Was .geht ׳es -ench eigentlich an? DerChiuese will just oilin weites Kleid und einen Zopf tragen. So soll er ihn Gottes Namen tragen, was ihn! gefällt. Wjessen Sorge ist das? Oder etwa hör Türke mit seinen! roten Fez. Mas geht es jemand an, daß m,an ihn! just ein Stück Land' nach dem anderen NMnehmen möchte? . . . U׳nd wenn von weigjnehmen di/e Rede ist - dia will ja selbstverständlich jeder das beste Stück. Sagt eijnsr: ״Nehmet euch Stambnl Md laßt mir den Bosporus!" so kommt ein dritter uind meint: ״Wißt ihr was? Ihr könnt lange S-tambul und den Bosporus wollen, ich nehme! für mich die Dardanellen..." Darob eilri Lärm: ״Dardanetten? Was heißt das? Wir sollten gestatten, daß du die Dardanellen bekommst? Die Daridauellen sind GemeinWt, sie gchören allen . . ." .wurz, Dardanellen hin«, Dardanellen her, «es Wird solaujge daridiauellt, M von! Kanonenlärm die Luft erzittert und Menschenblut in Strömen sich Aus New Nork wird durch ein Nadi>ot.olegranun geineldet, daß an! 13. Mai der jüdische Dichter Scholen! Alecheu! gestorben ist. Scholem Alechem (Schalom Rabiuowitsch), geboren 1859 tu Perjaslaw(Gouverueinent Poltawa, R-ußland) genoß bis zu seinen! 16. Lebensjahre eine ausschließlich biblisch-tal!mgdi.schp Bildung. Unter!der Wi׳rk!!m׳g der!neuen hebräischen Aufklärungsti'toratuv (Haskala) ׳bejgplnftr er später die europäischeu Sprachen und Literaturen zu studieren. 1880/82 war er Kron-rabbi-npr in Lubuy und bald darauf Kaufmann in Kiew. Nach den Ok-to horpogvomen 1905 ging er vorübergehend Nach Amerika, und seit 1909 inultzte er infolge seiner Krankheit im Ausland Weilen. 1911 besuchte er nochmals Rußlanid, wo er ׳als der berühmteste j!üdische Schriftsteller gefeiert Nmvde. Bei! Aushruch des Krieges ging er׳ von׳ seinen Kurort (Nervi׳) ,nach New Aork, wo ihm jetzt der Tod ereilte. Sei!n>e literarische Tätigkeit begann Ende dev siebziger Jahre als Mitarbeiter der h-eb-räischen Tageszeitungen ״Hazpfira" (Warschau-) und ״Hameiiz" (Petersburg). 1883 beganin er im ״Jüdischen Volksblatt" eiue Ne>i^hevon Skizzen uUd Erzählungen zu veröffentlichen, die sofort di׳e AufinerksMnkeit d>es Leserpnbli>kums auf sich zagen. Im! Kampf ge!gen die sensationelle Boulevardbitevatur, die bmnals den Markt beherrschte, gründete er seiiue ״Jüdische Volksbibliothek". Scholen! Aleche!n war der beliebteste und an!!!!eisten -gelesene Schviftstelleir -der jüdischen Massen. Zu soiujer Populavi׳tät ha!t auchviel seine Aufruf! isns Mmr ergießt, da habt ihr nun eure Dapdauellen! Nuu käme -iich und sagte: ״GeN!ach, Briider, ich We zu Diensten. Un! was ist es euch eiigentlich in den! gajnzen Wirrwa-r zu tun!? Meint ihr denn wirklich ׳die Hagadsa? Odor vielmehr die Knödel?') Lieber gewähre -ich euch ein!e Anleihe, oiinügej MMarden; wenn ׳euch Gott hillft, werdet ihr!nir bezahlen Nun, versteht ihv's? Ich habe ein gutes Geschäst gemacht und bis Menschen hören auf, einander wie Vieh für!nichts und wi>elder nichts abzuschtachten? Und dann — wozu noch Waffen und Heers und den ganzen Lärm; und wenn vor Krieg aufhört,!ist es aus mit dem Neid und dem Hasse. Mas Türke, En>gländje!r, Franzose, Zi!geume oder Jude! — Die ,ganze Welt Milcht dünn anders ׳gus, wie -es \)m\ Propheten heißt: ״An jenen! Tage, wenn der Messias kommt . . . Und vielleicht, ha! . . . wenn ich Rothschild wäre, möglich daß!ich!das Geld' überhaupt ab'- schaffe! Weg mit dem Golde! Was ist denn oigentiich Geld? Geld ist ja bloß eine konventionelle Einrichtung, -ein fingiertes Ding, ein׳.׳ Leidenschaft, dis!grüßte von -der alle besessen sinjd. Wenn es abpr kein! Geld gäbe, kemg Leidenschaft mehr Mir wenden uns in schwerer Zeit analle Mitglieder der Zionistischen Organisation mit der Mahnung, durch Erfüllung der zionistischen Plichten für den Fortbestand der Organisation zu sorgen. Der Ausbruch des Weltkrieges mit allen seinen Begteitninständen hat unsere Orgam-isatiou selbstverständlich schwer erschüttert, aber ihre Grundlage hat er unangetastet gelassen. Die Kraft der Zionistischen Organisation liegt in der Einheit des jüdischen Volkes und in! Willen der Zionistischen Betvcgung, den! heiinatlosen jüdischen Volke die Heimat itiitib damit die nationale Zukunft zu schaffen. Der Zionismus, der -in׳ Hunderttausenden unserer Volksgenossen lebendig ist, kann durch keiir Ereignis entwurgelt werden, darum muß auch die Zionistische Organisativn׳, das große Werk Theodor Herzls, alle Gefahren überdauern. Gesinnungsgenossen! In dieser schweren Zeit bedarf!es der äußersten Kraftanstrengung üller Zionisten, wem!׳ wir die Zionistische Organisation!als das Instrument erhalten -wollen, durch das sich das jüdische Volk seine!nationale Zukunft erringt. Daran! fordern wir von jedem einzelnen Zionisten, daß er seine zionistische Pflicht erfüllt. Die Zionistische Organisation ist auf den! Schefei!aufgebant. Wenn sie ihre Größe erhalten sott, wenn sie ׳nicht in einer Zeit versagen soll, in der .ihr Aufgaben von weltgeschichtlicher Bedcuümg gestellt sind, muß jeder einzelne Zionist dafür sorgen, daß die.Zahl der Schekel, die von der Größe unserer Organisation- Zeugnis ablegt, auch unter noch so schwierigen Verhältnissen nicht sinkt. Wer den Z!onisn!us als Qebensnot- Wendigkeit des jüdischen Volkes fühlt, hört ׳auf unsere Mahnung: Sammelt den Schekel! Die Saiumlungen für den Schekel müssen mit aller Energie fortgesetzt werden. Schekelblocks sind für Oesterreich von! Wiener Zentralbureau, Wjien2 ,׳., Zirkusgasse 33, zu beziehen. Das Engere Aktions-5lon!itee der Zionistischen Organisation. O. Warburg. Hundlch au. Dr. Arthur Mahler gestorben. Am 2. Ma!i starb -in Wictn, im Alter von 45 Jahren dev ehemalige Reichsratsabgeordn!ete Dr. Arthur Mahler, der sich durch seine zionistische Tätigkeit und feine Arbeit für den jüd>isch^!!!ativnalen Gsdainken, -beso-n'ders in Oestermich, außerso gäbe es auch׳ordentliche Verdienste erworben hat. Den! jüdi- .Begreift ihr es nun schen Klub i>m österreichischen Abgeordnetenhaus oder nicht? Nun? Fragt's sich nur: Wo nähme gehörte er mehrere Jahre hindurch an und hat iin m-ain dann 1״a1uf Schabbes"? (Neb Eli-Meilejr dervsr Zeit seines parl-ainent-arischen Wirkens durch tieft sich i>n Gedanken, reibt sich die Stirn» und sein offenes Bekenntu-is z!pn Zionismus nn׳d nntsvßu-cht alle Taschen.) i bank seiner hervorragenden rednerischen Bega- Ja! Wo nehmls ich denn jetzt ,/auf Schabbes"? bmrg die jüdischen Interessen -aufs nachdrücklich- ■1-׳ ׳■״ ״■״״״״׳״she vertreten. Berühmt -fft die Rede geworden,