Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1916-05-26 · Heft 8 (26.5.1916) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVII (1916)
Issue
Heft 8 (26.5.1916)
Date
1916-05-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2621806-2621974-2621982--3425-2624616
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Kein 8. Rr 8 »jlUftl» f iftifhMK.* Chorstück sang der für dieses Konzert wesentlich Mgrößerte llMw. besonders zusmn menge Mite Chor ans Brahms ״Deutschen Requiem": ״Wie lieblich sind Deine Wohnungen" und als Schluß aus Haydns ״He!inkehr des Tobias": das ״Preis Dir- Allmächtiger und,Ehre". Zu Lob Und Ehre des DiriDUeü, öjeß Dberkälitörs Birjlhatlüi ititö seiner Süugerschiaar sei es gesagt: Die Tarnen ü; Herren sangen vortrefflich, mit großer Sicherheit, richtigen.. wirkiingsvollen Stärkegradem tjtit guten Abheben der vier Stimmen von einander bvzw. gesättigter Mischung aller. Birnbaum ist ein gediegener Musiker, Musikwissenschaftler und Historiker, fleißiger Sammler kostspieliger nuskri'Pte und von vielseitiger Bildung. Auch zwei Streichquartett-Agios von Beethoven (ans opus llst, Nr. 2, Enuoll) und Schmnann (aus ovus 4t, Nr. 1,Ä-mM) würden durch die Herren Becker, Fräülein Heinrici, Muter u!i!d Herbst hnpküngsvoll, in, künstlerischer Ausführung, zu Gehör gebracht. Allerdings, wie ich es voraussah, eignete sich diese Kammermusik nicht recht für den großen Raum und den großdimensionalen Charakteir des sie umgebenden sonstigen Programms- Da fohlt für derartig intime Musik die nötige Herzens stille. Zu erwähnen ist noch die Bearbeitung einer Hebräischen Melodie für Orgel und Streichorchester von Nob. Franz, desfett klangreicher Komponistennamen auf den volkstümlichen Muttern öden dieses Melodiethellws vorteilhaft reflektiert. .Sollte es auch wirklich, nach Pchaüptung Dieser und Jener, keine spezifisch hebräische Musik, geben -- das jüdische Nationalbewnßtsein darf dennoch die Goniigtimg haben, daß seine Synagogalmusit sich irgendwo oder — wie im׳ die allgemeine׳ Musikgoschichtc und den Konzertsaal eingliedert und der Mu.siKve.lt zugänglich gemacht wird. Das U>ohl nur aus Streichern und Hörnern bestehende Orchester leistete unter Birnbaums Leitung Achtungswertes. So hat denn durch dieses Wohlgelungene Synagogenkonzert, anerkannt n. durch künstlerisches Mitwirken und zahlendes Erschef- Neil deg christlichen Mitbürger unterstützt, die hiesige Iudeuschaft auch indieser Form ihre Patriotischtatkräftige Äiiteilnahme äti bptt Bürbeit des Krieges zu.in Ausdruck gebracht nebst den sonstigen Opfern — auch den blutigen dos Schs.achtfe-s'des die das .gesamte Israel Deutschlan'ds bringt. Dr. I. H. Wallfisch. Marschau. Die Warschauer Rabbiner deröffentlichen in der Presse einen AM'ill an die jüdische Bevölkerung, in den! sie auf die Gefahr ansteckender Kvgnkheiten aufm!erk|am iiiacheN Nüd dazu auffordern, die sanitären und hygieuischeu Bestimmungen der Polizgi auf das strengste zu beachten. Gleichzeitig legen die Rabbiner es der Gemeindeverwaltung aus Herz billige Wäsehe- und Badeanstalten für Arme zu errichten. Dia Gemeindeverwaltung beschloß, die Forderling der Rabbiner zu berücksichtigen, und setzte zu diesem Zweck eine Komnlission ein. — Vor kurzem fand eine gemeinsame Beratung der VorstelM alter Warschauer Synagogen statt, an der ungefähr 170 Synagogenvorsteher teiluahmen. Die Beratung hatte zum Ziel, die Verwaltungen der vielen Synagogen der Stadt 3u einer ein heitlichen Organisation zusammenzufassen- An der Beratung Meiligten sich Rabbiner Dr. Poznansky, Farbstein, Dr. Stlimiä, Iazkan und andere. Der Ve.rsn.ch stieß aber aus heftigen Widerstand seitens einiger Führer der Ehassidim, denen es gelang, die Vereinigung zu verhindern. — In den Lodzer Volksschulen stieg unter deutscher Verwaltung ungeachtet des Krieges die Zahl der Kinder, die in Volksschulein unterrichtet werden, gegen die Zahl vor dorn« Kriege bald um das dop- Pelte u. wird lveiter steigen, da in nächster Zeit ■neue Volksschulen eröffnet worden- Au deutschen städtischen Volksschulen bestanden am 15. März 1014 SU Schulen mit 04 Abteilungen und 4000 Kindern, gegenwärtig sind 40 Schulen mit 124 Abteilungen und 0020 Kindern vorhandern Polnisch-städtische Volksschulen gab es am 15. März 1014 47 mit 152 Abtei!urigen und 0050 Kindern, gegenwärtig bestehen 01 Schulen mit 240 Abteilungen und 11050 Kindern. Auch die Zahl der jüdischen Schulen, die 1014 18 mit 58 Abteilnn- Ml un,ö 2080 Kindern betrug, stieg auf 42 Schulen mit 144 Abteilungen und 7100 Kindern׳, ebenso lvuchs and) die Zahl der russisch-orthodoren und moskowitiseu Anstalten. Insgesamt bestanden am 15. März 1014 101 Schulen mit 414 Abteiluitckell und 15440 Kindern; gegeilwärtig gibt es 147 Schulen mit 500 Abteil tut gen und 21-110 Kindern. fuclen Oesten-eict18! ln ernster Zeit׳ tritt der ״Jüdische Natio- Tl-alvOfdüi in Oesterreich“ an die österreiehisehen Juden mit dem Malitirufe h&ran, sieh zu sammeln und zu organisieren. Diie alte Habsburger-Monarchie wird nach dem Kriege, nach siegreicher Uebenwiindung .ihrer äusseren Feinde an ihren inneren Umbau zu einem modernen Völkerstaate, zu einem!Rechts, (Kultur und Wirtschaftsstaate schrei Uten müssen. Anlässlich dieses ‘Historischen Momentes werde,11 Als Nationalitäten (mit ihren Fordetuingen herantfeten.. BerÜcksiciifciigung aber werden nur jene finden, hinter welchen starke Organisationen als Machtfaktoren Stehen. Die Juden der Monarchie werden dann einen, harteri Kampf für diie Gleichberechtigung als ׳Nutfen, Religion .und Staatsbürger führen!müssen; Del' ״Jüdische National verein in Oesterreich“ der auf reich Streuer und volkstreuer demokratischer und soziail-reformaftorivschef Grundlage fasst, erstrebt in erster Linie die Anerkennung der Juden als glaichberecht!igke Nationalität in unserer Monarchie. Um diesen Kampf für seine jüdisch-natkmalen, modern-östenreioh., d'emakral. und׳ soziial-refonmater tischen Anschauungen energisch führen zu können, ist es unerlässlich, dass dies durch Massembeitiritt der Juden Oesterreichs ermöglicht wird. Schon jetzt harren des ״Jüdischen Natiiünaivereines“ wichtige Aufgaben sozial-Wilirtsohaftilicher und Nation Apolitisch er Natur, an deren Lösung er jedoch naturgemäss während d'es Krieges unmöglich herantreten kann. Umso früher und intensiver wird daher seine Wirksamkeit ,auf allen diesen Gedieten nach dem Kriege ein setzen müssen. Nun glt es die gegenwärtige Kriegszeit gehörig auszunützen, diese Arbeiten vorzube reitten, sich gleich den anderen Völkern der Monarchie zu sammeln und zu organisieren. Mögen sich allerorts die gesunden, treujiidir sehen Elemente in den Dienst dieser wichtig gen Organiisierungsarbeit stellen. Besonders aber die Juden im Osten der Monarchie,die sich gerade während dieses Krieges vom Wert einer politischen Reichsorg,aniisaitiiion mit dem Sitze .in der Reichshauptstadit, welche!ihre Interessen und Beschwerden direkt und nachdrücklich bei den Zentralstellen zu vertreten in der Lage;ist überzeugen konnten. Der ״Jüdische National verein in Oesterreich“ ist ein politischer Verein. ׳Sein statuarischer Zweck ist die Stärkung des jüdischen Stammesbewusstiseiins, die Wahrung 11. Förderung jüdisch-nationaler Bestrebungen und ׳Einrichtungen, Sowie die Geltendmachung der Interessen der Juden Oesterreichs auf politischen, kulturellem und wirtschaftlichem Gebiete. Diie Mittel zur Erreichung dieses Zweckes sind: a) Abhaltung von Versaminhingen, b) Veranstaltung von Vonträgen und geselligen Zusammenkünften, c) Aufstellung und Unterstützung gesinnungstüchtiger Kandtdäten für die verschiedenen öffentlichen Vertrefcungsköriper in Oesterreich, d!) Herausgäbe u. Verbreitung von Flugschriften, Broschären und anderen Druckschriften gemäss den Vorschriften des Pressgesetzes, e) Abfassung und Kundmachung von Petitionen, Adressen, Denkschriften und Aufrufen, f) Gewährung von Rechtsschutz an eines so!- dien bedürftigen Juden. Mitglied des Vereines kann jeder grossjährige, eigen berechtigte, jüdische Mann sein der das Staatsbürger recht in Oesterreich besitzt. Der mindeste Jahresbeitrag beträgt K I.—. Juden Oesterreichs, wollt ihr in dem werdenden Neu-Oester reich einen Anwalt eurer nationalen, politischen und Wirtschaftlichen luitressen, wollet׳ ihr die Zusammen fassung aller Juden des Reiches, dann schaffet durch Beitritt 211 m ״Jüdischen National verein in Oesterreich“ eine starke politische Reichs- Organisation. Für den Ausschuss: Ingenieur Robert Stricker, Obrnan Advokat Dr. 8. Kassner, Obmann-Stellvertr., Redakteur M. Henisch, Sekretär. Beitritt9erklärungen sind an das Vereinssekretariat, Wien, 2. Zirkusgasse Nr. 34, zu richten. Jliickct&cfprccfuingcn. Wir möchten die Aufmerksamkeit unserer Leser ganz besonders auf ein׳ uolierschieiieiros Wjerk lenken, welches irr der Tüt die größw Brachtuug verdient. Der rühmlichst bekannte Forscher Z. A- Jdclsohn ivelcher sich die üLrauv ״י .... rige, aber auch in höchste tu Maße verdien stoolle imd wichtige Aufgabe gestellt hat die Melodien der orieutalischeu Juden aufzuzeichneu, beginnt diese Pitblikationen mit den ״Melodien der jemenischen Juden" (Hebräisch-arientaUscher Molodienschatz, Verlag Breitkopf 11. Härtel, Leizig,) Dor verdi-enstvolle Verlag hat diese! Sammlung in einer schönen itnib deutlichen Ausgabe herausgegeben. (Preis M. 10.-—, gebunden M. 14.-.- und trägt dadurch auch dazu Ui, dast die altjüdischeu Molodien, welche, wahrhaft schön und ergreifend sind, die verdiente Achtung und Würdigung finden- Wenn mail das Werk aufschlägt, merkt man auf den ersten Blick, die glükliche Mischung von Energie, künstlerischer Geschicklichkeit und musikalischem Verständnis, mit Ivelcher Idelsohu liier 200 Melodien der Juden aus dem Jemen gesammelt, gesichtet, zu Papier gebracht und dadurch den weitesten Kreisen zugänglich gemacht. Idclsohir gibt in diesem Standardwerk durch hochiutereßante Einleituugeu uud Erläuteruugett ein. Bild-der jominitischeu Juden, ihrer Lebcusanschauilug imd der Geschichte ihres Gab tesdienstes und durch dieses Bild lernen! wir erst die eigentümlich wehmütige!t und doch von einer Lebenssenhnsucht durchdrungenen Melodien dieses jüdischen Stammes aus ihrem Innern heraus verstehen. Fast, alle Melodien bewegen sich in einem schmerzlich-süßrm Itytmus, wie mau ihn in Goldmarks ״Königin von Saba" empsind-et. Wir möchten jedem jüdischen Haus, in ivelcheii! musiziert wird, die Anschaffung dieses Werkes!empfehlen, welches, wenn es!auch eine künstlerisch und ethnographisch bedeusame Erscheinung darstellt, vor Allein der jüdischen Jugend dartnu soll wie sich das Judentum durch treues Festhalten au der überlieferten Religion und ihren subjektiven Auffassungen, zu denen wir auch die Melodien zählen können, durch die Jahrtausende erhalteu hat. So manche dieser uralten Melodien dürfte noch im Tempel in Jerusalem erklungen sein, als die Priester bei den ersten Sonneustrahlen des Morgens die Loblieder begannen. Dem Herausgeber solvie dem Verlage gebühren volle Auerkennung und wir möchten es nicht unterlassen, darauf zu verwesseu, daß sich unter den Juden im eroberten 4iussisch-Palen ein riesiger Schatz von hebräischen Melodien befindet und es nicht ratsam erscheint, die Hebung dieses Schatzes auszuschieben- L. G. Wir von der Südfront. Ernstes und Heiteres aus den Kämpfen in Serbien und am׳ Jsouzo von Wilhelm Winkler. Manz. Men-Leipzig. M. 1.— K- 1.40 Die Hauptschwäche der meisten Erscheiiningcu aus dem! Gebiete der Kriegsliteratur hat ihre Ursache darin, daß den Erlebenden die kundige Darstellung, den kundigen Darstellern das Erleben mangelt. Die höchste Bereinigung dieser beiden Momente, das tiefe Durchsühlen des vielgestaltigen Erlebeusstvffes der Front u. eine formvollendete farbenreiche Darstellung desselben ist es, Ums die Winklerschen Kriegsstizzeu hoch über die Menge der üblichen Erscheinungen stellt. Der Verfasser findet ebenso richtig die starfeil Töne für die grauenvolle Wucht der Kampfeveignisse wie die zarten für inniges, gemütvolles Erleben in den Kanipfpausen׳, aus allen Spalten und Fugen aber lacht mit gesunden ׳Humor der Schalk durch. Es ist das Buch eines feinsiimigen Dichters und ganzen Mannes, aus dem alle, deren Lieben-draußen in der Front stehen, Freude und Zuversicht schöpfen Iverden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.