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Jüdische Volksstimme · 1916-05-26 · Heft 8 (26.5.1916) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVII (1916)
Issue
Heft 8 (26.5.1916)
Date
1916-05-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Rr. 8 L«Üe ft. An den Tefilin (Gebetriemen) anfgehängt. Wie dem Nelvyorker ״Vorwärts" von einem׳ Angenzengen berichtet wird, haben die Russen in Zikow den 72jährige1t Mendel Schissmann, dessen tsjähvi^cit Sohn Berschel, den nOjährigen Leser Perlmutter, dessen Eidam und den Ithähriben Josef End wegen Bewirtung österr.mng. Soldaten nn den Tefilin. aufgehängt. Russische Taktik in der französischen Armee. Unter der Ueberschrift: ״Ist es wahr?" erzählt die ״Hnmanite": ״Als die serbische Armee sich auflöste, wünschten mehrere Aerzte. die sich in Serbien engagiert hatten, in der franz. Armee weiter zu dienen. Der französische Minister antwartete, hierauf: ״Entsprechend den Wünschen der russischen Negierung lverden die vrthodoren Russen in der franz. Armee znge lassen; die politischen Flüchtlinge werden, je nach dein einzelnen -Falk, zinzelassen oder nicht; die russischen Indei^ können in! keinem Fall anfgenvmnwn werden." Notiz Das in. Rr. "> am 1April 101(. erschienene lR׳ dicht ״Siegeslied" ist von Frl. Malvine Grün- Wald, Wien, versaht. <klorresponlle«>z<׳n. Brünn. Frl. Julie Röhlor (Schülerin der Frau Bein na Singer-Btirian) ivnrde als erste Koior׳atnrsä׳ngerin am das Stadttheater in Brünn engagiert. Prvsrilitz. (Nachruf!) Am Ezernvlvitzer Friedhof ist ein Grab, das Wohl Feit unseres Lebens eine Träne des Herzens uns entreißen lvird, an dessen Hügel nicht nur eine alte Mutter klagt, eine Schwesier schluchzt, sondern eine ganze Indengenieinde vom Schemrze gebeugt, Wiorte grössten Leides spricht. Stets wird der Oelbaum mit dem Namen dieses teueren Toten Prangen, die Gedanken uns verratend, weinet nicht ob des Heldentodes nn-seres geliebten Geßnnnngsgonossen Leopold Neuhof! Israel, dem Gottieskämpfer, entsprechend, fiel er sür's Vaterland, ine.Kampfe mit jenem Volke, das unsere Brüder so knechtet, ging er zur Ruhe am Wege der Vollendung seiner Ideen. Wie oft hat er uns die Schicksale dieser unserer armen Brüder erörtert und uns sodann gemahnit, nie an Herzl's Worte zu vergessen: Helfet, wo nur zu helfen möglich ist. Leopold Neuhof war aber auch der wahre Volksmann, und als solcher knüpfte er uns zu einem Ganzen zusammen, gab seln lebtes Scherflein für ein׳ edles Werk, gewährte jedem Fremden Hilfe und Schub. Daruin kann auch n!nr ein Psalntistenwort uns trösten, ״iniimlosii lo äftach Pi, ki ato osstßv" Was sollen wir tum•. Du, Allvater, hast es gewollt! Nur seine irdische Hülle ruht im Grab, sein Geist ist unter uns, und wenn einstens in friedlichen Feiten Um׳ dir Gräber nn.serer gefallenen Brüder besuchen lverden, lvird dieser Hügel uns ein-Altar sein! Jüdischer Handlungsgehilfen- Verband Prohnih. Oderberg-Bnhnhof. Die in der hiesigen Garnlson. dtensltnende Man-nschaft, sowie die in den Spitälern in Pflege befindlichen Soldaten und russischen Kriegsge fange neu mosaischer Konfession, konnten, dank der altbewährten Opferlvilligkeit der hiesigen jüdischen Gemetndemitglieder, der hilfsbereiten Tätigkeit des hiesigen Frauen- Vereines, in.sbesondere seines unermüdlichen Präsidiums, gepaart mit dem liebenswürdigen Entgegenkommen des hochlvnrdigen Rhchbinat.es, nicht nur streng rituell, sondern auch reichlich beköstigt lverden. Den lZipselpnnkt edler Mildtätigkeit!!׳Nb geistiger Erbauung bildeteir die Soldatenabende, bei deren Einleitung Seime Ehrw. oerr Rabbiner Tr. Friediger dem anwesenden StationskomimandallteU, Herrn Oberst Franz Gabler und den soilstigen Feslgästen, Worte Herz-! innigen Dankes entbot. Ill dieser großen Zeit zu danken, wäre kleinlich. Einst zu unseren Familien heiiilgekehrt, )vollen lvir Hilfsbereitschaft in solch!reichlichem Maße und herzerfreuendcr Freund-!lichkeit in n-nsere Gemeinden verpflanzen, zur Erinnerung an den Pessoch in Oderberg. Einer für Alle. Wien. In der öffentlichen Sitzung des Knltnsvvr stau des brachte der Präsident Dr. Alfred Sterin, ein Schreiben des Herrn Rabbiner Dr. Nabel, Frankfurt a. M., zur Verlesung, im■ dem ׳es heisst: ״Svglieich nach meiner Rückkehr ans Wien wurde mir liier ׳eine Adresse überreicht, die von den libevalen und konservativen Führern der ׳Gemeinde, vom geiamlen Vorstände und R-epräsentantenkolleginin, von der gesamten ״B'üe B'rith"-Loge unterzeichnet nlld .außerdem von 1 :00?־ Unterschriften bedeckt war. Die Gemeinde bietet mir Garantie dafür, das; ich Um bisher schon de facto so fortan de snve ein Oberrabbinat bekleiden lverde, ohne den Titel eines Oberrabbiuers zu führen. Die einmütige Erklärung mein-er Gemeinde gipfelt dari.ir, das; he in meinem Weggange einen unersetzlichen Verlust sehen würde nicht nur für Fran.kfur a. M., son.d.rn für die Sache der Einheit des deutschen Judentums gegenüber -den Separationsbestrebungen ■von■ rechts und links. Dies Habe ich mit göttlicher Hilfe durch eine frledliche, im Sinne der Milde und Versöhnlichkeit geübte fünfjährige Tätigkeit erreicht. -- Demgegenüber stehen■ die schweren Kämpfe, die für mich in Wien zweifellos in Altssicht sein würden. Un!d nicht nur mir sondern auch Ihnen Herr Präsident, und der ganzen Verwaltung der Gein.einde. Ich hin keine Kampfnatur, sondern bin empfindlicher, als es etneini znkommt, der bereits seit zwanzig Jahren in öffentlicher Stellling steht. Alls all diesen Gründen bitte ich ergeben ft, von. meiner Berufung nach Wien, abznsehen und nlich ׳auf bem friedlichen und bebaut־ tenden Posten zu belassen, den ntir die Vorsehung angewiesen hat. Der Präsident knüpfte an die Verlesung dieses Briefes dett Ausdruck lebhaftesten Bedauerns, daß Näbb. Dr. Nobel sich ztt dieser Absage veranlaßt fand. Berlin. Bekanntlich hat innerhalb der Kriegswirtschaft die Heranziehung des Blutes zur Verwertung für tnenschliche Nahrungszwecke in. unerwartetem Mähe zngenommeu; insbesom-- de re lvird Blut zur Herstellung billiger Wurstivaren verwendet, die für die- Volksertlährung von groher Bedetttnng sind. Bisher war mm die Verwendung des beim Schächten ausfließenden Blutes untersagt, lveil es zumeist dltrch Austritt von. Mageninhalt ans der Speiseröhre stark verunrein igt ist. Infolgedessen konnte das Blut geschächteter Tiere nicht verlvendet lverden, und an vielen Orten machten sich deshalb Bestrebungen geltend, das Schächten eittzuschränken oder gar zu verbieten. Neuerdings ist diesen Bestrebungen der Boden dadurch entzogen worden, das; es gelingt, unter Anwendung einer Schlnndzange nach dem Schächtschnitt die Speiseröhre ztt verschließen und so auch das beim Schächten ausfließende Blttt vollständig rein und brauchbar zu erlialten. Ein soeben ln! der ״Berliner tierärztlichen Wochenschrift" Nr. tu erschienenes Gutachtelt des prensstschen Landes-Beterinäramtes befürwortet die Freigabe des Blutes der dltrch Halsschnitt geschlachtetett Tiere zu Nstrhrttttgszlvecken, wenn die Schlttndzange bei der Blntentziebnng rechtzeitig angelegt ist. Es sind verschiedone Formen von Schlundznngen in Anlvendnng, die sich an t'nehreren Ortet! belvährt haben nind die es ermöglichen, das Blut der geschächteten Tiere für die aNgemeine Volkswirtschaft nutzbar zu ntachen. Die Anwendung der Schlundzange muß natürlich genau nach gegebener Anweisung erfolgen und stets überwacht werden. Hinter dieser Voraussetzung hat, wie die ״.kölnische Zeitung" vottt Z. Mai mitteilt, das Reichsamt des Innern auf Grund eitles Gutachtens des Kaiserlichen Gesnndheitsamies obiges Verbot aufgehoben und! die Verwendung des Bltttes geschlichteter j Xi׳־v׳i*e zu Genuhzwecken gestattet. Frankfurt a. M. (Die Tätigkeit des Vereines , Lemaan Zion in Palästtina.) Die Angenklillit des Vereines Lelnaan Zion in Jerusalem war j tnabrcnb des Krieges sehr stark in Anspruch ge- , ttoin'tttcn tntd die Tätigkeit derselben eine der selzensreichstett Arbeiten für Palästina. Die Dringlichkeit der Mlimif hat auch der k. k. österreichische Generalko.u.snl in Ierusaletn dadurch erkannt, das; er dem Ehefarzt öer Augen- und Poliklinik, Hrn. Dr. Tycho, der sich zu Anfang des Krieges zur militärischen Dienstleistung nach Oesterreich begeben wollte, dies tticht gestattete mit der Begrün׳- düng, das; seine Tätigkeit in Palästina wichtiger ist. Der Andrang in der Poliklinik war auch mährend .der letzten W in lernt onate ganz enorm. An mattchett Tagen wurden über 800 Kranke völlig unentgeltlich behandelt. Aber auch die geringe Anzahl der Bemittelten itt Palästina haben gegen Entgelt die Klinik gerne in Anspruch geuommcn. Hohe Würdenträger anderer Konfession haben sich einer Operation! in dieser Klinik unterzogen. Da infolge der äußerst schwierigen Peknmären Verhältnisse in der Augenklinik ärztliche Assistenz und Pflegepersonal verringert werden mußten, so hat Jamal Pascha, Kommandant der vierteil türkischen Armee, zur Bewältigung der ungeheueren Abeit in der Poliklinik vier Äbsolvettten der Hochschulen von Damaskns und Beirut der glinik als Hilfe zur Verfügung gestellt. Wie lvir!erfahren, hat der Vereini Lenlaan Zion! int vaterländischen Inte rosse dem deutschen und dent k. k. österveichischen Kriegsministerinm seine Klittiken für eventnelt durchzi-ehettde detttsche ttnd österreichische Soldaten zur Verfügung gestellt. Ties Angebot wurde mit Dank angenommen. Königsberg i. Pr. (Syttagogett-Kottzert.) Fnm Besten der Hinterbliebetten der Unter- Offiziere und Ma.u,n'schäften des 1. Armoekorps fand -am 2- April d. Js. in der hiesigen neuen Synagoge ein LonMt statt.Die ersten Männer der Militär- und Zivilbehörden, der Presse, der .gltnst und Wissenschaft, der (Geistlichkeit beider Konfessionen u. s. lv. zeichnptett als Ehren-Ausschnss die große Attküttdignttg in den Tageszeittingen. Ein >a׳l׳.׳we.chseluttgsretches Programm und ein vielverheißender Solist obendrein belvirkten, nächst dem lvohltätigen Zweck, dass fast alle Plätze besetzt waren-. Die Synagoge ist ein Rohbau, würdig, schlicht, dabei schön im großen Jnnettranm- Das Programm sollte aus praktischeu oder künstlerischen Gründen vielseitig sein. Der bedeutendste Organist der Synagoge spielte eingangs den 1. und 2. Satz aus Rheinbergers F Dnr-Orgelkonzgrt mit Orchester mit bekannter Meisterschaft. Der Solist des Abends war Kammersänger I. v. Raatz-Brockmann, Berlin. Seitt Bariton ist recht tonhaltig, edel, in den verschiedenen Registern gleichwertig mnsgeglichen, der Vortrag tertgemäß gestaltend, warm, die Aussprache überaus deutlich und auffallend vernehmbar. Er sang ans Handels ״Judas Makkabäns" die Arie: ״Fromme Andacht", ״Ernste Gesänge" Nr. 2 und 2 von Brahms nach Worten des biblischen Pessinüsten aus dem Prediger Salomo, Beethovens ״Die Ehre Gottes" und ferner das Baritonsolo in, dent von Franz Schubert 1828 für den Wiener ׳Synagogenchor komponierten!>2. Psalm. Nach dieser Gelegenheitskomposition den berühmten Liederdichter zu werten uniir׳ gewiss verfehlt. Aber, drss er dieses volkstümliche, melodiöse, für Laienohren berechnet׳.׳- Opus der Synagoge gewidmet, kann ihr nur zur Fvetüde und Ehre ^reichen. Einen geradezu tiefen Eindruck machte der Sänger mit Falir Mendelsohns Arie ans: ״Elias" — ״Es ist ge ^nug". Außer dem obengenatmten Schubertschen

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