Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVII (1916)
- Issue
- Heft 8 (26.5.1916)
- Date
- 1916-05-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sekr 4. Rr. 8 den Hilfsplatz anfsuchen zu dürfen. Sein Lohn Ivar die ״große Silberne". Dank der jüdischen Gemeinde in Jerusalem an das Ministerium des Aenßercn. Die österreichisch-llngarisckx israel. Kcnu׳.inde in, Iernsalen! hat an .das Ministerinm des Neu- Heren in Wien folgenides Dankschreiben für die zu Gunsten der in Nahrnn.gAnot schmachtenden Indenschaft eingeleitet.e Hilfsaktion gerichtet: ״Die Unterzeichneten beiehren sich einen: hohen Ministerinin des Neu ße reu den Ausdruck ihres tiefgefühlten Dankes zu nnterbreiten. Unsere Notlage war auf das Neusterste gestiegen. Wir drohten buchstäblich zu verhungern. Da wendeten wir uns hilfeflehend an unser Vaterland und dank dem hochherzigen Vorgehen des hohe!: Miuisteriums ist uns die erbetene Unterstützung zu teil ,geworden, der verbrecherischen Brotpreis treiberei wurde in den Arm gefallen und unsere Kolonien sind vor dem Untergang bewahrt. Wir bitten ein hohes Mi'nisteriuni, die Versicherung unserer tiefsten Ergebet!heut und treuer patriotischer Gesinnung cntgeg-ennehiuen ztl wollen. Mit ,vorzüglicher Hochachtung ergebenst H. Brecher und C. S. Klinger." Rituelle Verköstigung jüdischer Soldaten. Auf verschiedene Anfragen wird mitgeteilt, dast das k. u. k. Kriegsministerinm, Nbt- XII-, bezüglich der rituellen Kost für die israelitischen Man»nschaftspersonell mit den Erlässen Nr. 116.186/16 vom 6. Januar- 1016 und Nr. 61.640 vom 1. April 1016 folgendes verfügt hat: ״Den Soldatell isr. Glaubens ist nach Möglichkeit die rituelle Kost durch Köche ihrer Konfession., namentlich bei jenen Unterabteilungen zubereiten zu lassen, bei, welchen ein!größerer Prozentsatz dieser Mannschaft vorhanden ist. Das Zu trageil rituell zuber-eiteter Kost wird.nicht gestattet, hin gegen wird über vorgebrachter Bitte die Auszahlung des Menagegeldes aus die Hand, jedoch nur an ben höchsteil Feiertagen bewilligt. Mehrkosten dürfen keine erwachsen." Nach Berichten, welche der k. li. k. Mili.tärseelsorge zngegaugcn sind, ist bereits an mehreren Stationen die rituelle Küche eingerichtet. Jüdische Kriegsbilder. Der bekannte jüdische Maler Isidor Kaufmann, der Schilderer des jüdischen Volkslebens und seiner Typen, schildert in einem Gespräche mit einem Wiener Journalisten den Einfluß, den der Krig auf sein Schaffen geübt hat: ״Ich rüste-- te eben zu meiner Studienreise nach Belz in Ostgalizieu, gls der Krieg ausbrach lind mich daran hinderte, nleine Studienplätze, auf denen ich alljährlich viele Moilate lang Nlalte, zu besuchen die Arbeitsstätten, aus benen ich die Motive, Haildluugen und Gestalten seit langen zu meinen Bildern schöpfte, waren mit einem Male zu einem einzigen Kriegsschauplatz geworden,-aus denl die großeil Entscheidungen dieses Weltkrieges ansgefachten wurden.״Galizien nnd Russisch-Polen Mir fehlte gleich vielen autderen zu Beginn des Krieges die Ruhe, die Kraft zur Konzentration — nmonatelang stand!neine Arbeit still. Bis jene nni-geheure. Welle, die alle wachrüttelte, über das ganze Land, über ganz Wien brandete: das Flüchtlingselend. Als Mensch -anfs tiefste bewegt, stand ich als Künstler vor lleuen Problemen, lind im besonderen als Maler, dessen Lebensaufgäbe der Darstellung des jüdischen Lebens gegollen hat. Ich verbrachte alle Zeit bei den Flächtli.ugen, ging unter sie, beobacht, sehend lauscheild Die Gestalt dieses oder jenes Packte mich: ich hielt sie im Bilde fest. Jminer aber war eine Unruhe in rnir, ich hatte das groste Erlebnis noch nicht restlos erfasst, in seiner ganzen Gewalt zum Ausdruck gebracht. Bis es in völliger Klarheit vor mir stand: Heimatlos, losgelöst von! Haus und Hof und ihren daran wurzelnden Sitten und Gebrällcheil, standen diese Flüchtlinge inmitten einer neuen Erscheinnngswelt mit grell kontrastieren-- her Lebensauffassung. Verwirrt suchten sw!mach einem Halt und fanden ihn, Um׳ vor Iahrhunderten schon, in ihrer Religiou, in ihren inibrünstigstell Gebeten. So heiße ״Ewiger, erhöre uns!" ich mein letztes Bild: in. -ihm habe ich verflicht, das bewegende Flüchtlingserlebuis zum Ausdruck zu bringen. Vor kurzem habe ich diese Arbeit vollendet. Jetzt Plaile ich ei׳ue Mise nach Galizieil mb Nussisch-Poleu. Ich will selber sehen, was ben Krieg überdauert hat. In den nenarbauten Heinlen, beeillfücht durch das Leben in unseren Städten, wird gewiß manches voll der ä11ß.׳ren Erscheinungsform des Menschen, die ich male, abbröckeln. Zahlreiche meiner gal i zischen Modelle, die nach Wien geflüchtet Ivaren 11nb sich i,u> ihrer Not ml illich wandten, schilderten mir, wie die alten — auch künstlerisch wertvollen — Holzsynagogcn, die iul Frieden leider allzu wenig be achtet wurden, dem Krieg zum Opfer gefalleil sind. Von Trachten, und gar von benen der Frauen, war immer wellig vorhanden — sind sie ja kmlnl irgeildlvo genaner beschrieben. Ich möchte nun das M!nige, das von altjüdtscher Ersckiei nnngsform noch übrig und künstlerisch zu erfassen ist, festhalten, damit es für lmige Zeiten iin Bilde fortlcbe." Die Kosaken in Dembica. Um 8 Uhr früh langten die Kosakenin Deinbi ca au. Die Juden, die bereits die erstell Plün- -derliugsqualeu der gewöhnlichen ״-braven" Trnp- Peil überstanden hatten, wäret! mit ihren Frauen und Kindevui iu der Synagoge versammelt und ahnten nicht das SchreckUche, was ihrer noch vor ״Tekias Schofer" wartete. Die Kosaken stürzten in die jüdischen Häuser mit Roß und Gelvehr - und was nicht niet- und nagelsiest war, wurde zertrünrmert u!ud auf die offene Straße geschleudcrt. Doch staunten die Schurken, daß sie keinen! einzigen Inden zu Gesicht bekamen, und forschten nach der Ursache. Es war ihnen nicht schwer, diese gleich zu erfahren. Da gab es ein jubelndes ״Hurrah": ״Gehen wir zu den Iewves, sie sind alle in einer Stube zil haben!" und in wenigen Sekunden war die Synagoge von den Kosakensotnien umzingelt. Wie wilde Tiere stürzlen sie, sich über die wehrlosen Frauen, die i׳n der Frau heran treten, geschaffen werben kann. In jüngster Zeit sind eine Reil)e von Lebensversicherungen zu Gunsten des Nationalfonds durch Zionisten und Palästinafrennde abgeschlossen worden, ebenso wir. der Verwaltung von verschiedenen den N. F. stressenden Perinächtnissen berichtet worden ist. So hat u.ader vor einigen Monaten verstorbene oanadische Zionist Abraham Falick, ein treuer Freund des Natioiialfonds, dieseum auf Grund einer Mx'nsversicherung^Police einen ansehnlichen Betrag hmterlassen. Herves Wünsche für Rußland. Alis Bern meldet das Korr.-Bnr.: Das Inbilänni des rnssistch-fvanzösischell Bündnisses feiert Herbe in der ״Victoire" mit folgenden Worten: Diese silberne Hochzeit, selbst trotz der Schinerzen der .gegenwärtigen Stunde: wie würdesie schön und freudvoll sein, wenn Viviani. und Thonlas -vo>n Rußland mit einem Hochzeitsge schenk znrückkämen, das in dem Versprechen einer -allgemeinen Aln-nestie für alle nufere Freunde bestände, die vn den -Gefängnissen Sibiriens schlnachten, nnd außer dem« das Versprechen ei-ner -weitgehenden Autonomie für das wiedererstande-ne, zur Nation -gewordene Polen sowie das Versprechen enthielte, dast die Juden in gmlz Rußland bürgerliche -und Politische Gleichberechtignng erlangen würden, endlich, daß de׳r Zar, gestützt ,auf die Duma, selbst das neue Rußland regieren werde auf den Wiegen der Demokratie und des Liberalismus! Ausweisung russischer Juden aus England. Nach dein Blatte ״Iewish CHronicke" sott der Ministerpräsident Asqnith auf das Drängen Nlst-stands beschlossen haben, alle in England wohenabteilung versanunelt waren und vergewaltigncndcn rnssisch-jndischell Einigrailteil, die schon ten sie. Die sich llx'hrten, wurden erdolcht und zu; vor vielen Jahren!nach England ansgewaudprt Tode getreten. Beherzte Frauen stürzten sich waren, um dort das britische Gastrecht vor den durch die Fenster uub verletzten sich schwer, aber Verfolgnngen in. ihrer Heimat zu genießen, nach auch diese verschonten die Untiere nicht, von den, Rußland -zurückzuschicken. Sie sollen dort in das blutigen Nagaiprügeln starbell viele ans dem Heer des Zaren eingereiht werden. Synagogenplatz unter qnalvollcil Schmerzen. Den Männernvprbot man, die Synagoge zu verlassen, durchsuchte ihre Taschen und gab ihnen gleichzeitig die spitzigen langen Piken h\ Fleische zu fnhlen. Die- Synagogen gaffe wurde dann! in Brand .gesteckt, nnd nach kurzer Zeit stand eine ganze Reihe Häuser ft! lodernden Flammen. Um 4 Uhr hieß man die tenfliischen Truppen die Stadt ver lassen und nach Noprzyce ziehen. Es verlautet, daß -die Kosaken sich lticht mehr als sechs Stuindcn in einer Ortschaft aufhaltell dürfen. Auch dort geschah das gleiche, sofort nach ihrem! Ankoimnen begaben sie sich tu die Synagoge und verfuhren nach dein Dembioaer Systen!. Ebenso,geschah es den Inden aus Sedzischolv und Lancut. Die Tachkemonischule in Jaffa. Der Unterricht an der Schule wird in- .nvrsnaler Weise fortgesetzt. -Es Wirken a-ngenblicktich 16 Lehver -an der Schule. Die Schülerzahl beträgt 176, die auf nenn Klaffen .verteilt ist. Ein K'iudergarten, der -der Schule angegliedert ist, ist -in der Schüterziahl nicht tubegriffeu. Im vcrgaugenen Sommer beteiligten sich Lehrer und Schül-er an der Bekämpsung der He-uschreckenplage. — Für u-nbemittelte Schüler ist eil! Mittagtisch eingerichtet, den 22 Schüler besuchen. Auch für Kleidnng m-nßte von der Schule in vielen Fällen gesorgt werden. — Spenden zugunsten der Schule sind zu richten, an Herrn, Moritz S. Wolfs, Post- 'scheckkonto Nr. 7901, Hamburg. QQH&ieSHBlBHnHBBHnil' Inserate für ״Hickl’s Jüdischer Volkskalender.** werden entgegengenommen. Voiil Jüdischen Nativnalfonds. Die Spendeneiuuahmen des tlcationalfondS im Monat März betmgeu M 66-600, u׳ud zlvar verteilen sie sich auf: Oastervei-ch mit M 8780, Niordamerika M 8670, Deutschland M 6672, Rumänien M 46:l7, Ungarn- M 2764, Ho't.nld M 1067, Südsl-avische Länder M 000, England M 807, Argentinieu ÜDi 702, Rußland M 612, Frankreich M 166., Schweiz M 6.66», Aegypten M 600, Dünemark M 184, Griechenland M 169, und Norwegen 'M!2. Die Spcndeneinnahmen des Nationalsouds in! ersten Vierteljahr 1016 beliesen sich auf -gesaUlMt M 100.106. Es muß leider festgestellt lverden. daß die Höhe der Nationalfonds-Eeftl-!äuge!nährend der letzten Monate für die Bedürsilisso in Palästina nicht genügt. Vor kurzem hat die Verwaltung des N. F. einen Jahresetat g-.m-ehniiigt, der für die Wirksalnkeit des Fonds. in Palästina, wie Ausrechterhaltung seiner Farmen und genoyenschastlichen Betriebe, Fortfühnlnv der Pflanzungen, Bau von Arbeiterhäner!:. Notstm'.dsarbeiten n-s.w. sowie die grforderl!che׳r organisatorischen Maßnahmen für das lausende Jahr ^'lusweudungell in Höhe von mindeste.ls Frs. <!00.000 unniugänglich bedingt. Hoffemlich werden die Freunde des Nationalsonds und alle, die den jüdischen Kolonisatiansbestrebnugell in Erez-Jsrael Sympathie entgegen bringen, in der nächsten Zeit bemüht sein, dem N. F. größere Einnahmen znznführeu, so daß nicht nur Juül86ü6l^ ÜÜOn- ÜÜO hüü8IVb^I3A die laufenden Erfordernisse des jüdischen Sied-! lnngswerks daraus gedeckt werden, sondern a!lch eine Ztücklage für die Zeit nach den! Kriege, wo sicharlich lwdentende Ausgaben an den N. F- »>»»S>»»»v!DS!ll! in alllen Städten (gegen hohe Provision) gesucht. Srtinn, Adlergasse Nr. 9. 4 m # •Sb M,, m % 14824^5466