Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVII (1916)
- Issue
- Heft 8 (26.5.1916)
- Date
- 1916-05-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Sk 8 Geltt 3. versteht,;erkannte sofort bk Wichtigkeit des Dokuinentes und blitzschnell tauchte der Ockdanke in ihr auf, das; der Besitz für unsere Heeresleitung sehr lvertvoll sein müsse. Dieser Erkenntnis folgte der ׳imltige Entschluß. das Dokilment ׳dem in Wi-mitz befindlichen österreichischen Kommando zu überbringen. ׳Lara scharr lies, sich durch die Okfahren der geplanten ttnternehmnng, lm'lckx׳ ihr von Eltern nnd Perwarldten vorgestellt wurden, nicht abschrecken, und verlies; ganz allein uub ohne W!ssen der Eltern Pistvü. Znxü Tage und Nächst wahrte die Wano«o rnng'in der von russischen Patrouillen durchstreiften Okgend. Mit großer Vorsicht muhte jeder Steg m\b Weg gewählt werden, um den russischen Wachtposten zu entgehen. Todmüde und schwer erkältet erreichte das brave Mädchen WiLni'tz und war glücklich, den geborgenen Schab in die bewährten Hände des Generals Schulter und Majors Papp 'vom Kaminando der k. n. k. 54. Jnsanterie-Truppendiv!- [1011/ übergeben zu können. Dem Kommando וסו• NiiLnitz beachten die ,M i'tte i ln Ilgen des wackeren j üdi schen Mädchens und der russische TagesbesthlZvichtige Aufklärnngen über die! Stellungen des Feindes. Die Herren vom Komunando loollten die Tapferkeit der Jüdin uiit Geschenken gui stieren. Sara Scharr lehnte aber die Annahme von Geld und Geldeslvert ab, mit der Motivierung: sie könne für ihre aus Patriotismus vollbrachte Tat keines: Lohn entgegennehmen Dies geschah Ende November 1914. Iss: Dezember wußte Wb/nitz geräumt werde!:. Major Papp erinnerte sich in der Stunde der Gefahr der tapstren Jüdin und ermöglichte ihr die Flucht nach Wien. Sie erhielt stitens des Kommandos der k. u. k. 54. Infanterie-Truppendivi,sio 1: eine offene Ocker (Zl. :;10 von!! 2. Dezember 191a), Mit lvelcher alte Zivil- und Militärbehörden aufgefordrt lvurdcn, sie passieren und ihr jede Unterstütznug a.ngodeiheii zu lassei:. E!:de März erhielt Sara Scharr das hier abgebildete Medaillon•, welches von einem Schreibei! folgenden Inhaltes bgleitet. war: ״Zun: Andvnken für ihre Heldentat empsangen Sie auch 00it wir eine kleine Aufmerksamkeit. Major Papp." Die Eltrir des Heldenmädchen lnußten bei: Patriotismus der Tochter schwer büßen. Die Nüssen scharen ihnen Bache Wegei: des verschwnin denen Tagesbefehls, den sie arg verminten. sie abgeschlachtet m:d altes mit sich genommen. Nur bas Dienstmädchen rettete, sich und lief in die Stadt uschrie: ״Mörder! Räuber! Zu Hilfe". In diesen: Augenblicke hörte!: wir einen furchtbare!: Schlang, und alle überzeugt, daß die Mörder auch in -unser Haus gedrungen waren, begannen wir,alle ans Leibeskräften zu schreie!:: ״Zu Hilfe! Mörder! Räuber! Rettet uns!" ״Wae׳ ist geschehend" rief die Mutter. ״Nm Himmels lvillen! . . ." ״Rettet uns!" schrie ich. Jetzt eilte das Mädchen aus der Küche herbei. ״Es brennt!" rief sie. ״Z!: Hilfe! Feuer! Es brennt!" ״Rettet uns׳!" schrien Wir alle durcheinander ״Zun!! Teufel! Was schreit ihr dem: so?" schrie jetzt die Tante lauter als alte. ״N'ichts itst geschehe!:! Nichts! Nur die Uhr ist herunter gefalle!:. Kein Wunder auch! Würde denn ein Mensch das ertragen, wenn :!:an so viel o.u. ihn Hänger: würde?" Jetzt beruhigte!: wir ׳uns erst. Alle erhoben!vir nn,s und träte!: m: sie heran. Da lag sie nun, kei!: lebendes Weser: mehr, sondern ein Leichn.au: und um sie hernn! lagen all die treuer: Begleiter, die sie in den letzte!: Tage!: ihres Lebe!:s gepflegt und mit neuer Kraft gestärkt hatten: das Säckche!: Sand, das Bügeleisen, die ku!P ferne Pfanne. Meinen Vater liefen die Tränen über die Wangen. ״Weine nicht! Beruhige dich!" sagte die Mutter. ״Ihre Zeit ist offenbar abgelaufen. Es ist ihr nicht ^׳schieden, länger zu leben. Jeder muß sich in sein Schicksal füge!:. Sie abep sei eine Erlöst:׳!!!, fiir uns und für alle unsere Sünden. Amen!" Seder im Felde. I» der Hauptstadt Bulgariens. Ein bnntbewagt'Ls Bild, das wohl für alle Zeiten in« Gedächtnis der Teilnehmer fortleben wird, bot der Seder, den -die. deutsch-israelitische Knltnsgemeinde in Sofia für die als Gäste in Bulgarien Iveilenden jüdischen Soldaten der verbündeten Armee:! veranstaltete. Etwa:10 Deutsche, Oesterreicher und Ungarn׳, darunter eine Anzahl Sanitätsoffiziere, vereinigten sich nach einem weihevollen Gottesdienst in. her Synagoge im festlich geschlnückten Sitznngssaale des Konsistorimns, von dessen Wänden die׳ Bilder der vier veabündeten Monarchen, mnwunden von den Landesfarbe:: und blau-weißen ״Mogen-Dovid", hevabgrüßten- Als der Rabbiner der Gemeinde, Herr Tr. Zemach Rabiner, das ״Ho Lachnw Anjo" begann stimmte die ganze Tischgesellschaft mit ein und beantwortete in einmütigein Chore die! ״Mani'schtano" eines jungen badischen Infiantcriftcn. Zu Beginn des glänzend zubereireten Essens, hielt der Präsident der Gemeinde, Herr Josef Ferber eine patriotische Ansprache. Er gab seiner Freude Ausdruck Glaubensgenossen aus de!: verbündeten Länder!!, begrüßen zu können, die, fern von der Heimat, hier ihre Pflicht erfüllen bis der erhoffte siegreiche Frieden m Erfüllu'ng gegangen ist, und schloß mit einem bogeistert anigenoininenen Hoch auf Wo vier verbünbeten Monarchen, die Schirmherr!! ihrer Völker ohne Unterschied von Glauben und Nationalität. Nach einer religiösen Betrachtung des Rabbiners, sprach Feldzahnarzt Albert Schragenhein: in herzlichen Morten seinen Dank aus für die großartige Gastfreundschaft der Gemeinde, die jedem Teil-nehinor des heutige!: Abends das eigene Heini׳ ersetzt habe. Er gedachte dann ganz besow ders der Gemahl innen des Präsidenten und Vize- Präsidenten der Gemeinde und des Präsienten der ״Chewra-Kadischa", der Damen Ferbcr, Adler und' Gvauer, die in tage langer, mühevoll?e-r Arbeit diese von echt jüdischen: Geiste erfüllte Festlichkeit vorbereitet hätten- Assistenzarzt Pach dankte•immens der Soldaten Oesterreichl-Ungarns und gab den: Gefühle inniger Freude Ausdruck, daß er — seit frühester Jugend an diese schöne Feiler gewöhnt — nach ׳der vorjährigen Sederstier in: Schützengraben von Russisch-Polen nun diesen wundervollen Abend erleben dürst. An: zweiten Seder-Abend brachte Telegra- Ph i st Hi rschstld-Harbnrg in sorinvollendeter Rede de!: Damk der Mannschaft zun: Ausdruck und schloß mit den Worten ״Leschonoh haboo bejir:':- scholajim". Der dom׳ Nachtmahl folgende• Teil des Söders fand die! ganze Tischgesellschaft in harmonischen: Gesänge und mancher, den: die alten Bräuche längst fremd geworden, nwchte es im innersten gefühlt habe!:, wie die. wohlbekanntei: Töne im Geiste der Eintracht ihn: zu Herzen drangen. Das ״Chad Gadjo" wurde — von einem Hamburger angestiinmt — nach einer alte!: Hamburger jüdischer: Melodie gesungen, dort draußen zweitausend Kilometer vor den Toren Deutschlands, ״Leschono haboo bejirnscholoim — nächstes Jahr in der Heimat!" Aus einem Feldpostbriefe aus den: Osten. .... Heute war ich' in S.. : zum Gottesdienste inder sog. Hindenburg-Halle und hatte große Befriedigung Hiewon. Diese Halle ist ei,n-5 von den Pionieren erbauter Unterstand über der Erde. Sie besitzt eine ansehnliche Größe, Gatterie und Bühne. Das Holz, das zu ihren: Ban derwendet wurde, würde sich auf ungefähr 10.000 M stellen, wenn!nan es hätte kaufe!: müssen. Es wurde indessen aus den russische!: Wälder!: ge- Wonne!:. Die Halle ist zur Abhaltung von aller- Hand Feiern• und Festlichkeiten bestimmt. An! Vormittage probt darin die Kapelle eines Infanterie-Reg. An:׳ kommenden Sonntag wird es — nur 5 Kiloineter hinter der Front «einen: Kino seine Pforten öffnen. De!: Gottesdienst, den wir dort abhielten, leitete Herr Rabbiner Dr. I. S o n d e x 1 i 1: g. Nach Verrichtung des Morgengebetes hielt der Herr Rabbiner eine ergreifende Rede. Der Regimentskommandeur ebenso wie der Adjutant der Infanterie waren zugegen. Wir waren ungefähr 00 Mann, worunter א Artilleristen. Man traf,auch sehr viele bekannte Franksnrter Persönlichkeiten. Für Peßach werben w: Urlaub nach M... durch Divisionsbefehl erhalten. Zum Seder sind wir beim Herrn Rabbiner ei::geladen. Ztvei Feldküchen loci'bcüt zu diesem Zwecke gekaschert nnd ein Ochse rituell geschlachtet. Wein wird in reichlichem Mas-.׳ vorlmnden sein. Wir freuen uns alte! sehr auf diese beiden Tage. Es ist doch herrlich, wie für uns hier gesorgt wird. Der Herr Rabbiner lud uns auch zu einem Besuche nach S. zu ihm ein, wo es ein feines Schnäpschen und andere gute! Dinge gab. Im Uebrigen haben wir regelmäßig alle vier Wochen unsere,n Gottesdienst, ׳ans den wir uns stets sehr freuen. Man. hat hier geradezu Verlangen danach. In der Hoffnung, baß die Russen sich wie stitlier weiter bei ::ns blutige Köpfe holen, verbleibe ich Euer. ilundfcfiaii. Siebenfach ausgezeichnet. Viktor Heltai, der bekannte Bnd'erpester Fußbällspieler, ׳ein Neffe des verstorbenen Oberbürgermeisters von Budapest Dr. Franz Heltai, wurde, wie ״Egyenlöstg" berichtet, an der Front siebenmal ausgezeichnet. Er erhielt die bronzene, klei'ne n!!b große silberne ׳sowie .die goldene Dapserkeitsmedaille, wurde inzwischen zum« Leutnant, baimi zum Oberleutnant befördert und erhielt nach dem silbernen nnd brozenen Signum landis auch das Militärverdienstkvcuz. Zum zweitenmale ausgezeichnet. Der Kaiser Hot dem Oberleutnant der Istserve jnr. Dr. Heinrich Post, Feldkaiivnenregi-!nent 20, für tapferes Verhalten vor dem Feinde bas Militärverdienstkrouz 8. Klasse mit der Kriegsdvkorati'on verliehen. Oberleutnant Dr. Post war bereits -in: Laust des Krieges mit dem Signum landis ansgezeichnet worden. Auf den: Felde der Ehre gefallen. Der ochtzehnjärige Tolmndjünger Mordechai, Z:vi Steiner, einziger Sohn eines Bürgers in Bonyhad (Ungarn), der die Talmndschnlen Tapolesany, Galanta n. a. frcqucnititcrt hat, ist im Februar d. I. ei-ngerückt und an: ersten Sederabend durch einen Kopfschuß ׳auf dem italkui- ׳schon Kriegsschauplatz gefiallcn. Ern Kamerad meldet, (er war bei der Beerdigung, fand bei ihm in stiner Tasche das Psatmbuch, ein Stückchen Mazzoth und etwas Fleisch, beides eine Sendnn.g von zu Hause, da er die ganze Dienstzeit rituell verbotene׳ Speisen niicht genossen hat. Den Talis Kotau!: hat er i-m Grabe behalten. Der Todestag von L. I. Perez. In der letzten Woche des Monats April lvnrden in allen Städten Russisch-Polens Todesfeier!:׳ und Tranerkundgebnngen für den vor einen! Jahre verstorbenen Dichter I. L. Perez veranstattet. Es kan: dabei die tiest Trauer der dreitesten Bevölkernngsschichten über den großen Ver- •lnst zum Ausdrucke, den das Judentum durch den Tod von Perez in literarischer und politischer Richtung erlitten hat. Sechs Tage verwundet hinter der feindlichen Schwarmliniie. Es gibt Fälle •Physischer Leistnngssähigkeit, -so schreibt der ״P. L." am> א. b. unter der lieberschrift ״Ans dem goldenen Buche unserer Armeie", die ans Unglaubliche grenzen nnd die nur durch die Anspannung aller Kräfte, um den Schicksal der Gefangennahme entgehen zu können, begrünbet werden können. Wie •wäre sonst das folgende Beispiel einer nngelvöhntich großen physischen Leistung zu erklären. Der Korporal- TitnlarlZngsführer Israel Deutsch eines Jnfanterierelgiments, wurde in: Kmnpst am׳ Kopfe verlvnndet. Obwohl die russische Schwaruüinie über ihn hiuwegging, hielt er sich durch sechs Tage ohne Icahrnng und Trank hiuter den Itnssen in der eigenen Deckung verborgen nnd versuchte, kriechend sich durch die Feinde schlängelnd,zur eigeneu Truppe zu gelangen. Das Wagestück glückte und mit Aufbietung aller sestver Kräfte meldete sich Zugsfnhrer Israel Deutsch bei seinen: Komnuandanten und bat, stiner Verwundung wegen