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Jüdische Volksstimme · 1916-04-13 · Heft 6 (13.4.1916) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVII (1916)
Issue
Heft 6 (13.4.1916)
Date
1916-04-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 0 »Misch« S§1f»lh»«n». Gelte S Judenstämmlinge sind wie Kadorna (Kohn), Pollie (Pollak) und French (Fränkl)! ^e deutsche Sprachreinigung schreitet rüstig vorwärts. Co hörte ich kürzlich, ״die Anschrift (Adresse) wäre telefonisch zu urgieren!" ten in nächtiger Zeit trillern zu lassen? Der Dichter gibt ' Llntwot, rend der tag gesungen wird. Wo ist 111t.it■ die Priorität die fes Gedichtes zu suchen, in der Hagadah schel Pessach oder in der christlichen Liturgie? Tie Miskolcz. Feldrabbiner Hermann Strauß ^^vssUHUt rtu|1m(|u; iiiijivuu♦ 1 ן1\1\1ןן\י.ך Uvv 1 1*1 ut 1 u!11!11 lu/vii ״> * ^11111111,>׳ iv Nach Grazer Berichten qibt es dort rn,r ,״chNZ"t!»c>du1,״ kann kam» zn׳rift,l,aft sein. Die igCTsassassgffirag auch die Inhaber manchmal Pawlicek oder Ve^ nuzzi heißen. Ein Telikatessenhändler legt sein Gewerlbe nieder, um es als Gom!ischtwarenhändler wieder anzumelden. Also so müssen wir siegen! In der ״N. Fr. Pr." sind mit ungeheueren Ziffern die planlosen Opfer der Assimilation zu lesen. Wir wollen hiezu die nichtbeschlagnahmten Worte der ״Ostd. Rmidsch." gebrauchen: ״Nach dem Kriege muß das anders werden!" De. Hanns F—l. Echod mi jodea. In seinem Roman ״Der Gottsucher", der eine tiefgehende religiöse Bewegung des Land- Volks und die Gründung einer neuen Sekte tu Travies u!id Umgebung schildert, schreibt Peter Rosegger: ״Der junge Gottsucher Erlefried raffte sich auf, und mit einigeil Schritten stand er vor dein! Felsblock. Auf den: Steine eine Menschen- ׳gestalt. Ein Mann war's mit einer laugen, spitzen Nase lmd einem spitzigen Kinn. Den Mund hatte er znsannnengekniffen und schmunzelte so in sich ׳hinein. Der Jüngling stand hinter einem Baum und wollte warten, bis sich der flachsgelbe Mensch entfernen wurde. Aber dieser blieb sitzen und trillerte eiil Liedchen unls andere und ließ die Beine hin- und herbaumeln. Die verhängnisvolle Nacht zog immer höher herauf, und alles dunkelte/ Da war keine Zeit zu verliereil und, wie oft ge-!lug erzählt worden, der Böse -findet sich genau zur Stunde ein. Wenn er aber schon dort säße und wartete? In Hirten verkleidete er sich gern. Der auf dem Felsblock saß, trillerte: ״Lieber Freund, ich frage dich. — Lieber Freund, was fragst bn mich? Sag' -inir, was ist Eins? — Eins und Eins ist Gott allein, Der da lebt und der da schwebt Im Himmel und auf Erden." Erlefried atmete auf. Der Teufel ist es also nicht. Er trat hin und fragte den Hirten: ״Mas machst du da?" — ״Ich!singe mein Abendgebet", antwortete jener gleichmütig und trillerte weiter: ״Lieber Freund, ich frage dich. — Lieber Freund, was fragst bn mich? Sag' mir, was ist zwei? — Zwei Tafeln Mosis, Eins und Eins ist Gott allein, Der da lebt lmd der da schwebt Iin Himmel und aus Erden." ״Bist du keiner von der neuen Sekte, daß du noch das alte Lied hast?", fragte Erlefried. ״Doch wohb doch Wohl", antwortete der Hirt, ״ich jnehm's alles durcheinander, wie's mir jnst einfällt, itmb denk', daß ein doppelter Glauben Wohl besser wird sein, als ein einfacher. Pei dein, Lied aber sollten Zwei sein. Kannst bu mir helfen?" Erlefried kannte das Lied von seiner Mutter her, es heimelte ihn Tm. Die Mutter hatte gesagt, dieser.Gesang wäre so hochheilig, daß, wenn er auf Erden gesungen würde, die Sterne am Himmel still ständen und wie Altarkerzen leuchteten. So konnte zu solch' gefährlicher Stunde dem Burscheu kaum etwas willkommener sein, als dieses Lied. ״Sing' vor," sagt er, ״ich tu' mit!" Der Hirt fuhr fort: ״Lieber Freund, ich frage dich. Erlefried entgegnete: ״Lieber Freund, was fragst du mich?" Der Hirt: ״Sag' mir, was ist Drei?" Erlefried: ״Drei Patriarchen." Beide zusammen: ״Drei Patriarchen, zwei Tafeln Mosis, Eins und Eins ist Gott allein,der da lebt und der da schwebt im Himmel und auf Erden." — Man erkennt sofort, daß diese Verse nichts anderes sind, als die Uebertragung des alten Hagadah-Liedes: ״Echod mi jodea, echod ani jodea". Wie kommt Rosegger dazu, den Passah-Gesang von diesen zwei Gest'altage der römisch-katholischen Kirche und wurde erst auf dein Konzil zu Vienne tm Jahre 1 *»11 zur allgemeinen Bedeutung erhoben. Nun wissen wir aber, daß die Anordnung in der Hagadah uralt ist, was auch dadurch erwiesen wurde, daß die sogenannte ״Illustrierte Hagadah von Seraijewo", deren Ursprung von sachverständigen Gelehrten ins 11., spätestens 12. Jahrhundert gewiesen wurde, diese Hymne schon enthält. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß Thomas von Aqnino, der Verfasser des Festoffiziums des Frohnleichnamstages, eine Ueberarbeitung dieser Hymne veranlaßt und eine Anpassung an die christliche Liturgie geschaffen hat. Roeeespondenzen. Wien. (B a r m i z w a h fe i e r.) Montag, den 2-1. April d. I. (7. Tag Pessach) findet im Tempel 2. Bez., Tempelgasse, die Barmizwah des Gustav Peterselka, Sohnes des Hrn. Jos. Peterselka, Hauptkassier der isr. Kultusgemeinde, statt. — Unsere besten Glückwünsche. Die Red. .Wen. Am II.März d. I., waren es gerade! 60 Jahre, daß Dr. Ludwig August Fränkl, der langjährige Sekretär der Wiener isr. Kultusgemeinde, seine Jerusalemreise antrat, um im Auftage der Frau Elise Herz geb. v. Läm-el, die Schule, die den Namen ihres Vaters tragen sollte und auch trägt, in Jerusalem zu begründen. Zur 60. Wiederkehr dieses Jahrestages hielt Prof. Moritz Äntscherl in der Wieueck jüdischen Toynbee-Halle einen Vortrag über Leben lind Wirken des obgenannten rühmlichst bekannten Dichters und Menschenfreundes, der am 8. Februar 1810 Zu Chraft im Chrudimer Kreise in Böhmen gefroren wurde und in Wien am 12. März 1804 gestorben ist. Der Vortrag war reich an interessanten Episoden aus dem Leben Frankls, der nach Erbauung des isr. Blinden Institutes auf der Ho- Heu Warte in Wien u!nd nach der Errichtung großen Schillerdenkinals, dessen Errichtung Frankl besonders gefördert hatte, von unserem Kaiser als ״Ritter von Hochwart" in den Adelstand erhoben wurde. Das zahlreich versammelte Attditoriumt lauschte mit besonderer Spannung den Worten und den rezitierten Fränkischen jüd. Dichtungen bis znm Schlüsse und ehrte das Andenken dieses verdienstvollen Poeten und Menscheu freundes bei den letzten Worten des Vortragenden durch Erheben von den Sitzen. — Ehre seinem Andenken! , Wien. (Silberne Hochzeit.) Am .80. März bgging Herr Jakob März mit seiner Gattin Ernestine, das Fest der silbernen Hochzeit. Das Ehepaar hat sich besonders während der Kriegszeit dirrch hingebungsvolle Tätigkeit bei Wohlfahrts- Einrichtungen für Flüchtlinge hervorgetan,' so verdankt die^ große Ausspeisungsaktion ״Mach sike hadaß" Herrn Jakob März ihre Entstehung. reich׳ des Kommandos, welche nur rituelle Kost genießen wollen, dies durch Ansfolgung des Menagegeldes zu ermöglichen. Wie der genannte Feldrabbiner mitteilt, erhielt er auf sein Ansnchen die folgende Antwort: ״In Beantwortung Ihrer gesch. Zuschrift teile ich Ihne« mit, daß ich den in dem Ihrer Zuschrift beiliegenden Namens- Verzeichnisse Angeführten die Auszahlung des Menagegeldes bewillige, jedoch mit der Bedingung, daß ich in jedem einzelnen Fallein dem ich mich überzeuge, daß der betreffende Soldat nicht rituell sich verköstigt, an denselben die weitere Auszahlung ei »Hellen werde." Jerusalem. Die in einem Situationsbericht über die Notküchen in Jerusalem enthaltene Bemerkung, daß die Eveline de Rothschildsche Mädchenschnle, welche bis jetzt auch eine eigene Küche besaß, voraussichtlich geschlossen würde, beruht, wie telegraphisch mit,geteilt wird, auf einem Irrtum. Die Schule wird nicht geschlossen und die Küche wird erfreulicherweise auch weiter geführt werden. Es werden daher Spenden auch für diese Kiuderspeisung sowohl von der Deutsch-Holländischon- Palästina-Verwaltung als auch von der Redaktion des ״Israelit" ihrer Bestimmung zugeführt. — Das Waisenhaus Diskin, welches für ca. 800 Musen zu sorgen hat, das vereinigte Greisenheimwelches über -100 Greise und Greisinnen beherbergt, sind jetzt mehr denn je auf die Uhterstütznnig der Mitglieder, Gönner «. Freunde angewiesen. — Spenden für diese Spezialzwecke, sowie für die bekannten Ieschiwot, Spitäler und sonstige in Wirksamkeit bestehende Wohlfahrtsanstalten, werden nach wie vor durch die Eppedition d. Bl. ihrer Bestimmung zugeführt. Auszeichnungen. Das Signum laudis am Bande des Militär- Verdienstkreuzes wurde dem R'egimentsarzt der Evidenz kais. Rat Dr. S. Krüger, Spitalskom- Mandant des Vereins-9teservespitales Nr. 11 in Wien, verliehen. Mit der silbernen Tapferkeitsmedaille 2. Kl. Wurde ausgezeichnet der San.-Kad. Jakob.Klein aus Skole (Galizien), der mitten hu feindlichen Feuer, ohne Rücksicht darauf, daß fast die ganze Mannschaft seiner Sanitätspatrouille gefallen war, sich in seiner Pflichterfüllung nicht behindenn ließ. Der Militärverpflegsakzessist i. d. Res. Paul A s ch e r, Sohn des Oberlehrers Hermann Ascher- Wien, wurde mit dem goldenen Verdienstkreuze am Bande der Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Kundjcfrau. Budapest. Hervorragende Notabeln der gngarischen Iudenheit erließen einen Aufruf, durch reichliche Spenden die von den Russen verwüsteten indischen Kulturgüter neu zu errichten. Der ungarische jüd. Landesfonds leitete die Sammlung >n/it 10.000 K ein. Bis jetzt haben sich die gesetzestreuen Elemente von dieser Aktion fern gehalten, weil ihnen die Namensträger dieser loblichen Propaganda keine Garantie für den traditionelten Geist der zu errichtenden Anstalten bieten. Daß diese Schulen gut ungarisch sein werden, steht außer Zweifel, wie es aber mit der Jüdischkeit sein werde, ist eine ungelöste Frage. Preßburg. Das hiesige Militärkommando gab unter Verordnung 16882 -1011; die Erlaubnis, daß alle älteren orthodoxen jüdischen Landsturmmänner weiter ihre Bart- und Peostracht beibehalten dürfen. Es sei überhaupt daraus zu achten, daß die Maniißhaft in ihren religiösen EnIPfUndungen berücksichtigt werden. Minister Prinz Hohenlohe in Galizien. Gelegentlich seines letzten Besuches tu Lemberg empfing Minister d. Innern Prinz Hohenlohe u. a. auch eine Deputation des jüd. Kultus- Vorstandes sowie eine Delegation des jüd. Hilfskomitees. Der Minister ließ sich einen ausführlichen Bericht über die Lage der Juden int Lande vorlegen, erklärte, daß ihm die Patriotische Haltung der galizischen Juden bekannt ist und versprach, die ihm in einem Memoriale vorgelegten Wünsche ein,gehend zu Prüfen und nach Möglichkeit zu berücksichtigen. Israelitisches Hospital in Gleicheuberg. Der Vorstand des Vereines zur Errichtung eines isr. Hospitales in Gleichenberg gibt bekönntdaß das Vereinshospital in Gleicheuberg im laufenden Jahre tvieder eröffnet werden wird -und daß die bezüglichen (besuche um Aufnahme in das Hospital, mit einem ärztlichen Zeugnisse vrsehen, bei Herrn Dr. Ferdinand 9teich Hofu. Gerichtsadvokaten in Wien, 1. Bez., Fischerstiege 10, welcher die Kanzlei des verstorbenen Vize- Präsidenten der isr. Kultusgemeinde, des Herrn Dr. G. Kohn, übernommen hat, einzubringen

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