Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVII (1916)
- Issue
- Heft 6 (13.4.1916)
- Date
- 1916-04-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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«eite 6. m ■1M1 M MWBefWr VflHptMi.” Rr. 6 sind. — Der Verein, der für arme kranke Glaubensgenossen eine Wohltat 1«1«b auch für erkrankte 30Ibaton eine Nollvendigkeit geworden ist, wendet sich an edelherzige Menschenfreunde um! Unterstützung und Förderung seiner Aufgaben, sei es durch Spenden oder durch Beitritt als förderndes Mitglied׳ um so beizutragen, das; der Verein seine segensreiche Mission auch in Zukunft erfüllen kann. Die jüdische Gemeinde in Görz. Die Stadt Görz, die gegenwärtig in den .Kriegsberichten oftmals zu lesen ist, hat seit lauger Zeit auch eine jüdische, blühende Gemeinde. Schon vor 1000 Jahren wohnten dort Juden, die zum größten Teile aus Italien kamen und dort Handel trieben. Sic wohnten in einer besonderen Straße, unter den! Kastelt, heute nennt man diese ״Cocevia". Später wohnten sie in einem! Ghetto, in dein Gebiete der heutigen Via Ascoli. Es durften hinter Mauern nur eine bestimmte Anzahl Juden wohnen, doch hielt sich ein Teil derselben namentlich die Neichen, außerhalb des Ghettos auf. — In neuerer Zeit befanden sich unter der Bevölkerung von 00.000 Seelen zirka!;00 jüdische Personen. Die Gemeinde besitzt eine 150 Jahre alte Synagoge, die monumental hervorragend ist und auch jetzt noch, trotz des Bombardements der Stadt durch die Italienerglücklicherweise unbeschädigt geblieben ist. Noch biggt die Synagoge etwa 40 Thora rollen, wozu noch vor etwa 10 Iahreu die Thorarollcn von Gradiska hinzukamen, da die dortige Gemeinde wegen Fortzug aufgelöst wurde. Das Geineindeleben war vor dem Kriege ein recht reges und religiöses. Es bestehen dort gute Religionsschulen und Chewres für das Thorastudinm. Der Präsident der Gemeinde ist der Herr David Bolaffio, der sich zurzeit in Zürich aufhält. Als Rabbiner fungierten dort in letzter Zeit dir Herren della Bergola (jetzt in Alerandrien) und Herr Friedenthal. Aus Görz stammen die Gelehrten Jsaac Abraiu Reggio, Professor Lolli und Professor Graziodio Ascoli, die sich in der wissenschaftlichen Welt eines hohen Rufes erfreuten. Es darf noch bemerkt werden, daß die österr. Regierung stets gut zu den Juden war und auch alljährlich der Geineinde einen höheren Beitrag für Schulzwecke leistete. Die Breslauer jüdische Gemeinde im Kriegsjahr. Der Verein zur Förderung der Interessen der Synagogen ge nu׳ in de zu Breslau hielt dieser Tag in der Lessingloge seine ordentliche Mitglieder-Versammlung ab.'Die Miltglieder des Repräsentantenkolleginins, Buchdruckereibesitzer S. W. Meyer und Allgenarzt Dr. Josef Schlesinger sprachen über die Tätigkeit der Breslauer jüd. Gemeinde un Kriegsjahre. Der erste der beiden Redner hob dabei hervor, daß die größte Aufgäbe den Gemeindekörperschaften in der Versorgung der Gemeiudemjitgli׳eder mit frischem koscheren Fleisch erlvachsen sei. Nachdem die Fleischer bereits ihre Läden geschlossen hatten, mußte der Vorstand eine Garantie für einen bestimmten Absatz geben. Falls die Kalarllität noch größer werden sollte, baun könne man nichts anderes um, ak׳ sich ins Unvermeidliche schicken. — Dr. Schlesinger sprach dann, ausführlich über die Wjohlfahrtspflege der hies. Gemeinde in! Kriege Erhebliche Beiträge haben die Gemein dekörper schäften bewilligt für das Rote Kreuz, für den Nationalen Frauendienstfür das!)tote Kreuz in Bulgarien und für den!)toten Halbmond. Natnrgemäß habe der Arme ne tat eine beträchtliche Erhöhung erfahren, mail habe aber vom Gemeindevorstande das Versprechen erhalten, daß alle diese Kriegsliuterstützungen nicht als Almosen anzusehen seien und die Empfänger somit ihres Wahlrechts nicht verlustig gehen. Bei der Russen! iwasion in Ostpreußen sind 27 Gemeinden zugrunde gegangen. Die hiesige Gemeinde habe sich der Gemeinden Pillkallen, Schirwiudt nub Groß-Kakscheu als Patenkinder angenommen. Vom ungarischen Parlaulent. In Budapest, hat im Reichc׳tag eine volkswirtschaftliche Debatte stattgefundn, bei der Palil ^andor du Banken i 11 Schutz nahm. Graf Josef Karolvi nahnl hierailf Bezlyg indem er sagte: ״Ec׳ lvllndert mich, daß der Abg. San dar Paul so eilergisch gesprochen hat, da er doch lveiß, daß den größteil Nutzen vom .Krieg gerade jene gehabt haben, welche sich zu derselben Religion bekennen, wie Saudor Paul." Ferner sagte er: ״Es ist tig, daß,eine große Anzahl dieser Konfession in Galizien und Ober-Ungarn sehr durch den Krieg gelitten hat, ja es sind auch viele dieser Konfession fürs Vaterland gestorben. (Zwisckienruf): ״Und es sitzen auch solche im Kriminal." — In diesem Tone wurde über die Juden gesprochen. Von den 17 ״jüdischen" Abgeordneten war kein Einziger, der dem Herrn Grafen zurief: ״Will der Herr Graf ein Tänzchen wagen, n!ag er's nur sagen, ich spiele ihm auf." Auch Herr Vaßony war still. Wenn es sich darum handelt, den frommen Juden die Sabbatfeier zu erschweren, da findet er das Wort und kann Anträge stellen. Warum registriereu die jüdischen Blätter, wenn jüdische Abgeordnete gewählt werden? Sie siild nicht int wahren Sinne jüdisch; sie ״geben sich nicht zu d'erkennen" und das Judentum hat nichts von ihnen. Die Inden in Polen. Auf Anregung des Frciherrn Louis von Rothschild hat sich vor einiger Zeit ein ״Oesterr. Zentralkomitee zur Wahrung der staatsbürgerlichen Interessen der jüd. Bevölkeung im nördlichen Kriegsgebiete" gebildet, das sich die Sicherirng der politischen Gleichberechtigung und der kulturellen Hebung der jüdischen Bevölkerung im nördlichen Kriegsgebiete zum Ziele setzt. — Die Kanzlei des Büros befindet sich Wien, 0. Bez., Universitätsstraße 8. Jiddisch als Amtssprache. Wirr die Verhältnisse des jüdischen Ostens in Wirklichkeit kennt, der wußte von vornherein,!daß im sogenannten Sprachkampf das Jiddische siegen wird. Will >u>an sich nicht an Phrasen berauschendann muß man sich auf den Standpunkt stellen, daß Ulan in Kulturdingen nur für das Volk wirken kann, wenn man feinem Willen!Rechnung trägt. Deutsch und Polnisch! sind den Leuten meistens fremde Sprachen, Hebräisch ist eine ״Sabbatsprache", also — bleibt nur das Jiddisch. Das hat tatsächlich die deutsche Regient):h l&alb ei n gesehen. Gegen über den in Amerika verbreiteten Lügen, daß die deutsche Verwaltung in Warschau die Rechte der Juden beschränke, .muß betont werden, daß die deutsche Negierung, wie in allem, auch in dieser Frage gerecht und ohne jede Voreingenommenheit vorgeht. Den Beweis dafür erbringe!: einige uns vor׳liegende amtliche Bekannt!m!achungen. Wir ersehen daraus mit Befriedigung, daß ein deutscher Polizeipräsident, daß sogar der Generalgouverneur sich trefflich auf Jiddisch auszudrücken gelernt haben. Die erste Bekanntmachung lautet: ״Der Termin sich einzumelden in der Gewerbe'role wert verlengert bis'!! 29. Februar 1910.... Gesellschaften musen anmelden seier Firme, a chuz dem musen besunder gemeldet werden die beschäftigte Direktoren und steterpflichtige Augestellte. Lodz- 28. Januar 1910. Der Kaiserlich deitsche Poilzei-President von Opem." Die Ueberschrift einer anderen amtlichen Bekanntmachung lautet: - ״Verordnung b'naugea der Einführung von allgemeinem Paßzwang." Dann: Ale Personen vun'm General Gouvernement musen alt werdendig 15 Johr hoben a Paß lind den! dösigen ständig trogen bei sich. Wegen Verlieren a Paß muß teikef gemeldet tv.eren der Ausgabeschtel. D e r G e n e ra l,g o 1 iv er neue von Beseler, General vun Infanterie. Jakob Schiff zeichnet keine russische Anleihe. Der bekannte amerikanische Bankier Jakob S. H. Schiff hat die Beteiligung an der geplanten russischen Anleihe abgelehnt. . Eheder mit Handelsschule in Warschau. l Wie bekannt, hat eine größere Gruppe orthodorer Juden in Warschau ein Cheder unter dem Namen ״Thauroh im! Derech Erez" gegründet, in welchem Tenach, Talmud, aber auch profane Fächer wie in einer Handlesschule unterrichtet werden. Sie wollen noch eine zweite derartige Schule in einem anderen Stadtbezirke errichten. Außerden! will ein chassidischer Verein zwei Schulen mit dem gleichen Lehrprogramm, im profanen Wissen dem Lehrziel der Handelsschulen errichten.Lüese Schulen sollen unter Aufsicht von Seminardirektor Dr. Carlebach aus Cöln! stehen, der, wie berichtet, seit längerer Zeit hier ist. Zur Lage der Flüchtlinge aus Brisk. Aus Meseritsch wo ca. 1600 jüdische Flüchtlinge aus Brisk konzentriert sind, kam eine Abordnung nach Warschau, un: über die jämmerliche Lage der Unglücklichen zu berichten und um Hilfe zu bitten. Außer diesen 1000 Flüchtlingen sind noch 560 in den benachbarten Dörfern zerstreut. Für die Befriedigung ihrer minimalsten Bedarfnisse wären 4000 Rubel monatlich erforderlich. Die Gemeindeverwaltung beschloß nach langen Debatten, der Deputation eine Subvention von 1600 Rubel nwnatlich zu versprechen (800 Rubel für die Flüchtlinge in Mcseritsch und 800 Rubel für die in den Dörfern). Außerdem wurde beschlossen, das Amerikanische Komitee zu ersuchen, eine kleine Summe für Seife, Kämme und Mische auszusetzen. Anläßlich des Todes Theodor Hickl's s. A., spendeten den Wohlfahrts-Institutionen des Vercines ״Machsike Hadaß" in Brünn: Rudolf Meißl 5 K, D. Drucker 10 K, Jg. Zai'tschek 6 K, Dr. Arthur Feldmgnn 10 K, David Glücklich 5 K, Israel Korn 10 K, Herzberg Sal. 2 K. Die russischen Judengreuel. In einem 40.000 Worte umfassenden Bericht hat das ״American Jewish Com/mitee" soeben das Ergebnis seiner Untersuchungen über die entsetzlicheir Greuel, die von den Russen bei ihrem Einfall in Galizien und auch im eigenen Lande — in Polen — verübt wurden,und auch über den Notstand der Juden i!n Rumänien und Palästina niedergelegt. Die Hälfte der Juden der ganzen Weltsieben Millionen, sind durch den .Krieg direkt in Mitleidenschaft gezogcn worden. Niemals wurde eine gräßlichere Anklage gegen ein Volk und eine Negierung erhoben, wie es hier gegen die Russen geschieht. ״Hunderte von jüd. Orten sind von russischen Soldat!! geplündert Und in mutwilliger Weise niedergebrannt worden", sagt der Bericht. ״Tausende von Juden wurden als Geiseln weggeschleppt, ins Gefängnis geworfen oder auf die fadenscheinigsten Anschuldigungn hin getötet. Am Hellen lichten Tage wurden Orgien vertierter Lust und entsetzlicher Martern gefeiert. Alte und junge Frauen wurden auf öffentlichen Plätzen nackt ausgezogen und mit der Knute gepeitscht." Unter den im einzelnen aufgeführten Ausschreitungn mögen folgende als typisch gelten: ״In der Stadt Bohorodozany erschien un Januar 1915 eine Abteilung österr.-poln. Trulppen, die Nahrung und Unterkunft verlangte und deren Forderungen die Bewohnerschaft natürlich etsprechen mußte. Nach kurzem Aufenthalt verließ sie den Ort. Als der rnss. Kommandant in Stnuislau von dein Vorfall hörte, schickte er eine aus Kosaken bestehende Straferpedition nach Bohorodozony. Alle jüdischen Frauen und Mädchen wurden aus ihren Verstecken hervorgeholt und ans den Marktplatz getrieben, wo die- Soldaten sie. zwangen, ihnen öffentlich unter freiem Himmel zu Willen zu sein. Di Opfer wnrdcn dann halbnackt und ohne Nahrung mit der Knute nach Star! isla!! getrieben, nachdem Bohorodozany angezündet worden war. In Szerzec (Galizien) begossen russische Soldaten den Stadtrat Jakob Mischet mit Petroleum und verbrannten ihn bei lebendigem Leibe. In DeMbica überfielen Kosaken die Synagoge, in welche sich die Juden gerettet hatten, nahmen die Männer gefangen und vergewaltigten die Frauen. Diejenigen, welche zu entfliehen versmhten, wurden zu Tode geknutet. Der Bericht weist besonders auf die Loyalitat der jüdischen Soldaten im russischen Heere hin. Tauseiche junger Judendie sich im Auslande die Kenntnisse anzneignen Ersuchten, deren Erlangung ihnen in Rußland verwehrt war, seien