Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVII (1916)
- Issue
- Heft 6 (13.4.1916)
- Date
- 1916-04-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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«Me 4. ״Situ* 91t 6 der bk Erde grüßt, immer ist er neu, imnver den Nationen. Vergleicht diese Feste mit allem bringt er neues Entzücken, als ob er zum ersten- Festlichen, Mas seit Jahrtausenden der Wahn und mal uns grüßte. Dem Säugling auf der War-, der Dünkel oder der gute Wille denn! Sterblichen terin Arm, der z>un: erstenmal dem Strahl der'zum ״ewigen" Andenken oder zur ״beglückenden" Frühlingssonne entgegen getragen wird, über- Feier im Kreise der Menschen gestiftet, und zweiwältigt die Augen schließt und doch durch alle Poren das Wonne nbad der lauen Frühlingsluft trinkt; — den: Knaben, der Schmetterling gleich von Blüllnchen zu Blümchen fliegt, bei jedem)Frühlingsfeier der unsterblichen Gottesgemein feit an ihrem göttlichen Ursprung! Und nun erst dieses Fest aller Feste, dieses Geburtsfest des jüdischen Volkes, Pessach, die Käfer stille steht, aber nicht Zeit hat׳ stille zu stehen, weil ihn alles anzieht, er alles sehen, alles kosten und erproben möchte und ein Herz voll Fragen hat über die bunte Welt, die sich lebendig um ihn erschließt; — dem Jüngling, der ahnend durch die glanzbekleideten Auen wandelt, der von dem Anblick des Ganzen den Eindruck der Har nronie in der Seele empfängt׳ dem dort sich der hohe Eine offenbart, dessen Gedanke in diesen: tansendfältigen Leben zu Tage tritt, dessen Allinacht dieses alles schafft, dessen Güte für dieses alles sorgt, dessen Gesetz dieses alles ordnet und regelt, den: Jüngling, der es faßt, wie Parodie-!fisch schön die Gotteserde sein sollte, und der! die Sehnsucht faßt sich zur gleichen Schönheit harmanisch zu vollenden, keinen Mißklang zu «bilden in diesen: Konzert der Wesen, und sich verlangend nach dem Mund :::::sieht, der ihm das Gesetz auch seines Lebens deute׳ und nach der Hand, die auch ihn den Weg des Lebens und der heiteren Vollendüng führe: — dem Manne, der denkend die erwachte Welt betrachtet, und in dieser Welt voller Ordnung, voller Schöne nur den Widerklang jener noch höheren Welt, jener noch höheren Ordnung und hamonischen Schönheit erblickt, deren Verwirklichung ihn das Gesetz seines Lebens in lebendiger freier Tätigkeit rastlos an-zustreben lehrt, dem dies Gesetz den ewigen Frühling in die Brust gepflanzt, der das Gesetz hat, .welches der Jüngling in seinen: Lebcnsfrühling ahnend sucht, — den: Greise, der an seinen: Stabe wankend der Friihlingssonne entgegeulächelt und in der ans den: Wintergrabe verjüngten Natur den < auch seiner baldigen Verjüngung en:pfängt, der auch er froh und heiter durch die dunkle Pforte des engen Grabes ahnungsvoll entgcgenwandelt; — allen ist der Frühling ein stets ersehnter Gottesbote, seine Gegenwart ist innner neu. Jinimer neue Kraft und neues Lebe!::׳ neuen Mut und neuen Trost hat er zu bringen,hat innner neue Fragen anzuvegen, trägt innner neue Lösungen für die alten Fragen in seinen: Schoße. Nur der Menschen Werk veraltet, nur der Menschen Herz bedarf des Reizes der Neuheit, um anzuregen und Teilnahine zu gewinnen. ״Schon wieder?" gähnt die gesättigte Menschenbrust, oft schon bei seinen: zweiten Erscheinen, einem Menschenwerk entgegen, das sie bei seinem ersten »mt entzücktem Jubel begrüßte. Was aber Gottes Wort dahin gestellt, glänzt in ewiger Jugendfrische den: harren- .den Menschen entgegen, wird init innner steigender Freude bei jeder Wiederkehr begrüßt, hat immer neue Wonnen iu seinen: nnerschöpflichen Schoße und weiß Greis und Enkel innner neu zu fesseln. So die ewig neue׳ ewig junge Gottesnatur So auch das ewig neue, ewig junge, niiinuer alternde!Gottesgesetz. Noch wie vor Jahr tau!- senden ist es das ״Seelen erquickende", ״Weisheit spendende", ״Herz erfreuende", ״Augen erlench tende", Beständigkeit gebende", ist noch den Enkeln Wie den Ahnen der ״Schatz köstlicher als Gold", die ״Geisteskost süßer als Honig"; und ob du zun: hnndertstenxugle an die Erfassung seiner Morte, an die Betrachtung seiner Institutionen gehst, es will nicht nur immer neu sein, es ist dir innner neu. Innner neue Seiten bieten sich deiner Betrachtung׳ innner neue Schönheiten erschließen ׳.sich deinen Gedanken u>nd je vertrauter di: mi-t 'ihn: wirst, je weniger satt wirst du, ans seinem Born zu schöpfen. So vor allen: die Feste, die dieses Gottesgesetz uns gebracht. Jeder Festtag, jeder Sabbat leuchtet dir iu neuen:: ״bräutlichen Glanze" und ladet dich zur Vermählung deines ganzen Daseins mit den: Geiste göttlicher Weihe, den er bringt. Siehe diese Immortellen in: bräutlichen Siegeskranze der ewig jungfräulichen Tochter Zions! Sie haben ihre belebende, verjüngende Kraft bewährt in der heiter kräftigen Aufrechterhaltung eines Volkes auf den: tränenbesäeten Prüfungsgange 5 eines weltgeschichtlichen Berufs, wie ihn kein zwütes auf Erden zu bestehen hatte. Wie auch die Woche, das Jahr sich gestaltet haben :::achte, der Sabbath, die Festtage kamen und von ihren: göttlichen Zariber berührt׳ erstand das jübische Volk immer neu, wie eine Königin unter Aus der ״Neuen Freien Presse": Gespendet haben: Für Jnvalidenschulen: die .Herren Littinann (!) und Bergmann (!) 40.000 K. Für die ״Kriegslandsspende" des ״Jüd. Nationalfonds" sämtliche Spender zusammen feit Beginn der Sammlung 50.2.4 K. — Spenden für Kriegsblinde : Haas 100 K, Zweig 100 K, Bauer 100 K׳ Skutetzkh 100 K, Pick, Marmarosch, Breuer, Kohn, Biach, Glaser usw. je 60 K. de! So wird kein neugekrönter König zun: erstenmal in seinen: Reich empfangen, wie nun schon zu dem :::ehr als dreitausendeinhundertstenlnale Israel diesen: Feste seiuen Empfang bereitet! Wo ist der Fürst, den: entgegen so ein ganzes Volk in allen seinen Gliedern, jede Hütte, jedes Haus in wochenlanger Vorbereitung zu Huldihungsstätten mnwandelte, und emsig beinüht wäre׳ ans den: unscheinbarsten Winkel jede Spur zu entferne:::, die nicht das Gepräge seiner Huldigang trüge! Wio ist der Fürst, dem ans Millionen Herzen auf allwiter Erde ein solcher Huldigungsgrüß entgegen tönte, wie in der Sedernacht der Hallelujahjubel diesen: Feste. Es hat gerechnet auf diese Teilnahine. Von dem .Kinde und dem Knaben, von den: Jüngling, dem Manne und den: Greise, von jeden: erwartet cs den Händdruck des freuudlichsten Empfanges. Von den: Kinde angestaunt, von den: Knaben erfragt, von den: Jüngling geahnet, von dein! Manne begriffen, will die ganze Tiefe seines Inhaltes jeder Alters- und Entwicklungsstufe stts erueut den Begründnngsboden des jüdischen Berufes legen und führt wie kein anderes Fest das. die Herren Groß, Porges ::. Lev: getragen haben. Dr. Josef N.v. Jeschke, Advokat aus Pribram wurde endlich in Amerika eruiert. Er hat eine halbe Million Klientengelder unterschlagen! Dr. Josef Kranz,(!) hat 1000 K für die Armen von Salzburg (!) gespendet. Die ״Salzburger Zeitung" veröffentlicht 46 Kuratelsverhängungen wegen Blöd-, bzw. Wahnsinnes. Darunter eine Arztcnstochter, eine Advokatensgattin. Nach H. St. Chamberlin sind wir eine!imnderwertige unfruchtbare Rasse. Aus der ״N. Fr. P." von: 40. 1. erfahren wir, daß Richard Wagners Sarg unter Anderen (S. ״Das Judenthuu: iu der Musik"!) Annoncen ans der ״Reichspost": Neurath, Forst, Freund, Weinstein, Berger׳ Nabi- Kind, den Knaben und den Jüngling den: Man- >ne und dem Greise zu, daß sie das kindliche Staunen erheben, den Fragen des Knaben, den: Forschcn des Jünglings Befriedigung bringen und an dein Altar dieses Frühlingsfestes das Knospen u. Keiineu des jüdischen Geistes zur Entfaltung' noviic, Schick! laden.! Sollten wir nicht einmal hinhorchen, wie! * Gott die Erziehung unserer Jugend für sein heil.! Die ״B'nai Brith" haben 2000 K für das Werk erwartet, sollten wir von Ihm nichts lerne׳:: bulgarische Note Kreuz gespendet, können für unsere, der Erziehung, so bedürftige Und in: Werke jüdischer Erziehung so vielfach ratlose Zeit? (Ans S. R. Hirsch, ges. Schriften.) Vor Pessach im Ghetto. Es überflutete die Gasse ganz Der Märzcnsonne erster Weiheglanz: Die Pfützen wandeln sich in Spiegelscheiben, Worin die Strahlen krause Spiele treiben. Aus offenen Türen dringen Kinderstimmen —־ Nun stürzen auf die Gasse ganze Scharen Uu-d lassen in den Lachen Schiffe schwimmen, Die erst vergilbte Zeitungslappen waren. Eiu frischer Märzhauch bläst aus volle:::! Munde Die Pfützenaugen weg von: Straßengrunde... Die Mütter warten drauf, weil vor der Tür Das Passachfest in: Blütenßhteier steht.- Was winterüber in der Stuben Enge Geinodert hat, wird in den Wind gestellt, Gescheuert und erneuert Grund und Gänge, Und Tisch und Bank und Haus und Herz u. Welt Dann treten auch die Väter still herfür, Ihr heitres Schweiigen ist wie ein Gebet: Nach schweren: Winter zwischen engen Wänden Soll alles sich doch bald zun: Guten wenden. Des Lebens Ströme ranschen aus der Ferne. Bald leuchten übern: Ghetto stille Sterne Und füllen jedes Herz mit mildem Schern, Und Sklaven werden wieder Freie sein.... Marek Scherlag. In Galizien herrscht unter den Juden das größte Elend. Aus der ״Ostd. Nundsch." von: 10. März. ״Ein ,Komitee' zur Unterstützung uuserer Sol- - baten mit Zigarette.:: und Zigarren, bestehend aus den Herren Engel, Holzer, Goldblatt und Nosenfel.d verschickt einen Aufruf in die Provinz ersucht um Tabakspenden für unsere Helden. Diesei: Herren diene zur Kenntnis, daß die deutscharischen Provinzler -ihre Liebesgabenarbeit nach wie vor selbst besorgen werden. Der Aufruf Wandert in den Papierkorb!" Aus der Debatte des Deutschen Natwnal- Verbandes vom 10. Jänner. ״So wurde!: i.nsbesondere auch die Notwendigkeit betont, für den 1 Fall der Angliederung eines Teiles von Russisch- Polen die Ostjndenfrage zn regeln und es wurde dabei hervorgehöben, daß eine solche Regelung nicht nur in: Interesse der Gesamtheit des Staates überhaupt׳ sondern namentlich auch in: Interesse der Angehörigen der jüdischen Konfession gelegen sei." Das läßt sich hören. Zeitungsschau. M o t t o: ״Was den: Einen recht ist, Ist dem Anderen billig!" (Altes deutsches Sprichwort.) In der Grazer ״Tagespost" Plaudert Herr W. Fischer(!): ״Wenn auch Oesterreich init seinen leldemnütigen Völkerschaften den: großen Bnndesbruder ebenbürtig zur Seite ׳steht, so ist doch dieser in seiner erhabenen Gewalt und Ausdehnnng niernals geahnte Kampf gegen! die ::::zähig gescharten Feinde vorwiegend ein deutscher Krig zu nennen." — Merkt's Euch, Ungarn, Bulgaren, Kroaten, Türken usw.! Ans den ״M. N. N." Mar Gutmann, Neisende:׳, Sohn des Kaufmannes Nathan G. in Jngelstadt erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse. Die ״Ostd. Nundsch." bespricht in einen: Artikel die Orientalisiernng der deutsche:: Kriegsindnstrie, deren Vertreter, :::eist Inden, sich zu drücken verstehen. Die ״Nejchspost" hetzt vorne rüstig weiter, hinten nach wie vor Inserate von Herz, Brüll, Liebermann, Freund und Nostnberg.. Wenn sie erst unsere neuesten Entdeckungen wüßte! Daß nämlich Wilson (Willsohn), Noosevelot (Rosenfeld) und Lansing (Löwy) ebenso