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Jüdische Volksstimme · 1916-04-13 · Heft 6 (13.4.1916) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVII (1916)
Issue
Heft 6 (13.4.1916)
Date
1916-04-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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losen Greise und Kranken und brotlosen Jnvaliden wirksmn entgegenzutwten, wenn wir mit diesem Vorsatz unser aus der Tiefe des Herzens dringendes Gebet zum allwissenden und allerbarmenden Gott emporsenden werden, dann wird auch diesmal unsere Reue, unser Gebet und Wohltun nicht vergebens vor dem Throne des Mltenlenkers für uns Fürsprache halten und Er׳ der allein das auf der Menschheit lastende Leid ermißt, Er wird dengroßen Jom-Hakipurim, den grüßen Versöbnungstag der Völker herbeiführen und seinem ausewählten Volke, welches seit zwei Jahrtausenden als Herold Seines Namens und Seiner alleinigen Macht über Not und Tod, durch Verderben und Verfolgung hinweg den Völkern voranleuchtet den Weg zu den höchsten sittlichen Menschheitszielen, Er wird diesem Seinen Volke wieder die Sonne eines neuen Glückes leuchte:: lassen. Wien, im Nissan. L. Gr. Weltkrieg und Weltfrieden. Bon Dr. I. EisenVerg. (Nachdruck verboten.) 2. Fortsetzung.) Es scheint un/sever Generation befchieden zu sein, den Leidenskelch bis zur Neige zu leeren und die Schrecknisse des Völkerringens in ihrer -ganzen Wucht idiurchzukosten. Nur diesen Zweck nrögen diejenigen verfolgen, welche immer neue K-cmypfplätze «cmfsuchen, immer mehr Völker in den brennenden Schlund werfen und sogar Jahrzehnte lange Bündnisverträge mit Füßen treten. Diesem Zweck strebten die Urheber jenes Treubruches zu, welcher der dritte Genosse im Dreibunde just am 33. Jahrestage dieser Schöpfung vollzogen und welcher einem versteckten Gegner in einen offenen, unerbittlichen Feind verwandelte. Der genannte Bundesgeinvsse -hatte zwar die Pflicht׳ seinen bedrängten Freunden sofort Beistand zu leisten und den Vertragspflichten nachzukommen. Er zog es -aber -vor, ״Wohlwollende" Neutralität zu proklamieren/und eine.» verdächtige Haltung zu beobachten. Er hoffte eben falls, daß die russische Dampfwalze den ästerreichischen Nachbar zerschmetternwerde. Es kam aber anders! Die Dampfwalze fand in fremder Erde ihr Grab und der Bundesgenosse von gestern verwandelte -sich in einen unversöhnlichen Feind. Doch Treulosigkeit und Tücke dürfen keine Orgien feiern und die Vorsehung sorgte dafür, daß auch hier der Sieg dem Angegriffenen zufalle! Die geistigen Lenker dieses Treubruches, welche stevnis verscheuchend, aber auch einen trüben, regnerischen Tag verkündend. In der Ferne, auf der Bahnhofstr-aße rasselten die Wagen, hier und da fiel klirrend die eiserne Stange -eines Fensterladens, die von innen zurückgestoßen wurde; Türen knarrten, Kannen klapperten, Schritte hallten auf dem Pflaster und den Holztrottoiren, und das -alltägliche Leiben begann seinen Lauf. In der Nähe der großen Synagoge kaufte Abraham etwas Hafer für sein Pferd und ging alsdann, sein Morgengebet zu verrichten. ״Wie schön sind deine Zelte, Jakob, Deine Wohnungen׳ Israel!" flüsterten seine Lippen, .als er in den halbdunklen Raum trat. Eine angenehme Wärme strömte ihm entgegen, sie schmiegt-e sich langsam an seine starren Glieder, an sein nasses Gesicht und beruhigte ihn. Es war noch nicht die Zeit zum Beten. Einige Männer sasten über Folianten um einen lcmgen, schmalen Tisch und horchten auf den Rabbi. Sie lernten die Vorschriften und Gesetze, die beidem Backen der Mazaus beobachtet werden müssen. In dem Schein der Kerzen und dem Weiß der aufgeschlagenen Folianten hatten ihre.Gesichter einen vergeistigten Ausdruck. Abraham kannte die meisten von ihnen. Es war mancher darunter, an dem die Sorgen für das Fest nicht weniger nagten als an ihm, und jetzt schienen sie alle sorgenfrei, dem Irdischen entrückt; alle -boten sie ein verklärtes Bild der!heiligen Ruhe und des Vertrauens. Er setzte sich zu ihnen, und auch seine Gestalt fügte sich in den Rahmen dieses Bildes ein: auch ihn überkam Zrwersicht und Vertrauen, daß er nicht die Heilige Schrift in Millionen Exemplaren verbreiten, scheinen vergessen zu haben, daltz Deuteronomiun: (Kap. 17/Vers 8) selbst einem Bundesbruder emschärft: ״Du darfst nicht auftreten gegen das Leben deines Dundesfreundes!" — Hat der tückische Ueberfall Italiens allenthalben nur Abscheu und Verbitterung hervorgerufen, so :nutzte der Anschl-uß der tapferen bulgarischen Nation an die Mittelmächte nur Genugtuung und Befriedigng ernten. Denn dieser Schritt Bulgari ens trägt vi el zur Abkürzung des Völker ringens, sowie auch zur Herbeiführung eines gerechten Friedens bei. lim aber die Rolle Bulgariens im Weltkriege voll würdigen zu können, erscheint es zunächst «notwendig, einen kurzen Rückblick auf den Verlauf des Balkan-krieges zu werfen, welcher Bulgarien im Felde die Führerschaft verliehen unld schli-eßlich sehr arg entlohnt hatte. Denn wir gehen -nicht fehl, wenn wir den Balkankrieg als Einleitung und Vorstufe für den gegenwärtigen Brand Europas ansehen. — ״Kreuz gegen Halbmond!" Mit diesem Kriegsruf eröffneten im Herbst 1911 die Balkanvölker die Feindseligkeiten gegen die Türkei, um die Oberhoheit des Nachbarreiches zu brechen und um die Ländr des Islams zu zerstückeln. Dieser Schlachtruf sollte bei allen christlichen Völkern die Begeisterung Wecken und sie für diese Idee entzünden. — Der Krieg sollte gleichsam als gegenseitiger Krieg der Religionen -aufgefaM werden. Die christlichen Völker an: Balkan, welche Jahrhunderte einander feindlich gegenüber gestanden waren, vergaßen für einen Arigeniblick ihre Gegensätze und wandten sich mit vereinten Kräften!gegen den angeblichen Heiden. Aber auch manche slavische Völker Europas begrüßten mit Freuden die Befreiung des Christen- -tums vom Joche des Islams. Wie Unrecht sie aber hatten, lehrt der unglückliche Ausgang des Balkankrieges. Weder der slavi sche Gedanke noch die christliche Liebe vermochten bte Sieger bei der Teilung der Beute zu einen- und ihre alten Feindschäften vergessen zu machen. Wie Unrecht sie hatten, lehrt uns der gegenwärtige Weltkrieg, welcher die Fehler des Balkantreffens zu korrigieren berufenist, -und welcher Kreuz -und Halbimpnd mit «cinan-de zu versöhnen vermochte. — Unsere Diplomaten und Lenker unserer Geschicke versichern immer, oftmals sei -ein Krieg -notwendig׳ Um -angehäufte.Feindschaften/ zu beseitigen, um Feinde des Fortschrittes zum Schweigen zu bringen und um -eine Zeit des Friedens heranbrechen zu lassen. — Denn wie ein Sturm sich oftmals entladet, um die Luft zu reinigen, um -schädliche Insekten u. a. zu töten und um/ Krankheitskeime zu ersticken, so wind -auch den Kämpfen der Zweck zugeschrioben, Feindseligkeiten zu bes-eitigen, deren Urheber zu strafen und einen da::-- ernden Frideen zu ermöglichen. So hat der Preußischj-österreichifche Krieg gewesene Feinde in Freunde und Bundesgenossen verwandelt. Der deutsch-franz. Krieg 1870—71 verlassen war,, und daß ihm zur Zeit geholfen würde. — Eine Stunde folgte der andern, und immer noch stand er an der Straßenecke vor dem Hause -des Oberstabsarztes Walkow und wartete. Der Mend kam׳. Immer dicker׳ immer trüber Wurde die Luft auf der Straße, immer undeutlicher hoben -sich die Häuser ab, bis sie in Nebel und Dunkelheit verschwanden. Der Regen, der während des Nachmittags zeitweilig ausgehört hatte, setzte wieder stärker ein. Sollte er nach Hause zurückkehren? — und er sah im Halbdunkel der Stube das blasse Gesicht seiner Frau, die still mit den Kindern seine Rückkehr erwartete, aber er sah -auch die Weiße Kiste für die Mazaus, die seine Frau schon seit einigen Tagen gescheuert hatte, und die noch immer leer stand, und er blieb an der -eisigen Straßenecke. Währ-on-d der arme Fuhrmann auf feinem Wagen vor Ermattung und Kälte zitterte, saß der Herr Oberstabsarzt Walkow indem warmen Salon und schaute verdrießlich auf die dunklen Wolken und auf den Rogen, der vom Sturm gegen die Scheiben -geschlagen wurde. Er sollte heute noch den Kommanoanten besuchen׳ und es war Hm peinlich, seinen Kutscher am Sonntag bei einem solchen Wetter fahren zu lassen. Plötzlich kam ihm ein -guter Gedanke, und er trat ans Fenster. ״Jude", rief et Abraham zu, der gerade traurig seine Vorbereitungen traf, um doch noch nach der Stadt zurückzukehren. ,/Kann dein Gaul noch bis zu Schanzi kaufen?״ machte den früheren langjährigen Meibu-ugen ein׳ Ende und verschafte leiden Stationen eine vierzigjährige Periode der Ruhe und Entwicklung. Ter russisch-japanische Konflikt 1905 brachte diese Völker einander näher. Doch der Balkankrieg säet-e Hast und Unzufriedenheit, legte den Grund für die späteren Balkankriege und verursachte gleichzeitig auch den gegenwärt!- gen Weltbrand. — Rußland schmiedete den Balkaubund nach «der furchtbaren Niederlage gegen Japan, mn sein Prestige zu heben, sein- Ansehen aufzurichten und die Suprematie über den Balkau z erlangen. Rußland freute sich über die Siege des Balkans, förderte sie materiell und moralisch und hoffte die Oberhoheit über -alle Slaven zu be körn nun. Freilich feierten auch andere slavische Völker diese Siege mit, freuten sich Mer die Umwälzung im Orient und strebten eine Schwächung des German isin/us an. Doch gestaltote sich -all«es anders׳ als erwartet würde! Rußland sprach sein- Machtwort auch ain Tage der Beuteverteilung aus, bevorzugte sein Schoßkind Serbien vor Bulgarien, obwohl letzteres sich durch besondere Tapferkeit auszeichnete und die größten Opfer an Gut und Blut.gebrächt hatte. Freilich mußte die russische Regierung, welche einige Jahre früher einen Oesterreich befreundeten serbischen Kön-ig durch Meuchelnwrd beseitigen ließ, Serbien bevorzugen und Bulgarien zurücksetzen. Sie vsranlaßte auch Rumänien gegen Bulgarien den Krieg zu -erklären und letzteres zu zwingen, den demütigenden Frieden von Bukarest zu unterzeichnen und Stücke bulgarischen Landes an Rumänien-, Griechenland und Serbien abzutreten. Mit dem Schlachtruf ״sojuznici-rcizbojnici!" — ״Bundesgenossen-Mörder!" kehrten die bulgarischen Truppen heim, rollten ihre Fahnen zusammen und erhofften den Tag -der Vergeltung. Nun triumphierte die Politik des Zaren auf der ganzen Linie und glaubte auch mit England eine Allianz gründen zu dürfe!:, un: Deutschland zu zerstückeln. Auch Frankreich brannte vor Nevcmche wegen Elsaß-Lothringen, fütterte den russ. Bärenmit Gold und stärkte damit diese!: Bund. — Es kann unmöglich als Zufall angesehen werden, daß za: gleicher Zeit, da russische Truppen 'gegen Oesterreich mobilisiert wurden׳ die tötenden Kugeln gegen das Tronfolgerpaar in, Sarajevo geschleudert Wurden. Es kann undenkbar als Zufall gewertet werden, baß zur selben Zeit auch die Wende Waffe gegen den französ. Sozialistenführer Jaures gezielt wurde, welcher die Kraft, aber auch den Willen hatte, den Ausbruch des Weltkrieges unter allen Umständen zu verhüten. (Fortsetzung fa-lgt.) Zeichnet Kriegsanleihe! ״Ja-, ja, gnädiger Herr," antwortete Abra- ׳Ham hastig, ״soll ich dahin?" Spann den Gaul aus, Dusollst mich in meinew Wagen nach Schanzi bringen. Wieviel willst du dafür?" ״Herr, hin und zurück sind es zwölf Kilometer. Das Wetterist schlecht׳ und cs ist schon spät. Fünf R:Oel, gnädiger Herr." ״Ach was, fünf Rubel! Du wirst es -auch für drei tun." ״Für drei Rubel? Ja Wohl, ich werde es tun, weil ich must, weil ich heute nur fünfzig Kopeken verdient habe, weil Frau und Kinder -daheim hungrig auf :!:ich und :!:einen Verdie!:st warten, weil die Feiertage -vor.״ ״Wenn du nicht willst, laß es sein," unterbrach ihn der Oberstabsarzt barsch. Arahan: überleigte. Drei Rubel sind zwar zu wenig für so -einen weiten Weg. aber nicht fah- ״ren?'Es ist immerhin besser, als mit leeren Händen nach Hause zu kommen׳ und wenn er dem Bäcker zwei Rubel als Anzahlung für Mazaus 'gibt, wird n:an ihm das andere vielleicht borgen. Er klopfte zärtlich den Hals seines Pferdes, als es -vor den kleinen hübschen Wagen gespannt war, u. sprach zu ihn:.: ״Sei brav, meine Puppe", denn so redete er sein Pferd immer an, weshalb ihn die Kameraden ,Abraham, die Puppe' nannten, ״laufe so schnell du kannst. Wir werden Mazaus haben, und dir soll -es an Futter auch Nicht fehlen." Und das Pferd schaute ihn treuherzig an, spitzte die Ohren׳!als üb es besser hören

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