Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVII (1916)
- Issue
- Heft 5 (30.3.1916)
- Date
- 1916-03-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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(M(1 4• *3mMt BiifiKtmt* 9H.5 ßen, weil er sich nicht entschließen wollte, d«e Tm-- fiken, wie vorschriftsgenläß, am Samstaig offen zu halten. In letzter Zeit empfing, wie dein ״Leinberger Tagblatte" Mneldet wird» Oieneval-Gonvovnonr Freiherr von> Dille,r eine jüdische Dopntation mrs Nowo-Nadomsk, welche ihin die Bitte imterbrettet hatte, den jüdischen Trafikanten die Erlaubnis zu erteilen, die Trafiken am Samstag gesperrt zu halten. Der Goneral-Gonvernanr dersprach, diiese Bitte zu erfüllein Hoffentlich viird dasselbe auch i,n den aiidereu Städten des Okknpationsgebietes geschehem. Ein ähniliches En-tgegelnikommen haben die österr.-lvng. Behörden den, Juden auch in einer anderen Än>ge!lc,genheit erwiesen. Bei reu Kreiskomman'dos Pioirkow nud Nowo-Nadomsk wurden ArbeitsveriiiittliNigsstelleii. eröffnet, um den Arbeitswilligen mid -fähigen Arbeitsgelegenheit zu verschaffen. Auch Judennehmen zahlreich diese Vermittlun,gsstelle>n in Anspruch. Sie scheuen die schtversten Arbeiten nicht itutib finden besonders beim Straßenbau Beschäftign!n>g. Nur war ihnen zunächst der Uii'istand hinderlich, daß sie aus religi'ösen Gründen: ,aim Sanistag nicht arbeiten wollten. Um ,ihnen elltgegenzukolllmen, ivnrde ihnen diesbezüglich eine Konzession. gevnihrt, und sie Norden schon am Freilag nachmittags von der Arbeit befvelt. Freilich müssen sle dann bis Maw tag früh ruhen und -arbeiten nur fünfe inhalb Tage in der Woche, aber sie nehmen gern auf sich, um nur nach den religiösen Vorschviften leben zu können. Spendensommlungen einschließlich der Sammluitg der ״Neuen FreicnPresse" haben zivar ein sehr ansehnliches Ergebnis geliefert, doch hätte die Aktion sich nicht in solchem Maße entfalten können, wenn nicht unsere amerikanischen Glanbensbrüder uns in besonders hochherziger Weise durch munifizente Zuwendungen, die wir durch das Relief-Komite in Newyork erhielten, zu Hilfe gekommen wären. In dein vom Vorstände er st.1tteten Berichte wurde aber auch iveiter darauf hiilgewiesen, daß eine' große Anzahl von galizischen Gemeinden noch der Unterstützung harrt, biß ferner die zugesicherten fortlaufenden mionatlichen Subventionen noch bedeutende Geldmittel in Anspruch nehmen werden und daiß insbesondere auch in aller nächster Zeit die Aufgabe an die Allianz herantreten wird, den durch den Krieg zugrunde gerichteten kleinen Gewerbsleuten nnd Handwerken zum Zwecke der Wiederaufrichtung ihrer Existenz durch Gewährung von Darlehen, Dotierung von Vorschußkassen bis zu jenem Zeitpmlkt Hilfe zu bringen, in welchem die staatliche Aktion ei 11 greifen wird. Mit Rücksicht aus den großen Umfang der sonach noch zu bewältigenden Hilfsarbeit iverden sich die noch vorhandenen Bestände in Hinkunft als unzureichend erweisen und es muß datier neuerlich an die Hochherzigkeit aller Woltäter appelliert werden, daß sie — und zwar zur Vermeidung einer nachteiligen Zersplitterung der Hilfsaktion — zu Händen der Jsr. Allianz oder einer der ihr an gegliederten oben genannten Körperschaften weitere Geldmittel in großem Maße zur Verfügung stellen mögen. Hilfsaktion für die notleidende jüdische Bevölkernng in Galizien nnd Russisch-Polen. Kaddisch. In der am 22. Februar abgehaltenen^ Plenarsiynng des Vorstandes der ״Israelitischen Allianz" zu Wien wurde u. a. über die bisherige Hilfsaktion der Israelitischen Allianz für die Opfer des Krieges ein ausführlicher Bericht erstattet. — > Die Fürsorge für die jüdischen Flüchtlinge in Wien, Böhmen, Mähren und in den übrigen West-Oesterreich, welche neben der großzügigen Aktion der Regierung helfend eingrifs, hat seitens der Jsr. Allianz bis jetzt zirka K 500.000 an Znschüssen erfordert; durch die noch fortlaufenden monatlichen Unterstützungen für die noch bestehenden Flüchtlingslager, die Gemeinden und Hilfskoniites dürften sich die Ausgaben noch mn iveitere K 100.000 bis 150.000 erhöhen. Das Hilfswcrk in Galizien wurde seitens der Israel. Allianz in Gemeinschaft mit dem Verbände der Hmnanitätsvereine B'nai B'rith uiid dem galizischen Hilfsvereine sofort nach der Befreiung des Landes iit der Weise organisiert, daß für die Nuterstützungstatig'keit in Lemberg und in den meisten notleidenden jüdischen Gemeinden Ostgaliziens das in Lemberg konstituierte jüdische Hilfskomite das Zentrum bildet. Vor! dort aus werden durch Delegierte dieses K am ites Jnformationen an Ort und Stelle eingezogen und wird hierüber an das Zentralkomite in Wien berichtet, welches sodann die erforderlichen Geldmittel insbesondere für die Errichtung von Volksküchen Waisenkinderheimen und soiistigen Wohl sahrts- Einrichtungen gewährt. Allster dem Lemberger Koniite funktionieren in gleicher Meise für Ostgalizien besondere Hilfskomites in Brody, Stanislan und Kolomea, für Mittelgalizien in Przeiuvsl, Sambor, Iaslo, Iavoslan u. Görlice. Die Hilfstätigkeit für Westgalizien wird durch ein Zentralkomite in Krakau geleitet; für die Bukowina besteht ein Hilfskomite in Ezernowitz. Die Aktion der Jsr. Allianz erstreckt sich aber überdies ans den in österr.-ung. Verwaltung siehenden Teil von Russisch-Polen, wo an zahlreichen -Orten eine drückende -Not herrscht. Der Sekretär der Jsr. Allianz berichtete über feinen im Anstrage des Vorstandes im Januar d. I. erfolgten Besuch der größeren jüdischen Wo me i üben und die Organisierung der Hilfsaktion in der Weise, daß in Lublin, Radoni, Sticke mn4> Petri kan im Einvernehmen mit den Vorständen der Gemeinden Hauptkomites eingesetzt wurden, ^n Nxlchen alle religiösen Richtungen vertreten sind und Nx'lchen zahlreiche Lokalkomites unterstehen. Dieses vielfach gegliederte Hilfswerk hat einen sehr bedentenedn Gldaufwand in Anspruch genommen. Die bisl-er bewilligten Unterstützungen belaufen sich auf zirka eine Million Kronen. Die von der Jsr. Allianz und dem! Verbände der Humanitätsvereine B'nai B'rith eingeleiteten Von Josephine Gräfin. Ml. Lei 1i in ge n-Wefterbn rg, geb. von Spruner. Kennt das Gebet Ihr Wohl, .dem tausend Tränen fliesten, In Zignis alter Sprache ward es ans bewahrt. Und ein Jiahrh-nndert hat's deiii andern überwiesen, Da Poesie und Andacht sich in ihm gepaart. Die frischen Ranken all' voll, kindlichem Empfinden, Von menschlichem Erinnern, mächtig, groß und Alt, Als zartes Blütennetz mn dies Gebet sich winden, Das hoch als Felsen ragt in Stnriiiesflnt. Es ist die duftend süße, blaue Wunderblume, Die, von des Lebens Schmutz ׳und Unrat nln-berührt, Ein Engel einst gebracht znm süd'scheii Hei׳ligtume, Und der-vom Stimmet stammend Him>melsglut gebürt. Die tiefsten Fibern all' von eines Menschen Wesen, Sie laben sich an ihrer Schölle, ihrem Duft, Sie sproiigt der Eltern Gräber, der geliebten Wesen, lud dringt voll Glut hinein auch in die tiefste Gruft. Das Kaddisch bürgt den Elter» ihres Kinds Gedenken, Es schwingt sich null,ittelbar zu Vaters Tron nd flehet, daß er ihnen mög' den Frieden -schenken lud lilit Barmherzigkeit die Liebe ihnen lohn'. Fürwahr, kein schöner Band gibt's, fester zu vorketten, Den Himmel und die Erd', die Elterii und das Kind; Es hat gewiß die Kraft, auch solche ,loch zu retten, Die ganz verwildert, schon, beinah' verloren siild. Du trittst mis -diesem ewig ruhelosen Leben In׳ eilt geheinlnisvolles, dunkles Jenseits ein, Doch imbelohnt blieb nicht dein Mjühsam irdisch Streben, Des.Kinds Gedenken, seine Dankbarkeit finb Dein. Bist Du gewandelt ans dem ine!ten Erdenrnnde Auch in der Armut Kleid und ließest nichts zurück, Du lebst doch fort in Deines frommen Kindes Munde, Dein Angedenken ist sein Erbe, ist sein Glück! Die Tätigkeitder Agudas Jisroel Jugend-Organisation im Jahre 1015. Die Agirdas Iisroel-Jugendorganis>a׳tion. Bn!l 1 d gesotzestreuer jüd. Jngendvereine, die ihren Sitz in ׳Frankfurt a. M. hat, widmete — wie es den Zeitlänfen entsprechend ist — ihr Hauptangenmerk ans die Fürsorge —geistige sowol wie körperliche — der uilter den Waffen stehenden jüdischeu Jugend. Zllilächst, es war Ende März, wurden allwöchentlich Sidrahbe.trachtmWn iilsFeld gesandt, die nach uiid imch durch eine Uebersicht über die Ereignisse in der jüdischen Melt sowie durch Anfügnn.g eines jüdischen Kaleliders mit Angaben voll Sabbat-Anfang und -Ende auf allen Kriegsschanplätzen erweitert Inm'beit und unter dem Titel ״Feldbriefe der A. I. I. O." ausgegeben werden. Die Feldbriefe werden zm׳ Zeit in etvxi MO Er e 111 pl!a re n ve r sai 1 dt. Ihre Verfasser sind hervorragende Rabbiner nnd Lehrer. Um das Lesebedürfnis der jüdischen Soldaten zil befriedigen, wurden zunächst unter dem Titel der ״.Kriogsschriftenfolge -der A. I. I. O." zlvei kleine Büchleill ״Jlll Schatten des Weltkrieges" und ״Im Kriggslager"' verausgabt. J1׳lr Oktober wurde zur Einrichtuilg einer Feldleihbücherei geschritten, die sich sehr schnell des allgemeinen Zuspruches der jüdischen Feldgrauen erfreute. — Kleinere Büchereien wurden verschi'edenell Feldrabbi!lern und Soldaten, die als Seelsorger Kimtierten, überlassen. Ans Chanukal) wurden einige himdert Bände der Schrift Wohlgemuth ״Ter Krieg im Lichte des JüLeiitnms" versandt. Reuerdings -iourden dem ״Ausschuß für fahrbare Kriegsbüchereien" 400 Bände der Kriegsschriftenfolge der A. I. I. O." überlassen. Durch Rllndfrage stellten wir fest, daß im Felde an verschiedenell Stellen großer Man-gel an h^obetbüchern , Tefilln rmd A rba Kan saus herrschte. Solveit es in unseren Kräften stand, lvurde dem abgeholfen. Insbesondere waren es