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Jüdische Volksstimme · 1916-03-30 · Heft 5 (30.3.1916) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVII (1916)
Issue
Heft 5 (30.3.1916)
Date
1916-03-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Kt, 5 mwtTW^nWWK» Sette S. Löw und Barbar» verehel. Losch! tz, deren Urenfct in den Fami'lien Bloch und Dr. Löwen thal in Brünn, von Beck in Wien und Löw in Nen-Ncmßnitz rcpräscintiert erscheinen. Ob diese olle in Kenntnis dieses denklvürdigen Sterbetages sind, ist freilich zu bezweifeln, liegen doch vier oder noch!mehr Generationen ^zwischen. Aber iw Wandel der Menschen rund Zeiten ist geblieben das Andenken an die teueren Altvordern durch deren Stiftungen in der Gemeinde Nell-Nauß1n׳itz, wo sie sich verewigt haben und gepriesen werden von. Geschlecht zu Geschlecht. N. L. Peßach in der Armee. (Oesterreichi,scher Militär koni masndobefehl Nr.?>8 vom 17. Februar 1016. — 1. Nr. 4348.— 1. Nr. 3213, L. G.) Rituelle Osterkost. Lallt Moldnug der isr. Militärseelsorge in Wien, Z. 84, vom 10. Janriar 1016, beginnt.das isr. Osterfest am 17. April 1013 ilochulittags und endet am 23. April 1 J>1 (> abends. Während dieser Zeit ist den Soldaten israel. Glaubgills die rituelle. Kost zu verabreichen. Im oll!gemeinen! gelten hiesür die Bostinnmuugen der Verordnung 1, Nr. 2188/1303 L. G. voul '28. Januar 1013 (verlautbart im Mil.-K.- Befehl Nr. 23/13). Im Besonderen wird verfügt: 1. In alleil jenen Stationen, m\ welchen sich Knltusgenieinden besindon, kann. die. Ansspe.ils!ung durch dieselben ijm Wege der Vereinbavung mit dem Stati o!1 ls-K01 unMndo gegen Entrichtlmg einer Vergütung .in der Höhe des täglichen Monagelbes und Brotrelntnms erfolgen. 2. In jenen! Stationell, in welchen sich zwar K-nltnsgemeinden besindon, der Vorgang noch Punkt '1 aber ans i!vgen>deiu!enlt Grunde nicht durchführbar ist, lmtfc die ri!tuelle Verköstigung in eigener Regie durchgoflihrt worden. In diesem Falle wird die Bcistelluug der Ostevbrote sowie des rit. geschlachteten Fleisches rechtzei!tig durch Handkanf seitens der betreffenden Trupp enkörper und Anstalten bei der zunächstgelegenen K1lltus,g!emei׳nde einzuleiten sein. Das Abkochen der Menage erfolgt diesfalls in einer eigens hierfür gewählten Küche durch die jüdische Mannschaft selbst. In, solcheir Stationen wird es sich empfehlen, die Mannschaft isr. Glaubens der ganzen Garnison zu vereinigen und dieselbe an eine einzige Küche zu weisen. 3. In jenen Stationell, in welchen sich i-srael. Kultusgemeinden llicht befillden, ist so Vorzügehell, wie in Punkt 2 angegeben. 4. In jenen Stationen,!in־ welchen die Gesanltzahl der Munnschast isr. Glaubens die Zahl 20 nicht erreicht, muß von einer rituelleil Vorkö,stig!uu!g in eigener 3tegie abgesehen werden, ansgenommen, sie liehe sich dennoch durchführen, ohile daß der Heeresverwaltung Mehrkosten erwachsen (eventuelle Allbote einzelner Gemeindeinitglieder.) 3. Im lliachstehelldell folgt eine Anleitung zur Einrichtung einer rituelleil Osterküche u. zw.: a) Statt des Brotes sind ungesäuerte Brote (Mazzoth) zu verabreichen; b) entweder sind neue Kessel, Blechgeschirre und Eßbestecke zu veMienden, oder die gebrauchteil für diesen Zweck durch heißes Wasser lllit Glühstein br-iamhbar zu machen; c) Brot und alles, was Gärung hervorbringt darf in der .Küche uicht vorhanden seill; d) das rituell geschlachtete Fleisch ist llach ben allgenseiil bekannten religiösen Speisegesetzen zuznbereiten (Eiuwässern u!nd Aussalzen); e) als Genlüse wären vornehlnüch Kartoffeln zu verlvMdeu, aber auch jede Art von! Hülsenfrüchtell ist lllit Rücksicht auf die Schwere der Zeit in diesenl Jahre zulässig; f) alle anderen Vorschriften, die bei jeden! gläubiigen Juden als bekannr vorausznsetzen sind, wie: Sonderung von Milch- und Fleischspeisen, sind an diesen acht Tagen besonders strenge zu beobachten. Etwa sonst noch wissenswerte Daten können bei der isr. Militürseelsorge in Wien direkt eingeholt lverden. 6. Speziell für -die Garnison Wien gelten folgende Bestimmungen: Das Platzkommcmdo hat die Anzahl der mit ritueller Kost zu verpflegenden isr. Mannschaft einschließlich der Kranken und Kriegsgefangenau zu erheben und der isr. Militärseelsorge tu״!-- bald bekanukzugeben, ebenso auch die Unterkunftsobjekte, wo sich derlei Mannschaft befindet. Hie.va.uf hat sich die isr. Militärseelsorge mit der Volksspeise Halle ״Einheit", 2. Bez., Malzgasse Nr. 12,!die auf Massenansspeisnngen eingerichtet ist, ins Einvernehinen zu setzen, den Detailvorgang bei den׳ Ausspeisungen zu regeln nnd dem PlatzkolN'UWndo bekannt zu geben, welches diesfalls die verschiedenen Truppenkörper und Anstatten verständigen wird. Jene Tvnppenkörper oder Anstalten, welche die Verköstigung, in eigener Regie durchführen können, haben dies selbstverständlich zu tun und dem Platzkommando hievon zu melden, welches die israel. Militärseelsorge sogleich verständigen wird. Als Vergütung haben die betreffenden Tvuppenkörper und Anstalten pro Ma<nn das Menagegeld und das Brotrelutuln der isr. Militärseelsorge in Wien zu übersenden, welche die Bezahlaug der Volksspeisehalle bewirken wird. '7. In. den Kriegsgefan>genlagern (für Kriegsgefangene u. Mlchmaimschast) ist der im Punkte 2, beziehungsweise 3, vorgczeichnete Vorgang einzuhalten. 8. Es wird ausdrücklich bemerkt, daß durch die Verabreichung der rituellen .Kost Mehranslagen nicht erwachsen dürfen. Sollte dies dennoch aus irMndeinem unvorhergesehenell Grunde!nicht durchführbar sein, so si!nd derlei Mohrauslagen zu berechnen und dein Militärkolnuiando zeitgerecht -iin vorhineil! llachzuweisen. Der Lügenbund. Die Lüge wollt', un! weiter zu bestoh'n, Zu Vater Noah in den Kasten geh'n. Doch der ließ!nur gepaarte Wesen ein; Die Msche Lüge aber war allein. Ta schloß sie au, den gelben Neid sich an, So ward die Arche ihnen anfgotan. — Zum Treubund ist verknüpft seit jener Zelt Das HeuMerpaar: die Lüge und der Neid! Dr. Berthild Singer. Das Massenmeeting in der Carnegie-Hall in Newyork zu Gunsten der russisch-polnischen Juden. Die iüngst von! Hilfsausschuß der aluerikanischeu Judell in on* Carnegie Hall in Newyork einbernfene Versannninug hatte einen großartigen Erfolg. Bischof Grecr voll der protestantischen Kirche in Newyork hielt eine Eröffnungsrede, in der er von der Schuld des Christentums au die Juden sprach. Diese Schuld müsse endlich getilgt werden, und zu diesem Zwecke forderte der Bischof alle Christen auf, sich au denn Hilfswerke für die notleidenden Juden nach Kräften zu beteiligen. — ״Auch die Zivilisation u. die Humanität", schloß der angesehene Geistliche, ״stehen in der Schuld der Juden. Und deshalb appeliere ich an die Humanität des amerikanischen Volkes ohne Unterschied des Glaubens, diese Schuld mit vollen Hänben dem jüdischen Volk in der bitteren Stunde seiner Not zurückzuzahlen." D׳ie mehr als eine Stunde dauernde Rede lnachte einen großartigen Eindruck. Kurz nach Beendigung derselben konnten vier Spenden von jo 100.000 Dollar angekündigt werden. In Hellen Scharn. jtrömten die Anwesenden zum Podium, um dort ihre ,Liebesgaben niederzulegen. Auf deu! Tische des Vorsitzenden häuften sich Schecks in Höhe von 30—50 ■;00 Dollars, andere schriftliche Zahlunasversprechnngen, Bargeld uud Wertsahen, Männer eilten herbei und leerten buchstäblich ih׳e Taschen auf den Tisch. Einer besaß nur 1 Dollar und 3 Cents; er gab den Dollar her und beh'elt die 3 Cents, uni׳ nach Hause sahreu zu können. Ein anderer, der 7 Dollars Wjochenlohn hat, verpflichtete sich, die Hälfte davon «während der ganzen Dauer der Hilfskampagne herzngeben. Dutzende von Frauen zogen ihre Ohrringe, ihre Fingerringe, alles GeschmeM, das sie trugen, ab und übergaben es dem Ausschüsse, Männer stifteten neben vem Bargeld ihre Daschennhren und was sie sonst an Wertsachen bei sich hatten. 2lls die Versauunlung geschlossen wurde, lagen eineinuiertel Millionen Dollars (0 Millionen Kronen) in Schecks, Bargeld und Schnuicksc.chen zur Verfügung des Ausiuchsses. In Wahrheit gestaltete sich das Massenmeeting, in dessen Verlauf einer der Redner packende, erschütternde Schilderungen von der unerhörten ,Bedrückung und Mißhandlung der russischen ׳Jude!l,׳von der barbarischen Grauscmlkeit, die sie vor! den Behörden zu erdulden haben, entwarf, zu einer Kundgebung gegen Rußland und gegen Rußland allein. Von einer schlechten Behandlung oder einer drückenden Notlage der Juden in Oesterreich',fch- oder in Preußisch-Polen, in Serbien oder in der Türkei war mit keinen! Worte d׳e Rede. Die Carnegie-Halle war bis zur äußersten Fassungskraft gefüllt, und über 3000 Personen, c!e gleichfalls gekomrnen waren, um an der großartigen Kundgebiulg der Nächstenliebe teilzunehmen, konnten keinen Einlaß mehr ׳erlangen; was silli drillneu in dein großen Saale, der sonst der Pflege der Kunst gewidmet ist, absptelte, erinnerte an die biblischen Erzählungen von der unerschöpslichen Hilfsbereltschast des jüdischen Volkes für seine leidenden Stallliilesgenossen. Das ״Aruericril Jewish Nelief-Komite" hat es sich zur Aufgabe genurcht, im Laufe des Jahres 1913: 6 Millionen Dollars ,also jetzt 37V2 Mill. Kronen, für die durch den Krieg llotleidoud gewordenen Juden unter den amerikanischen Glaubensgenosseu zu saulmeln. Seit Kriegsbeginn hat dieser Ausschuß!bereits 160.000 Dollars auf dieseui Wege aufgebracht und damit viel Gutes gewirkt. Nach Bischof Greer sprachen noch der Leiter des Unterrichtswesens im Staate Newyork, Finlay, der Präsident der Coruell-Uuiversität, Dr. Schuril'ann, und 1er K o n greß-Abgeo rduete Meyer aus London. Die tiefste Wirkung erzielte Dr. Magnes mit den Berichten aus Rußland über die furchtbare Lage der dortigen Juden. Langsam, in großen Menschen-Wellen, zogen die 3300 Männer und Frauen, die feierlichen Töne des patriotischen Hynulus ״America" anstiluluend, aus dem RKesenraum ins Freie. Das 5t0mite hofft durch Private Samllllangen u! kürzester Zeit 6 Millionen Dollars den notleidenden Glaubensge.uossen zur Verfügung stellen zu tönneu. Staunend erfahren wir von der opfervollen Hilfsbereitschaft der Menschenfreunde jenseits des Ozeans. Würde eine im!großen Stil eingeleitete Aktion nicht auch bei uns einen ähnlichen Erfolg haben? Angesichts der großen Not, in der Hunderttausende schinachLen, die von Haus nnd Hof vertrieben auf Mildtätigfeit edler Menschen angewiesen sind, wäre es zu loünschell, daß Pyilnulropen von Einfluß eine lveitre׳.che׳nde Wirks.a!nkeit entfalten, ein Massen- Meeting einbernsen, in den!! Männer von Rang ulld Anseheil -die trostlose Lage der bedauernswerte! Heinlatlosen schildern und zu den Herzen spreche׳-. Der Erfolg lvürde sicher auch bei uns nicht aus-bleiben. Jda Barber. Die Juden in dem österr.-ung. Okkupationsgebiete. Berichte a»us doiMnigon Gebieten Polens,' die von der östorroichisch-nugarischen Avlnee'okku- Piieirt silnid, besaMN, daß die Lage n'nserer dortigen Glaubensgeuossen sich erfronli׳che!r-woise zusehe>1l.ds bessert, und daß diese, lrxilcho so viele Jahre n>n!ter der russischen K>aute geseufzt hatten, erst jetzt frei a,nfatlll0n!unddie Seymmgow einer humanen!, gerechten VerUxrltug Wnneßen. Ganz besonders kolmnen die österreichischu-llig׳arischen Behördon־ bm! Jllden in Bezug auf ihre speziellen, religiösen- Fovdevuugen elltgegen. Wie -betan'llt, wurde vor eiuiWr Zeit im österr.- ullg. O kkupationsgebilete das Tabak-Monvpol e!i!ngeführt. Be!i der Verteilung der Trafik-Konzessio- ■wen wurden auch die Juden entsprechend berücksichtigt. Ei!u gro!ßer Te!i־l derselben konnte jedoch die Wohltaten» dieser Konzessionen ׳njicht genie-

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