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Jüdische Volksstimme · 1916-03-09 · Heft 4 (9.3.1916) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVII (1916)
Issue
Heft 4 (9.3.1916)
Date
1916-03-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Rr. 4 Seite 4. ••fllf Hww• Iw8 in kr Zukunft sich kfinkt, sich i׳n ncl>lu!ov Verschlvoiullleuheit itnKrein Urteil1>cr 11 0זnc 1 ז gegeuüberstellt. Ätir wissen nicht, Nws uns nach km Kriege an Positivem )nie Negative»! zurückbleiben wird. Es würde gl weit führen, und kr Zensur vielleicht Gelegenheit \\\ Streichmilgen cp.׳- ben, wollte man olle Möglichkeiten aufeinandersehen. Es genüge die bloste Andelltling, dos׳, in einem derart verschwommenen Zustgilde jede -Opportnn׳i!tätfpolikik dann von lineeru estlicheil Folgen sein ton. ״Gründe sind so gemein lvie Brombeeren," sogt Shakespeare, ober etwas Pernnnftiges lässt sich jetzt wirklich nicht sogen. Es sind sogar jüdisch-nationale Elemente vorhanden, die mit oller Schärfe für den potuischeu Unterricht ein-treten, falls dos Dnrchdringen des Hebräischen nndnrchführbar sei, und sie begründen dieses damit, weil die Polu-ische Svrciche mehr Schlitz nnib Ablvehr gegen die Assimiliernnlg bildet -als die klitsche Sprache, welche den Inden viel leichter ins Blut und Fleisch übergehen könne. Es hätte absolut feinen Zweck, ait die ZertrnmmernN'g oll dieser Argumente ernstlich zu schreiteil oder Positive Unterri'chtspostnlote zu verfechten. In einem Chaos, Ivie es der Weltkrieg darstellt, muh olles chaotisch bleiben. Erst wenn Ordnnng eintri-tt, wenn mam. die Gesa,m׳tverhältn isst klar überblicken kann, dann, werden unter anderen auch die Unterrichts- und Erziebungsprobleme in׳ den Vordergriund treteil und je noch den gegebellen Berhältnissen eine möglichst günstige und fruchtbringende Lösung erhe-ischeu. Bis dahin ist Krieg, ein Tauhu wawauhu. Verrichten wir keine Douo-ideuarbeit. Zur Mazzosversorgung Zufolge an kompetenter Stelle eingeholter Insormntlonj, hat das hohe k. k. Min isterinm des Ilnnern im Eillvernehmeu mit der Zentrale de״ Kriegs-Getreide-Verkehrsausto.lt in Wieil, über Ansuchen der Kultusgemeinde in Wien llild der Mährischeil M azz e s sab ri kauten eiiir. der gesetzlichen Verbronchsregelung eutsprecheudes Mehlguantlun für die Mazzeserzeuguu.g freigegebeii, welches zunr Teil aus Ungarn, lind (זחן׳1זן. Teil ׳aus Rumänien bezogen lvird. Die Osterbrot-Fobrikation :׳» Wiell Mid Mähren wird daher voraussichtlich demnächst beginnen, mld lvird jenen ani'.erhaib R iederösterreichs und Mähralls liegeudeli Gemeindeu drillgend empfohlen, sich bet ihren znstäudigeil Lan- ׳desbehördell, bezlv. bei der Zentrale der Kriegs- Eie t re ide-Ver kehr sonstalt miverzüglich 11111 die Zlüveisllülg eines angeinesseneil Mehlq1!e!׳e!!1 mfür die Mazzes-Erzeugnng zll bewerben, und i!u ihren,Gesuchen gleichzeitig bekannt zu geben, aus lreicher Mazzes-Fobri!k sie die Mazzes zu beziehen wünschen. Auf diese Weise werden voraussichtlich alle Knltllsgemeindell sich Un־cu Mazzesbedarf rechtzeitig versorgell könneu. Der Gebrauch der hebr. Sprache. Hohes k. u. k. Armee-Oberkommando! e W Der Gebrauch der hebr. Schrift im brieflichen Verkehre ist gegeMvärtig für olle Gebiete der Mmrarchie, in welchen Briefzeusur statt findet, lM'Zlilässig. A!n,gsichts dieses Verbotes, das in den okkupierten Gebieten AUissisch-Polens!ans Grund R'eskriptes des Militär-Geiierol-Gollvernements de dato Lublin, 20. ׳.h'ovember 11)15 gehandhabt wird niid dos vornehmlich olle Korrespondenzen in hebräischer nnd jiddischer (jiidisckr) Sprache trifft, gestatten sich die ergbenst Gefertigten auf folgellde notorische Tatsachen aufmerksam zn machen: 1. Für kur grössten Teil der golizischell lind bnkowi,nischen sowie der Inden in den okkupierten Teilen Russisch-Polens ist dos Jiddische!licht mir die Umgangssprache, sondern auch die Sprache, die sie schreibcll ntnd lesen. Diese Tatsache finkt ihre bedentiWgsvollc Anerke.lmnlllg dariir, daß dos hohe k. ll. k. Armee-Oberkonimando selbst zn Begium. des Kriegs einen Anfruf in jiddischer Sprache und in hebr. Schrift in Galizien und in den jetzt okknpierteil Gebieten Russisch-Polens durch Flieger und Truppen verbreiten lies;. Sie wird ober auch dodilrch bezeugt, dos; in den von kaiserlich-deutschen Truppen besetzten Gebieten Russisch-Polens offiziöse jiddische Organe. der deutschen Verwaltung (״Lodzer Volksblatt" und ״WorsclMler Tagblatt") erscheinen, ja in, letzter Zeit ein offizielles Amtsorgan, dasjenige in Bialpstok, Mister in deutscher und polnischer, auch in jiddischer Sprache and in hebräischer Schrift heransge'geben wird. 2. Die golizischeu und bukawinischen, sowie die Juden der okkupierten Gebiete Nussisch-Polens beherrschen zmn ollergröstten Teile keine andere Schriftsprache als die jiddische, .zuweilen o>uch die Hebräische, und bedienen sich daher auch in ihrer gesamten Korrespondenz, sowohl der pri- Voten als auch der geschäftlichen, der einen und zuweilen der zlveiteu Sprache, jeden falls aber der hebr. Schrift. Die Millionen von mit hebräischen Schri stzeichen beschriebenen Korrespondenzkarten - - ganz abgesehen von den geschlossenen Briefen -- die in normalen Zeiten und darüber hinaus bis ziim Erlasse des eingangs erwähnten Vorbotes von allen Postanstalten Galiziens und der Bukowina. (sowie Russisch-Polens) befördert wurden, machen jeden weiteren Beweis überflüssig. — In Galizien und der Bukowina, sowie ihn den unter österreichisch-ungarischer, bezw. deritscher Verwaltung stehenden Gebieten Nrissisch- Polens erscheinen Bücher und Zeitungen in jidbischer und in hebräischer Sprache, die sich sehr starker Verbreitung unter den Juden dieser Läuder erfreuen und deren Verleger uaturgnnäst auf eine rege redaktionelle mrd admi!n>1'!strative Korrespondeuz in den genannten Sprachen äugewiesen sind. Unterwiesen Umständen bedeutet das Berbot der Korrespondenz iin hebr. Schriftzeichen für die davon betroffene jüdische Bevölkernng: 1. Eine Behindernug des Privaten, Hauptsächlich den Bedürfnissen kies Familienlebens entsprechenden Briefwechsels, eine B-ehin,deruug, die doppelt schmerzlich von denjenigen empfninden lvird, die das Ftüchtli'ngslos oder die Ausübung der Wehrpflicht im Felde von ihren Angehörigen getrennt bat, oder die Angehörige von geflüchtoten Zivilpersonen und kämpfenden Soldaten sind. 2. Eine Be k, in der!!»ig des brieflichen Geschästsverkehres und damit eine schloere Schädiguug der legitimen lvirtschaftlicheu Interessen von hundert tausenden österreichischen Staatsbürgern, die unter den kriegerischen Ereignissen olxnsühin genug zu leiden haben. 5. Eine Unterbindung der'ge.schäftlichen und redaktionellen Tätigkeit von Zeithnlgen und Verlagen in kr Weise, das; diese Untevnehnulngen die Manuskripte nicht bekommein können, die sie kr Zensur vorzulegen haben, ja selbst Inseratentexte, wenn sie in hebräischen Schriftzeichen geschrieben sind, nicht zngesteklt erhalten. Das ergebenst gefertigte Präsidimu nimm au, das; das mehrerwähnte Verbot der Korres Poudeuz in-hebräischen Schriftzeicheu in dem Be׳ sieben die Kontrolle zu erleichtern, seinen Grand hat. Demgegenüber gestattet es sich folgendes anzuführen: 1. Das vielleicht ans demselben Grunde erlassone Verbot der Korrespondenz in cyrillischen Lettern wurde über Eiiisscheiten ruthenischer Interessenten wieder aufgehoben. 2. Für den Gefangenen-Briefverkehr ist kein Verbot der Korrespondenz in hebräischer Schrift erlassen, sondern ganz in, Gegenteil ein besonderer Zensurdienft organisiert worden. 2. An Zensoren für die in hebr. Schrift geschriebenen Briefschaften kann es nicht mangeln. Solche sind auch jetzt tätig: I»n! geunnnsmnen Zentralnnchweie-bnreml des f. n. f. Krie!gc׳mi«nisternuns gibt es eine hebr. Ze!ünr׳n״׳PPe für die Gesangenenkorrespondenz. Zensoren für Jiddisch und Hebräisch gibtes bei den Prestpolizeien i 11 Wien, Sirafau n. Lemberg, sowie bei der Staats- Polizei Wien. Am Ober-Landesgericht Wien wirlen vier beeidete Sachverständig^. Der Heranzielmng tveiterer Kräfte steht bei dr vorhandenen grosten Zahl verlästlicher and für diesen Dienst geeigneter Personen nichts im Wege. Fnsbesondere würden sich gewiß auch die jüdischen Mild tärseelsorger mit Fvgnde dem Zensurdienste Widnwn. Das ergebenst gefertigte Präsidium glaubt, das; es ans allen diesen Gründen nu,r billig und nicht schwierig ist, den heimischen jüd. Bürgern und Kriegern dieselbe Rücksicht angedeihen zu lassen, die gegenüber den gefamgenen jüdischen Angehörigen feindlicher Armeeir ohneweitcrs mch mit Riecht geübt wird, und stellt daher an das hohe k. n. k. Armee-Oberkom'iimndo die ergebene Bitte, die Anfbebnng des die jüdische Bevölkerung in so bohe m Ma ste schädi geudeu Verbotes der Korresponheuz in hebr. Schriftzeichcn zu verfügeir. Synagogengesang im Leopoldstädter Tempel der Tempelgaffe. R'egelmästig begMwu׳ wir i!t׳ Tagesblätte.rn deu Ankündigungeu von bevorsteheuden kirchenimlsikaUscheu Anfführrmgen aulästlich der Son»rnud Feiertage. Sie׳ tragen lveseutlich dazu best Auhachts- und Kunstsinn׳ gleicher umstell zn Wecken nnd auf die Menschen veredelnd eilrzuwirken. Was aber in jüdischen Gotteshäusernj ad masorem der glorianr erklingt, erfahreir wir in Ermangelnng einer vorherigen Anzeige e!rst an׳ heiliger Stätte selbst; wir verlassen diese iirnerlich erbaut und zehreil lange nachher an׳ dem Gen!nsfe des Gehörteil. Dan »ml dürfte es Wohl weitere Kreise interessieren, wenn wir ihre Aufmerksamkeit mlf die herrlichen Vorträge loirkeii, inkk denen Herr Ober-Katnitor Josef Morgenstern an׳ Sabbat- -und Feiertagen feine Funktionell erfüllt. Im aklgemeinen Wohl ans den befammten populär gewordeilen Sulzer'schen Tonsatzn>ngen mit Männer- 11111(1) Knabcnchor benchend, versetzen uns jene׳ Momente, die dem Sänger freien Llans lassen, in die altehrwürdige Chasanzeik frühereir Iahrhnndevte, deren traditionelle Melodien uns muso innliger benücken, als sie in moderner Fassung kunst-!gerecht an nn!ser Ohr dvhrgeil. Der älteren׳ Generation werden hiebei anheimelnde Jugenkriinnernngen wach nnd die Jugend gibt sich gerne km Zauber altsüdischer Weisen hin, sobald sie die Sprache des Gebetes erfasst und verstehen ge- -lepilü hat. Solche -eindrucksvokte Momenite bilden am, Freitag Abend n. a. Haschkitoenn, Kidnsch, am Sabbatinorgen der Iischtabach, die Nczikatiein, des Mnstaphgebetes, die Anckündigilng des Nenmojudes 1'ind insbesondere am Sabbatuenmondstage das Hallel n,nd ״Ato j׳nza׳rto." Noch jetzt klingen dem Schreiber dieser Zeilen vom letzten Hallel her die oratorischen Klänge der Hymna: ״Lo omnst, ki echejo" im Ohr nach. In G-Moll anhebend, erfährt dieses Rezitativ ililZmer größere Steigerungen, um im Anschlüsse an das inbelnde Hosianlnah וווו feie-rtichen B-Dur glanzvoll ans.giklingeu. Die Wirkung dieser traditionellen Gesäuge i!st eine! geradezu erhebende lind gelangt ׳kn»» auch!in -der feierlichen Andacht und Stille zum keluntl.icheu Ausdrncke, die sich des zahlreichen Publikuius, gegenwärtig vorwiegend aus km Osten des Reiches, benlächtigen — ein hohes Verdienst ihres keliukl.lsreichen und mit einer klangvollen Tenorstimme begabten Interpreten. A. L. Der jüdische Soldat. Bon Dr. Morris Nosenfeld. Bei Plewna l-iegt's. 's geht hl rudert Schritt hin׳ab, Dort liegt's. Ein Grab. Kein Mensch weist von dem Grab. Hin׳ dringt kaunl Menschenlan.t, kaum Vogelschrei'in. Dort llegt eschtuillm und hart. Kein- Kranz, kein Stein׳. Dorthin bringt kanin ein Frühling Halm und Blatt — Dort unten ruht ein jüdischer Soldat. Ein Iind', ein Mann, verblniet in der Schlacht, Die Rstistland seinen׳ grosteu Tag gebracht. R'acht ist's. R'iligs schliefen alle Dinge eine Die tote Stille möcht' noch stiller sein. Da zählt die Tngn'.nhr zag d!ie Äcitternmht Und Plötzlich ist ein dumpfer Sn-rm erwacht,

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